Gestern Gesehen: Turbo Kid (2015)

Achtung, Achtung, Tatü, Tata: im folgenden Trailer verteilt sich künstlicher roter Lebenssaft in humoristischer Weise in der Landschaft. Wer das nicht sehen will, beziehungsweise einen Chef, Lehrer, Lebensgefährten, Kinder, Eltern, echte Freunde, imaginäre Freunde oder Schutzengel hat, die nicht wissen sollen, dass ihr sowas guckt sollte den Trailer nicht ansehen.

Wisst ihr was im Kino derzeit in ist? Superhelden? Offensichtlich! Remakes? Klar! Transformers? Reden wir nicht drüber! STAR WARS? *unverständliches, hysterisches Geschrei*! Jugendbuch-Trilogien-bei-denen-das-letzte-Buch-in-zwei-Filme-geteilt-werden-muss? Immer! Aber ein beständiger Trend, nicht nur im Kino, sondern auch bei Videospielen und Musik ist etwas, das ich gerne „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“ nenne. Hollywood-Großprojekte, wie ‚Guardians of the Galaxy‘ nutzen 80er Hits, eine ellenlange Reihe von Indie-Horrors versucht sich an John Carpenters Synth-Sound (siehe z.B. ‚It Follows‘ auf Eurem drittliebsten Blog).

Wenn allerdings millionenschwere Filme, mehr als nur die Musik hernehmen und vollends „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“ sein wollen, geht das meist schief. Die Adam Sandler Daddelautomaten Komödie ‚Pixels‘ zum Beispiel gilt nicht gerade als spaßig (aber hat natürlich, wie jedes Sandler-Projekt, auf quasi-magische Weise Gewinn generiert) aber ein wirklicher Flop scheint sich in den USA für ‚Jem and the Holograms‘ abzuzeichnen, der auf einer, mir nicht bekannten, 80er Fernsehserie beruht (und ganz am Rande von „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“ zu stehen scheint; ‚Transformers‘ oder ‚GI Joe‘ sind für mich nicht „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“, da sich deren Ästhetik zu sehr von den 80er Wurzeln entfernt hat). Kann eine kanadisch-neuseeländische Koproduktion mit deutlich geringerem Budget das also besser?

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„Bei der Macht von Copyright, ich darfs nicht sagen!“

Wir schreiben das Jahr 1997. Die Welt liegt in Trümmern. Der Jugendliche „The Kid“ (Munro Chambers) lebt allein in einem Bunker, sammelt verwertbaren Schrott und tauscht den in einer nahen Siedlung gegen Wasser und „Turbo Rider“ Comics. Eines Tages trifft er auf die seltsam manische Apple (Laurence Leboeuf), die er nicht mehr los wird. Nach anfänglichem Zögern freundet er sich mit ihr an, als sie prompt von Schergen des Wasteland-Bosses Zeus (Michael Ironside) entführt wird. Auf der Suche nach ihr lernt Kid, dass Turbo Rider keine Fiktion ist, da er dessen Leiche findet. Der nimmt er prompt die Ausrüstung ab, vor allem den Laser-verschießenden Turbo-Glove. Doch mit der Befreiung Apples ist es nicht getan, „Turbo Kid“ und der Profi-Armdrücker Frederic (Aaron Jeffery) wollen Zeus zur Strecke bringen. Doch zahlreiche Schergen auf BMX-Rädern stehen ihnen im Weg.

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This is my weapon! This is my Gnomestick!

„Mad Max auf’m BMX“, so umschreiben ungefähr vier Kritikerzitate auf der DVD Hülle den Film. Das ist ein wenig hochgegriffen. Der Film erreicht nicht die kinetische, frenetische Dauerenergie des irren Australiers. Aber er funktioniert trotzdem. Liebhaber von „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“ kommen hier voll auf ihre Kosten. Szenenzitate, Musik, Anspielungen, alles da. Aber das Wichtigste: die Charaktere sind sympathisch. Der Zuschauer fühlt mit Kid und Apple und möchte sie erfolgreich sehen und selbst Zeus ist ein Bösewicht den man gern hasst (was nicht zuletzt daran liegt, dass Michael Ironside erkennbar mindestens ebenso viel Spaß hat, wie die jüngeren Darsteller). Die Handlung ist sicher nichts Besonderes aber der Film lebt nicht allein von „HEY, ERINNERT IHR EUCH AN DIE 80ER?!?!?!“, wie zum Beispiel der Youtube Scherzfilm ‚Kung Fury‚. ‚Turbo Kid‘ kann auch Leuten gefallen, die null Interesse an den 80ern haben. Zwischendurch dachte ich – und das meine ich absolut positiv – der Film wäre exakt, was herauskäme, wenn die Jungen aus dem wunderbaren ‚Son of Rambow‚ ein Budget gehabt hätten. Ein vollkommen unzynischer, liebenswerter kleiner Film.

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„Wer zur Hölle ist Dennis Hopper? Und was zur Hölle ist ‚Waterworld‘?“

Hinweisen möchte ich noch darauf, dass die Altersfreigabe ab 16 ernst zu nehmen ist. Trotz der jugendlichen Hauptfiguren spritzt das Kunstblut hier literweise. Das ist zwar definitiv eher ‚Itchy und Scratchy‘ als ‚Das Phantom-Kommando‘ aber macht den Film für Kinder doch eher ungeeignet.

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Es ist nicht so schlimm wie es aussieht?

FAZIT: spaßiger Retro-Revival-Film mit sympathischen Darstellern.

8/10 Herzen

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Die übliche Reaktion, wenn Leute meine ‚Schwip Schwap‘-Vorräte sehen. Hey, das wollt‘ ich nicht posten! Wie löscht man das? Arrrgh! ICH BIN NICHT ‚SCHWIP SCHWAP‘ SÜCHTIG!

 

PS: Der obige Artikel möchte sich wder positiv noch negativ zum PepsiCo Artikel ‚Schwip Schwap‘ äussern! Es ist nur ein sehr 80er Jahre Produkt, das sich für einen Scherz angeboten hat. Es macht aber sicher nicht süchtiger, als andere kaustische Zuckerwasser!

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