Letzte Woche Gelesen: Der Papyrus des Cäsar (2015)

Wie? Was ? Gelesen? Asterix? Das ist ja gar kein Film auf Deiner dämlichen ‚Filmlichtung‘ hier, Du Dödel!

Zwei Dinge:

  1. Wow, unfreundlich (und ernsthaft? Dödel?)!
  2. Das ist mein Blog und ich kann machen was ich will!!

Der obige Text ist ein Auszug aus meinem kommenden Buch ‚Shitstorm einfach selbstgemacht‘, Fremdschämverlag 20niemals.

Aber ernsthaft: ich denke eine Comic-Besprechung hat hier ihren Platz, da Film wie Comic visuelle Erzählmedien sind die ihren jeweiligen Erfolgszug im 20. Jahrhundert angetreten haben und am Anfang des 21. Jahrhunderts quasi miteinander verschmolzen sind (zumindest sofern im Comic Leute in engem Spandex und der Unterhose über der Hose vorkommen.

Vor zwei Jahren haben Szenarist Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad ihren ersten Asterix-Band ‚Asterix bei den Pikten‘ abgeliefert. Sie traten damit ein äußerst schizophrenes Erbe an. Einerseits, das Erbe der quasi uneinholbaren Bände der 60er und 70er, von René Goscinny genial getextet, von Albert Uderzo kongenial gezeichnet. Andererseits das Erbe der späten, von Uderzo allein geschaffenen Bände, die spätestens seit ‚Asterix und Maestria‘ nur noch schwer zu ertragen waren. Meinem Empfinden nach landeten die’Pikten‘ irgendwo genau dazwischen und waren damit besser als alles was in den letzten 20 Jahren an Asterix-Neuheiten erschienen ist. Die Preisfrage: konnte die Tendenz fortgesetzt werden? Antwort: joah.

Zur Geschichte: Julius Cäsar steht kurz vor der Veröffentlichung seiner ‚Kommentare zum Gallischen Krieg‘ (‚ein griffiger Titel, o Cäsar‘) als sein windiger Verleger Rufus Syndicus, ihm rät das Kapitel über die unbeugsamen Widerstandskämpfer aus einem kleinen Küstendorf zu zensieren, wenn er vom Senat weitere Feldzüge finanziert bekommen möchte. Cäsar ist nicht begeistert, erkennt aber den Vorteil eines ungehinderten Cashflows. Syndicus lässt alle Papyri die Kopien des Kapitels enthalten zerstören. Doch Schreiber Bigdatah stiehlt eine Kopie (Legionär Datenflus hält ihn nicht auf) und spielt sie einem Kolporteur der ‚Gallischen Revue‘ namens Polemix zu. Der flüchtet sich in das bekannte gallische Dorf und Rufus Syndicus setzt die Maschinerie des Imperium Romanum in Bewegung um den Papyrus (und den Kolporteur) in die Finger zu kriegen.

Kommt einem bekannt vor das Szenario, oder? Die Tatsache, dass Polemix Gesichtszüge denen von Julian Assange ähneln trägt ihren Teil dazu bei (laut ‚Welt‘-Bericht hätte Polemix beinahe Wikilix geheißen). Informationskrieg, Meinungsmache, Whistleblower. Keine Frage, Asterix ist im 21. Jahrhundert angekommen. Aber ohne das geliebte Antike-Setting dadurch in irgendeiner Weise zu schädigen. Alle modernen Anspielungen sind sehr elegant eingefügt. Ein Beispiel: die Römer verschicken Kurznachrichten, mittels Tauben, was den stets erfolglosen Seeräubern eine Gelegenheit zur handfesten Datenpiraterie gibt.

Wortwitze gibt es quasi auf jeder Seite, fast zu viele und längst nicht alle zünden, einige gute Running Gags, wie Obelix‘ Horoskop, welches ihm rät sich von Konflikten und Wildschweinen fernzuhalten, funktionieren oftmals besser. Visuelle Gags und Prügeleien gibt es auch genug.

Der einzige Vorwurf, den ich machen kann: am Ende bleibt das Gefühl, dass man aus der Grundidee mehr hätte machen können. Die eigentliche Handlung bleibt erstaunlich höhepunktsfrei.

Auf der zeichnerischen Seite ist zu merken dass Conrad jetzt seinen eigenen Stil einbringt (wahrscheinlich eher: einbringen darf) und sich vom reinen Uderzo-Epigonentum entfernt. Das ist natürlich erst mal gut, hat aber auch zur Folge, dass einige Zeichnungen fahriger wirken als bei Uderzo zu besten Zeiten.

Sehen wir es ein: Asterix macht zu viel Geld um in absehbarer Zukunft eingestellt zu werden. Und da ist es mir viel lieber, wenn neue Szenaristen und Zeichner gelungene Arbeit abliefern als das Uderzo in alle Ewigkeit Unsinn schreibt. Von daher geht der Band in eine sehr gute Richtung.

2/3 Tocks, die spinnen die Römer

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3 Gedanken zu “Letzte Woche Gelesen: Der Papyrus des Cäsar (2015)

  1. Pingback: Letzte Woche gelesen: ‚Asterix in Italien‘ (2017) | filmlichtung

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