Gestern Gesehen: Bill (2015)

Wir wissen nicht mit Gewissheit, wie William Shakespeare von einem unauffälligen Bewohner Stratford-upon-Avons zu einem gefeierten Dramatiker in London wurde. Die „dunklen Jahre“ die zwischen diesen beiden Stationen liegen geben Anlass zu allerlei Spekulation und Verschwörungstheorien. Kann die Komödie ‚Bill‘ von Richard Bracewell Antworten liefern?

Wir schreiben das Jahr 1593, Bill Shakespeare (Matthew Baynton) wird wegen Extravaganz aus dem Lautenquartett ‚Mortal Coil‘ geworfen. Sehr zum Unmut seiner Frau Anne (Martha Howe-Douglas) beschließt er nach London zu gehen, um am Theater zu arbeiten, anstatt endlich einen „anständigen“ Beruf zu ergreifen. Dort angekommen steht leider die Pest seinem Erfolg im Wege, da alle Theater geschlossen sind. Allerdings bekommt er die Möglichkeit mit dem erfahrenen Dramatiker Christopher Marlowe (Jim Howick) an seinem etwas überkomplexen Stück ‚A Series of Funny Misunderstandings‘ zu arbeiten. So werden zum Beispiel alle Tanzszenen gestrichen. Dabei geraten die beiden jedoch in den Dunstkreis einer Verschwörung um Philip II. von Spanien (Ben Willbond) und den Earl von Croydon (Simon Farnaby), die Königin Elizabeth ermorden wollen. Das wiederum bringt Shakespeare ins Visier von Geheimdienstchef Francis Walsingham (Laurence Rickard).

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Philip II. und Elizabeth haben erhebliche Probleme irgendjemandem Freundschaft vorzumachen

Die sechs im obigen Absatz genannten Darsteller sind im Vereinigten Königreich bekannt für die Sketch-Show ‚Horrible Histories‘, die geschichtliche Inhalte mit britischem Humor vermischt. Zunächst für Kinder konzipiert, erfreute sie sich – mehr aufgrund des cleveren Humors, als historischer Hintergründe – auch und gerade bei Erwachsenen größter Beliebtheit, sodass letztlich eine „erwachsene“ Version produziert wurde. ‚Bill‘ steht somit in der Tradition der ‚Monty Python‘ Filme und ebenso wie dort übernehmen die sechs Darsteller gemeinsam etwa 40 Rollen.

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Anne ist nicht glücklich, als sie herausfindet, was sich hinter den „schauspielerischen“ Aktivitäten Bills verbirgt

Der Film hat einen durchgehend leichten und lockeren Tonfall, in seinen besten Momenten erreicht er beinahe pythoneske Qualitäten, etwa wenn den Figuren mitten im Film auffällt, dass sie den Auslöser für die Handlung völlig vergessen haben. Manche Gags sind vielleicht etwas zu nahe am großen Vorbild, doch das will ich mal als Hommage durchgehen lassen. Etwas unklar bin ich mir, wer die Zielgruppe des Films sein soll. Zum größten Teil ist er sehr familientauglich, doch dann gibt es mehrere direkte Anspielungen auf Prostitution, sowie ein Verhörinstrument dessen Einsatzort – im wahrsten Sinne des Wortes – unter der Gürtellinie ist. Aber das ist vielleicht der Zielgruppenkonfusion der Fernsehserie geschuldet und ist mir als erwachsenem Zuschauer ohnehin egal.

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Der Earl von Croydon und Jeff. . . Smith, definitiv nicht Philip II.!

Was der Film mit der Serie gemeinsam hat ist der wunderbar respektlose Umgang mit Geschichte. Sei es die recht widerliche aber wahrscheinlich historisch korrekte Darstellung Elizabeths, Philip II. als übertrieben selbstsicherer Vollidiot, der allerdings aufgrund seines Königtums mit allem durchkommt oder auch Walsingham, der 1593 seit Jahren tot war, jedoch, wie wir im Film lernen, seine Beerdigung nur genutzt hat um „sehr tief undercover zu gehen“.  Ein gewisses historisches Interesse und Wissen hilft sicherlich bei dem Genuss des Films. Beeindruckend ist sicher, dass bei allem Quatsch Matthew Baynton es schafft eine glaubwürdige Entwicklung für Shakespeare herauszuspielen.

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Francis Walsingham (links) Spion und Katholiphobiker aus Leidenschaft

FAZIT: Gelungene aber nicht außerordentliche britische Komödie rund um den „Barden“. Erstaunlicherweise hat es in Deutschland nicht mal für eine Veröffentlichung auf DVD gereicht, allerdings ist die UK-DVD einfach und günstig zu bekommen.

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