Eigentlich ist alles gesagt: Mad Max: Fury Road (2015)

Spoiler Alarm: Ich rede im Folgenden auch über das Ende des Films. Wer ihn also noch sehen will, sollte das vor dem Lesen tun!

Was kann ich zu Fury Road sagen, dass nicht schon hundertfach in anderer Form zu finden ist? Wie gut es ist, dass George Miller nach sprechenden Schweinen und tanzenden Pinguinen wieder bei fahrenden Irren gelandet ist? Dass es ein Adrenalin Nitromethan-getriebener Höllenritt ist? Dass Tom Hardy ein würdiger Nachfolger für Mel Gibson ist? Dass es eigentlich Imperator Furiosas Film ist? Mich in die Frage einmischen ob der Film nun feministisch sei oder nicht?

Nö, ich möchte über einen anderen Aspekt reden, der mir bei meiner zweiten Sichtung aufgefallen ist: der Umgang des Films mit Behinderung. Allein die Tatsache, dass Imperator Furiosa nur einen Arm hat aber in keiner Weise über diese Behinderung definiert wird ist für einen Mainstream-Film schon bemerkenswert, ebenso ihr eigener pragmatischer Umgang mit ihrer Prothese, der umso auffälliger ist in dieser Welt, in der Technologie mystifiziert und verehrt wird (man denke an die Szene mit dem Lenkradbaum). Interessanter wird es dann, wenn man sie dem Antagonisten des Films, dem perfektionsbesessenen Post-Faschisten Immortan Joe, gegenüberstellt. Er selbst ist nicht nur umgeben von „Imperfektion“, sei es nun durch Versehrung oder Strahlenmutation, sondern gleich zu Beginn sehen wir seinen eigenen zerstörten Körper, wie er in Plastik eingeschweißt wird, um eine Illusion zu schaffen. Da wundert es dann nicht , wenn am Ende Furiosa ihre Prothese opfert um Joe seine Atemmaske (seine Prothese und gleichzeitig Symbol seiner Macht) herab zu reißen. Sie verliert ein Werkzeug, er verliert seine Macht, sein Gesicht (im wahrsten Sinne des Wortes) und sein Leben.

Und Joe und Furiosa, so unterschiedlich sie auch seien mögen, repräsentieren die Mächtigen dieser postapokalyptischen Welt, diejenigen, die Prothesen haben, im Kontrast zu den Menschen, die am Fuße von Joes Zitadelle leben und eben keine haben. Die Mächtigen dieser Welt sind vielleicht sogar gerade mächtig eben weil sie Prothesen haben, denn was sind die Fahrzeuge in dem Film anderes als Hilfsmittel um in einer feindlichen Umwelt überleben zu können. Selbst andere Menschen werden zu Prothesen und Werkzeugen, seien es die Warboys die Joe zu seinem Zweck manipuliert und verbraucht, seine Frauen oder Max, der als Blutbeutel und als Stativ fürs Präzisionsgewehr herhalten muss.

Was ich sagen will: Behinderung wird in diesem Film genutzt um viele seiner Themen zu beleuchten: Macht und Ohnmacht, Pragmatismus und Mystizismus, Autonomie und Interdependenz. Doch allein durch seine letzte Szene, eine triumphierende Furiosa (ohne Prothese) umgeben von feiernden entstellten und versehrten Menschen, ist ein ist ein kraftvoller Aufruf zu offenem und integrativem Umgang mit Krankheit und Behinderung. Und das ist gut. Genau wie der Film.

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Ein Gedanke zu “Eigentlich ist alles gesagt: Mad Max: Fury Road (2015)

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