Und jetzt: viel zu viele Worte über Batman Filme

Manchmal kommen Leute zu mir und fragen: „Herr Lichter, was ist Ihr liebster Batman Film?“ und von nun an kann ich… ach, wem mache ich was vor? Niemand hat mich das je gefragt und niemand wird es je fragen, hier ist dennoch eine Auflistung aller Batman Filme vom Schlechtesten zum Besten. Aller Batman Filme? Nein, zwei Kriterien gibt es: 1. sie müssen im Kino gelaufen sein und 2. ich muss sie gesehen haben. Aufgrund Kriterium 1 fallen die meisten (aber nicht alle!) animierten Filme weg und dank Kriterium 2 fallen alle Filme mit Ben Affleck raus. Es tut mir leid, falls das jemandes Gefühle verletzt.

hello

Legen wir trotzdem los. Und zwar mit dem Schlechtesten (Anm.: die Wertung ist natürlich meine. Eure dürft Ihr gerne in den Kommentaren kundtun):

  1. ‚Batman Forever‘ (1995)

Waaaas? Aber das ist doch allgemein akzeptiert der weniger schlechte Joel Schumacher Batman. Mag sein, aber ich habe keine Ahnung warum. Nicht weil der andere gut wäre, aber der ist wenigstens gelegentlich unterhaltsam. ‚Batman Forever‘ ist… nichts. Schumacher versieht Tim Burtons Gothic Gotham mit Art Deco Elementen und versucht sich gleichzeitig dem Camp der 60er Jahre Serie anzunähern. Alles für sich genommen nicht schlecht, zusammen schafft es aber geradezu ein kreatives Vakuum – und Kopfschmerzen. Val Kilmers Darstellung mag sich an Adam West orientieren, vor allem ist sie aber langweilig. Weibliche Rollen sind selten die Besten in Batman Filmen aber kaum eine ist derart undankbar, wie Chase Meridian, die Nicole Kidmans Talente vollends verschwendet. Apropos verschwenden: Tommy Lee Jones als Two Face? Inszeniert als grelle, laute Witzfigur, wohl die einzige Sache, die Jones nicht kann. Das zentrale Element des Films ist Jim Carrey. Aber auch mit seiner hyperaktiven Darstellung des Riddler (orientiert an Frank Gorshin in der 60er Serie) kann der Film letztlich nichts anfangen. Da bleibt mir nur Tommy Lee Jones Satz, den er, laut Carrey, bei einem Abendessen zu ihm gesagt haben soll: „I cannot sanction your buffoonery!“ Und das war unterhaltsamer als der ganze Film.

  1. ‚Batman & Robin‘ (1997)

Was macht den Film besser als ‚Forever‘? Lasst mich mit einer Gegenfrage antworten: Wot killt de Deinosoahrs? De Eisäitsch! Nein, Schwarzeneggers steifgefrorene Darstellung des Mr. Freeze ist nicht gut. Aber unterhaltsam. Das wars. Der Film ist nicht so schlecht, dass er gut ist, er hat nur wenigstens irgendetwas, das im Gedächtnis bleibt. Und seien es steirische Eis-Wortspiele. Ansonsten: viel zu viele Charaktere. Batman (lahm), Robin (lahmer), Batgirl kommt dazu (lahm, natürlich), Butler Alfred wird zu einem wichtigen Charakter, Uma Thurman will sichtlich nur nach Hause und Bane dödelt auch noch irgendwo im Hintergrund herum. Bat-Nippel an den Bat-Kostümen und Bat-Kreditkarten wirken eher wie hilflose Bat-Versuche den Bat-Charme der 60er Bat-Serie einzufangen. „Ei häit wen bibl dohk during de muwi!“

  1. ‚LEGO Batman Movie‘ (2017)

Zugegeben, in meiner Besprechung klang ich weitaus begeisterter. Versteht mich nicht falsch, ‚LEGO Batman‘ ist kein schlechter Film. Die beiden wirklich Schlechten haben wir schon abgehakt. Er ist aber vor allem eine Anspielungs-Revue. Und das ist durchaus gut und nett, solange es auf Batman beschränkt bleibt. Aber sobald Voldemort und Sauron und wen auch immer Warner noch auf Halde haben auftaucht, wird es mir zu beliebig. Die zentrale Darstellung Batmans als Egozentriker, der sich seines eigenen Star-Status bewusst ist und jedes Wort davon glaubt, ist allerdings sehr gut gelungen und mit Will Arnett treffend besetzt.

  1. ‚The Dark Knight Rises‘ (2012)

Über Christopher Nolan werde ich weiter unten noch mehr Worte verlieren. Seinen dritten Batman mag ich jedenfalls am wenigsten. Natürlich stand er vor dem Problem den enormen Erfolg von ‚The Dark Knight‘ wohl eher nicht toppen zu können. Aber ‚Rises‘ hat erzählerische Probleme, er nimmt sich mehrfach selbst den Wind aus den Segeln, erwartet vom Zuschauer Entscheidungen mitzugehen, die in jedem anderen Comicfilm okay wären, nach ‚The Dark Knight‘ hier aber albern wirken. Und die Seitenhiebe auf die Occupy Bewegung waren damals doof und sind es heute noch immer, so wie die ganze „arme, arme Reiche“ Politik des Films. Die Abmischung von Banes (Tom Hardy) Stimme ist die zweite merkwürdige Tonentscheidung der Trilogie nach der komischen BATMAN-Stimme und macht es, zusammen mit seinen verqueren Motiven, schwer den Schurken ernst zu nehmen. Anne Hathaway als Catwoman war hingegen ein wenig zu zurückgenommen, um ihren Vorgängerinnen in der Rolle das Wasser zu reichen.

  1. ‚Batman hält die Welt in Atem‘ (1966)

Was bin ich froh, dass wir die „Batman muss düster sein!!“-Zeiten weitgehend hinter uns gelassen haben. Die Serie der späten 60er ist ein absolutes Kind ihrer Zeit, Batman und die Polizei sind paragraphenreitende, spießige Vertreter des Establishments und die anarchisch-laut-bunten Schurken arbeiten sich an den Grundfesten der alten Ordnung ab – wenn auch mit Gummihämmern. Adam Wests zutiefst ernsthaftes Spiel wurde viel zu lange, gerade den weit auffälligeren Schurken gegenüber, nicht ausreichend gewürdigt. Dabei ist es genau das, was die Serie und den Film funktionieren lässt. Die Serie hat sicherlich stärkere Folgen, doch ist der Plan der Schurken hier aneinander vorbei rabulierende Politiker in Staub zu verwandeln (natürlich umkehrbar) durchaus unterhaltsam. Und die Beziehung zwischen Wests Batman und Lee Merriwethers Ms. Kitka (aka. Catwoman) durchaus liebenswert. Und wenn Ihr über die „Some days you just can’t get rid of a bomb!“-Szene (die Nolan übrigens für das Ende von ‚Rises‘ zitiert, da bin ich sicher) nicht Tränen lachen könnt, weiß ich auch nicht wie ich Euch helfen soll.

  1. ‚Batman Begins‘ (2005)

Als Warner 2003 ankündigten, dass Christopher Nolan einen neuen Batman Film inszenieren würde, da war das gleichzeitig die Geburtsstunde des „düsteren Reboots“. Weg von Schumachers farbenfroher Überdrehtheit und hin zu einem realistischeren Ton. Gotham war hier zwar immer noch eine Fantasiestadt zwischen Zukunft und Verfall aber der Grundton war weit erdiger. Wir sehen Bruce Waynes weltumspannendes Training und seine ersten Gehversuche als Kreatur der Nacht. R’as Al Ghul mag noch eine Comicfigur mit Mikrowellenwaffen sein, sein Vorgehen und seine Motive sind aber die eines realweltlichen Terroristen.  Christian Bale war eine Idealbesetzung für die zentrale Figur und liefert hier einige seiner besten Szenen der Trilogie ab. Die Topbesetzung zog sich aber bis in die kleinste Nebenrolle, zu umfangreich sie hier aufzulisten, doch es scheint klar, dass so ziemlich jeder mit Nolan arbeiten wollte.

  1. ‚Batman‘ (1989)

Das ist eigentlich „mein“ Batman-Film. Den ich mit meinem Vater (sonst wären wir nicht reingekommen) und meinem besten Freund im Kino gesehen habe. Den ich nachgespielt habe und für den ich Sticker für das Panini-Album ertauscht habe. Ich glaube aber es ist nicht nur pure Nostalgie, die mich sagen lässt, dass Tim Burtons Gratwanderung zwischen 60er Camp und Düsternis  heute immer noch ganz hervorragend funktioniert. Michael Keaton mag, auch dank des unbeweglichen Kostüms, nicht der beste Batman aller Zeiten sein, für mich ist er aber fraglos der beste Bruce Wayne. Kein anderer Schauspieler hat so glaubhaft die schmerzliche Getriebenheit hinter einer Fassade liebenswerter Zerstreutheit verborgen. Und Jack Nicholson war eine Offenbarung in seiner manisch-mörderischen Interpretation des Jokers. Gotham wurde hier zu einem wahrhaft gotischen Wunderland der ziselierten Türme, ebenso schön wie bedrohlich. Perfekt unterlegt mit dem Score Danny Elfmans und gelegentlichen Prince Songs. Überhaupt war ‚Batman‘ die Geburtsstunde des Sommerblockbusters. Sicher, den Begriff gibt es seit ‚Der Weiße Hai‘, aber erst ‚Batman‘ zog, dank der Prince Songs, neben den Kino Charts auch in die Musik Charts und brachte eine metrische Tonne Merchandise, nicht nur für Kinder, in die Läden. Es schien unmöglich über die Straße zu gehen ohne jemandem mit grellgelben Bat-Symbol auf dem Shirt zu begegnen. Nachdem Tim Burton also den Warnerschen Geldspeicher auf eine relevante Füllhöhe gebracht hatte, dürfte er beim nächsten Mal wohl tun was immer er wollte…

  1. ‚Batman und das Phantom‘ (1993)

Die frühen Staffeln der 90er Zeichentrickserie waren dann wohl „meine“ Batman-Serie. Diesen Film habe ich allerdings erst Jahre später gesehen… und war ebenso überrascht wie begeistert. Kaum ein anderer Film kommt dem Charakter des Comic-Batmans so nahe wie dieser hier. Wenn Bruce an den kalten Grabsteinen seiner Eltern bittend sagt, er habe nie damit gerechnet glücklich zu sein, aber könnten sie ihm nicht wenigstens seine Beziehung zu seiner großen Liebe Andrea Beaumont lassen, dann ist das das perfekte Bild eines Mannes, der von seiner eigenen Besessenheit zerstört wird. Überhaupt zeigt der Film Batman als jemanden der stets alles besser machen will, es im Zuge dessen aber nur verschlimmert. Die eigentliche Handlung, eine mysteriöse, kostümierte Person ermordet Gangsterbosse und die Polizei glaubt es sei Batman, findet, für den aufmerksamen Zuschauer, eine ebenso offensichtliche wie enttäuschende Antwort. Das macht aber nichts, der Film lebt zum einen von der Stärke seiner Charaktere, zum anderen vom Retrofuturismus Gothams, der im Versteck des Jokers, in den verfallenen Hallen einer ehemaligen Weltausstellung, seinen Höhepunkt findet.

  1. ‚Batman Returns‘ (1992)

Und hier sehen wir was herauskommt, wenn Burton in den 90ern tun durfte was auch immer er wollte. Von Batman schien er hier fast ein wenig gelangweilt, er stellte dessen Widersacher ins Rampenlicht. Und Danny DeVito ist großartig als widerlicher Oswald „Pinguin“ Cobblepot. Ein groteskes, Fischköpfe verschlingendes Monster, anstatt des üblichen Frack-tragenden Trickschirm-Gangsters. Weiter oben habe ich gesagt weibliche Rollen sind bei Batman selten gut, das gilt keinesfalls für Michelle Pfeiffers Catwoman. Denn die ist hier nicht einfach nur mysteriös und sexy, wie für Catwoman üblich, sie wird zum moralischen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Einer Geschichte, die sehr klaren Themen folgt: Aussenseitertum, Einsamkeit und der Suche nach Liebe. Das zieht sich von der ersten Szene, in der Oswalds Eltern ihn als Kind aussetzen, bis zu letzten, in der Bruce sich die Maske vom Gesicht reißt und darum bittet geliebt zu werden. Natürlich enthält der Film auch Pinguine mit Raketenabschusssystemen auf dem Rücken und ein gigantisches Gummientenfahrzeug. Überhaupt feuern Keaton, DeVito, Pfeiffer und Christopher Walken als umtriebiger Geschäftsmann Max Schreck auf allen Humorzylindern. Man mag darüber streiten, ob die Gratwanderung ein zweites Mal gelungen ist. Sicher ist nur, dass der Film zwar immer noch Geld machte, der Geldspeicherpegel der Warners aber nur geringfügig stieg. Burton wurde geschasst, Schumacher an Bord geholt und der Rest ist Geschichte. Was bleibt ist ein Film, der weitaus besser altert als sein Vorgänger, vor allem weil er am kontemporären Geschmack völlig desinteressiert war.

  1. ‚The Dark Knight‘ (2008)

Ach, was habe ich versucht einen anderen Film auf den ersten Platz zu setzen. ‚The Dark Knight‘ steht doch überall auf dem ersten Platz, was ist daran noch besonders? Aber obwohl der Abstand zwischen Platz 1 und 2 ziemlich gering ist (bei seeeehr unterschiedlichen Filmen!), war es doch nie wirklich eine Frage. Der Ton des Films ist so „realistisch“, wie das für eine Comicverfilmung möglich ist. Eine Superheldengeschichte erzählt mit den Mitteln des Crimethrillers. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank hervorragend. Bale zeigt den Fall seines Helden, Two-Face, der sich in schwächeren Händen wie nachträglich angefügt anfühlen könnte, wird von Aaaron Eckhart zu einer bewegenden Geschichte erhoben und Gary Oldman gibt den besten Jim Gordon aller Zeiten. Heath Ledgers grandiose Darstellung des Jokers, bei der Nolan und er etwas sehr tiefliegendes, sehr finsteres berührt zu haben scheinen ist aber der zentrale Baustein des Films. Und thematisch ist der Film ehrlich gesagt ziemlich nahe an der 60er Serie. Nolan scheint sich dessen bewusst und lässt seinen Joker beim anfänglichen Banküberfall dieselbe Maske tragen, die Cesar Romeros Joker bei seinem ersten Auftritt in der Serie trug. Doch anders als die Schurken der alten Serie bietet dieser Joker keine Gegenkultur an, er will die Welt schlicht brennen sehen. Und sein Angriff auf die moralischen Grundfesten erfolgt nicht mit untauglichem Werkzeug, sondern mit der Macht einer Flut. Mit stets eskalierenden, ethischen Entscheidungen erodiert er insbesondere Batmans moralische Fundamente weiter und weiter. Über die Auswirkungen des Films auf den Superhelden an sich kann man zweigeteilt sein, seine erzählerische Kraft hat der Film keinesfalls verloren.

So, das waren viel zu viele Worte über Batman-Filme, da kann meiner Überschrift wohl niemand Clickbait vorwerfen.

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12 Gedanken zu “Und jetzt: viel zu viele Worte über Batman Filme

  1. Haha! Ich hätte gewettet, dass der Lego Batman Film auf einem der ersten drei Plätze landet. Zumindest nach der Besprechung des Films. Vielleciht bin ich zu oft hier 😛
    Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich erstaunlich wenig Erinnerungen an die Filme habe, obwohl ich die meisten davon gesehen habe.

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    • Das da jeder eine eigene Priorität hat ist ja klar, es freut mich nur, dass die ganze Bandbreit an möglichen Geschichten wieder mehr akzeptiert wird. Ich glaube kein anderer Held und seine Schurkenriege bieten sich gleichzeitig so für düster-ernste Erzählungen und völlige Alberei an. Wobei aber beides auch schiefgehen kann… 😉

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  2. Deine Nummer 4 ist meine Nummer 1, und dann kommt erst mal lange nix im Batmanversum. Genauer gesagt, dann kommt nix mehr. Batfleck und Co. kann ich so rein gar nichts abgewinnen, außer wenn ich Lust habe, mich mal wieder so richtig schön aufzuregen… (ja, kommt vor).

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    • Wie gesagt, die Batfleck Filme habe ich mir bisher gespart (wird wohl auch so bleiben), was mich trotzdem nicht davon abhält mich drüber lustig zu machen. Es ist schlicht so offensichtlich das Affleck mal gar keinen Bock mehr auf die Rolle hat…

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