Newslichter Ausgabe 2: Sonnen, Flops und tödliche Tweets

Interessant, bizarr und vor allem: neu! Zeit für eine neue Ausgabe vom Newslichter, auch wenn es diesmal weniger lustig wird, als mir lieb ist.

 

Eine einzige Sache in ‚Star Wars‘ ist wissenschaftlich korrekt

https://screenrant.com/neil-degrasse-tyson-star-wars-scientific-accuracy/

Neill DeGrasse Tyson ist ein amerikanischer Astrophysiker, der sich auf die Fahnen geschrieben hat der Öffentlichkeit Wissenschaft näher zu bringen. Sein liebster Ansatz hierfür ist physikalisch Unmögliches in aktuellen, populären Filmen aufzuzeigen. Ob das ein guter Ansatz ist, lasse ich mal dahingestellt. Jedenfalls hat er in der ‚Star Wars‘ Reihe nun etwas ausnahmsweise wissenschaftlich Korrektes gefunden. Allerdings nur genau eine Sache: den doppelten Sonnenuntergang, den Luke ganz am Anfang von Episode IV beobachtet. Das war’s. Wenn Ihr also mal früher ins Bett wollt, dann könnt Ihr den „Scientifically Correct Cut“ aller Star Wars Filme schauen und er dauert keine 5 Minuten. Ist doch toll!

 

Erster chinesischer Big Budget Flop

https://screenrant.com/chinese-box-office-bombs-asura/

China gilt ja seit etwa einem Jahrzehnt als das Land, das einen internationalen Blockbuster zum Megaerfolg macht, oder eben nicht. Hollywoodfilme werden aufwändig umgeschnitten und mit zusätzlichen Szenen ausgestattet, um dem chinesischen Geschmack zu entsprechen. Da überrascht es nicht, dass die heimische Filmindustrie auch ein Stück vom Blockbusterkuchen abhaben möchte. So entstand ‚Asura‘, der erste chinesische Film mit einem Budget über 100 Millionen Dollar. Und wohl auch direkt der erste Big Budget Flop, denn die Filmfirma hat ihn nach einem ernüchternden ersten Wochenende, bei dem er nur gut 7 Millionen Dollar einnahm, wieder vom Markt genommen. Angeblich um Veränderungen vorzunehmen und ihn danach wieder zu veröffentlichen. Auch das wäre ein erstes Mal… Die Macher behaupten hinter dem Misserfolg stünde eine Trollkampagne, wie es sie auch gegen ‚Black Panther‘ und ‚Die Letzten Jedi‘ (die Nummern 9 und 10 auf der Liste der finanziell erfolgreichsten Filme, übrigens) gegeben hat. Beobachter hingegen sagen miserables Marketing sei schuld. Ich bin gespannt, ob der Film in veränderter Version jemals wieder auftaucht und ob er China verlässt. Monumentale Flops haben irgendwie was.

 

Disney feuert James Gunn

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18520053.html

Disney hat per sofort sämtliche Verbindungen zu ‚Guardians Of The Galaxy‘ Regisseur James Gunn aufgelöst. Wie kam es dazu? Anscheinend hat Gunn auf Twitter dem orangefarbenen-Scheißegolem-In-Chief* nicht die geforderte Huldigung gezeigt. Daraufhin haben „konservative“ „“Journalisten““ 8 bis 10 Jahre alte, gelöschte Tweets von ihm ausgegraben und an Disney weitergeleitet. Lasst mich eines gleich klarstellen: Gunns alte Tweets waren, ohne jede Frage, vollkommen geschmacklos bis geradezu widerlich. Hätte Disney ihn derentwegen nie engagiert, hätte ich damit kein Problem. Aber er hat sie vor langer Zeit gelöscht, öffentlich Reue gezeigt und in den letzten Jahren bewiesen, dass er ein anderer Mensch ist. Mir geht es allerdings auch weniger um die Person Gunn, als um die Sache an sich.

Ich verstehe, dass Disney sein blitzsauberes Image wahren möchte. Aber sie haben mit James Gunn einen Mann angeheuert, der durch Troma (TROMA!) ins Filmgeschäft gekommen ist. Der eine Reihe kurzer Parodien auf Pornofilme auf Youtube zu seinem Werk zählt. Dessen letzte beiden Werke vor Disney ‚Slither‘ und ‚Super‘ waren, die beide auch mehr als einmal breit grinsend unter die Grenze des guten Geschmacks tauchten. All das wusste Disney nicht? Niemand hat Gunns Social Media mit Lupe und allerfeinstem Kamm überprüft, bevor sie ihm mehrere hundert Millionen Dollar und eine Superhelden-Franchise in die Hand gedrückt haben? Schwachsinn. Die einzige Erklärung, die für mich funktioniert ist, dass jemand bei Disney James Gunn ohnehin loswerden wollte und hier eine Chance sah.

Gunns „Witze“ mögen widerlich gewesen sein, doch er hat niemanden belästigt oder auch nur persönlich angegriffen, weder online noch offline, anders als etwa Pixars John Lasseter, dem „vulgäres“, „unprofessionelles“ Verhalten am Arbeitsplatz vorgeworfen wird, den Disney allerdings nicht gefeuert hat, sondern der die Firma Ende des Jahres selbstständig verlassen darf. Die Idee, dass uralte, dumme (eklige) Bemerkungen, die man gelöscht und öffentlich bereut hat, auf derart brutale Weise zurückkommen können, ist für mich erschreckend. Wenn ich mehr Argumente gegen soziale Medien bräuchte, hier sind sie.

Noch einmal: es geht mir bestimmt nicht um eine Sorge um Gunns finanzielle Sicherheit (sein Privatvermögen wird auf 40 Millionen geschätzt). Und ich bin sicher er wird kein Problem haben abseits von der Maus Arbeit zu finden. Ausserdem mag ich zwar die beiden ‚Guardians‘ Filme sehr gern, kann aber auch gut ohne einen dritten leben. Aber, dass man die Entwicklung eines Menschen einfach so wegwischen kann, weil es gerade opportun ist/das Image gefährden könnte, das ist einfach nur unheimlich für mich.

 

Tut mir leid, falls es im dritten Artikel etwas zu ernst wurde. Ich hoffe nächstes Mal wird wieder unterhaltsamer. Hier zum Ausgleich noch ein schlechtes Wortspiel: Neil Bloomkamp soll den neuen Robocop drehen. Das wird wohl ein Robo Sharlto COPley. Hehe. Bis dann

* Der übrigens derzeit damit beschäftigt ist Kriegsverbrechen auf Twitter anzukündigen, manchmal wünscht man sich ein Sommerloch

10 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 2: Sonnen, Flops und tödliche Tweets

  1. Wieder einmal Top-News, dabei ich habe eigentlich nur Disney und Gunn eine Meinung: Ich gebe zu, meine erste Reaktion war ein verschwitztes Lächeln und der Gedanke „Vielleicht kommt dann mal ein richtig guter Guardians-Film in die Kinos“. Aber neben meiner persönlichen Meinung zu den Filmen, ist es natürlich großer Schwachsinn. Disney braucht gerade politische Unterstützung für die Fox-Übernahme, Roseanne ist auch wegen Tweets rausgeflogen und ein Mini-Shitstorm bei den Konservativen – Mehr braucht es nicht, um so einen Quergeist raus zu werfen. Da regen sich dann ein paar Nerds auf, aber Guardians 3 macht auch mit Regisseur XY genug Gewinn. Vielleicht übernimmt die Regie ja diesmal ein Schwarzer, eine Frau oder ein Homosexueller… Das wäre doch wirklich verrückt! *Ironie off*

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    • Naja, die Roseanne Situation war (soweit ich das verstehe) in sofern anders, dass es nicht nur eine rassisstische Bemerkung direkt in Richtung einer Kollegin war, sondern nur der letzte Teil einer langen Serie aktueller „fragwürdiger“ Tweets und Aussagen und Verbreitung von Verschwörungstheorien. So jemanden zu feuern ist gut, wenn nicht sogar nötig. Roseannes Reaktion („I thought the fucking bitch was white!“) bestärkt mich da noch. Von wirklich übergriffigen Leuten brauchen wir gar nicht anzufangen.

      Und das Disney sich hinter eine Frau oder irgendeine Minderheit stellt, wenn „konservative“ „“Journalisten““ fraglos irgendein Problem mit ihnen finden, kann nach dieser Sache wohl niemand mehr ernsthaft glauben.

      Genau genommen müsste man wohl auch Walts Kopf aus der Tiefkühltruhe holen und wegwerfen, der hatte ein paar merkwürdige Ideen in den 30ern…

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  2. “ Who the fuck is James Gunn“, dachte ich mir beim Lesen der Überschrift. Nie von gehört. Ich gebe jetzt einfach mal den obligatorischen Mahner. Wir wissen nie was hinter den Kulissen wirklich los ist. Vielleicht hat der Mann mit der Frau des Studiobosses geschlafen. Oder dessen Sohn eine Ohrfeige verpasst. Vielleicht hat er eine Putzfrau vergewaltigt und muss deshalb gehen. Vieleicht hat Gunn (mal wieder) vor versteckter Kamera etwas geschmackloses gesagt und Disney wird damit erpresst. Wir wissen nicht was der echte Grund war. Von daher ist mir das auch relativ egal. 😋

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  3. Pingback: Newslichter Ausgabe 4: neuer Streamingservice, alter Picard und ein verbotener Bär | filmlichtung

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