Gestern Gesehen: World’s Greatest Dad (2009)

WARNUNG: Im Folgenden schreibe ich einiges zur Handlung von ‚World’s Greatest Dad‘. Ich werde zwar nicht das Ende verraten aber es ist einer dieser Filme, die (denke ich) am besten sind wenn man praktisch gar nichts weiß. Wer sich also an „Spoilern“ stört und den Film gern sehen würde ist gewarnt.

Robin Williams spielt Lance Clayton, einen High School Englisch Lehrer, der viel lieber (erfolgreicher) Autor wäre. Gleichzeitig ist er alleinerziehender Vater eines (ich finde kein anderes Wort) grauenhaften Teenagers. Kyle (Daryl Sabara) ist an nichts interessiert außer Internetpornografie. Je grafischer, desto besser. Sein Umgang mit Mitschülern und Lehrern ist geprägt von Kraftausdrücken und absoluter Verachtung. Wäre Lance nicht Lehrer an der Schule hätte sein Rektor Kyle schon auf eine Sonderschule überwiesen. Dann stirbt Kyle während einer . . . ausgefallenen autoerotischen Praxis, während er Bilder von Lances neuer Freundin betrachtet. Lance findet ihn und, da er ihn als Vater trotz allem geliebt hat, täuscht er einen Selbstmord vor und schreibt sogar einen Abschiedsbrief in Kyles Namen. Dieser Abschiedsbrief macht in der Schule die Runde. Er zeugt von emotionaler Tiefe und einer Weisheit, die niemand bei Kyle vermutet hätte. Schüler und Lehrer erwähnen plötzlich, wie sehr sie Kyle eigentlich doch gemocht haben und für Lance ergibt sich die Chance seinen Autorentraum zu leben als er „Kyles“ Tagebuch zu schreiben beginnt.

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Plötzlicher Respekt für Vater und Sohn; Adam kontempliert sein Handeln

Der Film ging an einige sehr finstere Orte. Und ich habe gelacht, wie verrückt. ‚WGD‘ erreicht exakt, was eine gute schwarze Komödie sollte: er ist sehr lustig und er macht doch nachdenklich. Von den Filmen des Regisseurs Bobcat Goldthwait (ja, wirklich) ist dies ohne Frage der Beste. Goldthwait und Williams waren beste Freunde seit den 80er Jahren, als sie sich im Standup-Comedy Bereich getroffen haben. Adam Clayton ist eine für Williams maßgeschneiderte Rolle. Er vermeidet hier die oft „williamstypische“ Lautstärke und spielt in einer sehr stillen Rolle einen Mann, der zunächst aus Liebe, später aus eigennützigen Gründen, mehr und mehr unmoralisch handelt und der Zuschauer sieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie die Fallhöhe immer erschreckender wird, für den Moment, wenn sein Kartenhaus unweigerlich einstürzt. Das Ende hält eine gewisse Erlösung für ihn bereit, die manche Kritiker als unpassend und seicht empfunden haben, die für mich aber genau richtig war.

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Trauer an ungewöhnlicher Stelle

„De mortuis nil nisi bene“ (von den Toten, nichts als Gutes) dieser Spruch geht angeblich auf Chilon von Sparta und damit etwa 600 Jahre vor Christus zurück. Wir neigen dazu über Verstorbene besser zu denken als wir es zu ihren Lebzeiten getan haben. Das gilt im persönlichen Bereich aber auch im öffentlichen Leben. Es ist ja quasi schon ein Klischee, dass die Preise für die Werke eines Künstlers in die Höhe schnellen, wenn er stirbt. Wenn dann noch ein Selbstmord vorliegt, wird schnell nach großen und tiefen Gründen gesucht. Und damit sind wir dann an jenem unangenehmen und tragischen Punkt, wo die Fiktion von der Realität eingeholt wird. Es wird für die nächsten 50 Jahre wohl unmöglich sein über ‚WGD‘ zu sprechen, ohne den Selbstmord von Hauptdarsteller Robin Williams im letzten Sommer zu erwähnen. Ich bin allerdings weder in der Lage, noch Willens hier in irgendeiner Weise eine Meinung über den Selbstmord oder über Trauerbekundungen zu bekunden. Oder wie sie meine Rezeption dieses Films beeinflusst haben. Nach dem Film wahrscheinlich noch weniger als vorher. (siehe auch Kommentar 1 unter dem Beitrag)

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Goldthwait in einer Minrolle mit Williams

Die allgemeine Meinung scheint jedoch, dass ‚WGD‘ ein würdiger Schwanengesang für Robin Williams ist. Und dem stimme ich unumwunden zu. Es ist kein Meisterwerk aber sticht aus Williams‘ eher schwachem Spätwerk doch meilenweit hervor.

FAZIT: Höchst gelungene und tiefschwarze Komödie

8/10

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