Gestern Gesehen: Spring (2014)

Könnte jeder Film durch das Hinzufügen von Monstern verbessert werden? Charles Foster Kane wird von einem Skorpionmann durch seine Villa gejagt, haut ihm seinen Schlitten um die Ohren und bemerkt „Rosebud, du mieser *BIIIEEP*!“. Goldfinger hat Bond geschnappt und erklärt ihm „Ich erwarte nicht, dass Sie reden, ich erwarte dass Sie BLUGGA-BLUGGA-BLUGGA“ während sein Kiefer in fünf Richtungen auseinander klappt. Hm, vielleicht nicht unbedingt, doch Justin Benson und Aaron Moorhead, die Macher der intelligenten Genre-Verbiegung ‚Resolution‘, haben genau das hier versucht: ‚Before Sunrise‘ mit Monstern ist die perfekte Umschreibung von ‚Spring‘. Und das Erstaunlichste? Es funktioniert.

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Aaaaaawwww!

Nach dem schweren Krankheitstod seiner Mutter verletzt Evan (Lou Taylor Pucci) einen Mann bei einer Schlägerei und beschließt die USA zu verlassen. Er landet in einem italienischen Küstenstädtchen, wo er illegal für einen Bauern arbeitet. Im Dorf trifft er Biologiestudentin Louise (Nadia Hilker) und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Nach anfänglichem Zögern erwidert Louise die Gefühle, doch hat sie – der aufmerksame Leser des ersten Absatzes mag es erahnen – ein Geheimnis.

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Aaaaaaww?

Wie ‚Before Sunrise‘ besteht der Großteil des Films aus den Gesprächen zweier Charaktere. Und wie in Richard Linklaters Film sind die Charaktere gut genug geschrieben und von zwei Schauspielern mit hervorragender Chemie verkörpert, dass das es zu keinem Zeitpunkt langweilig zu werden droht. Ganz ehrlich: der Film würde vermutlich ohne Monster funktionieren. Indie-Liebling Pucci ist sicher nicht der typische Hollywood „Romantic Lead“, doch genau das macht den ebenso rauen wie verletzlichen Charme seiner Figur aus. Die wahre Entdeckung des Films ist aber Nadia Hilker, die bisher nur in deutschen Serien (‚Alarm für Cobra 11‘, z.B.) in Erscheinung getreten ist und die Louise hier mit entwaffnender Ehrlichkeit, anstatt als andersweltliches Mysterium, spielt. Während der ersten Hälfte des Films machen Benson und Moorhead in eleganten Bildern und interessanter Kinematographie das Beste aus der malerischen Kulisse eines mediterranen Städtchens. Und doch erinnern uns Bilder von Verwesung und Ungeziefer, sowie Jimmy LaValles ominöser Soundtrack immer wieder daran, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Im letzten Drittel des Films halten es die Macher leider für nötig dem Zuschauer exakt zu erklären was das Monströse ist (Louise ist nicht zufällig Evolutionsbiologin). Das bröckelt nicht nur ein wenig an der Magie des Films, es ist auch völlig überflüssig. Jedem Zuschauer dürfte zu diesem Zeitpunkt klar sein, dass das Monster symbolisch ist. Einerseits für die Dinge, die wir für eine Beziehung aufgeben, andererseits für die Risiken, die wir eingehen, wenn wir einem/r Fremden unser volles Vertrauen schenken. Doch ist dieser Fehltritt bei Weitem nicht genug um den Film zu verderben. Und ob das Ende nun Happy ist oder nicht, dass frage ich mich noch immer.

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„Stop talking shit about my boat!“

FAZIT: Nach dem eher intellektuellen ‚Resolution‘ liefern Benson und Moorhead hier einen Film ab, der auch emotional mitnimmt. Ebenso wie ihr Vorgängerfilm ist dieser sehr schwierig zu kategorisieren und hat es somit schwer ein Publikum zu finden (hm, ich erkenne ein Thema bei meinen Einschätzungen). Es ist ein zutiefst romantischer Film mit einigen effektiven Horrorelementen. Ich denke ich bleibe bei der Beschreibung „‚Before Sunrise‘ mit Monstern“. Hat mich ja auch überzeugt.

8/10 besoffenen, britischen Touristen

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Ein Gedanke zu “Gestern Gesehen: Spring (2014)

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