Eigentlich ist alles gesagt: Rogue One: A Star Wars Story

Es folgen einige erschreckend unsortierte Gedanken zum neuen Star Wars Film. Die richten sich vornehmlich an Leute, die den Film schon gesehen haben. Sprich, ich verrate Details der Handlung bis hin zur letzten Minute. Wen das nicht stört, der lese weiter, wer nur einen Fingerzeig möchte, ob sich ein Kinobesuch lohnt, dem sei gesagt: ja!

Von der siebten Episode war ich letztes Jahr ja durchaus umfassend begeistert. Ganz so glücklich bin ich dieses Jahr mit ‚Rogue One‘ nicht. Der enthält, meiner Meinung nach einiges an Schatten aber auch viel Licht. Die Geschichte sollte ja inzwischen weitgehend bekannt sein: Jyn Erso (Felicity Jones), Tochter des Chefingenieurs des imperialen Todessterns Galen Erso (Mads Mikkelsen), wird von der Rebellen-Allianz „rekrutiert“, um Kontakt zu ihrem Vater herzustellen. Im Laufe der Ereignisse muss sie aber mit einem dreckigen Dutzend die Kanonen von Navarone zerstören Pläne des Todessterns von einem schicken Karibikplaneten bergen. ‚Rogue One ‚ legt den Fokus mehr auf den „Wars“ Teil des Star Wars Titels. Zudem war der Film als weitgehend unabhängig von der Hauptserie angekündigt. Das ist allerdings Blödsinn. Er ist so eng an Episode 4 geflanscht, dass die etwa 2 Minuten nach Ende dieses Films beginnen dürfte (während der letzten Szene von ‚Rogue One‘ scrollt draußen schon die Schrift von Episode 4, das ist aber nicht zu sehen).

Der neu eingeführte Cast könnte eine Stärke des Films sein, ist er aber nicht wirklich, da er ein wenig an dem leidet, was ich seit den Hobbit-Filmen als „zu viele Zwerge“-Syndrom bezeichne. Es treten so viele Charaktere auf, dass der Film gar keine Möglichkeit hat alle vernünftig zu charakterisieren. Jyn Erso kommt noch am besten weg und macht einen nachvollziehbaren Charakterbogen durch. Aber selbst bei ihr wunderten mich manche Dinge. In irgendeinem Trailer trifft sie die schöne Aussage: „Wir sind Rebellen, rebellieren wir!“. Im endgültigen Film stellt sich die Elite der Allianz, entgegen der Befehle von oben, quasi ohne ihr Zutun auf ihre Seite, stehen einfach auf der Matte. Ich hätte sie gerne etwas Überzeugungsarbeit leisten sehen. Und der Rest? Der blinde Mystiker Zatoichi Chirrut Imwe (Donnie Yen) und sein bodenständiger und handfester Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) sind so physisch angelegt, dass sie tatsächlich, allein durch Action-Szenen, ausreichend Charakterprofil erhalten. Droide K-2SO bekommt durch seine sarkastischen Bemerkungen genügend Reibungsfläche und macht durch sein Auftreten, Aussehen und Verhalten als starkem Kontrast zu C3PO klar, dass wir uns in einer anderen Art Film als der normalen Star Wars Reihe befinden. Aber Captain Andor (Diego Luna) und Bodhi „ich bin der Pilot“ Rook (Riz Ahmed) bleiben leider wahnsinnig blass, was definitiv nicht an den Schauspielern liegt. Am schlechtesten kommt wohl Che Guevara Saw Gerrera (Forest Whitaker) weg. Der wird am Anfang des Films gefühlte 150 Mal erwähnt und zu einer überlebensgroßen Figur stilisiert, was durch seine Handvoll Szenen und Whitakers etwas exzentrische Darstellung allerdings überhaupt nicht gestützt wird. Und dann verschwindet er auch schon auf Nimmerwiedersehen aus dem Film. Auf der anderen (imperialen) Seite haben wir als neuen Charakter Direktor Krennic (Ben Mendelsohn). Der ist an Sich ein durchaus interessanter Charakter. Er ist anders als die sabbernde Bösartigkeit des Imperators, die kalte Brutalität Vaders oder auch die Arroganz einer langen Reihe Koteletten-tragender Generäle, die erst endete, wenn sich Vaders unsichtbarer Würgegriff um ihren Hals legte. Krennic ist ein widerlicher Schmierlappen. Ein Aufsteiger, ein „company man“. Jemand der Massenmord gelangweilt beobachten kann, wenn er selbst übervorteilt wird aber mit zittriger Empörung reagiert. Er ist ein Charakter, der jemanden braucht, der ihm den Teppich unter den Füßen wegzieht. Aber wer das tut ist das größte Problem des Films für mich. Grand Moff Tarkin ist frisch aus dem Uncanny Valley zurückgekehrt. Gespielt von Guy Henry, mit Peter Cushings Gesicht als CGI-Maske. Und es ist furchtbar und  es hat mich jedes Mal, wenn Tarkin auftritt (viel zu oft) komplett aus dem Film gerissen. Warum muss es Tarkin sein? Es könnte irgendein anderer Imperialer sein. Warum muss man Peter Cushing als hässlichen CGI-Handpuppen-Zombie über die Leinwand tanzen lassen? Wenn es schon Tarkin sein muss dann besetzt ihn doch neu! Damit hätte ich weniger Probleme als mit was auch immer das hier sein soll. Dasselbe gilt natürlich für Leia, deren Auftritt ebenfalls überflüssig ist aber, da ich den Film kurz nach dem Tode Carrie Fishers gesehen habe, fühlte sich ihr „Hoffnung“ doch irgendwie pointiert an.

Kommen wir zum eigentlichen Film. Die erste Hälfte ist… nicht wirklich gut. Der Film beginnt mit einer Rückblende in Jyn Ersos Kindheit, betreibt dann eine Weile Planetenhopping, während rechts unten eingeblendet wird, wo wir uns befinden, außer wenn das mal nicht passiert. Es dauert eine ganze Weile bis der Film Tritt fasst und aufhört uns neue Charaktere und Örtlichkeiten an den Kopf zu dotzen. Ich frage mich ob das die Narben sind, die die umfassenden Nachdrehs gerissen haben, die nötig wurden als Disney Gareth Edwards Version als zu finster eingeschätzt hat. Ich wünschte der Film hätte weniger „wir müssen mit dem Typen reden, damit wir mit dem Typen reden können, der uns ermöglichte den Typen zu finden, der uns zu dem Typen führt“ und würde sich mehr auf die Mission konzentrieren die Pläne des Todessterns aufzutreiben. Dann ist er nämlich am besten. Die zweite Hälfte ist dementsprechend auch exponentiell besser. Selten standen die Chancen für die Helden in einem Star Wars Film schlechter, dementsprechend sollte ihr Ende eigentlich nicht überraschen, tat das in seiner Konsequenz dann aber doch. Auch wenn ich sagen muss, dass durch die sehr blasse Zeichnung der Figuren ihre Märtyrertode teilweise mehr manipulativ als bedeutsam wirkten. Die Actionszenen sind allerdings hervorragend, für den Star Wars Fan werden dauernd kleine Stöckchen geworfen, denen man hinterher hecheln kann wenn man möchte oder aber sie komplett ignorieren. Die abschließende Schlacht auf und über Scarif hat so viel mehr Gewicht und Dramatik als alles CGI-Bonbon-Feuerwerk, das die Prequels zu bieten hatten. Sie ist dreckig und brutal und ich habe als Zuschauer kaum bemerkt, dass sie völlig unblutig war. Was nach dem sehr pointierten Einsatz von Blut in Episode 7 fast überrascht. Der Film sieht durchgehend sehr gut aus, ist aber fast immer ein bisschen zu dunkel. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass ich ihn in 3D gesehen habe.

Und jetzt kann ich mich nicht mehr beherrschen und muss über meine liebste Facette des Films sprechen: die Art, wie Darth Vader eingesetzt wurde. Er ist ein Monster, direkt aus den alten universal Filmen mit seinem eigenen gotischen Schloss. Erbaut gefühlte fünf Meter von dem Ort entfernt, wo Obi-Wan ihm die Beine abgesäbelt hat, damit er schon beim ersten Blick aus dem Fenster richtig schlechte Laune hat. Sein Schatten wabert ihm Nosferatu-esk voraus und fast erwartet man ihn von Fledermäusen umschwärmt zu sehen. Die Tatsache, dass er sich die Chance für ein Wortspiel nicht entgehen lässt macht diesen ersten Auftritt komplett. In der vorletzten Szene dann wird er zum Slasher. Zu Jason Vorhees, der einen Allianz-Trupp mit größtmöglicher Brutalität auslöscht. Und ironischer weise die einzige Benutzung eines Lichtschwertes in diesem Film darstellt. Genau so musste der Film mit Vader umgehen. Sparsam aber wenn er auftritt so effektiv, wie nur möglich.

Im Fazit bleibt ein Film mit einer eher schwachen ersten Hälfte und einer hervorragenden zweiten Hälfte, die beinahe für alle Probleme der ersten entschuldigt. Wirklich unabhängig von den alten Filmen war der hier jetzt nicht und zum vollen Genuss sollte zumindest Episode 4 bekannt sein. Ich treffe hier mal eine Voraussage für den Han Solo Film. Der wird damit enden, dass sich Han und Chewie in der Kantina von Mos Eisley hinsetzen um was zu trinken.

Falls es jemanden interessiert, ist hier meine Star Wars Rangfolge:

Episode V

Episode IV

Episode VI

Episode VII

Rogue One

hier ist dann vieeeel Platz, man könnte ein Stadion bauen, oder so

Episode III

Episode I

Episode II

dieses unsägliche CGI-Machwerk, das aus irgendeinem Grund im Kino war

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6 Gedanken zu “Eigentlich ist alles gesagt: Rogue One: A Star Wars Story

  1. Gar nichts zu der sülzigen Rede Mads Mikkelsens? Ich muss gestehen, dass ich mich fast im Kino gelangweilt habe… Alle Kritikpunkte, die du angesprochen hast + zu viel Hektik, eine sehr, sehr, sehr dünne Story und mangelndem Feingefühl in manchen Situationen

    Gefällt 1 Person

    • Seufz, die Tatsache, dass ich Mikkelsen gar nicht erwähnt habe sagt glaube ich schon einiges aus… ich wünschte er hätte irgendwas zu tun bekommen.

      Hektik, dünne Story und mangelndes Feingefühl sind vermutlich dem Genre Kriegsfilm geschuldet. Ich finde die Idee der Star Wars Stories verschiedene Genres im Star Wars Universum auszuprobiern eigentlich gut. Nun mag ich das Genre des Kriegsfilms nicht sonderlich. Der Han Solo Film soll ja wohl ein Western werden (besser) und soweit ich weiß ist als drittes ein Film um einen Jedi in Form eines Samurai-Films geplant (mal sehen).
      Rogue One muss ich nochmal sehen, um mir selbst zu erklären warum ich ihn, bei aller Kritik, doch ziemlich gut fand. Nur am ollen Röchel-Roboter kann es ja nicht gelegen haben…

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