Gestern Gesehen: Junun (2015)

„India is an interesting country. No toilet, no shower but 24 hours full power.“

– Nathu Lal Solanki, Naghara -Spieler

Ein großer Wurf für die kleine VOD-Seite Mubi, die die neue Musik-Doku von Paul Thomas Anderson (The Master, There Will be Blood), seit der Festivalpremiere am 8. Oktober für 30 Tage exklusiv zeigen kann.

Die Dokumentation begleitet die Zusammenarbeit, zwischen dem israelischen Komponisten Shye Ben Tzur, ‚Radio Head‘ Gitarrist Jonny Greenwood und einer bunt gemischten Gruppe Musikern vom indischen Subkontinent, die sich den übergreifenden Namen ‚The Rajasthan Express‘ gegeben haben. Die Musiker trafen sich in der alten Festung Mehranghar in Nordwesten Indiens um hier ein Album aufzunehmen.

Das ist auch quasi alle Information, die der Zuschauer erhält, bevor er sich in medias res inmitten der Musiker widerfindet. Die Musik spielt fraglos die Hauptrolle in dem knapp einstündigen Film. Eine wilde Mischung aus Blas- und Perkussionsinstrumenten, mit begleitenden Gitarren und Gesang, die es schwer macht, die Füße still zu halten. Begleitende Interviews gibt es wenige, meist sind es beiläufige Bemerkungen, die zur Kamera gemacht werden. Und der für viele wahrscheinlich erwartete ‚Hauptdarsteller‘ Jonny Greenwood spricht weniger als 10 Worte über den ganzen Film verteilt.

Viel wichtiger: die wortlose Kommunikation zwischen den Musikern, die Fähigkeit Worte in einer Sprache zu singen, die man selbst nicht beherrscht. Musik ist hier das verbindende Element und der Film verbindet sie mit Geschichte und Natur, mittels beeindruckender Aufnahmen der Festung und Landschaft, aber auch mit der umgebenden Kultur, wenn sich die Kamera in das Gewirr der nahen Stadt Jodphur begibt.

Die Kameraarbeit ist für den erklärten Perfektionisten Anderson teilweise erstaunlich amateurhaft, hier ist das Bild unscharf, da wackelt ein Schwenk ganz erheblich. Doch hätten Schnitte und Wiederholungen den Lauf der Musik unterbrochen und Anderson scheint klar zu sein, dass er hier nur Beobachter ist. Die Tatsache, dass ein Großteil seines Equipments im Zoll festhing wird ihr Eigenes beigetragen haben. Umstritten ist sein Einsatz von Drohnen, allerdings fand ich es einen der beeindruckendsten Momente, als die Kamera inmitten der Musiker startet, aus dem Fenster gleitet und in einer Aufnahme von Greifvögeln über der Feste endet.

FAZIT: Der Film ist eher musikalische Meditation als Zusammenstellung informativer Fakten und als solche funktioniert er sehr gut.

8/10 Tauben, die von ‚Radio Head‘ Produzent Nigel Godrich mit ’nem Stativ verjagt werden

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