Kinder und Horrorfilme

In den letzten Tagen und Wochen habe ich mit einigem Interesse und Vergnügen die Beiträge von allerlei Bloggerkollegen in Ma-Gos Halloween Spezial-Aktion gelesen. Darin schildern sie (und irgendwann auch ich) ein besonders prägendes Ereignis, das mit einem Horrorfilm in Zusammenhang steht. Auffällig aber vielleicht nicht überraschend ist dabei die Anzahl an Geschichten, die in Kindheit oder früher Jugend der Erzählenden stattfinden. Das habe ich mal zum Anlass genommen, mir ein paar Gedanken um Kindheit und Horrorfilm zu machen.

Ich bin kein Vater, daher würden mich Kommentare von Eltern zu dem Thema besonders interessieren. Was wäre Eure Antwort auf die Frage: „dürfen Eure Kinder Horrorfilme schauen?“ Ich weiß, was meine quasi instinktive Antwort auf die Frage für meine potentiellen Kinder ist: ein durchaus entschiedenes „Nein!“ mit Ausrufezeichen und Kopfschütteln zur Untermalung. Nur um die Aussage dann einzuschränken. Ich würde hierzu auf die Altersfreigaben der FSK hinweisen. Da steht immerhin drauf ab welchem Alter welcher Film geeignet ist. Sicher, die „ab 12 Jahren“ Angabe hat noch den Passus dabei, dass auch jüngere Kinder in Begleitung der Eltern die Filme sehen dürften. Ich könnte also meinem putativen 6-Jährigen ‚Das Waisenhaus‘ zeigen, solange ich dabei bin. Mein ebenso putativer 17-Jähriger dürfte allerdings Peter Jacksons ‚The Frighteners‘ auf keinen Fall sehen. Ich habe so eine Idee wer hinterher größere Alpträume hätte…

Aber ich will mich gar nicht mit möglichen Fehlentscheidungen oder Grenzwertigem der FSK aufhalten, im Großen und Ganzen bietet sie gute Richtwerte für Eltern und für Kinos natürlich einen gesetzlichen Rahmen. Selbst die Handlungsfreiheit bei der „ab 12“ Freigabe finde ich sehr gut, denn Eltern kennen ihre eigenen Kinder immer noch am besten und wissen was ihnen zuzumuten ist. Letztlich ist es auch völlig egal, ob die Eltern wollen, dass ihre Kinder Horrorfilme sehen oder nicht, oder? Wenn die Kinder es wollen tun sie es ohnehin. Als ich ein Kind war hatten wir lange Zeit nicht einmal einen Videorekorder. Wenn meine Eltern abends mal nicht da waren, war mein Babysitter anfangs meine Oma, die früh schlafen ging und später Niemand (einer der Vorteile, wenn man „vernünftig“ ist, harr harr). Und selbst im Spätprogramm des noch spärlich mit Sendern versehenen Fernsehens fand sich so einiges. Und natürlich hatte ich Freunde, die Zugriff auf VHS hatten. Und irgendwann einen eigenen Fernseher im Zimmer und damit war ohnehin jede Kontrolle quasi unmöglich geworden.

Und das war in technisch geradezu antiken Zeiten. Selbst wenn Ihr Eure Filmsammlung wegschließt oder Euren Streamingaccount Passwort-schützt. Den gewünschten Film bei einer Suchmaschine mit einem Zusatz wie „Stream“ eingeben und Junior wird fündig… und fängt sich vielleicht einen wirklich gruseligen Virus ein. Kinder sind heutzutage ihren Eltern doch ohnehin technisch meistens überlegen. Wenn sie einen Film sehen wollen, dann werden sie es vermutlich auch schaffen. Womöglich sind sie sogar noch neugieriger auf Horrorfilme, als meine Generation das damals war. Als ich ein Kind war, war Halloween hier eigentlich nie ein Thema (Anmerkung: ich hätte Halloween als Kind geliebt! Ich darf mich als Monster verkleiden und kriege Süßigkeiten? AAAAAAAHHHHHHHH!!!), jetzt klingeln hier jedes Jahr kleine Monster auf der Suche nach Süßem oder Saurem. Das sollte doch schon eine gewisse Neugier auslösen.

Genau das tut aber womöglich auch gerade das elterliche Verbot. Die Angst vor dem Erwischtwerden kommt noch zur Angst vor dem eigentlichen Film dazu. Der Horror wird durch die Grenzüberschreitung potenziert. Und seien wir mal ehrlich: der meiste Horror entfaltet seine Wirkung nie wieder so effektiv, wie zu der Zeit, wenn man eigentlich zu jung ist ihn zu sehen. Ich kann mich zumindest nicht mehr erinnern, wann mich ein Horrorfilm zuletzt nicht mehr hat schlafen lassen. Durchaus aber noch um die ruhelosen Nächte, die mir der erste ‚Alien‘ Film oder der erste ‚Nightmare On Elmstreet‘, die ich beide viel zu jung gesehen habe bereitet haben. Und in der Rückschau wird das dann zu einem (vermutlich verklärten) schönen, beinahe nostalgischen Moment. Wäre das anders, wenn mir meine Eltern die Filme erlaubt oder sogar gezeigt hätten? Ehrlich gesagt ist die Vorstellung derart bizarr, dass mir darauf gar keine Antwort einfällt und nicht nur weil meine Eltern beide keine Horrorfilme ausstehen können.

Was ich allerdings sehen durfte und teilweise zumindest mit meinem Vater gesehen habe, waren „Einstiegshorrorfilme“. So etwas wie ‚Ghostbusters‘ oder ‚Gremlins‘. Oder, um es in die heutige Zeit zu übertragen, die Filme der Laika Studios, also ‚Coraline‘ oder der großartige ‚ParaNorman‘. Natürlich kann deren Ansehen auch dazu führen, dass die Lust auf „echten“ Horror nur noch größer wird, wer weiß.

Natürlich soll das Fazit dieses Artikels nun nicht sein, dass man Kindern überhaupt keine Regeln mitgeben sollte, was sie sehen dürfen und was nicht oder ihnen gleich ‚Texas Chainsaw Massacre‘ zeigen sollte, nur weil sie sie im Zweifel die Vorschriften eh umgehen (ich will hier eh keine Erziehungstipps geben, dafür bin ich garnicht qualifiziert). Ich bleibe trotz allem bei meiner eingänglichen Aussage, dass es auch bei mir ein Verbot für allerlei Filme gäbe. Aber hoffentlich auch ein Vertrauensverhältnis, das es Kindern erlauben würde mit mir über etwas aus einem „verbotenen“ Film zu reden, was sie womöglich sehr mitnimmt.

Jetzt bin ich aber vor allem an Eurer Meinung interessiert. Durftet Ihr als Kinder Horrorfilme sehen? Und falls ja, machte sie das langweiliger? Und falls nein, habt Ihr es trotzdem getan? Und wie oben schon angekündigt, die Frage, wie ihr es als Eltern handhabt, oder handhaben würdet, so Ihr (noch?) keine Kinder habt. Und lest die Beitragsreihe auf Ma-Gos Blog, es lohnt sich!

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12 Gedanken zu “Kinder und Horrorfilme

  1. Also bei meinen Kids sehe ich da kein Problem. Die sind alte Angsthasen und wollen immer etwas schauen, das auf keinen Fall gruselig ist. Irgendwann kommt der Reiz bestimmt und dann ist ein softer Einstieg mit „Ghostbusters“ und Co. bestimmt nicht schlecht. Aber das wird noch dauern… 😉

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    • Okay, wenn eh kein interesse da ist, dann stellt sich die Frage nicht, das stimmt.

      Ich weiß nicht, ob Du ParaNorman kennst, aber der wäre bestimmt ein toller Einstieg. ich hätte ihn als Kind jedenfalls geliebt (und sehe gerade, der ist erst ba 12 freigegeben… merkwürdig).

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  2. Ich habe deinen Artikel meinem Expertenteam beim Frühstück vorgelesen und wir haben ausgiebig darüber diskutiert.

    Hier ein paar Gedanken dazu:

    „denn Eltern kennen ihre eigenen Kinder immer noch am besten und wissen was ihnen zuzumuten ist.“

    Das ist in den meisten Fällen, Gott sein Dank, so. Leider erlebe ich aber auch immer wieder, dass Eltern sich scheinbar überhaupt nicht dafür interessieren was ihre Kinder konsumieren. Ich kann dir einige Fälle nennen (real – nicht aus dem Internet), in denen 6-8 Jährige ES schauen DÜRFEN oder sogar vorgesetzt bekommen damit die Kinder beschäftigt sind einfach still sind. Ob diese Eltern das bewusst entscheiden, weil sie ihre Kinder kennen und wissen, dass sie das verkraften oder ob sie nicht wissen, was das für Filme sind, weiß ich nicht.

    „Letztlich ist es auch völlig egal, ob die Eltern wollen, dass ihre Kinder Horrorfilme sehen oder nicht, oder? Wenn die Kinder es wollen tun sie es ohnehin.“

    Da ist was dran. Allerdings trifft das meiner Erfahrung nach nicht auf die „gefährdete“ Altersgruppe (<8). Der allergrößte Teil dieser Gruppe wäre technisch nicht in der Lage an einen verbotenen Film ranzukommen. Und ich denke, wenn ein Kind so weit ist, dass es zu solch hinterlistigen Handlungen in der Lage ist, dürfte es das Schlimmste dann auch verkraften 😉

    So weit erst mal. Da ich gleich los muss, mache ich an der Stelle mal eine Pause und schiebe den zweiten Teil des Kommentars später nach.

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    • Tja, die „hier ist das IPad, jetzt sei ruhig“ oder Filmeinlegmethode der Erziehung wird es wohl immer geben, aber selbst dann sollte man doch erwarten, dass eine gewisse Refexion statfindet was für ein Film das ist.
      Bei ES ist vielleicht die Argumentation, dass da auch Kinder die Hauptrolle spielen oder so.

      Bei einem Freund von mir war es übrigens das genaue Gegenteil mit ähnlichem Ergebnis. Seine Eltern zeigten ihm zwar keine Horrorfilme, meinten aber er sollte mit ihnen alles schauen, was sie „künstlerisch wertvoll“ betrachteten, unabhängig vom Gewalt- Sex- oder was-auch-immer Grad. Das war wohl oft genug… seltsam.

      Leider scheint Dein Beitrag abzubrechen, bevor Du verrätst, was die gefährdete Altersgruppe ist. Aber ich hatte halt einen guten Freund, der wiederrum einen ältern Bruder hatte, der der Meinung war 7 sei alt genug für Alien…

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      • Prinzipiell denke ich, dass Kinder dann für Horror bereit sind, wenn sie einigermaßen zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können. Das ist bei dem einen früher, bei dem anderen später. Als Faustregel würde ich jetzt mal 12 Jahre anpeilen.

        Wobei auch das natürlich vom Kind und vom Film abhängt. Ich halte z.b. Disneys Pinocchio für sehr düster und unheimlich.

        Was das Reflexionsverhalten mancher Eltern angeht, muss ich dich leider enttäuschen. Ich kenne einige Mütter und Väter, denen es egal ist oder die nicht wissen, worum es in den von ihnen ERLAUBTEN Spielen/Filmen geht.

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          • Ich selbst habe übrigens früher nicht gewusst wie der Videorecorder funktioniert und hatte auch keine Kontakte auf dem „Schwarzmarkt“. Auch hätte ich mich nie getraut ohne Erlaubnis den Fernseher anzumachen oder mit meinem Game Boy zu spielen. Ich habe viele verbotene Sachen gemacht in meinen, sagen wir mal großzügig, ersten 18 Lebensjahren. Aber was das Thema Medienkonsum angeht war ich immer sehr brav 🙂

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  3. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (22-10-18)

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