Gestern Gesehen: ‚Kubo – der tapfere Samurai‘; OT: ‚Kubo and the two strings‘ (2016)

Von einem neuen Film der Laika Studios erwarte ich nicht wenig. Mag ich doch ‚Coraline‘ sehr gerne und liebe geradezu ihre Hommage an den klassischen Horrorfilm, ‚ParaNorman‘. Mit Kubo begeben sie sich nun, sowohl thematisch, wie auch vom Setting her, in den Bereich des Samurai Films und des Anime. Man darf also erwarten, dass bei ‚Kubo‘ alles etwas epischer wird.

Anfangs lebt der einäugige Junge Kubo mit seiner tagsüber katatonischen Mutter in einer Höhle über einem kleinen Dorf. Hier verdingt er sich als Unterhalter, indem er mit seiner Shamisen, auf magische Weise, bunte Papiere zu Origami-Figuren formt und mit ihnen Geschichten erzählt. Vor allem die vom sagenhaften Samurai Hanzo. Nur mit deren Ende tut er sich schwer. Hanzo war nämlich sein Vater, der vom Mondkönig, dem Vater Kubos‘ Mutter, aus Eifersucht ermordet wurde. Der Mondkönig hat auch Kubos Auge gestohlen und will noch sein zweites. Deswegen muss Kubo jeden Abend vor Einbruch der Dunkelheit zurück in der Höhle sein. Als ihm dies einmal nicht gelingt wird er prompt von den Häschern des Mondkönigs gefunden, mit katastrophalen Folgen für seine Mutter. Ihm bleibt nichts anderes übrig als die Queste seines Vaters zu erfüllen. Gemeinsam mit einem Schneeaffen und einem Käfer-Samurai macht er sich auf die Suche nach einer legendären Rüstung, mit der er die himmlische Macht des Mondkönigs herausfordern kann.

Als Erstes komme ich nicht drumherum zu bemerken, was für ein wunderschöner Film ‚Kubo‘ ist. Damit meine ich nicht nur die brillant Stop-Motion Animation, auch das Figurendesign, die satte, brillante Farbgebung und das liebevolle, beinahe taktile Design der Schauplätze machen sowohl Szenen vor tiefroten Sonnenuntergängen, als auch in finsteren Gemäuern zu ästhetischen Prachtstücken. Laika haben die Stop-Motion auf ein Level gebracht, dass einerseits die physische „Greifbarkeit“ der Figuren bewahrt, andererseits qualitativ schwer von Computeranimation zu unterscheiden ist.

Die Queste auf die Kubo sich begeben muss erfindet sicherlich das Rad nicht neu und folgt sattsam bekannten Vorbildern, doch sind alle Charaktere  denen er begegnet so liebevoll umgesetzt, dass man sich sicherlich nie gelangweilt wird. Sei es die beschützerische aber leicht herrische Affendame, der Käfer-Samurai mit Amnesie oder auch die maskierten, unheimlichen Schwestern seiner Mutter. Selbst bei Charakteren, die keinerlei Dialog haben, wie einem gigantischen Skelett, schaffen es die Animationsmeister noch genug eigenes Profil zu verleihen, dass sie problemlos in Erinnerung bleiben.

Wie bei ihren anderen Filmen ist wieder einmal bemerkenswert, dass Laika, obwohl sie wissen, dass ihre Hauptzielgruppe Kinder sind, in keiner Weise Kompromisse bei ihrer Geschichte eingehen. Das zentrale Thema dieses Films ist Verlust und das wird, bei allem natürlich vorhandenen Humor, durchaus mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandelt. Der Film hat daher eine traurige Grundstimmung und schreckt nicht davor zurück auch einmal gruselig zu werden. Auch das Ende ist überraschend pointiert (und lässt mich ein wenig verwundert darüber zurück, wer sich den deutschen Titel ausgedacht hat).

Zu Beginn des Films fordert uns Kubo auf, nun ein letztes Mal zu blinzeln, damit wir im Folgenden nichts von der Handlung verpassen mögen. Dies tut er auch vor jeder seiner Vorstellungen im Dorf. Wenn Kubo also die Origami Figuren auf magische Weise ihre Geschichten austragen lässt, dann können wir davon ausgehen, dass Laika damit in gewisser Weise auch ihr Selbstverständnis präsentieren. Und tatsächlich gibt es wenige Studios, die auf ähnlich magische Weise eine animierte Welt lebendig werden lassen können, wie sie. Wenige aber eben nicht keine. Denn, ich habe es, an anderen Stellen, schon einige Male gesagt aber die Wiederholung lohnt sich, wir leben in einer absoluten Schlaraffenlandzeit für Animationsfreunde. Mit Aardman gibt es noch ein weiteres Studio, dass im Stop-Motion Bereich hervorragende (und gänzlich andere) Arbeiten abliefert, zusätzlich Filme wie ‚Mary Und Max‘ oder ‚Anomalisa‘, die Stop-Motion vornehmlich für Erwachsene liefern. Klassische Animation aus Japan und Europa, Computeranimiertes von überallher, die Auswahl ist riesig und die Qualität beinahe durchgängig hoch. Laika haben sich aber einen wiedererkennbaren, einzigartigen Stil geschaffen, an dem sie stetig weiter feilen und ihn verbessern. Ich erwarte mit Spannung, was sie als nächstes abliefern.

‚Kubo‘ ist absolut sehenswert. Nicht nur weil eine über 100 Jahre alte Technik auch heute noch optisch zu beeindrucken vermag, auch weil hier aus einer sattsam bekannten Handlung durch liebevolle Charakterzeichnung und thematische Stringenz das Beste herausgeholt wird. Sicherlich einer der besten Animationsfilme des letzten Jahres . Um zu sagen, ob es der Beste ist, müsste ich erst noch ‚Zootopia‘, öh, ich meine natürlich ‚Zoomania‘ und ‚Moana‘  Entschuldigung ‚Vaiana‘ schauen (alles in Ordnung bei Euch Disney? sind das geheime Botschaften? sollen wir Hilfe schicken?). Aber ich glaube erst mal hole ich ‚Die Boxtrolls‘ nach.

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3 Gedanken zu “Gestern Gesehen: ‚Kubo – der tapfere Samurai‘; OT: ‚Kubo and the two strings‘ (2016)

    • Bei Disney waren es definitiv Rechtliche Bedenken (aber geheime Botschaften wären spannender). Bei Kubo weiß ich es nicht. Aber ich habe mit keinem der Titel ein größeres Problem („und die zwei Saiten“ hätt ich trotzdem schöner gefunden).

      Hm, da wollte ich zur roten Schildkröte eine launige Ninja Turtles Anmerkung schreiben und merke, dass ich nicht mehr weiß, wer die rote Maske trug. Jetzt fühl‘ ich mich alt… 😉

      Gefällt 1 Person

  1. Pingback: Kritik: Kubo- Der tapfere Samurai – filmexe

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