Eigentlich ist alles gesagt: Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht

Wer den Film noch nicht gesehen hat sollte hier mit Lesen aufhören, sonst könnte man Dinge über die Verwandtschaftsverhältnisse von Yoda, Kermit dem Frosch und diesem Ding, das auf Jabba sitzt und lacht lernen, die man niemals wissen wollte und andere Dinge, die das Vergnügen des Filmschauens schmälern könnten!

So, Star Wars ist wieder da. Ich habe so rein für mich das Gefühl mehr müsste ich gar nicht schreiben. Da war ein Star Wars-förmiges Loch in meinem Nerd-Herzen von dem ich nicht mal mehr wusste. Die Prequels passten sicher nicht in dieses Loch aber die erwachende Macht? Fast perfekt. Und sicher das Gros der Film- und Star Wars Fans sieht das ähnlich und doch gibt es gerade im Internet teilweise sehr laute Kritik. Teile dieser Kritik kann ich nicht ernst nehmen: wer ein Problem damit hat, dass die Hauptrollen von einer Frau und einem Schwarzen besetzt sind, dem kann ich nicht wirklich helfen. Vor allem weil Daisy Ridley und John Boyega ganz hervorragend in ihren Rollen sind. Und diese Rollen, Rey und Finn, sind auch gut und sympathisch genug geschrieben damit ich als Zuschauer ihnen jeden Erfolg gönne. Rey steht als Person, in der die Macht sehr stark ist, in klarer Tradition zu den Skywalkers (und eine Verwandtschaft würde mich nicht wundern), während Finn als desertierter Stormtrooper definitiv etwas neues mit sich bringt. Man denke an seinen blutverschmierten Helm am Anfang, der ihn nicht nur von den anderen Stormtroopern abgrenzte sondern direkt klarmachte, dass dies ein Film ist in dem Menschen auf brutale Weise sterben können.

Ein anderer Kritikpunkt, dass der Film wissenschaftlich inkorrekt sei ist völlig korrekt und absolut belanglos. Das ist Star Wars, diese Filme mit Geräuschen im Weltall und SciFi-Magie. Und die Macht ist wieder vollkommen mystisch und magisch und hat aber auch gar nichts mehr mit irgendwelchen Mikroorganismen zu tun. Überhaupt scheinen die Prequels weitgehend ignoriert zu werden. Es gab eine Nebenbemerkung zu Klonarmeen, das war es aber auch. Obwohl ich gern eine Szene gesehen hätte in der C-3PO Leia informiert, dass das Grab von Senator Binks geschändet wurde – mal wieder. Und auch politische Meetings (vor CGI Hintergründen mit CGI „Charakteren“) wurden auf ein absolutes Minimum zurückgefahren. Die politische Lage ist sogar absichtlich sehr vage. Hat der Starkiller jetzt die ganze Republik zerlegt oder nur ein Teilsystem? Zukünftige Filme werden uns hier sicher Antworten liefern, doch wer politische Diskussionen in Star Wars vermisst sollte sich von einem guten Freund mit einem Gummi-Jar Jar auf den Kopf hauen lassen, bis er seine Meinung ändert.

Kommen wir zum ernstesten Kritikpunkt: der Film sei nur ein Anagramm von ‚Eine Neue Hoffnung‘ und Teilen von ‚Das Imperium Schlägt Zurück‘ und spiele damit absolut auf Sicherheit. Wie gesagt Rey ist sicher eine Luke-Variante, doch schon bei Han Solo als Obi-Wan Verschnitt hakt das Ganze. Der Han, den wir hier präsentiert bekommen ist nicht nur Harrison Ford in besserer Spiellaune als in irgendeinem Film der letzten zwanzig Jahre, nein er ist auch absolut wieder der kaltblütige Mistkerl, der zuerst schießt. Wenn wir ihn zuerst treffen transportiert er irgendwelche Tentakelmonster, die natürlich ausbrechen. Ohne zu zögern stößt er einen seiner Gegner in den Weg eines der Kuller-Cthulhus, um sein eigenes Leben zu retten. Aus seiner dysfunktionalen Beziehung mit Leia ist gar der Antagonist des Films entstanden. Und doch ist er charismatisch genug, das wir uns sofort wieder in ihn verlieben. Und Chewbacca zeigt das ein Alien-Charakter nicht nur Comic Relief sein kann: als Chewie, nach Hans brutalem Ende, allein im Cockpit des Millenium Falken sitzt hatte ich zumindest feuchte Augen. Ja, ich habe eine Träne verdrückt weil ein 2,50m großer zweibeiniger Weltraumköter seinen besten Freund verloren hat und es ist mir nicht im geringsten peinlich*! Doch, wo ich gerade den Antagonisten erwähnt habe: Ben Solo Kylo Ren ist der Anti-Darth Vader. Vader ist der Schwarze Ritter, emotionslos, mit unergründlichen Zielen. Kylo Ren wäre genau das gern, er ist eine Art Star Wars Neonazi, der die Verbrechen seines Großvaters verehrt, emuliert und sie übertreffen möchte. Doch wo Vader seine Emotionen unterdrückt und kontrolliert hat Ren die Impulskontrolle eines Schulamokläufers, wo Vader seine Maske zum Überleben benötigt ist sie für Ren ein Accessoire, um ein weichliches Gesicht zu verbergen und von Militärs wie Phasma und Hux ernster genommen zu werden. Nicht gänzlich erfolgreich, denn Hux hat kein Problem damit Ren anzuschwärzen. Man stelle sich vor ein imperialer Offizier hätte das mit Vader versucht. Wir erkennen in Ren Charakterzüge aus der wirklichen Welt wieder und diese machen ihn unheimlich im Gegensatz zu Vader, der direkt aus einer Mythologie zu schreiten schien und seine Faszination daraus zog (bis wir erfahren haben das er keinen Sand mag *Augenroll*). Und nun hat Ren seinen Vater ermordet und wurde, vermutlich zum ersten Mal, kräftig vermöbelt. Beides Dinge die seiner Psyche nicht gut tun können. Will sagen: im nächsten Film ist der noch schlimmer.

Und die sichere Seite? Abgesehen davon, dass es immer noch nicht wirklich sicher scheint einen Blockbuster mit Frauen und Minderheiten hauptzubesetzen, hat dieser Film die Cojones eine der beliebtesten Filmfiguren aller Zeiten um die Ecke zu bringen. Ermordet von seinem eigen Sohn. Das nächste Mal, wenn ich ‚Eine Neue Hoffnung‘ schaue und Luke und Obi-Wan in der Kantine den zwielichtigen Piloten treffen, werde ich wissen, wie er stirbt. Das ist nicht ängstlich und das ist nicht sicher, das ist mutig.

Klar, die Starkiller Basis ist ein Update des Todessterns, was der Film auch selbst anerkennt. Für den ersten neuen Film halte ich es aber für in Ordnung gewisse bekannte und beliebte Tropen zu verwenden. In den nächsten Filmen gilt es nun etwas gänzlich Neues zu erschaffen. Und ich bin endlich wieder gespannt auf Star Wars, sooo viel Star Wars. An dieser Stelle höre ich auf zu schreiben, obwohl ich noch Seiten mit Star Wars füllen könnte aber mal ernsthaft, wer will das lesen.

 

* Ich hoffe der nächste Film beginnt nicht damit, dass Chewie Lando Calrissian die schlechten Nachrichten überbringt, dem wäre ich emotional nicht gewachsen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Eigentlich ist alles gesagt: Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht

  1. Pingback: Eigentlich ist alles gesagt: Rogue One: A Star Wars Story | filmlichtung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s