Gestern Gesehen: The Drop (2014)

Autor Dennis Lehane scheint es zu verstehen „verfilmbare“ Bücher zu schreiben. ‚Mystic River‘, ‚Gone Baby Gone‘ und ‚Shutter Island‘ basieren allesamt auf seinen Werken. Da scheint es nur wie ein logischer nächster Schritt, dass er schließlich selbst eine seiner Kurzgeschichten als Drehbuch für den Film ‚The Drop‘ (im deutschen Titel um das wahnsinnig ungelenk wirkende Beiwort -Bargeld- ergänzt) des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskam adaptiert hat. Und das Ergebnis reiht sich nahtlos in die anderen gelungenen Umsetzungen ein.

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Marv und Bob

Vor 10 Jahren musste Marv Stipler (James Gandolfini) seine kleine Bar in Brooklyn an die tschetschenische Mafia verkaufen. Marv ist immer noch Geschäftsführer und Gesicht der Bar und versteckt hinter einer Maske aus falscher Jovialität seine tiefe Verbitterung. Hinter der Bar steht der introvertierte und schweigsame Bob Saginowski (Tom Hardy) der, so scheint es, versucht dem Leben aus dem Weg zu gehen. An manchen Abenden dient die Kneipe als „Drop“ für die Tschetschenen. Dem Ort, an dem das „gesammelte“ Geld des Tages, das nicht zur Bank gebracht werden kann, zwischengelagert wird. Mit dem Überfall zweier maskierter Männer auf die Bar beginnt eine Reihe von Problemen für Marv und Bob, denn ihr Boss will natürlich das Geld zurück.

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Nadia und Bob – Der aufmerksame Betrachter entdeckt einen dritten Hauptdarsteller

Das mag sich jetzt nicht unbedingt revolutionär lesen und ist es sicher auch nicht. Es ist ein mehr oder weniger typisches unterkühltes Ostküsten-Krimi-Drama. Die Geschichte erfährt noch die eine oder andere Wendung, die ich an dieser Stelle nicht verrate aber das Grundgerüst ist durchaus bekannt. Der Grund, warum ich den Film trotzdem sehr interessant fand lässt sich an einer Schlüsselszene festmachen: als Bob und seine Nachbarin Nadia (Noomi Rapace) in einem Mülleimer einen misshandelten Welpen finden und pflegen klärt Nadia Bob auf, dass es sich nicht um einen Boxer sondern um einen Pitbull handelt. Bob zieht erschrocken die Hände von dem fiependen Welpen zurück und stellt fest: „Aber das sind gefährliche Hunde!“ Und genau diese Dichotomie zwischen Schein und Sein, zwischen Ruf und Realität untersucht der Film anhand seiner Charaktere. Das macht ihn interessant und erklärt vielleicht das Interesse von „Normalbürgern“ am Gangsterfilm im Allgemeinen: wir alle wollen auf eine bestimmte Art wahrgenommen werden, die vielleicht nicht in allen Punkten mit dem übereinstimmt was wir sind. Im Gangster-Milieu sehen wir eine extrem überhöhte Version dessen. Hier kommt alles auf den Ruf an, auf die „Streetcred“. Der eine mag alles dafür geben, der andere durchschaut das Ganze als Augenwischerei.

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„Ich bin ein Pitbull und ausserdem symbolisch! Fürchte mich!“

Der Film ist das letzte Projekt des viel zu früh verstorbenen Tony Soprano Darstellers James Gandolfini. Wie in den meisten seiner Rollen (allen voran eben Tony Soprano) schafft er es mit gewaltigem Charisma den Zuschauer für einen nicht eben liebenswerten Charakter einzunehmen. Das Tom Hardy in seiner Rolle verdammt gut ist muss eigentlich kaum erwähnt werden, wann wäre er das nicht? Noomi Rapace hat zwar nicht wahnsinnig viel zu tun, schafft es aber in ihren wenigen Szenen der Nadia eine ziemliche Tiefe zu verpassen. Und meine Güte ja, Welpe Rocco (oder Mike) ist wahnsinnig niedlich.

FAZIT: Interessante Umsetzung einer konventionellen (oder sagen wir lieber freundlicher bodenständigen) Geschichte. Gut gezeichnete Charaktere, hervorragend dargestellt.

8/10 mit Plastik ausgeschlagenen Kofferräumen

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