Horrortipps: Ist ja ’n Hammer(Horror)

Die britischen Hammer Studios brachten, in den späten 50er Jahren, den klassischen „Gothic Horror“ zurück, 10 Jahre nachdem Universal die Tore hinter ihren Monstern geschlossen hatte. Ihr Dracula, Christopher Lee, kann es in Sachen Bekanntheit vermutlich mit Bela Lugosi aufnehmen. Allerdings gibt es sehr, sehr viele Hammer Filme. Und die sind bei weitem nicht alle gut. Im folgenden gebe ich einen Tipp für einen möglichen Einstieg in das Thema Hammer und einen kleinen Geheimtipp aus der späteren Schaffensperiode für denjenigen, der die Klassiker schon kennt.

Für den Hammer-Neuling:

‚Frankensteins Fluch‘ (1957)

Dieser Film begründete, zusammen mit dem 1958er ‚Dracula‘, den Ruf der Hammer Studios auch über Großbritannien hinaus. Peter Cushing spielt den namensgebenden Victor Frankenstein als besessenen und absolut rücksichtslosen Mistkerl, der bereit ist auf dem Altar seiner verqueren Wissenschaft alles und jeden zu opfern. Er ist kein Antiheld, er ist ein Antagonist, der die Hauptrolle spielt. Das von Christopher Lee verkörperte Monster ist, schon allein aus rechtlichen Gründen, dem Universal Monster so unähnlich wie möglich (in manchen Szenen ganz gezielt, wenn es z.B. einen blinden Mann im Wald ermordet). Doch ist auch die Brutalität des Monsters allein Frankenstein zuzuschreiben, der sich aber auch das rasende Ungeheuer noch zunutze machen kann, in einer auch heute noch verstörenden Szene. In den 50ern hat der Film tiefe Empörung hervorgerufen. Einen derart blutigen Farbfilm, in dem das Blut eine so aggressive Röte hat und in solcher Menge fließt, war bis dahin unbekannt, auch, wenn er aus heutiger Sicht harmlos wirkt. Das Publikum war allerdings begeistert und Hammer machte aus 65.000 investierten Pfund mehrere Millionen weltweit. Ihre nächsten 15 Jahre waren gesichert. Wenn Euch dieser Film Garnichts gibt, dann ist Hammer Horror vermutlich nicht für Euch.

legosi-port-klHerr Legosi meint: Natürlich, der Hörr Filmlichter hat die Wahl zwischen Dracula und Frankensteins Monster und wählt das dämliche Monster… Das ist wahrscheinlich geistig auch mehr so Ihre Kragenweite, oder Hörr Filmlichter? „FEUER BLÖD, BLÖÄRG!!“, klar dass Ihnen das gefällt!

Für den erfahrenen Hammeriten:

‚Captain Kronos – Vampirjäger‘ (1974)

17 Jahre später andererseits, sah die Situation ganz anders aus. Das Publikum hatte sich an den klassischen Monstern erneut sattgesehen. Hammers immer weiter aufgedrehter Sexappeal und Mengen an vergossenem Kunstblut konnten daran nichts ändern. Die altbekannten Formeln mussten irgendwie modernisiert werden. Die meisten Versuche muteten dabei etwas hilflos an. ‚Dracula jagt Mini-Mädchen‘ (mitsamt selbstironischem Poster) versetzte den durstigen Grafen in die damalige Gegenwart und vermischte eine typische Dracula-Geschichte mit bondigen Spionage-Elementen. ‚Die 7 goldenen Vampire‘ versuchte den Vampirmythos mit dem damals hochbeliebten Kung-Fu Film zu vermengen. Captain Kronos ging einen anderen Weg. Er präsentierte dem Zuschauer, der bestens über typische Vampire Bescheid wusste, einen Vampirjäger, der ebenso viel darüber wusste und konfrontierte dann beide mit einer ganz neuen Sorte Vampir.

Im frühen 19. Jahrhundert, in einem abgelegenen Dorf, kehren junge Mädchen, um Jahrzehnte gealtert, aus dem Wald zurück. Kurz darauf sterben sie. Sie berichten nur noch, von einer seltsamen Gestalt überfallen worden zu sein. Der Dorfarzt ruft seinen alten Armeekumpel Captain Kronos (Horst Janson) zur Hilfe. Der kommt mit einem Wagen voll Vampirmordwerkzeugen, seinem Kollegen Prof. Grost und der jungen Carla (Bondgirl Caroline Munro). Schnell merken sie jedoch, dass sie es mit einer ungewöhnlichen Sorte Vampir zu tun haben. Könnte gar jemand aus dem Dorf dahinterstecken?

Captain Kronos ist so etwas, wie der geistige Vater von Blade oder Hellboy. Ein geübter Faust-, Degen- und gelegentlich Katanaschwinger, der „orientalische Kräuter“ raucht, normalerweise alles über seine übernatürlichen Gegner weiß und (nur angedeutete) Superkräfte haben könnte, da er einst einen Vampirbiss überlebte. Der Film sieht gut aus und weiß zu unterhalten, obwohl (oder vielleicht gerade weil) Horst Janson die Hauptrolle mit einem gewissen teutonischen Mangel an Lockerheit spielt. Wir sind hier in Deutschland übrigens in der schönen Position in der (extra für die DVD erstellten) Synchronisation in der Hauptrolle tatsächlich Janson zu hören. Wenn auch einen 30 Jahre älteren Janson. Der Film war damals nämlich kein Erfolg und kam in Deutschland nicht einmal ins Kino. Somit konnte er zur Rettung der Hammer Studios leider auch nicht viel beitragen. Dennoch ein zu Unrecht fast vergessener Abenteuerfilm, mit Horror-Elementen, der leider keine eigene Serie mehr etabliren konnte.

legosi-port-klHerr Legosi meint: Dass Sie sich nicht schämen, mir einen solchen hasserfüllten Schund vorzusetzen, sagt eine Menge über Sie aus! „Vampirjäger“, ich glaube mir wird übel! Und glauben Sie mir, wenn ich mich übergebe, dann ist das für Niemanden ein Spaß!

 

Übrigens Hammer bietet den ganzen Film gratis, als qualitativ mittelprächtigen Stream auf ihrer Youtube Seite an (englisch): https://www.youtube.com/watch?v=RsWAVsRefSg

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