Gestern Gesehen: ‚The Beatles: Eight Days A Week -The Touring Years‘ (2016)

Mann, die Beatles waren eine verdammt gute Live-Band! Tjaha, verehrte Leser, das ist die Art brillanter, tiefgründiger  Einsichten, die Ihr wohl nur hier auf der Filmlichtung erwarten könnt. Aber ernsthaft: sie waren wirklich VERDAMMT gut. Ich mag die Beatles (mag sie eigentlich irgendwer nicht?) und bin geradezu mit ihnen aufgewachsen, denn mein Vater hat Fantum und die Alben aus seiner Jugend behalten. Ich bin allerdings sicherlich nicht der Superfan, der mit biografischen Details zu George Harrison aufwarten kann und anhand dieser songschreiberische Feinheiten nachvollziehen könnte. Und dieser Film war exakt auf meiner Wellenlänge.

Der Film begleitet die großen Tourjahre der Beatles. Von dem Moment in 1963 als sie weltweit schlicht explodierten bis 1966 als sie das Ende ihrer großen Stadientourneen verkündeten. Die Frühzeit der Beatles, also vom Treffen  Lennon/McCartney 1957 bis zu den wilden Hamburger Jahren 60-62 wird in einigen Minuten abgehandelt.  Dann sehen (und hören!) wir die Gruppe nicht nur in hervorragend remasterten Aufnahmen von anfänglich kleineren Clubs bis hin zum damals völlig unerhörten Auftritt im Shea Stadium in New York vor mehr als 50.000 Fans. Wir sehen die Entwicklung der Gruppe, ihren anfänglichen Humor, ihre Schlagfertigkeit mit der sie Reporter regelmäßig gnadenlos ausmanövrieren. Je größer die Auftritte aber werden, im australischen Adelaide war die 15 Kilometerlange Strecke vom Flughafen bis zum Hotel von Fans belagert, je mehr junge Mädchen umkippen, enttäuschte Fans abgewiesen werden müssen, umso mehr schwindet der Spaß der Fab Four am Liveauftritt. Wenn das Geschrei im Stadion so laut wird, dass die Musik nicht mehr zu hören ist fühlen sich die Beatles als Zirkus-Attraktion. In Japan sehen wir einen Ringo Starr, der sich hinter seinem Schlagzeug kaum noch aufrecht halten kann. Gleichzeitig haben die Beatles angefangen sich im Studio selbst zu entdecken und mehr experimentelle Musik zu machen. Mit Effekten, die nur her möglich sind. Und so endet die große Tourzeit und der Film 1966 lange Zeit bevor es „am Ende kompliziert wurde“, wie Paul McCartney es ausdrückt.

Neben bild- und tontechnisch aufbereiteten Archivaufnahmen der Auftritte, sind neue Interviews mit Paul und Ringo zu sehen, leider nicht auf einem Sofa sondern getrennt. Dazu kommen Archiv-Interviews mit George und John Lennon. Sowie Talking Head Interviews mit Musikern, Komikern, Regisseuren und Schauspielern, die klar machen, dass nicht nur die Popmusik in eine Zeit vor und nach den Beatles aufgeteilt werden muss sondern die gesamte Popkultur. Insbesondere beeindruckend fand ich hier Elvis Costello, der klar macht, dass, bei damaliger Technik,  jeder der  vier bei ihren Stadionauftritten bestenfalls sich selbst, keinesfalls die drei anderen hören konnte und wie viel beeindruckender das ihre hervorragenden Liveauftritte macht (Ringo bestätigt das und sagt er habe sich am Hintern und den Füßen von John und Paul orientiert, um den Takt zu halten). Interessant sind auch Whoopi Goldberg und eine Historikerin, die auf die, für die Vereinigten Staaten damals ungewöhnliche, rassenübergreifende Anziehungskraft der Briten hinweisen („ich hatte das Gefühl wir könnten Freunde sein- obwohl ich schwarz bin“ -Goldberg). Und ihren Beitrag zur Bürgerrechtsbewegung in den USA, durch ihre Weigerung in Arenen aufzutreten in denen nach Rassen getrennt wurde (zum Unmut ihres Managers). Dies hat tatsächlich dazu geführt, dass mehrere Stadien diese unsägliche Politik aufgegeben haben.

Andere historische Ereignisse, wie die Ermordung John F. Kennedys werden angerissen, ebenso wie die beiden Beatles Live Action Filme, die in der Zeit entstanden sind. Ansonsten bleibt der Film aber konzentriert bei der Entwicklung der Beatlemania, einem Phänomen, dass für die damalige Zeit einzigartig war und dem weder Polizei, Stadionbetreiber noch die Musiker selbst wirklich gewachsen waren. Und nach Johns berühmt/berüchtigten „größer als Jesus“ Interview in den USA mit öffentlichen Verbrennungen der Alben und Bombendrohungen zum Ende hin eine durchaus finstere Wendung nimmt.

Habe ich auch was zu meckern? Durchaus. Keiner aber wirklich keiner der Songs wird zur Gänze ausgespielt. Die Doku ist hundert Minuten lang und fühlt sich kürzer an. Macht sie doch zwei Stunden lang und spielt ein paar Stücke aus. Weiterhin hat Regisseur Ron Howard klar gemacht, dass sich seine Beatles Kenntnisse vor dem Film etwa auf meinem Niveau befunden haben. Interessiert aber kein tiefer Kenner. Wirkliche Kenner der Beatles werden in diesem Film also vermutlich keinerlei neue Erkenntnisse entnehmen können. Aber die schauen ihn sicher trotzdem, schon wegen der Archivaufnahmen. Und obwohl ich wusste welchen Zeitraum der Film beschreibt kam das Ende für mich doch etwas plötzlich. Der ganze Verlauf der Geschichte macht klar: es ist hier nicht zu ende. War es ja auch nicht. Aber „ich wünschte er wäre länger“ ist sicher nicht der schlimmste Vorwurf, den man einem Film machen kann.

Im Fazit bleibt eine interessante, liebevolle Verbeugung vor einer der größten Popbands aller Zeiten, ohne viele neue Erkenntnisse aber in qualitativ großartigen Bildern und mit absolut brillantem Ton. Und ich bin mir nicht sicher, ob das schon mal jemand gesagt hat aber die Beatles waren eine verdammt gute Live-Band. Klingt unglaublich, ich weiß…

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3 Gedanken zu “Gestern Gesehen: ‚The Beatles: Eight Days A Week -The Touring Years‘ (2016)

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