Gestern Gesehen: Noah (2014)

Na also hier ist mal ein Film, der mich so gar nicht interessiert hat. Ein Bibelfilm, der eine sattsam bekannte Geschichte widerkäut. Und auf dem Poster Russell Crowe, der aussieht als hätte sich Maximus aus ‚Gladiator‘ ein paar Wochen nicht rasiert, findet den Hausschlüssel nicht und steht nun traurig im Regen. Aber halt, Darren Aronofsky führt Regie? Der macht doch normalerweise zumindest interessante Filme. Und meinen die Rezensionen das mit den riesigen Steinmonstern ernst? Okay, muss ich wohl doch schauen.

Wie in allen seinen Filmen von ‚Pi‘ bis ‚Black Swan‘ interessiert sich Aronofsky hier für den Getriebenen, ja Besessenen. In diesem Fall ist das wörtlich zu nehmen: Noah ist vom Schöpfer besessen. Der Film untersucht die Nähe von göttlicher Eingebung zum Wahnsinn. Und Crowe übertreibt in seiner Darstellung, dass es eine Freude ist. Die erste Hälfte des Films (die Bessere) beschreibt den Bau der Arche, wie er auch im Herrn der Ringe stattfinden könnte. Da wachsen Wälder in Sekunden, der Bauplatz wird bewacht von gefallenen Engeln, die in Stein eingeschlossen sind, den „Steinernen Wächtern“. Und auf der anderen Seite steht der böse König Tubal-Kain (Ray Winstone), dessen Spiel vielleicht noch etwas übertriebener ist als das von Crowe und der für sich und seine Untertanen Plätze auf der Arche will. Aber das Gesocks stammt samt und sonders von Kain ab und da Noah keine Lust auf ein stumpfes Hirntrauma hat (und Gott ja außerdem offenbar will das die Menschheit ausstirbt) sagt er ihm sie könnten alle ersaufen. Es folgt eine Rede von Tubal-Kain zu seinen Untertanen, die exakt so auch von König Theoden, William Wallace aus ‚Braveheart‘ oder dem Präsidenten aus ‚Independence Day‘ stammen könnte. So von wegen „wir werden nicht schweigend untergehen, sondern kämpfen, heute ist der Tag, aaaargh“ etc. Die Wirkung der Rede auf den Zuschauer ist natürlich merkwürdig, stammt sie hier doch erstens vom Bösewicht und zweitens wissen wir ja alle, wie die Geschichte ausgeht. Als der Regen fällt kommt es zur gewaltigen Schlacht und wer nicht von den Wächtern zu Klumpatsch getreten wird ertrinkt in einer tatsächlich effektiv fürchterlichen Szene.

In der zweiten Hälfte passiert fast etwas zu viel des Guten, denn Tubal-Kain hat sich auf die Arche geschlichen und hetzt nun die Söhne Noahs gegen den Vater auf. Das scheint kaum nötig, denn auf der Arche wird der Film beinahe ein Slasherfilm, als Noah überzeugt ist Gott verlange von ihm seinen neugeborenen Enkel zu erdolchen. Der Weg von dort zum händchenhaltenden Jubel-Jubel-Freu-Freu Finale funktioniert dann nicht wirklich gut. Babymord (auch nur geplanter) erscheint mir nicht wirklich als verzeihbarer Fehltritt.

Ist er nun gut, der Film? Ja und nein. Ich würde sagen er ist absolut sehenswert. Er ist sehenswert dafür, dass wir niemals wieder einen solchen Bibelfilm aus einem Hollywood-Studio bekommen werden. Und ich werde mich ewig fragen, wie Aronofsky seine Produzenten überzeugt oder hinters Licht geführt hat. Man sollte meinen, bei der ersten Erwähnung von Steinmonstern im Zusammenhang mit Noah wären Alarmglocken losgegangen. Es ist ein übergeschnappter Film und manchmal habe ich mich gefragt ob eine Szene lustig gemeint war oder einfach nur lustig ist. Insbesondere wenn Methusalem (Anthony Hopkins) endlich seine Beeren findet. Die zweite Hälfte knackt und knirscht, wie die Arche selbst, vom Infantizid über Alkoholismus, Familienzwist, Selbstzweifel und intriganten Ex-Adel bis zum Tralala-Ende mit Regenbogen ist hier ein bisschen zu viel los. Muss aber vielleicht auch, schließlich geht es ja um den Neuanfang der Menschheit. Oh ja, ich habe übrigens keine der anderen Schauspieler erwähnt, weil sie vollkommen vergessbar sind. Das hier ist die Russell Crowe Show (aber ohne ‚Prügel um die Welt‘) und die teilt er nicht. Okay, Ray Winstone steht ihm im herumchargieren in Nichts nach und bildet ein gewisses Gegengewicht. Oh ja, ’n Haufen CGI-Viecher krauchen auch herum, werden aber schnell schlafen geschickt.

FAZIT: Wahnwitziges Bibelepos, das mal mehr mal weniger funktioniert. Definitiv besser als das SNES Spiel ‚Super Noah’s Ark 3D‘. Ich weiß, das hilf jetzt Niemandem.

6/10 Schlaf-Räucher-Fässchen

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