Das ist auf Youtube!: Sherlock Jr. (1924)

Joseph ‚Buster‘ Keaton wurde 1895 in eine Vaudeville-Künstlerfamilie geboren und trat seit frühester Kindheit mit ihnen auf. Schnell stellte sich heraus, dass Busters Talent darin lag zu stürzen oder Schläge einzustecken, ohne sich dabei zu verletzen. Kurz, er war ein Stuntman (ein Begriff, der tatsächlich im Vaudeville zum ersten Mal benutzt wurde). Er merkte bald, dass das Publikum besonders lachte, wenn er im Gesicht keinerlei Regung zeigte, egal was passierte. Das brachte ihm den Spitznamen ‚Old Stoneface‘ ein.

Mit Anfang 20 wurde er Nebendarsteller in den Filmen von Roscoe ‚Fatty‘ Arbuckle. Er fiel hierbei so positiv auf, dass er ab 1920 seine eigenen Filme drehen durfte.

Die originalen Dick und Doof? Keaton und Arbuckle (Arbuckles Karriere endete 1921 äußerst unlustig unter Vergewaltigungs- und Mordvorwürfen)

Die originalen Dick und Doof? Keaton und Arbuckle (Arbuckles Karriere endete 1921 äußerst unlustig unter Vergewaltigungs- und Mordvorwürfen)

So entstand 1924 der hier zu sehende ‚Sherlock Jr.‘ , welcher allgemein als sein erstes Meisterwerk gilt. Er spielt einen Filmvorführer und Möchtegerndetektiv, der sich in die Handlung eines Filmes hineinträumt. Er zeigt, dass er zum einen seine Lehren aus dem Vaudeville gelernt hat: der Film ist 45 Minuten lang, keine davon ist verschwendet, der Zuschauer hat gar keine Chance sich zu langweilen. Zum anderen hat er aber auch sein neues Medium absolut verstanden: er wechselt zwischen Film und Film-im-Film hin und her, arbeitet mit Kameratricks, die seinen Zeitgenossen Rätsel aufgaben und nutzte ein halbes Jahrzehnt bevor Salvador Dali und Luis Bunuel sie salonfähig machten, surreale Elemente, wenn sein Charakter zwischen den Szenenschnitten hin und her geschleudert wird. Der Film war ein kommerzieller Misserfolg.

Für die nächsten Jahre war Keaton bei ‚United Artists‘ unter Vertrag, wo er weiterhin kreative Freiheit genoss und 1926 sein größtes Meisterwerk schuf: ‚The General‘ in dem es um die Abenteuer eines Mannes und seiner Lokomotive während des Amerikanischen Bürgerkrieges geht (und der immer mal wieder mit Livemusik im Kino zu sehen ist – wenn man die Chance hat: unbedingt ansehen!).

Nachdem kaum einer von Keatons Filme Geld eingespielt hatte wurde ihm vom UA Management 1928 nahegelegt einen Vertrag bei MGM, die händeringend einen Komiker suchten, zu unterschreiben. Freunde und Kollegen warnten ihn, dass er alle Freiheiten verlieren würde. Charlie Chaplin sagte ihm: „Sie machen Dich kaputt, indem sie versuchen Dir zu helfen.“ Er sollte Recht behalten. An seinem ersten Film für MGM (quasi ein Werbefilm für William Randolph Hearst) arbeiteten (laut Keaton) 22 Autoren. Bald drehte er Filme, die er hasste. Doch und das war das Schlimmste für ihn, sie machten eine Menge Geld. Er begann an sich selbst zu zweifeln, litt an Depression und flüchtete sich in Alkohol und Affären bis er für MGM untragbar wurde.

Andere Zeiten, anderer Umgang mit Alkoholismus: Keaton in einer Werbeaufnahme für Smirnov Wodka

Andere Zeiten, anderer Umgang mit Alkoholismus: Keaton in einer Werbeaufnahme für Smirnoff Wodka 1957

Den Wechsel zu MGM bezeichnete er später in seiner Autobiographie als den größten Fehler seines Lebens.

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