Gestern Gesehen: Black Sea (2014)

Regisseur Kevin Macdonald interessiert sich in seinen Filmen vornehmlich für komplexe Beziehungen und Konflikte zwischen Männern. Das gelingt mal besser (Der letzte König von Schottland) und mal schlechter (Der Adler der Neunten Legion). Doch sein kleiner aber feiner U-Boot-Thriller aus dem letzten Jahr ist in Deutschland etwas untergegangen (harhar). Zu Unrecht, wie ich finde.

Robinson (Jude Law) der jahrelang als U-Boot-Kapitän für eine Bergungsfirma gearbeitet hat wird eines Tages aus heiterem Himmel entlassen. Zu Frau und Kind hat er keinen Kontakt mehr und so gerät er in einen Strudel aus Hoffnungslosigkeit. Da kommt es gerade recht, dass er und sein russischer Freund Blackie (Konstantin Khabensky) von einem Bekannten die Geschichte eines U-Bootes hören, dass im zweiten Weltkrieg beladen mit Tonnen von Nazigold im Schwarzen Meer vor Georgien gesunken sein soll. Nachdem sie einen Sponsor ausfindig machen, der ihnen, für eine massive Beteiligung, ein U-Boot überlässt, stellen sie ein Team aus russischen und britischen Glücksrittern zusammen, die ebenso verzweifelt sind, wie sie selbst. Verzweifelt genug, um in einem U-Boot mit der russischen Schwarzmeerflotte Katz und Maus zu spielen. Doch als sich ihr Boot als rostiger Seelenverkäufer herausstellt kommt es schnell zu Konflikten zwischen den Männern. Und die Tatsache, dass jeder einen gleichen Teil der Beute erhalten soll führt für einige zu der einfachen Rechnung, dass weniger Männer mehr Geld bedeuten.

 

vlcsnap-2015-12-07-16h11m26s5

Dreimal dürft ihr raten wer nicht aufs schrottige U-Boot muss

‚Black Sea‘ ist ein Teil ‚Schatz der Sierra Madre‘, ein Teil ‚Lohn der Angst‘ und ein Teil ‚Das Boot‘, gewürzt mit Anspielungen auf aktuelle wirtschaftliche Situation und aktuelle Krisen. Jude Law überzeugt als Captain Robinson, der mit viel Energie und literweise Testosteron seine ungleiche Mannschaft zusammenzuhalten versucht. Die Konflikte brechen an glaubwürdigen Sollbruchstellen aus: zwischen Briten und Russen sowie zwischen allen Beteiligten und dem Stellvertreter des Geldgebers, den alle nur verächtlich den Bänker nennen. Die Angst vor einem Leben aus undankbarer Knochenarbeit wird als Motivation bald von der Gier nach Gold abgelöst. Und von der Paranoia übervorteilt zu werden. Aberglaube und Fremdenfeindlichkeit tragen ihren Teil bei, dass das Blut zu fließen beginnt.

vlcsnap-2015-12-07-16h09m25s197

OhOh! Jemand hat Jude Law wieder mit Ewan McGregor verwechselt und ihn gefragt, wie es war mit JarJar Binks zu arbeiten!

Diese Szenen fängt MacDonald in einer klaustrophobischen meist in hartes blaues oder rotes Licht getauchten Atmosphäre ein. Ein großer Teil der Szenen entstand auf einem tatsächlichen U-Boot. Ein Umstand der dem Film sehr zu Gute kommt.

vlcsnap-2015-12-07-16h10m48s144

Der „Bänker“ ist so sehr Kapitalist, dass er selbst im U-Boot nicht auf die ‚Financial Times‘ verzichten mag

Der Film erreicht zu keinem Moment die Klasse seiner Vorbilder aber die gelten ja auch nicht zu Unrecht als Klassiker. Was er macht – den Zuschauer davon abhalten 90% der Fläche seiner Sitzgelegenheit zu nutzen – macht er sehr gut. Wenn ich einen Negativpunkt anbringen muss, dann wären das die weichgezeichneten Rückblenden auf Robinsons Familienleben, die den Film regelmäßig zum Stillstand bringen. Allerdings ist alles drum rum spannend genug, dass man die kurzen Momente der Erholung brauchen kann.

FAZIT: 12 wütende Kerle in einem Dampfkochtopf auf dem Meeresboden. Nicht neu aber verdammt gut umgesetzt.

8/10 leicht holprigen schottischen Akzenten

Advertisements

Ein Gedanke zu “Gestern Gesehen: Black Sea (2014)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s