Kurz und schmerzlos Folge 7: 12 essentielle Kamerafrauen

Hinter der Kamera herrscht in der Filmindustrie, sei es Hollywood oder anderswo, nach wie vor ein extremes Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Nirgendwo ist dieses Ungleichgewicht höher als „direkt hinter der Kamera“, bei den Kameraleuten. Bei den 250 finanziell erfolgreichsten Filmen von 2015 haben war nur bei 6% der Filme eine Frau hinter der Kamera. Wenn man sich den „Celluloid Ceiling“ Bericht anschaut, kann man die Entwicklung wohlmeinend als positiv betrachten, 1998 waren es schließlich nur 3%. Oder aber man betrachtet es zynischer und sieht die paar Prozentpunkte als Fluktuation an. „Cinematography“ ist denn auch der einzige Bereich, in dem noch nie eine Frau für den Oscar nominiert war.  Das Merkwürdige ist, dass im, letztendlich sehr ähnlichen, Bereich der Fotografie Frauen sehr gut Fuß gefasst haben (mein Eindruck, Daten habe ich da keine!)

Wie bricht man einen solchen „nur für Jungs“ Club nun auf? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, bin ich doch beim ganzen Filmgeschäft im wahrsten Sinne des Wortes nur Zuschauer. Liegt das Problem schon in der Ausbildung, wo Frauen das ebenso alte wie idiotische Bild von „das ist zu technisch für euch“ vermittelt wird? Ist es schlicht eine gewachsene Entwicklung von „das macht man als Frau halt nicht“? Liegt es daran, das gerade die Arbeit hinter der Kamera für Frauen unattraktiv ist (unwahrscheinlich aber nicht unmöglich)? Wie gesagt, ich habe darauf keine guten Antworten, ich weiß nur das vielleicht ein Projekt, wie das von Jacob Swinney vom amerikanischen Streaming-Dienst Fandor gar nicht verkehrt ist. In einem vierminütigen Video Essay präsentiert er 12 essentielle, derzeit arbeitende Kamerafrauen.

Ich hoffe das diese Art der Präsentation dazu beitragen kann Vorurteile abzubauen und bei interessierten Frauen Berührungsängste mindern kann. Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, dem sei dieser Artikel auf nofilmschool nahegelegt, in dem 5 Kamerafrauen ihre Vorstellungen von ihrer  Rolle beim Film darlegen.

Die vorgestellten Filme sind vermutlich alle sehenswert und wer wissen möchte was ich von ‚Creed‘ und ‚The Rover‘ halte, der zögere nicht auf die Links zu klicken. Besondere Empfehlungen gibt es von mir weiterhin für den wahnsinnigen ‚Holy Motors‘, einen französischen Film, um einen Mann, der zwischen verschiedenen Rollen hin- und herspringt, sowie für ‚Von Menschen und Göttern‘, der sich mit dem Schicksal von 7 katholischen Mönchen beschäftigt, die 1996 in Algerien entführt werden.

PS: ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass es in anderen Bereichen hinter der Kamera eine Gleichverteilung der Geschlechter gäbe (ein Blick in den „Celluloid Ceiling“ Bericht reicht, um das zu widerlegen) aber beim Beruf der Kamerafrau ist es am deutlichsten.

PPS: gibt es so etwas wie den „Celluloid Ceiling“ Bericht für andere Länder? Insbesondere Deutschland?

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