Horrorfilme, die ein Remake gebrauchen könnten

Das Wort „Remake“ löst ja bei so manchem gestandenen Filmfreund einen aggressiven Beißreflex aus. Und das ist nicht wirklich ein Wunder, hat Hollywood doch die schlechte Angewohnheit alles, was auch nur den Hauch von „Brand RecognitionTM“ hat, neu und meistens ziemlich lau, aufzuwärmen. So ziemlich alles was in den 80ern Rang und Namen hatte, von ‚Robocop‘ bis ‚Ghostbusters‘ musste neu antreten und selbst ein altehrwürdiger ‚Ben Hur‘ wurde reichlich rüde aus dem Ruhestand geholt und verwirrt blinzelnd in neuer Fassung in die Kinos gebracht. Denn wenn die Zuschauer eins wollten, dann die ollen Wagenrennen endlich in edlem CGI. Das Horrorgenre bekommt einerseits am häufigsten die volle Breitseite dieser „mach’s nochmal“ Geldschneiderei ab, zeigt allerdings andererseits, dass Remakes durchaus nicht nur etwas Schlechtes sein können. Carpenters ‚The Thing‘ oder Cronenbergs ‚Die Fliege‘ mögen Remakes sein, sind aber fraglos auch für sich genommen Klassiker. Wer mehr über Remakes lesen möchte, dem empfehle ich Kollege Ma-Gos unterhaltsame „Original vs. Remake“-Reihe, an zweien davon war auch ich beteiligt. Oder aber meine, im Zuge einer Blogparade entstandene  Liste der schlechtesten Remakes.

Heute will ich hier aber einen Blick auf Horrorfilme im speziellen werfen, die meiner Meinung nach von einem Remake profitieren würden (wie ich schon bei meiner Liste andeute). Dafür schaue ich eher weniger in die erste Riege des Horrors, sondern in die Kategorie „schöne Idee aber nur mäßig umgesetzt“. Eben Filme, die ein Remake besser machen könnte. Ich erhebe dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte ganz im Gegenteil Eure Ideen hören. Legen wir los.

Dr. Jekyll & Mr. Hyde

Okay, gleich der Erste ist geschummelt. Das wäre natürlich weniger ein Remake und mehr eine Neuverfilmung von Robert Louis Stevensons klassischem Stoff. Aber der Konflikt zwischen gut und böse in der menschlichen Seele ist eben einer, der keinen Tag gealtert ist. Und der Konflikt des guten aber langweiligen Doktors mit seinem bösartigen Party-Selbst bietet meiner Meinung nach noch unglaublich viel ungenutztes kreatives Potential. Man könnte es als ernstes, finsteres Drama oder als tiefschwarze Komödie anlegen. Das Elixier, das die Verwandlung auslöst könnte ein tief ins Hirn gesetzter Mikrochip sein. Oder vielleicht ist Jekyll ein Schurke und experimentiert nicht an sich selbst, sondern unwissenden Anderen. Wenn schon mir einiges zu dem Thema einfällt, bin ich sicher, dass „echte“ Kreative da noch viel mehr herausholen können.

‚Urban Legend‘ (1998)

Die ganze Welt litt an extremem ‚Scream‘-Fieber, als dieser Film aus einer eigentlich guten Idee absolut nichts herausholte. Letztlich war es ein öder Malen-nach-Zahlen Slasher, der seine gute Idee, einen Horrorfilm rund um moderne Mythen, links liegen ließ. Aber vielleicht ist heute der Boden für eine solche Idee besser bereitet. Wir leben schließlich im Zeitalter der sozialen Medien, wo sich jede Idee, egal wie dumm sie auch sein mag, in Windeseile rund um die Welt verbreiten kann, solange nur genug Gutgläubige auf einen Like-Button hämmern. Möglicherweise übernatürlich, möglicherweise eine bitterböse Satire um ein mörderisches Social Network (Satan sitzt im Silicone Valley… Like and Subscribe for more!!!). Selbst die virale Werbekampagne auf Twitter schreibt sich quasi von selbst. Hauptsache es ist keine Figur im Anorak, die Soap-Darstellerinnen um  die Ecke bringt und am Ende „überraschend“ demaskiert wird. Bleh.

‚Creep‘ (2004)

Jeder, der halbwegs regelmäßig U-Bahn fährt wird schon einmal darüber nachgedacht haben, wie merkwürdig und unheimlich es wäre durch diese Tunnel zu gehen. ‚Creep‘ macht aus dieser faszinierenden Idee leider nur sehr wenig. Franka Potente gab eine deutsche Touristin, die sich in eben dieser Situation wiederfindet und hier von dem kannibalistischen, titelgebenden Creep gejagt wird. Leider bekommt Potente kaum Material um daraus einen wirklichen Charakter zu formen, der Film muss andauernd Nebencharaktere aus dem Hut zaubern, die der Creep um die Ecke bringen kann, um zu zeigen, dass er aber auch wirklich fies ist. Ein Remake müsste an der Situation gar nicht viel ändern. Zwei Charaktere, die man auch als solche bezeichnen kann, wären vermutlich besser als einer, damit sie interagieren können und der Film sich weitere Pseudofiguren schenken kann. Das Gefühl der Isolation müsste verstärkt werden, vielleicht durch Überblendungen auf nur ein paar Meter höher, wo das Leben normal weitergeht. Aber das Setting für einen gelungenen Film ist gegeben.

‚Creepshow‘ (1982)

Auch hier braucht es nicht wirklich ein Remake, vielleicht eher eine Fortsetzung im Geiste. Guter Anthologiehorror hat Seltenheitswert, was wirklich schade ist. Nicht jede gute Horroridee trägt für sich allein genug um einen ganzen Film zu füllen. Daher bieten sich Anthologien doch geradezu an. Leider sehen die in den letzten Jahren eher so aus, dass 5 oder mehr Regisseure Kurzfilmchen zu einem groben Thema drehen, ohne zu wissen was die anderen machen, was dann in eine mehr oder weniger kohärente Rahmenhandlung gequetscht wird. Das ist nicht zu vergleichen mit der engen Zusammenarbeit zwischen George Romero  und Stephen King, die sich erzählerisch wie optisch an den Horrorcomics des EC Verlags orientierten. Trotz der thematischen Vielfalt der einzelnen Segmente wirkt alles wie aus einem Guss, was ich mir auch für aktuelle Anthologien wünschen würde. Okay, auch das war nicht wirklich der Wunsch nach einem Remake, aber Ihr wisst was ich meine, hoffe ich.

‚Vier im rasenden Sarg’/’Race With The Devil‘ (1975)

Warren Oates, Peter Fonda und ihre Familien machen Urlaub im Wohnmobil. Dabei beobachten sie ein satanisches Ritual, werden entdeckt und dann von den brutalen Sektierern verfolgt. Das ist ein ziemlich cooler Film, den man heute auch noch problemlos ansehen kann, allerdings würde ein Remake mit aktueller Optik und Darstellern einfach dafür sorgen, dass der Film ein weitaus größeres Publikum erreichen kann. Ich kann mir hier ein großes Mainstream Remake unter Regie von James Wan vorstellen, der die Mischung aus Horror und Action (die beiden Männer schlagen durchaus zurück) vermutlich höchst unterhaltsam umsetzen würde. Und Puristen könnten immer noch aufs Original zurückgreifen. Aber der niedlich-trashige Titel müsste für die deutsche Version beibehalten werden…

‚Nachts, wenn die Leichen schreien’/’Devil’s Rain‘ (1975)

Apropos niedlich-trashige deutsche Titel und 70er Satanismus-Panik… William „Captain Kirk“ Shatner und Tom „Captain Dallas“ Skerritt vs. eine satanische Sekte um… Ernest Borgnine. Ach ja, und ein gewisser John Travolta hat hier seinen ersten Filmauftritt. Die Handlung ist weitgehend vergessenswert und der Film lebt vor allem von seinen atmosphärischen Momenten und verstörenden Spezialeffekten, wenn der ‚Devil’s Rain‘ letztlich fällt und alle anfangen zu schmelzen wie Wachsfiguren (ich bin übrigens sicher, dass in der Schmelzszene dieselbe Shatnermaske verwendet wird wie in den ‚Halloween‘ Filmen). Wenn ein modernes Remake das Ganze noch in eine packende Handlung einbringen würde und Shatner und Skerritt Cameo Auftritte zukommen ließe wäre da sicher Einiges möglich. Wer mag kann sich das Original übrigens hier bei  Netzkino anschauen und sich eigene Ideen für ein Remake bilden:

Und jetzt seid Ihr dran. Von welchen Filmen (nicht unbedingt nur Horror) würdet ihr gern ein Remake sehen? Oder lehnt Ihr Remakes rundheraus ab?

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20 Gedanken zu “Horrorfilme, die ein Remake gebrauchen könnten

  1. Vielleicht sollte man den Fantastic 4 noch eine Chance geben? 😉

    Ich persönlich würde gerne einen modernen (und besseren) Running Man sehen, denn die Idee inklusive Gesellschaftskritik finde ich eigentlich nach wie vor. Und aktuell wäre der Film nach wie vor.
    Allerdings hat es seit 87 bereits einige Filme gegeben, die ein ähnliches Thema behandelt haben. Von daher wäre das Remake wohl auch nicht mehr so frisch

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    • Oder gleich Das Millionenspiel. Der Film war so hellsichtig, dass es fast Angst macht. Auch der würde heute dank Youtube/social media oder Internet allgemein nochmal ganz anders wirken.

      Und Dieter Hallervorden spielt ja auch wieder ernstere Rollen, könnte also wieder den Fiesling geben.

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      • Prinzipiell würden wahrscheinlich viele Filme als Remake funktionieren, in denen es in der einen oder anderen Weise um Isolation geht. Im Stile von Blade Runner 2049 oder Her könnte man aus einigen angestaubten Beiträgen etwas cooles neues machen.

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  2. Mich würd mal das Remake eines der alten 70er-Jahre Godzilla-Klopperei-Filme auf dem Niveau der heutigen Tricktechnik interessieren. Obwohl, den besonderen naiven Charme der Origniale hätten die dann eh nicht..
    Auch die Reitenden Leichen könnten heutzutage (wieder) funktionieren…..

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  3. Also prinzipiell hab ich ja mal nichts gegen die Idee eines Remake und es gibt ja auch einige gute Beispiele wie zB Scarface mit Pacino oder Ocean’s 11 mit Clooney. Und speziell im Horrorgenre denk ich, dass viele Filme von einem neuen Anstrich sogar profitieren könnten.
    Was jetzt konkrete Wünsche betrifft würde mir auf Anhieb eigentlich nur die gleiche Schummelei wie dir einfallen, ich würd nämlich gern mal eine gute Neuvefilmung von Das Bildnis des Dorian Gray sehen…die letzte Version mit Colin Firth war ja wohl mehr als fragwürdig wenn man das Ausgangsmaterial kennt und auch sonst habe ich diese Figur eigentlich noch nie wirklich gut verkörpert gefunden (fangen wir erst gar nicht mit dem Desaster namens Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman an).

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    • In der Liga war ja auch mein Wunschkandidat Jekyll/Hyde vertreten… als drittklassiger Hulkverschnitt. Yay.

      Aber Du hast Recht, ich habe die Colin Firth Variante zwar nicht gesehen, aber Bildnis… wirkt wie eine Geschichte, die sich eigentlich für eine filmische Umsetzung ziemlich gut eignet.

      Eine Neuverfilmung der Liga fände ich übrigens auch toll. Wobei die, wenn originalgetreu, Dorian Grey gar nicht enthalten würde. Aber vermutlich würde Alan Moore dem neuen Regisseur seine Sammlung an Bartkrümeln schicken, oder sowas.

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      • Die Geschichte wäre auf jeden Fall extrem gut geeignet für eine filmische Umsetzung weil es eigentlich ein psychologischer Thriller ist, der tief in die Abgründe der menschlichen Seele blickt!

        Stimmt, einer Neuverfilmung der Liga würde ich auch sehr positiv gegenüberstehen weil die Idee ja eigentlich ganz spannend wäre🤔

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  4. Ich bin jetzt nicht der größte Horrorfan unter der Sonne, aber ich hätte ganz gerne mal wieder einen richtig schaurigen „Dracula“. Irgendwer muss es doch schaffen, ihn aus seinem dasein als Witzfigur wieder herauszuholen.

    Sonst bin ich mit Remake-Wünschen eher vorsichtig. Keine Ahnung ob es funktionieren kann, die großen Klassiker z.B. neu auf die Leinwand zu bringen. Funktioniert ein „Metropolis 2018“? Mit den richtigen Leuten…Vielleicht.
    Sonst gibt es eine Reihe von Filmen, die eine nette Idee hatten, aber eine schlechte Umsetzung. Da würde sich ein Remake immer anbieten.

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    • Tja, Herzogs Remake von Nosferatu verbindet in gewisser Weise ja Deine Wünsche… 😉

      Ich weiß nicht wirklich, ob man die alten Klassikermonster wiederbeleben kann. Man müsste schon etwas Außergewöhnliches, Neues mit ihnen probieren, wie DelToro mit der Creature from the Black Lagoon in Shape of Water, dann könnte was draus werden. Aber dieser krampfige Versuch, die ersten 5 Minuten von Coppolas Dracula auf Spielfilmlänge zu bringen, hat den Namen in Hollywood vermutlich eh erstmal wieder auf ein paar Jahre vergiftet.

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      • Naja, nix gegen die Herzog-Version, aber die hat auch schon die besten jahre hinter sich 😀

        Die neue Version von „Es“ ging für mich in die richtige Richtung, obwohl ein paar Effekte des Clowns für mich nicht ganz so gut gepasst haben. Es wäre aber sehr interessant, ob man noch mit Vampiren, Werwölfen und bösen Geistern so richtig schocken kann.
        Und Coppolas Dracula…. Er ist ganz rot markiert auf meiner Watchlist. Versprochen 😀

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          • Vermutlich ist es frustrierend, egal wie gut Dein Film ist, zu hören „naja ein neuer Pate/Apocalypse Now isses nicht gerade“. Der Fluch des frühen Erfolgs…

            Sein letzter Film vor ein paar Jahren, irgendein Horrorfilm, den ich nicht gesehen habe, hat dann auch wirklich vernichtende Kritiken bekommen. Sowas wie „damit wäre er an der Filmhochschule durchgefallen“.

            Außerdem hat er noch x andere Unternehmen von einer Winzerei über Hotels, dürfte also auch so genug zu tun haben.

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  5. Interessanterweise gibt es von den beiden Stoffen, die hier am häufigsten erwähnt wurden, eh schon sehr viele Versionen. Von THE PICTURE OF DORIAN GRAY entstanden allein vor 1920 schon mindestens sechs Versionen. Wenn man TV-Versionen mitzählt, sind es an die 30, die die IMDb kennt. Ich finde die von 1945 mit George Sanders und Hurd Hatfield recht gelungen. Aber natürlich spricht das nicht gegen noch mehr Versionen, wenn sie neue Ideen aufbieten.

    Das gilt natürlich auch für JEKYLL & HYDE, wo es noch viel mehr Versionen gibt als bei DORIAN GRAY, mehr als doppelt so viele. Darunter so schräge wie die Musical-Version von 1973 mit Kirk Douglas (!), oder DR. JEKYLL & SISTER HYDE von 1971. Einen bösen Humor, der in der Körpersprache des Schurken gründet, besitzt auch die Version von Jean Renoir. Die lustigste Version ist aber DR. PYCKLE AND MR. PRYDE mit Stan Laurel (ohne Ollie).

    Eine neue Version von JEKYLL & HYDE müsste sich also etwas einfallen lassen. Vielleicht in die Gegenwart versetzt und aufgepeppt à la SHERLOCK. Da könnte dann gleich Benedict Cumberbatch den Jekyll/Hyde spielen.

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    • Du erinnerst mich gerade daran, dass es vor 11 Jahren tatsächlich eine ‚Jekyll‘ Miniserie vom Sherlock Macher Moffat gab. Der Jekyll Darsteller war wirklich gut, die ersten Folgen auch, dann ging es in eine merkwürdige,fast Superheldenartige Richtung mit Supersoldaten und Leuten, die seinen genetischen Code wollten etc…

      Jetzt muss ich aber schauen, wo ich Dr. Pyckle & Mr. Pryde finde…

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  6. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (04-06-18)

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