Filme, die niemals waren – faszinierende, gescheiterte Projekte

„Was wäre wenn“ ist selten eine zielführende, aber häufig eine faszinierende Überlegung. Und im Bereich des Films gibt es zahllose Beispiele für Projekte, die es beinahe gegeben hätte, die dann aber an irgendwelchen Umständen scheiterten. Ein solcher, als gescheitert geltender Film kommt dieses Jahr aber dennoch ins Kino: Terry Gilliams ‚The Man Who Killed Don Quixote‘. Ein Projekt an dem der Filmemacher seit den frühen 90ern gearbeitet hat. Die ersten Dreharbeiten im Jahr 2000 mussten wegen allerlei Katastrophen nach wenigen Tagen abgebrochen werden und die Rechte an dem Film landeten für Jahre bei einer deutschen Versicherung. Seit 2006 versuchte Gilliam den Film erneut zu starten. Darsteller wechselten, versprochene Gelder waren nicht vorhanden. Nach 18 Jahren Entstehungszeit soll der Film nun aber noch diesen Monat in die Kinos kommen. Drücken wir die Daumen! Grund genug einen Blick auf andere vollends gescheiterte aber dennoch faszinierende Projekte zu werfen.

Das bekannteste Beispiel für einen Film, der nie war dürfte wohl Stanley Kubricks ‚Napoleon‘ sein, was schlicht an der Menge an Material liegt, dass es zu diesem Traumprojekt gibt. Seit dem Erfolg seines ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ recherchierte Kubrick unermüdlich, für das was sein größter Film werden sollte. Er sammelte Daten und Portraits, schickte Angestellte auf die Spuren des französischen Kaisers, die diese umfänglich fotografisch und dokumentarisch festhielten. Kistenweise Recherchematerial häufte sich bei Kubrick über mehrere Jahre an, ein Drehbuch für eine dreistündige Filmbiographie Bonapartes war ausgearbeitet, das Recht 50.000 Soldaten für Schlachtszenen zu „borgen“ ausgehandelt. Doch dann sollten das Projekt und Kubrick ihr ganz eigenes ‚Waterloo‘ erleben. Denn Sergej Bondarchuks sehenswerter Film dieses Namens, der sich mit Napoleons letzten Wochen befasst, kam 1970 in die Kinos – und floppte ganz fürchterlich. Der Name Napoleon galt als Kassengift und so verlor auf einen Schlag jeder, außer Kubrick selbst, das Vertrauen in sein Projekt. Gelder verschwanden, der Film rückte in unerreichbare Ferne. Einige Ideen für den Film fanden ihren Weg in ‚Barry Lyndon‘, doch Kubrick hat für den Rest seines Lebens die Hoffnung nicht aufgegeben ‚Napoleon‘ noch angehen zu können, es sollte aber nie dazu kommen.

Ein anderes gigantisch geplantes Großprojekt war eine Buchumsetzung. Frank Herberts Science Fiction Roman ‚Dune -der Wüstenplanet‘ sollte verfilmt werden. Produzent Michel Seydoux übernahm die Rechte 1975. Mit der Regie betraute er den Chilenen Alejandro Jodorowsky, bekannt für Kultfilme wie ‚El Topo‘ oder ‚Holy Mountain‘. Jodorowskys erklärtes Ziel für ‚Dune‘ war es dem Publikum ein psychedelisches Erlebnis ohne die Einnahme irgendwelcher Substanzen zu vermitteln. Er hatte eine lange Liste an Schauspielern, die an dem Projekt interessiert waren. Von Orson Welles, Gloria Swanson, Udo Kier über Mick Jagger und Amanda Lear bis zu Salvador Dalí. Die Hauptrolle des Paul Atreides sollte Jodorowskys 12jähriger Sohn Brontis übernehmen. 2 Millionen der für das Projekt angedachten 9,5 Millionen gingen bereits für eine umfassende Vorproduktion drauf. Jodorowsky plante mit einem Telefonbuch-dicken Drehbuch, das auf einen nicht weniger als 14stündigen Film hinauslaufen würde. Bald wurde klar, dass der Film keinerlei Mainstreamtauglichkeit hätte und das Projekt brach unter seinem eigenen Gewicht zusammen. Später sollte David Lynch, ebenfalls nicht unbedingt mainstreamig, die Verfilmung übernehmen. Es würde eine Produktion, die Lynch als „Die Hölle“ bezeichnet, wenn er denn drüber spricht. Jodorowsky war nervös jemand anderen eine, womöglich bessere ‚Dune‘-Version abliefern zu sehen, doch er erklärte den Film, nach Sichtung, erleichtert für „furchtbar“. Was bei Erscheinen der allgemeine Tenor sowohl von Zuschauern, als auch Machern war. Ausgenommen der Autor der Vorlage Frank Herbert. Der fand ihn großartig.

Aber auch aus einem Fehlschlag kann etwas entstehen. An Jodorowskys Version arbeitete nämlich Dan O’Bannon an den Vorbereitungen der Spezialeffekte. Hier kam er mit Konzeptzeichnungen und Bildern des Schweizer Künstlers Hans Rudolf Giger in Kontakt und war tief beeindruckt. Als O’Bannon später ein Drehbuch über ein außerirdisches Monster schrieb, legte er Ridley Scott, der es verfilmen würde, einen Bildband von Giger vor. Der Rest, wie man so sagt, ist Geschichte. Giger und Scott waren mit ihrer Zusammenarbeit an ‚Alien‘ so zufrieden, dass sie sie gern wiederholt hätten. In den frühen 80ern planten sie ‚The Tourist‘, einen reichlich finsteren Film um eine Gemeinschaft von (Giger designten) Aliens, die in New York im Verborgenen lebt. Das Projekt kam nie zustande. Ob es einen Teil der DNA für die humoristischere Variante dieser Geschichte in ‚Men In Black‘ geliefert hat weiß ich nicht. Ein anderer Versuch der beiden kann als eine Mischung aus ‚Alien‘ und ‚Blade Runner‘ beschrieben werden. In ‚The Train‘ sollte ein Kreatur in einem Ubahnzug in einer dystopischen Megalopolis Chaos anrichten. Scott sprang ab, um ‚Thelma & Louise‘ zu machen und Roland Emmerich sollte den Regiestuhl ausfüllen. Doch der Film kam nie über die Vorproduktion hinaus. Bis 2006 hielten sich Gerüchte der Film könne jederzeit in Produktion gehen, doch es sollte nicht passieren. Angeblich basieren Gigers Designs für den Film ‚Species‘ auf verworfenen Plänen für ‚The Train‘.

Auch Steven Spielberg war für eine Weile von bedrohlichen Aliens fasziniert. In den frühen 80ern arbeitete er an einem Film namens ‚Night Skies‘. Der sollte als eine lose Fortsetzung von ‚Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ funktionieren, aber die Horrorelemente betonen. Nach einiger Zeit verlor Spielberg das Interesse und drehte stattdessen einen Film über eines der liebenswerteren Aliens (wenn auch der kleine Filmlichter ihn gruselig fand): ‚E.T.‘. Doch weder die Idee feindseliger Aliens, noch die von Fortsetzungen ließen ihn los. Und so plante er eine Fortsetzung zu ‚E.T.‘ namens ‚Nocturnal Fears‘. Bösartige Aliens sollten auf die Erde kommen und Menschen en masse entführen. Darunter auch Elliott und Familie. Die gutmütigen Aliens aus ‚E.T,‘ würden dann zur Erde zurückkehren und sie retten. Aber auch hier glaubte Spielberg schon in der Vorproduktion, dass das Projekt nicht als Fortsetzung zu ‚E.T.‘ funktionieren würde – vermutlich zu recht.

Kommen wir noch einen Moment zu Ridley Scott zurück. Einer seiner erfolgreichsten Filme war ‚Gladiator‘ (2000). Da wäre eine Fortsetzung natürlich für alle Beteiligten wünschenswert. Das Problem war nur, dass Hauptcharakter Maximus (Russel Crowe) am Ende des Films so tot war wie man nur sein kann. Musiker/Autor Nick Cave (ja, genau der) hatte aber einen Plan, wie man darum herumkommen könnte. Maximus würde nach seinem Tod einen Handel mit den römischen Göttern schließen. Er würde wieder und wieder reinkarniert, als eine Art Avatar des Krieges und nähme an jeder großen Auseinandersetzung der Menschheitsgeschichte Teil. Mit einem besonderen Augenmerk auf dem 20ten Jahrhundert. Der Film würde damit enden, dass Maximus, als einer der Generäle im Pentagon die Invasion des Iraks plant. Crowe war ein begeisterter Befürworter des Buches. Scott drückte es diplomatisch aus und sagte Gladiator habe gerade wegen seiner Einfachheit so gut funktioniert, das hier sei das Gegenteil von einfach. Und ich nehme an bei Universal hat man nur hysterisch gelacht, ein derart mainstreamfeindliches Projekt würde dort nie mit ‚Gladiator‘-Budget produziert werden.

Vor einer schwierigeren Entscheidung stand man beim Studio Carolco Mitte der 90er. Das Geld war relativ knapp und man musste sich zwischen zwei Großprojekten für eines entscheiden, das das Studio retten sollte. Einerseits Renny Harlins ‚ Die Piratenbraut‘, andererseits ein Projekt namens ‚Crusade‘. Paul Verhoeven wollte einen Film über die Kreuzzüge drehen. Arnold Schwarzenegger sollte einen ehemaligen Sklaven spielen, der sich als Dieb durchschlägt, bevor er sich dem Kreuzzug 1095 auf Jerusalem anschließt. Dort würde er aber bald feststellen, dass weniger religiöser Furor, sondern handfestes, weltliches Streben der Anführer hinter dem Kriegszug steckt. Ein Verhoeven-typisch ironischer Blick auf Nahostpolitik und Religion sollte es werden. Bei Carolco entschied man sich für die ‚Die Piratenbraut‘, Verhoeven bekam als „Trostpreis“ die kleinere Produktion ‚Showgirls‘. Die floppte an den Kassen und der Kritik. ‚Die Piratenbraut‘ aber auch. Das ikonische 80er Studio (die ‚Rambo‘-Filme z.B.) ging in die Pleite und nahm alle Rechte an ‚Crusade‘ (und einem James Cameron ‚Spider-Man‘ Projekt!) mit.

Wo ich schon in einer Nebenbemerkung Superhelden erwähne: wusstet Ihr übrigens, dass wir beinahe einen Justice League Film von George Miller, dem Kopf hinter der ‚Mad Max‘ Reihe (und den Schweinchen Babe Filmen, natürlich!), bekommen hätten? 2007 sollte der Film entstehen. Mit D.J. Cotrona als Superman, Armie Hammer als Batman und Megan Gale als Wonder Woman. Doch der damalige Autorenstreik in Hollywood verzögerte den Beginn der Dreharbeiten so lange, dass Steuervorteile in Millers Heimat Australien, wo der Film gedreht werden sollte, verfielen. Und so kassierte Warner das Projekt. Schade drum, ich hätte Millers Dynamismus gern in einem Comic Projekt gesehen.

Eigentlich müsste hier auf jeden Fall auch Guillermo Del Toros lange geplante Verfilmung der H.P. Lovecraft Geschichte „At The Mountains Of Madness“ auftauchen. Doch weil ich schon wieder viel zu viel geschrieben habe verweise ich stattdessen auf den hervorragenden (und noch viel längeren) Artikel im New Yorker[1].

Das waren natürlich nicht einmal annähernd alle gescheiterten Projekte. Wenn Euch das Thema so fasziniert wie mich, sagt gerne Bescheid, dann schreibe ich einen zweiten Teil. Wisst Ihr von anderen gescheiterten Film-Projekten, die Ihr besonders spannend findet? Oder wollt Ihr sonst etwas loswerden? Dann ebenfalls ab in die Kommentare damit.

Und wer sich für vollendete, aber unveröffentlichte Filme interessiert, sollte hier schauen.

 

[1] https://www.newyorker.com/magazine/2011/02/07/show-the-monster

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33 Gedanken zu “Filme, die niemals waren – faszinierende, gescheiterte Projekte

  1. Zunächst wünsche ich mir einen zweiten Teil, mir fällt noch ein, dass Stanley Kubrick Anfang der Neunziger einen Holocaustfilm plante, dies aber nach dem Erscheinen von Schindlers Liste aufgab, weil Spielberg alles wichtige erzählt habe…

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    • Das war ‚Aryan Papers‘, ja. Wobei Kubricks Frau später gesagt hat, Schindlers Liste sei mehr eine Ausrede für ihn selbst gewesen, da er merkte, dass die beständige Beschäftigung mit dem Thema Depression hervorrief.

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          • Rom, 2018.

            Eine Touristengruppe steht im Kolosseum und macht Fotos. Plötzlich rennt ein geistig verwirrter Mann durch die Arena und schreit:

            „I’M A GLADIATOR! I’M A GLADIATOR! I’M A GLADIATOR!“

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          • Augenzeuge Hans-Jürgen K., 43 aus Bochum berichtet:

            Als er mit Laufen und Schreien fertig war kam er direkt auf mich zu. Er trug so einen Legionärshelm für Kinder, der ihm viel zu klein war. Er wedelte mit einem Plastikschwert unter meiner Nase herum und fragte wieder und wieder, ob ich bei Vindobona an seiner Seite gekämpft habe. Dann wüsste ich nämlich, was zu tun sei, wenn die Streitwagen kämen. Angst hatte ich keine, dafür war es zu seltsam.

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          • Zum Glück löste sich die skurrile Situation auf, als der Mann eine Biene erblickte und mit den panischen Worten: „OH MY GOD! NOT THE BEES! NOT THE BEEEEES. AHHHHHH!“ davon eilte.

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          • Ein Sprecher der römischen Polizei teilte uns mit, dass der offensichtlich verwirrte Mann in Gewahrsam genommen wurde. Dabei habe er Folgendes behauptet:

            „Somebody took my FACE/OFF! I’m actually that dancing dude from Pulp Fiction!!“

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  2. Sehr schöner Beitrag. Judorowskys Dune war mir durch die fantastische Netflix-Doku bekannt. Der Typ hat wirklich einen an der Klatsche, aber den Film hätte ich nur zu gerne gesehen. Mal gucken was Hollywood-Wunderkind Villeneuve mit dem Stoff macht. Nach Blade Runner kann man ja großes erwarten.

    Mir hat noch Nicolas Cage als Supermen gefehlt. Aber diese wunderbare Geschichte ist vielleicht etwas für den zweiten Teil 🙂

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  3. Ein sehr interessantes Themen; bin auf Teil 2 gespannt
    Die „vermeintlichen“ Schätze der Filmgeschichte sind nach meiner Meinung nur so hoch angesehen, weil sie eben NICHT gedreht wurden. So kann jeder, der sich damit beschäftigt, all seine Wunschvorstellugen in die Werke projektieren und sich sein Meisterwerk zusammenbasteln. Würde man das eine oder andere tatsächlich irgendwann umsetzen und realiseieren, wäre die Enttäuschung vermutlich groß. Daher bin ich zumindest auf den neuen Terry Gillian gespannt. Mal sehen, ob das gehalten werden konnte, was die die Vorgeschichte und die daraus resultierende Berichterstattung, versprochen haben.
    Bei den Alben der Beatles-Anthology ist man auch davon ausgegangen, dass das beste Material der Gruppe erst hier veröffentlicht werden würde. Die Ergebnisse waren dann doch eurer ernüchternd und konnten nur die echten Fans im Ansatz zufrieden stellen. Wohl aber mehr im Sinne von „Chronistenpflicht erfüllt“.
    Allerdings……Nick Cage als Superman hätte ich natürlich auch gern gesehen.

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    • Das hast Du, glaube ich, sehr gut beobachtet. Irgendein Filmemacher, ich glaube sogar Gilliam, hat mal gesagt, er mag seine Filme am liebsten direkt nachdem er sie geschrieben hat. jeder Drehtag ist dann ein Kompromiss mit der Realität. Diese gescheiterten Filme haben den Vorteil nur im „reinen“ Ideenzustand zu existieren. Wobei ich sicher bin, bei Jodorowskys Dune ist die Idee und die Geschichten drumrum viel interessanter als es der Film je sein könnte… ich meine 14 Stunden.

      Gilliams letzte Filme haben mich ehrlich gesagt alle enttäuscht aber Who Killed Don Quixote schaue ich schon aus reiner Neugier. Wenn es eine Idee ist, so gut, dass es sich lohnt fast 30 Jahre dran festzuhalten, muss ja irgendwas dran sein.

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    • „Die „vermeintlichen“ Schätze der Filmgeschichte sind nach meiner Meinung nur so hoch angesehen, weil sie eben NICHT gedreht wurden. So kann jeder, der sich damit beschäftigt, all seine Wunschvorstellugen in die Werke projektieren und sich sein Meisterwerk zusammenbasteln.“

      Ich glaube, wir alle empfinden Sympathie für großartiges Scheitern, für Menschen, die sich mit aller Macht gegen das Schicksal stemmen und es am Ende – in der Regel – doch nicht schaffen. Damit scheint irgendwas verbunden zu sein, was uns zutiefst anspricht. So ein bisschen wie bei Hemigways „Der alte Mann und das Meer.“

      Ich könnte da jetzt auch noch so einiges über „große Scheiterer“ wie Hannibal und Spartacus erzählen, die wesentlich berühmter als ihre jeweiligen Besieger sind, aber ich bemühe mich mal beim Thema Film zu bleiben 😉

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      • Das trifft es ziemlich genau. Wenn allerdings Filme abgedreht wurden und dann nie veröffentlicht werden, dann entwickelt sich daruas kein Mythos wie großartig sie seien könnten, sondern wie furchtbar sie wohl sind. Dieses Scheitern wird als weit weniger edel wahrgenommen. Das war eine kleine Vorschau auf den Artikel von diesem Samstag…

        Hannibal ist sowieso immer für „was wäre wen“ Fragen gut. Was wäre wenn er nach Cannae direkt auf Rom marschiert wäre? Oder natürlich viel wichtiger, was wäre wenn I am Groots, äh Vin Diesels Filmtrilogie entstanden wäre. 😉

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        • Vin Diesels damalige Planungen haben mir immer gleichzeitig Angst und Hoffnung gemacht. Einerseits war ich scharf auf einen neuen Hannibal-Film, aber andererseits war ich da doch ein bisschen skeptisch, wie der denn im Endeffekt aussehen würde 😉

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        • Da freue ich mich doch schon mal auf den nächsten Samstag. Bei den Filmen, die fertiggestellt, aber nicht veröffentlicht werden/wurden, war es meist eine kluge Entscheidung, soweit ich dazu im Bilde bin. Die Giftschränke der Studios sind ja weltweit bestens bestückt mit derlei „Schätzchen“. Ich bin gespannt…….

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      • Sehr schön auf den Punkt gebracht, die Sympathie für die Scheiterer. Ich glaube,das trägt schon eine ganze Menge zur Mystifizierung der nicht vollendendeten Filme bei. Ich finde auch, man sollte sie in Frieden ruhen lassen und jeder denkt sich dann seinen perfekten Traumfilm zusammen.

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  4. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (07-05-18)

  5. Ha, ein unerschöpfliches Thema. Bleiben wir gleich mal bei Napoleon. 1927 legte Abel Gance seinen monumentalen NAPOLÉON vor, von dem es ja seit einiger Zeit die weitgehend komplette Fünfeinhalb-Stunden-Version auf Blu-ray gibt. Aber der Film behandelt ja nur Kindheit, Jugend und erste militärische Erfolge des späteren Kaisers. Tatsächlich sollte er nur der Auftakt eines sechsteiligen Zyklus über Napoleon sein, den Gance plante. Aber der Aufwand war schon für den ersten Film so enorm, und er brachte das Studio SGF in finanzielle Schieflage (ebenso wie Dreyers LA PASSION DE JEANNE D’ARC aus dem Folgejahr), so dass Gance den Plan abblasen musste.

    Sergej Eisenstein konnte eine ganze Reihe von Filmprojekten nicht verwirklichen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Als er etwa in Hollywood bei Paramount unter Vertrag war, schrieb er mit seinen Mitarbeitern Drehbücher zu zwei Filmen, die aber beide vom Studio abgelehnt wurden. Später wurden beide Stoffe (aber mit anderen Drehbüchern) doch verfilmt: Der eine als AN AMERICAN TRAGEDY von Josef von Sternberg und später als A PLACE IN THE SUN von George Stevens (mit Montgomery Clift, Liz Taylor und Shelley Winters), der andere als SUTTER’S GOLD von James Cruze und gleichzeitig als DER KAISER VON KALIFORNIEN von Luis Trenker. Ausführlicher habe ich diese interessante Geschichte in diesem Artikel geschildert.

    Nochmal Eisenstein: Er war mit Paul Robeson befreundet und wollte mit diesem in der Hauptrolle einen Film über die erfolgreiche Sklavenrevolution auf Haiti drehen. Die Planungen zogen sich über Jahre hin, und die Details änderten sich mehrfach, aber letztlich kam der Film überhaupt nicht zustande. Die Einzelheiten dieser erstaunlichen Episode kann man auf Englisch hier nachlesen.

    Zurück zu Josef von Sternberg. Der wollte 1937 Robert Graves‘ Roman „I, Claudius“ verfilmen, mit Charles Laughton in der Titelrolle. Wer die britische Fernsehserie mit Derek Jacobi als Claudius kennt, der weiß, dass es sich da um einen sehr ergiebigen Stoff handelt. Und Laughton als Claudius, das wäre wahrscheinlich ähnlich faszinierend gewesen wie später Peter Ustinov als Nero. Doch die Dreharbeiten wurden abgebrochen. Wie es dazu kam, erzählt die englische Doku THE EPIC THAT NEVER WAS, die man komplett auf YouTube ansehen kann. Die Doku enthält auch viel von dem bereits gedrehten Material. Über THE EPIC THAT NEVER WAS, und damit auch über den gescheiterten Film, gibt es auch einen Text bei Senses of Cinema.

    Ein weiterer Film, über dessen geradezu spektakuläres Scheitern eine sehenswerte Doku berichtet, ist L’ENFER von Clouzot. Ich fasse mich mal kurz und verlinke nur die Wikipedia-Artikel zum gescheiterten Film und zur Doku.

    Carl Theodor Dreyer trug jahrzehntelang den Plan zu einem Jesus-Film mit sich herum. Ich recycle hier mal Ausschnitte aus meiner Dreyer-Minibiografie:

    In BLADE AF SATANS BOG (BLÄTTER AUS DEM BUCHE SATANS) geht es um die Versuche des Teufels, Unfrieden unter den Menschen zu stiften und Seelen zu gewinnen. Der Film ist in vier Episoden unterteilt, die in verschiedenen historischen Epochen angesiedelt sind. Dreyer wurde durch D.W. Griffiths Monumentalwerk INTOLERANCE zu dieser Struktur inspiriert. In der ersten Episode geht es um die Versuchung Christi. Dreyer war mit dem Ergebnis unzufrieden, weil ihm ein künstlerischer Kompromiß bezüglich der Darstellung von Jesus aufgezwungen worden war. Diese unbefriedigende Erfahrung legte den Grundstein zu seinem Plan, das Leben von Jesus in einem eigenen Werk zu verfilmen. Diese Idee trug er sein ganzes Leben lang mit sich herum, ohne sie je verwirklichen zu können.
    […]
    Doch Dreyers Lieblingsprojekt blieb der Jesus-Film. Er hätte sein Hauptwerk, sein opus magnum werden sollen. Um 1950 schien das Projekt konkrete Formen anzunehmen. Er hatte ein 400 Schreibmaschinenseiten starkes Drehbuch in der Tasche, und ein amerikanischer Produzent war bereit, den Film zu finanzieren. Der Mann hatte nichts mit Hollywood zu tun, sondern es handelte sich um den Multimillionär Blevins Davis, der reich geerbt und noch reicher geheiratet hatte. Davis verbrachte seine Zeit hauptsächlich als Theaterproduzent, und als er 1949 mit einer Theatertruppe, die den „Hamlet“ gab, in Dänemark gastierte, lernte er Dreyer kennen. Das Budget belief sich auf 5 Mio. Dollar – für damalige Verhältnisse eine enorme Summe. Dreyer reiste zur Vorbereitung nach Israel, wo die Dreharbeiten stattfinden sollten, und er begann sogar, Hebräisch zu lernen. Auf Einladung von Blevins Davis weilte er längere Zeit in den USA, wo er am Drehbuch feilte und in Bibliotheken Quellen studierte. (Auf einer Party im Haus seines Gastgebers lernte er Harry S. Truman kennen, aber nach kurzem Smalltalk ließ er den verdutzten Präsidenten und die anderen Gäste stehen, weil er lieber wieder an die Arbeit am Drehbuch wollte.) Um die Authentizität des Films zu steigern, sollten die Darsteller nur Hebräisch, Griechisch und Latein sprechen – Mel Gibson war also nicht der erste, der auf solche Ideen kam. Dreyer wollte sich von den großen Hollywood-Studios die besten Gerätschaften borgen und die besten Techniker leihweise verpflichten, was ihm nach Sondierungsgesprächen in Hollywood auch zugesagt wurde. Und schließlich wollte Dreyer noch ein Schiff kaufen und mit einem Entwicklungslabor ausstaffieren, weil ihm die verfügbaren Labors in Israel nicht ausreichend erschienen. Doch all das wurde schließlich selbst dem spendablen Blevins Davis zu extravagant. Er zog sich aus dem Projekt zurück und machte keine Ausflüge ins Filmgeschäft mehr. Das Drehbuch wanderte wieder in die Schublade, aber Dreyer war jederzeit bereit, es hervorzuholen und den Film zu realisieren, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde. Mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Als nach Davis‘ Ausstieg Carlo Ponti anbot, zu Dreyers Bedingungen einzuspringen, lehnte dieser mit einer skurrilen Begründung ab. Dreyer verstand den Film ausdrücklich als Beitrag gegen den Antisemitismus. Die Erfahrung der deutschen Besetzung Dänemarks hatte in ihm die Überzeugung reifen lassen, dass auch im damaligen Palästina die Besatzungsmacht letztlich allein bestimmte, wo es lang ging, und folglich gab sein Drehbuch den Römern die Alleinschuld an Jesu Kreuzigung. Da widerstrebte es ihm, den Film von einem „Römer“ finanzieren zu lassen. Erst Anfang 1968 fand er dann doch noch Produzenten für das Projekt, das ihm immer noch sehr am Herzen lag, nämlich die italienische RAI. Diesmal war Dreyer nicht so pingelig, doch es war zu spät – wenig später starb Dreyer 79-jährig in Kopenhagen.

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  6. Pingback: Aus dem Giftschrank: unveröffentlichte Filme | filmlichtung

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