Früher waren Filme kürzer! …oder?

Gelegentlich stellt sich mir die Frage, ob ich alt werde. Nicht aufgrund irgendwelcher Zipperlein zum Glück, auch wenn es in meinem linken Knie gelegentlich verdächtig klickt, auch nicht, weil ich Kinder aus meinem Vorgarten verjagen wollte, was aber daran liegen könnte, dass ich keinen solchen besitze. Nein, der Grund ist weitaus perfider. Ich erwische mich dabei, dass ich von „früher“ spreche. Die Anführungsstriche sollen verdeutlichen, dass es bei diesem „früher“ nicht wirklich um den zeitlichen Zustand geht, sondern um den quasi-mythologischen Zustand, wie er sich in meinem Gedächtnis darstellt. Jeder, der schon einmal mit Freunden oder Verwandten über ein lange zurückliegendes, gemeinsam erlebtes Ereignis gesprochen hat, wird wissen, wie sehr die jeweiligen Erinnerungen auseinander gehen können und am Ende einigt man sich zumeist auf die Variante, über die die meisten Beteiligten am besten lachen können. Die „früher“-Aussage meinerseits, die wir heute einmal gemeinsam untersuchen wollen lautet: „früher waren Filme, insbesondere Blockbuster, nicht so verdammt lang, wie heute!“ Stimmt das? Oder ist es wie mit dem Gras, das früher grüner, dem Himmel, der blauer war und den Vögeln, die mit Sicherheit schöner gesungen haben? Schauen wir mal.

Ich beginne meine Suche, wie wohl jeder Internetbenutzer, natürlich bei Google. Und siehe da, bei Eingabe der Worte „werden Filme immer“ schlägt mir Google direkt Folgendes vor:

länge

schlechte Barbie Unterbrechungen werden brutal länger

Daraus ziehe ich zwei Schlussfolgerungen und eine Frage: Ich bin nicht allein mit meiner Vermutung! Ich bin noch nicht so alt, dass ich ernsthaft glaube „früher“ wären Filme besser gewesen! Es gibt genug Barbie-Filme um einen Qualitätsabfall festzustellen (mein Tipp übrigens warum die schlechter werden: Ihr seid nicht mehr sieben Jahre alt!)?

Nun, nachdem ich meine Frage eingegeben habe, finde ich jede Menge Artikel und Feuilletonbeiträge, die absolut davon überzeugt sind, dass Filme immer länger werden und das ganz, ganz furchtbar finden. Üblicherweise unterlegt mit einem Szenenfoto aus den ‚Hobbit‘-Filmen oder von einem Transformer. Aber das sind alles nur Eindrücke, Vermutungen und Gefühle, die tatsächlich auch noch meistens mit einem „früher“ wären Filme besser gewesen Eindruck einhergehen. Das will ich aber nicht, ich will Daten, verdammt nochmal! Daten! Hach, ich fühle mich jünger und jünger!

Nach etwas intensiverer Suche werde ich endlich fündig. Dr. Randal Olson, Senior Data Scientist an der Universität von Pennsylvania, hat auf seiner Seite nicht einfach nur Daten, er hat Daten in schicken Python-Plots! Und wer bin ich, dass ich Python-Plots anzweifeln würde![1] Da ignoriere ich sogar das obligatorische ‚Hobbit‘-Bildschirmfoto! Also, was sagen Dr. Olsons Daten nun aus? Wichtig für uns ist sein Plot der die Länge der 25 beliebtesten Filme eines Jahres von 1931 bis 2013 darstellt. Eben der Blockbuster. Und aus diesen Daten können wir die Frage, ob Filme immer länger werden mit einem eindeutigen „jein“ beantworten. In den 50er Jahren sind Filme erheblich länger geworden. Das ist auf die Einführung des Fernsehens zurückzuführen. Kinos mussten einen Mehrwert bieten, um Leute von der Flimmerkiste weg zu locken. Das taten sie über Breitbildformate und eben über Länge. Die 50er und 60er waren die Zeit der Filmepen, der ‚Ben Hur’s und der ‚Lawrence von Arabien’s. Dann in den 70ern aber kam es zu einem Einbruch der Laufzeiten und Mitte der 80er wurde ein Tiefpunkt erreicht. Dr. Olson weiß nicht genau woran es liegt, stellt aber die sinnige Vermutung auf, es könne mit der Einführung der Videokassette zusammenhängen, die anfangs nur bis zu 120 Minuten fassen konnte. Ab den 80ern hatte der Heimkinomarkt eine gigantische Bedeutung von daher macht es Sinn. Mit der Einführung längerer Videokassetten und schließlich der DVD konnten Filme wieder länger werden. Etwa im Jahr 2000 erreichten sie wieder die durchschnittliche Länge der 60er. Eine Explosion der Spielzeit hat seitdem allerdings nicht stattgefunden. Eher ein fluktuierendes, höchstens leichtes Wachstum.

Filme werden also nicht immer länger. Warum kommen mir dann Blockbuster immer länger vor? Liegt es an der Inszenierung des durchschnittlichen Superheldenfilms, bei dem stets die letzten 30 bis 45 Minuten die Schwächsten sind, weil sie aus der immer gleichen CGI-Kloppe bestehen, die schon seit Jahren nichts neues mehr bieten kann und daher extrem das Sitzfleisch beansprucht? Liegt es daran, dass ich alle Credits bis zum Ende schaue, nicht weil ich unbedingt wissen möchte wer für das Catering verantwortlich zeichnet, sondern sehen will wie eine lila Knautschvisage bunte Steinchen sammelt? Sind es die sinnlos wirkende Nebenszenen, die nur dem Aufbau eines „Cinematischen Universums“ dienen? Oder ist es wirklich die kindliche Erinnerung an die Filme der 80er und frühen 90er, die tatsächlich objektiv kürzer waren.

Was auch immer die Antwort ist, alt werde ich gewiss noch nicht, denn ich habe auf dem Weg hierhin derart viele griesgrämige, verbitterte Artikel gelesen, dass ich mich eher wieder wie ein junger Optimist fühle. Und damit hat dieser Artikel immerhin etwas geleistet.

Wie ist das so bei Euch? Scheinen Euch Filme auch immer länger? Fallen Euch manchmal Szenen auf, bei denen Ihr Euch fragt, ob sie wirklich da sein müssen? Oder mögt Ihr vielleicht sogar besonders lange Filme?

PS: 2020 könnte die Statistik übrigens verfälscht werden. Da erscheint nämlich ‚Ambiance‘ der längste Film aller Zeiten mit 720 Stunden, sprich 30 Tagen. Wer will kann sich jetzt schon mal den 7 Stunden 20 Minuten Trailer geben. Erzählt mir mal, wie der so ist.[2]

 

[1] http://www.randalolson.com/2014/01/25/movies-arent-actually-much-longer-than-they-used-to-be/

[2] https://de.nachrichten.yahoo.com/l%C3%A4ngster-film-aller-zeiten-mit-siebenst%C3%BCndigem-161353339.html

48 Gedanken zu “Früher waren Filme kürzer! …oder?

  1. Gut zusammengefasst. Dass in den 1980ern die Filme der Videokassette wegen wieder kürzer wurden klingt für mich sehr plausibel. Mittlerweile dürfen sie also wieder länger werden und sind es auch – es ist also wirklich nicht nur ein Eindruck, sondern Tatsache, glaube ich. Drei Stunden Kino hat den Vorteil/oder auch Nachteil, dass wenn einem der Film gefällt, man sich ab der Hälfte freut: „Oh toll! Nochmal so lange!“ Oder, wie bei Man of Steel oder BvS folgend reagiert: „Yay Bossfight! Nein, doch nicht. Jetzt aber? Nope. Aber jetzt? Nicht ganz. Fast. Aber jetzt? Immer noch nicht? Wtf?“ Oder so 😀

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  2. Hallöchen,

    auch wenn dein wahres Alter eines der geheimnisvollsten Mysterien hier in der Bloggerwelt ist, kann ich deine Eingangsfrage ziemlich eindeutig beantworten. Ja, du wirst alt. Aber wenn es dich tröstet, das geht nicht nur dir so.

    Im Hinblick auf die Länge alter Filme sind mir beim Lesen spontan „Die 10 Gebote“, „Ben Hur“ oder „Spartacus“ eingefallen. Selbst Horrorfilme wie „Rosemary’s Baby“ gehen meiner Erinnerung nach über 2 Stunden. Ich hatte mir mal im Zusammenhang mit „Der Unsichtbare“ Gedanken über Erzählstrukturen im Wandel der Zeit gemacht.

    https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/08/12/universal-monsters-5-der-unsichtbare-erzaehlstrukturen-im-wandel-der-zeit/

    Ich glaube das spielt bei der (gefühlten) Länge heutiger Filme auf jeden Fall mit rein. Alles muss über Rückblenden etc gezeigt und erklärt werden. Das dauert natürlich länger als einfach zu sagen. Wir haben in einer Felsspalte in Syrien dieses Ding hier gefunden. Stattdessen schaut man einer Forscherexpedition 15 Minuten dabei zu, wie sie durch enge Felsgänge schleicht, um dann das besagte Ding zu finden (und wahrscheinlich bis auf einen getötet zu werden).

    Was mir auch aufgefallen ist (Achtung Subjektivität auf Grund von Datenmangel), sind die heute deutlich längeren Showdowns. Als ich neulich Dracula gesehen habe, war ich überrascht wie unspektakulär das Monster am Schluss getötet wird. Das würde heute wahrscheinlich ganz anders ablaufen 🙂

    Zu den Barbie-Filmen kann ich mir auf Grund meiner Bildungslücke kein Urteil erlauben. Allerdings erscheint mir die Frage, die sich so viele Googlenutzer stellen, durchaus berechtigt. 😀

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    • Haha, ich bin mysteriös! Und 12! 😉

      Die Erklärungsnwut/-not heutiger Filme ist tatsächlich so ein Ding. Wenn man heute der Exorzist sieht und die ersten 5 Minuten spielen im Irak, dann müsste heute erklärt werden, wie Father Merrick da hin kommt und wer warum die Expedition bezahlt. Und was zur Erbsensuppe-gefüllten Hölle macht Merrick bis er im letzten Drittel wieder auftaucht?
      Ich frage mich, ob das damit zu tun hat, dass es gerade im Internet viele Leute gibt, die nicht wirklich Filmkririk betreiben, sondern nach Logikfehlern suchen oder Dingen die nicht ausreichend erklärt werden. Oder sind die erst durch die Erklärsamkeit neuerer Filme inspiriert? Henne und Ei und so. Die ausufernden Showdowns erklärt das allerdings nicht.

      Die Erforschung der Barbie-Filme überlasse ich Experten. Es scheint ja durchaus ein lohnenswert zu beackerndes Gebiet zu sein…

      PS: ist das Rätsel diesmal eigentlich besonders schwer oder bin ich nur doof?

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      • An die Zahl 12 habe ich bei so manch geistreichen Witz und Wortspielchen auch schon gedacht 😀

        Die Frage was zuerst war oder ob sich das ganze in wechselwirkendem Einklang hochgescaukelt hat ist echt interessant. So oder so glaube ich, dass ein Merkmal unseres Zeitgeistes eine gewisse „I want it all – I want it now“ Mentalität ist. Auf Filme übertragen könnte man das in in einer Art „Ich will nicht nachdenken, sondern alles erklärt und gezeigt bekommen“-Einstellung erkennen. Serien zeigen ja wie cool das sein kann.

        P.S: Ich finde die Rätsel auch ziemlich schwer, habe mich aber bisher auch noch nicht intensiv damit beschäftigt. Mache ich heute Mittag. Hast du schon was gewusst? Gann Uma hat sich beklagt, dass kaum eute mitmachen. Ich lade jetzt mal schnell noch paar Leutchen ein.

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        • Ich habe in den letzten tagen immer nur kurz geschaut, ob ich was auf Anhieb weiß. Tat ich nicht. Heute morgen wollte ich ein paar Sachen beantworten und habe bei 3-4 Sachen zumindest eine Ahnung, bin dann aber beim Artikellesen und Kommentare schreiben gelandet. 😉 Werde mir morgen früh nochmal ein wenig Zeit nehmen.

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          • Liebe Leidensgenossen,
            eigentlich war ich angetreten, um meine Meiung zum Thema Filmlänge kundzutun. Nun lese ich, dasss sich hier endlich auch mal in Sachen November-Rätsel outet. Oh, wie tut das gut. Danke, danke, danke.
            Ich bin auch schon kurz vor der Sinnkrise. Ich habe bei einem guten Drittel der Frage aber auch nicht den Hauch einer Ahnung. Bei den übrigen bin ich mir auch nur bei einigen (zumindest, was den Titel angeht) sicher. Ganz miese Bilanz. Noch schlimmer sieht es bei den musikalischen Extras aus….Hierzu sei kein weiteres Wort verloren. Es tut aber immer gut, wenn nicht der einzige Blinde ist. Fragt sich nur, wer in diesem Monat der/die Einäugige sein wird….

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          • Ich hoffe es mindert Deine Sinnkrise, wenn ich Dir sage, dass Du zumindest mir dann im Moment rätseltechnisch noch ein ganzes Stück vorraus bist! Das ich bei der Musik nicht glänzen würde habe ich schon geahnt aber ein paar Titel müssen noch her!

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      • So, nun aber…
        Die Beatles haben in den 60ern kein Konzert , das länger als 30 Minuten war; würden die Stones heute keine drei Stunden rocken, würde es wohl zu einer kollektiven Hinrichtung von Jagger & Co. kommen.
        Lange Filme gab es schon immer: Birthday of a Nation, Metropolis, Krieg und Frieden (Stummfilmfassung). Das zog sich durch alle Dekaden, mal mehr mal weniger ausgeprägt. Aus Kinderzeiten (ich bin vermutlich älter als ihr meint) weiss ich noch, wenn Die Brücke am Kwai, Giganten, Lawrence von Arabien, Quo Vadis und, und, und an den Feiertagen im Fernsehen liefen, was das immer ein Event. Von Langeweile keine Spur. Aus meiner Sicht lieferte da die Story (Buchvorlage, Drehbuch) auch eine echte Rechtfertigung für eine Filmlänge von 2 Stunden + x. Die Story gab es einfach her. Außerdem gab es auch mehr Interesse an der Charatkterzeichnung; etwas was aus dem heutigen Kino fast ganz verschwunden ist. Jede noch so banale Geschichte wird hingegen bis zum unerträglichen aufgeblasen und mit völlig überflüssigen Subplots gepolstert. In den letzten Jahren ist einer meiner regelmäßigen Statments nach dem Ende eines Films. „Na ja, 30 Minunten weniger wären besser gewesen“…..
        Stichwort Erklärungswut: Haben die Zuschauer die Fähigkeiten zum Abstrahieren verloren? Muss alles erklärt werden? Sind Zuschauer dümmer geworden?
        Stichwort Showdown: Völlig richtig, fällt mir auch auf, die werden auch immer länger, aber leider nicht besser. Wann hat das angefangen? Jahres Bond, Indiana Jones, John McLane?

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        • Klar, lange Filme gab es schon immer und ja die Erzählstrukturen wandeln sich und gerade beim Blockbuster nicht immer zum positiven, gerade zu den anstrengenden Cinematischen Universen hab ich ja letzte Woche geschrieben. Aber dem Punkt, dass Filme früher besser waren widerspreche ich auch hier. Erstens haben ältere Filme den Vorteil, dass nur die wirklich Guten noch Erwähnung finden, der ganze Mumpitz drumrum ist längst vergessen. Zweitens erleben wir für einige Genres mMn gerade sehr gute Zeiten. Der Animationsfilm ist z.B. so gut aufgestellt wie seit Ewigkeiten nicht. Von CGI-Animationen mit Megabudget zu klassicher Animation aus Europa und Japan und vor allem den wunderbaren Stop-Motion Studios, die tolle Sachen herausbringen. Der Independentfilm ist dank günstigem Equipment so vital wie seit langem nicht. Und irgendwann wird auch der Superheldenboom (der dafür sorgt, dass auch die Bonds und McClanes noch mehr zu Superhelden werden müssen) auch mal wieder enden.

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          • @Steffelowski
            „Haben die Zuschauer die Fähigkeiten zum Abstrahieren verloren? Muss alles erklärt werden? Sind Zuschauer dümmer geworden?“
            Ich halte nichts davon Dinge zu sehr zu vereinfachen. Aber 1. ja 2. leider ja 3. JA! 😀

            @Filmlichter
            Das mit der Qualität ist richtig und wichtig festzuhalten. Ich bin der Meinung, dass es heute einen ganzen Haufen richtig guter Filme gibt. Vielleicht sogar mehr als „früher“. Sie sind nur wegen der hohen Anzahl an Produktionen schwerer zu finden und auszuwählen. MIr kommt es so vor als hätten viele Filmfans (wenn man sie denn so nennen will) die Einstellug sie müssten alles sehen, um mitreden zu könnnen. Dann schaut man eben den xten Terminator und jeden beliebigen Actionfilm, der eigentlich im Vorfeld schon zum Scheitern verurteilt sein müsste.

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  3. Ich bin auch einer, der das Gefühl hat, dass Filme immer länger gehen. Sicher gab es früher auch Epen, die die vier Stunden geknackt haben, doch das meine ich gar nicht. Mir fällt es eher an den 08/15 Thrillern oder Komödien auf, die dann gerne mal 150 Minuten gehen. Das war nicht schon immer so. Aber vielleicht bin ich da auch zu sehr von den 80er/90er Jahren beeinflusst…

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    • Ich sehe das auch so, dass ein Film seine Laufzeit „begründen“ muss. Wenn selbst mit, der Filme nur sieht und noch nie einen gemacht hat, Szenen auffallen oder gar ganze Handlungsstränge bei denen ich mich frage, was sie da sollen, weil sie nix beitragen oder sogar vom zentralen Element ablenken, dann läuft sicherlich etwas schief.

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  4. Ich bin da ganz auf @Bullions Seite. Sofern ein Film, oder vielmehr der Plot, es hergibt, habe ich gegen eine Laufzeit von 120 Minuten plus nichts einzuwenden. Aber wenn es nur darum geht „auf Zeit zu spielen“, ist es mehr als ärgerlich. Besonders bei bei den Superhelden-Filmen (egal ob Marvel oder DC) ist das zu einer richtigen Seuche geworden und ein Ende ist nicht abzusehen……..

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    • Ich glaube es geht auch nicht nur um das „Auf Zeit spielen“. Ich habe zudem das Gefühl, dass ein einfacher Twist in der modernen Erzählung nicht mehr ausreicht. Es muss ständig noch eins drauf gesetzt werden. Der böse ist heute in Wirklichkeit nicht nur der Vater des Helden. Sondern in Wahrheit auch noch eine Frau. Und am Ende kommt raus, dass der Held tatsächlich am Ende ein ganz falsches Spiel gespielt hat. Und dann passt irgendwann gar nichts mehr zusammen.

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    • Ja, Superhelden verlieren gerade etwas die Bodenhaftung… okay, das ist vielleicht nicht überraschend. 😉
      Vielleicht spielt da inzwischen auch Angst rein das Publikum zu enttäuschen. „beim letzten Mal habe ich für den preis meiner EIntrittskarte 2 1/2 Stunden Gegenwert bekommen und diesmal nur 1 1/2? Frechheit!“ Ich fürchte es gibt Leute, die so denken.

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  5. Also, ich hab jetzt mal Beitrag + alle Kommentare durchgelesen und hab so viel gefunden aus dem sich wieder eigene Diskussionen spinnen lassen würden, dass ich erst mal schauen muss, dass ich jetzt alles unter einen Hut bring😅😉!

    Fangen wir mal mit dem eigentlichen Hauptthema an, der Filmlänge. Hier muss ich sagen, dass mir persönlich noch nicht aufgefallen wäre, dass die Filme immer länger werden aber mein Mann tätigt oft diese Aussage. Mir ist das ziemlich gleich da es bei mir nur darum geht wie ich die Länge während der Sichtung empfinde…ein 3 Stunden Film kann vergehen wie im Flug und 90 Minuten können einem unerträglich lange vorkommen.

    Was Erzählstrukturen angeht bin ich auch relativ neutral bei der Debatte ob heutzutage zu viel wert auf „sinnlose“ und „überbordende“ Narration gelegt wird da es sich auch hier wieder auf den Film ankommt. Ich habe allerdings eine andere Beobachtung gemacht, die mit diesem Thema verwandt ist, die mir viel öfter ins Auge sticht, nämlich, dass gerne Filme die nicht viel preisgeben und alles im Verborgenen lassen meist als die künstlerischen angesehen werden und solche welche eine Geschichte stringent erzählen als Mainstream und Eintagsfliegen. Eine Denkweise mit der ich zugegebenermaßen nicht ganz konform gehe und ein Thema, dass ich dem in einem Beitrag ein wenig streifen werde.

    Ganz prinzipiell und themenübergreifend kann ich allerdings sagen, dass ich es begrüße wenn Filmemacher die Intention verfolgen ein Werk so auf die Leinwand zu bringen wie sie es wollen und dabei weniger auf die Laufzeit schielen (egal in welche Richtung – denn die Nachrichten von massiven Schnitten und Kürzungen sind in diesen Zeiten ja auch keine Seltenheit).

    Als letztes möchte ich noch auf ein Thema eingehen welches mich auch ziemlich beschäftigt…das Rätsel dieses Monat! Ich bin sooo froh, dass andere auch so ihre Probleme haben und nicht einfach nur ich zu blöd bin! Ich mein, die Rätsel können auf sprachlicher Ebene durchaus punkten und man merkt einen sehr kreativen Geist dahinter aber allein die Wahl des Themas finde ich nur mäßig gelungen, denn so wie ich das verstanden habe muss es sich bei den Filmen ja nicht um Musikfilme irgendeiner Art handeln sondern einfach nur um Filme mit irgendeiner Assoziation zu Musik und mal ganz ehrlich…nachdem jeder Film einen Soundtrack oder ähnliches hat (bzw auch das fehlen eines solche beachtlich wäre) wurden die möglichen Kandidaten somit auf alle Filme reduziert die jemals gemacht wurden! Wie soll denn dass einer schaffen!?

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    • „Ich habe allerdings eine andere Beobachtung gemacht, die mit diesem Thema verwandt ist, die mir viel öfter ins Auge sticht, nämlich, dass gerne Filme die nicht viel preisgeben und alles im Verborgenen lassen meist als die künstlerischen angesehen werden und solche welche eine Geschichte stringent erzählen als Mainstream und Eintagsfliegen.“

      Das ist mir in gemäßigter Form auch schon aufgefallen. Ich mag Filme, die man interpretieren kann und die eher surreal gehalten sind. Wenn aber für mich gar nichts „einen Sinn“ macht, muss ich mich leider verabschieden. Egal wie hübsch der Film aussieht. „Mulholland Drive“ ist da für mich so ein Beispiel. Ich meine ich glaube verstanden zu haben worum es geht und was da passiert. Aber insgesamt habe ich einfach keinen Zugang gefunden, weshalb mir die Laufzeit in diesem Fall unfassbar lang vorkam. Aber da bin ich wohl der Einzige 😉

      Zum Rätsel:
      Ja, du hast Recht. Das Thema ist wirklich sehr offen. Zur Verteidigung muss ich aber sagen, dass zu Beginn gesagt wurde, dass die Filme bunt gemischt sind. Natürlich macht es das schwerer. Aber früher (und der 12-jährige Filmlichter kann das bezeugen) waren die Rätselrunden oft ohne thematischen Schwerpunkt. Ich glaube, das ist nicht das Problem. Ich bin auf die Auflösung gespannt. Dort werden wir sehen woran die gefühlte Schwierigkeit gelegen hat. Vielleicht waren die Hinweise zu schwammig. Vielleicht sind die gesuchten Filme einfach (für mich oder uns) zu unbekannt. Vielleicht haben wir uns zu sehr auf die musikalischen Boni konzentriert. Punkte gab es ja darauf gar keine. Zumindest habe ich das so verstanden. Wir werden sehen. Ich habe mal zu (fast) jedem Rätsel etwas geschrieben. In den meisten Fällen fand ich das sogar passend und sinnvoll. Und dennoch bin ich mir bei keinem sicher den richtigen Film gefunden zu haben.

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      • Du hast mich was die interpretationsbedürftigen Filme angeht genau verstanden…ich finde es auch spannend wenn nicht alles einfach so vor einem ausgebreitet wird aber wenn es so konfus wird, dass ich keinen Zugang finden kann gibt mir das ganze einfach nichts. Außerdem muss ich auch sagen, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass ein Regisseur mit Gewalt künstlerisch sein will/muss und sich dahinter dann eigentlich gar nichts mehr verbirgt außer der Wunsch unbedingt besonders intellient zu wirken (da ist Terrence Malick bei mir so ein Kandidat).

        Was das Rätsel angeht bin ich auch schon seeeehr gespannt auf die Auflösung und wie du ganz richtig schreibst hoffe ich, dass es vielleicht ein bisschen deutlicher wird, weshalb sich offensichtlich die meisten etwas schwerer dabei tun die Lösungen zu finden. Ich habe bisher nur bei 4 Rätseln eine für mich schlüssige Lösung gefunden, bei 2 habe ich zumindest eine Assoziation glaube aber nicht das diese stimmt und bei 4 stehe ich vollkommen auf dem Schlauch. Das die Rätsel früher thematisch nicht umrissen wurden wusste ich nicht (bin ja noch nicht so alt wie der Kollege Filmlichter 😉 ), allerdings erscheint mir dies wirklich sehr knifflig 😉 .

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        • Ich weiß nicht, ob du die älteren Malick-Filme kennst aber Badlands oder Days of Heaven finde ich ganz toll. Ein „Problem“ habe ich eher seit „Tree of Life“. Ab hier sehen die Filme aus wie ne Parfüm-Werbung mit passender Flüster-Narration.
          Wer ist hier alt? Gugu Gaga und so! 😉

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      • Bei Lynch besteht glaube ich oft das Problem – und daran ist Lynchs eigene Geheimniskrämerei nicht ganz unschuldig – das seine Filme zu sehr als Problem, das es zu lösen gilt verstanden werden, anstatt sie einfach auf sich wirken zu lassen. Und Du bist keineswegs der Einzige bei ‚Mulholland Drive‘, was aber natürlich nicht bedeutet, dass ihr nicht alle Unrecht hättet! 😉

        Eas tut mit inzwischen fast ein bisschen Leid, das ich den „klagt übers Rätsel“ Ball ins Rollen gebracht habe. Ich finde es keineswegs schlecht, nur halt schwer! Jetzt wo ich weiß das geht anderen auch so, bin ich schon beruhigt! Ich bin auch auf die Auflösung gespannt und darauf mich dann vermutlich sehr, sehr dumm zu fühlen…
        Gann Uma, falls Du das ließt: ich mag Dein Rätsel und hätte sehr gerne mehr Fragen beantwortet! 🙂

        PS: ich lösche jetzt die Kopie deines Kommentars!

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        • “ anstatt sie einfach auf sich wirken zu lassen.“
          Das habe ich eigentlich versucht. Hat aber nicht funktioniert 😀 Ich muss nicht jedes Detail verstehen, um einen Film zu mögen und genießen zu können. Aber „Mulholland Drive“ hat wirklich keinen Spaß gemacht. Aber ih fühle mich wohl im Club der Ahnungslosen 😉

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        • Ach ja: Ich hab das Rätsel ja auch schon verteidigt. Wir werden sehen was bei der Auflösung raus kommt. Prinzipiell finde ich auch, dass es auch mal schwerer sein darf. So lange die Rätsel lösbar sind. Gann Uma hat sich viele Gedanken gemacht und ich finde es gut, dass so viele von uns das Rätsel weiterführen. Jeder in seinem eigenen Stil.

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    • Das ist natürlich richtig, wenn die Faszination stimmt, dann fällt die Laufzeit nicht auf, wenn nicht dann können auch 90 Minuten zur Wartezeit beim Zahnarzt werden.
      Ich bin tatsächlich mehr ein Freund des „Dinge im Dunkeln“ lassen. Das wird aber natürlich dann zum Problem, wenn der Eindruck entsteht der Film habe schlicht keine Antworten, die er geben könnte.
      Aber ich glaube wir sind als Publikum ein wenig zu fixiert auf die typische, narrative drei Akt Struktur des Films und allem, was davon abweicht wird oft genug unterstellt es wolle auf Krampf künstlerisch oder „schlauer als es ist“ wirken. Das mag manchmal zutreffen aber das muss man auf einer Fall-zu-Fall Basis klären.

      Zum Rätsel: ich finde eigentlich nicht schlecht, dass es mal ordentlich schwer ist. Seitdem ich gemerkt habe, dass es nicht an mir liegt bin ich wieder ganz zufrieden. Und vor allem auf die Auflösung gespannt! Ich habe so den Eindruck, dass ich mich da ziemlich blöd fühlen werde. 😉

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      • Bei mir kommt es sich sehr stark auf meine Stimmung an aber natürlich kann man ganz allgemein sagen, dass mir gute Filme, die die Dinge im Dunkeln lassen meist besser im Gedächtnis bleiben und auch meine Faszination für diese Filme größer ist. Außerdem ergibt sich bei mir ganz automatisch der Wunsch den Film immer wieder einmal zu sehen um hinter alle Hinweise zu steigen.

        Mir macht es prinzipiell auch nichts wenn die Rätsel etwas schwerer sind (es soll ja immerhin eine Herausforderung sein) aber so ein kleines Erfolgserlebnis ab und an finde ich auch nicht zu verachten. Und hier kann ich nicht mal mit der geballten Zusammenarbeit meines Hirnschmalzes mit Google zu solch einem Erlebnis kommen, da ich bei 6 Rätseln nicht mal einen Plan habe wonach ich suchen sollte/könnte 😀 . Umso gespannter bin ich auf die Auflösung und auch wenn ich jetzt ein bisschen Jammer darf man das nicht falsch verstehen und zu ernst nehmen, denn alles in allem freue ich mich sehr über das Rätsel, finde das Gann Uma das schon sehr gut gemacht hat und hatte auch meinen Spaß beim Kopf zerbrechen 😉

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        • Die persönliche Stimmung ist ohnehin sehr wichtig bei jedem Film. Ich habe zum Glück inzwischen ein ganz gutes „Radar“, das mir verrät, wenn ich einem Film noch eine Chance geben sollte, weil das Problem bei mir lag. Und der Wiederanschau-Wert ist ein gutes Argument.

          Das Erfolgserlebnis kann ja noch kommen. Wenn jetzt alle so reagiert hätten, als hätten sie alle Antworten, dann hätte ich mir Sorgen gemacht! 😉

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          • Ja, ich kann inzwischen denke ich auch schon ganz gut beurteilen welcher Film eine zweite Chance verdient hat und bei welchem es wohl eher Zeitverschwendung wäre 😉 .

            Stimmt, auf jeden Fall bin ich mal beruhigt, dass selbst die Großmeister und „alten“ Hasen der Rätselrunde sich diesmal etwas schwerer tun, denn schon langsam habe ich doch ein wenig an meinen geistige Fähigkeiten gezweifelt 😉

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  6. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (27-11-17)

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