„Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“ Daniel Day-Lewis und das Karriere-Ende

Anlässlich des selbstverkündeten Karriere-Endes von Schauspiel-Ausnahmetalent Daniel Day-Lewis hat Ma-Go zu einer Blogparade aufgerufen, in der wir einen Blick auf Berufskollegen von Herrn Day-Lewis werfen, die ihre Karriere vielleicht auch etwas früher hätten beenden sollen. Dabei lasse ich bewusst Darsteller außen vor, die Erfolge als Kinderdarsteller einfuhren, die sie als Erwachsene nicht wiederholen konnten. Macaulay Culkin (‚Kevin allein zu Haus‘) oder Linda Blair (‚Der Exorzist‘) zum Beispiel. Die bilden eine eigene Kategorie. Anmerken möchte ich natürlich, dass bei jedem der genannten Darsteller (sofern er noch lebt) eine Rückkehr zur Form möglich und wünschenswert ist.

Robert DeNiro

Ich versteh es nicht Robert. Warum? Muss eine Kloschüssel aus massivem Gold her oder warum tust Du Dir das selbst an? Hast Du den Punkt überschritten, wo Dir alles egal ist aber anstatt nur noch Rollen anzunehmen, die Dir gefallen, nimmst Du jede Rolle an, die Dir angeboten wird? Die Idee, dass Dir die Filme gefallen, in denen Du mitspielst kann ich nicht glauben. Von ‚Dirty Grandpa‘ hast Du doch nie etwas anderes gesehen als den Scheck, den Du dafür bekommen hast. Ich bleibe verwirrt und etwas zornig und zitiere mich selbst aus meiner ‚Grandma‘ Rezension:  „So hatte in ‚Dirty Grandpa‘ zuletzt Robert De Niro die Gelegenheit einen prostataschmerzenden Uringuss auf die traurigen Reste seiner irgendwann mal brillanten Karriere zu miktieren.“

Johnny Depp

Okay, ganz ehrlich gesagt möchte ich nicht, dass Depp seine Karriere hinschmeißt. Ich würde mir nur wünschen, dass er damit aufhört sich für seine Rollen hinter dicken Masken, doofen Hüten, falschen Glatzen, lustigen (?) Schnauzbärten oder vor allem allerlei Manierismen zu verstecken. Ich würde gern wieder den Johnny Depp der 90er sehen, der in Rollen wie Ed Wood oder Donnie Brasco schlicht zu verschwinden schien. Das wird aber wohl nicht passieren, bis die Welt sein Jack Sparrow-Gehabe endgültig Leid ist. Insofern könnte er also in Rente gehen und sich von einem CGI Deppbot vertreten lassen. Einfach die gewünschten Manierismen eingeben und der chargiert sie dann hin.

Sean Connery

Hat Sean Connery wirklich was auf dieser Liste verloren? Er hat Bond zu dem gemacht, was er ist und seine Karriere verlief danach durchaus solide weiter. In den 90ern wurde es dann etwas holperig und es mischten sich Fehltritte wie ‚Highlander 2: The Quickening‘ in seine Filmografie. Aber wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, definiert sich sein Karriere-Ende vor allem durch Filme, in denen er nicht mitgespielt hat. Angeblich wurde ihm die Rolle des Morpheus in ‚Matrix‘ angeboten. Er fand das Drehbuch doof und lehnte ab. Dann sollte er Gandalf im ‚Herr der Ringe‘ sein (schwer vorstellbar, die Rolle mit irgendjemandem außer McKellen besetzt zu sehen). Wiederum lehnte er ab, weil er das Buch nicht gut fand. Als beide Filme zu Megaerfolgen wurden, beschloss er die nächste Rolle in diese Richtung anzunehmen, egal wie blöd er das Buch findet. Das nächste Drehbuch auf seinem Tisch war ‚League of Extraordinary Gentlemen’… Danach beendete er seine Karriere. Oder auch nicht, denn 2012 kam er noch einmal zurück für die Hauptrolle im Animationsfilm ‚Sir Billi‘. Ihr fragt Euch, warum Ihr von dem nie gehört habt? Seht und urteilt selbst, ob er lieber früher hätte aufhören sollen:

Marlon Brando

Brando ist wohl das Vorzeige-Beispiel für die öffentliche Selbstzerstörung. Er gilt als der Schauspieler der den Realismus in der Darstellung nach Hollywood gebracht hat. Nach ‚Endstation Sehnsucht‘ und ‚Die Faust im Nacken‘ war er ein Superstar. Aber exzentrisches Verhalten und schwierige Zusammenarbeit machten ihn, zusammen mit einigen Flops, beinahe zur persona non grata. Dann gab ihm Francis Ford Coppola die Titelrolle in ‚Der Pate‘ und Brandos Ruhm schoss in neue Höhen und mit ihm leider auch sein erratisches Verhalten. Wieder 20 Jahre später saß er am Set von ‚ DNA – Die Insel des Dr. Moreau‘ mit einem Knopf im Ohr, weil er sich weigerte seine Texte zu lernen. Niemand wagte ihm zu widersprechen, als er beschloss seine nächste Szene mit einem Eiseimer auf dem Kopf zu drehen. Einige Jahre später musste das Filmteam von ‚The Score‘ in seine Sauna kommen, da er sich weigerte für seine Szenen das Haus zu verlasen. Er nannte Regisseur Frank Oz, langjährigen Puppenspieler bei den Muppets, durchgehend „Miss Piggy“. Im endgültigen Film ist ein müder, alter Mann zu sehen, der keine Ahnung hat worum es geht. Ich frage mich, ob das Brando-Prestige die Mühe wert war.

Beinahe wäre auch John Travolta auf dieser Liste aufgetaucht aber der hat mir in ‚In a Valley of Violence‘ so gut gefallen, dass ihm das erspart bleibt.

Ich frage mich, ob die Tatsache, dass mir keine Schauspielerinnen einfallen, ein Beleg für das Klischee ist, dass es für Frauen über 40 keine Rollen mehr gibt.

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25 Gedanken zu “„Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“ Daniel Day-Lewis und das Karriere-Ende

  1. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (03-07-17)

    • Ich glaube wirklich, dass das daran liegt, dass die meisten Schauspielerinnen in Hollywood ab einem bestimmten Alter kaum noch Rollen bekommen können (Ausnahmen gibt es natürlich). Das einzige Beispiel, dass ich auf einer Liste gesehen habe, dass mich restlos überzeugt hat, war Cameron Diaz, alle anderen genannten tauchen nur noch in Winzrollen auf, haben also gar keine Möglichkeit ihre Karriere zu versauen.

      Will sagen, nicht wir sind sexistisch, es ist Hollywood! 😉

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  2. Pingback: 5 Schauspieler, die ihre Karriere besser frühzeitig beendet hätten – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  3. De Niro hatte seinen guten Nebenrollen in den Filmen von David O. Russell und den charmanten Malavita. Es gibt für ältere Schauspieler nicht immer attraktive Rollen. Davon abgesehen ist er ein Vollblutschauspieler, warum sollte so jemand seine Karriere beenden? Die Filme mögen nicht gut sein, De Niro ist es trotzdem. Zuletzt in The Comedian oder The Wizard of Lies.

    Und 2018 kommt The Irishman.

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    • Ich glaube De Niro hat einfach das Pech vom absoluten Qualitätsgaranten zu jemandem zu werden, der auch Rollen in nicht so dollen Filmen annimmt und das Publikum (mich eingschlossen) nehmen ihm das mehr übel als anderen. Ich bin sicher, dass er auch noch gute Auftritte hinlegt, die „großen“ als Dirty Grandpa, alternder Boxer oder Praktikant waren halt nicht so sein Niveau. Und selbst da würde ich ihm zu Gute halten, dass er wenigstens nicht durch seine Rollen schlafwandelt, wie mach anderer.

      Und natürlich will ich nicht ernsthaft, dass irgendeiner der Genannten seine Karriere beendet. Selbst wenn ich sie unerträglich fände, gäbe es da eine einfachere Lösung, ich würde einfach keine Filme mit ihnen schauen. 😉

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  4. Pingback: [Blogparade] 5 Schauspieler, die ihre Karriere besser frühzeitig beendet hätten | audiovisuell

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