„Cinematisches Universum“ Update: die Paralleluniversen-Krise

Im Superheldencomic ist die Verschmelzung zweier Paralleluniversen stets ein dramatisches Stück Handlung. Etablierte Regeln sind aufgehoben und die beliebtesten Helden beider Universen geben sich zunächst gegenseitig kräftig auf die Birne, bis sie merken, dass sie zusammenarbeiten müssen. Die Zusammenarbeit besteht dann darin beide Universen wieder voneinander zu trennen, damit die normale Existenz bei dem jeweiligen Verlag weitergeführt werden kann. In der Realität hingegen dürfte eine solche Verschmelzung eher endgültig sein.

Als ich vor ein paar Wochen an dieser Stelle über „Cinematische Universen“ schrieb, spielten Superhelden eine ganz zentrale Rolle. Allerdings habe ich die Einbindung der Fox Helden in das Marvel Cinematic Universe als „vom Tisch“ betrachtet. Heute zeigt sich wie viel (bzw. wenig) Ahnung ich von so etwas habe, denn die Fox-Marvel Verschmelzung scheint kurz bevor zu stehen und wird, von weit klügeren Leuten als mir, trotz konkurrierender Interessen als quasi gemacht betrachtet.[1]

Das hieße also die X-Men und alles drumherum kämen heim ins MCU. Ein Grund zur Freude? Für mich ehrlich gesagt nicht. Und zwar deshalb, weil Fox vor nicht allzu langer Zeit nämlich mit ‚Deadpool‘ und ‚Logan‘ der einzige der großen Player war, der sich traute zumindest an unterschiedliche Grenzen des Mainstream zu gehen und das mit beachtlichem Erfolg. Das gerade in diesem Moment, wo man eine eigene, interessante Stimme gefunden hat alles unter die erstickende Kontrolle Kevin Feiges fallen soll, unter dessen Ägide ich mir kaum ‚Deadpool‘ und keinesfalls ‚Logan‘ vorstellen kann, ist für mich beinahe tragisch.

Ich habe den neuen ‚Justice League‘ Film nicht gesehen und zugegeben kein großes Interesse das zu ändern, doch wenn ich mich nach Rezensionen richte, so scheint der Tenor, dass man sich bei DC Marvel angenähert hat – im Guten wie im Schlechten. Das hängt sicher mit der Arbeit von ‚Avengers‘ Regisseur Joss Whedon zusammen, lässt mich nun aber – zusammen mit der Fox-Verschmelzung – eine weitere Homogenisierung des Mainstreams befürchten. Und die ist nun wirklich das Allerletzte, was irgendjemand braucht, vor allem weil „Mainstream“ in den letzten Jahren ohnehin schon nur Superhelden und Superheldenähnliche bedeutet.

Mal ganz davon abgesehen, dass die Monopolstellung Disneys langsam aber sicher bedenklich wird. Man möge mir verzeihen, wenn ich der US-amerikanischen Kartellaufsicht, insbesondere unter der derzeitigen Regierung, relativ wenig Vertrauen in Bezug auf das mächtige Maus-Imperium entgegen bringe.

Mein Interesse an kämpfenden Kostümfritzen ist ohnehin an einem historischen Tiefpunkt und diese Neuigkeiten tragen keinesfalls dazu bei, dass sich daran etwas ändert. Die Tatsache, dass Disneys Aktien nach Verkündung der möglichen Verschmelzung um 3% gefallen sind, lässt mich hoffen, dass ich damit nicht allein dastehe aber letztlich bin ich nicht wirklich so naiv zu glauben Aktienentwicklung hätte irgendetwas mit kreativen Bedenken zu tun.

 

[1] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/disney-und-fox-milliardendeal-offenbar-kurz-vor-dem-abschluss/20673736.html

Ein Gedanke zu “„Cinematisches Universum“ Update: die Paralleluniversen-Krise

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