Gastbeitrag vom Herrn Legosi: die unerträgliche Dreistigkeit von ‚Monster Busters‘ (1987)

Es folgt der angedrohte Gastbeitrag von Herrn Legosi. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird er nicht im üblichen blutrot, sondern in fledermausschwarz präsentiert. Herr Legosi besteht darauf, dass ich erwähne, dass er diesen Text auch postalisch an den Regisseur geschickt hat. Wenn ich mir einen persönlichen Kommentar erlauben darf: ich bezweifle, dass der ankommt, da er den Brief an „Fred Dekker, britische Kolonien in den Amerikas“ adressiert und keine Briefmarke aufgeklebt hat („der Mann soll für das Privileg meiner Worte gefälligst selbst aufkommen!“). Wie dem auch sei, dafür und für alles was hier folgt übernehme ich ohnehin keinerlei Verantwortung.

Verzweifelt,

Filmlichter

 

Fred Dekker, ich weiß was Sie getan haben! Wagen Sie es nicht es abzustreiten! Ich habe Ihren „Film“, ich benutze diesen Begriff nur unter Vorbehalt, angesehen. Nie habe ich einen billigeren, perfideren Versuch gesehen Vampire zu verunglimpfen! Aber fangen wir vorne an, beim Titel. ‚Monster Busters‘. In den 80er Jahren. Was für ein absolut armseliger Versuch ein wenig Ruhm von einem weit besseren Film abzustauben. Ich rede natürlich von ‚Ghostbusters‘. Geisterjäger sind übrigens eine durchaus nützliche Berufsgruppe. Es ist geradeheraus unmöglich ein gemütlich finsteres, abgelegenes Schloss zu besitzen, ohne, dass sich ein ganzes Dutzend dieser ektoplasmatischen Heulbojen einnistet, und schon hat man ein „Spukschloss“. Wissen Sie eigentlich wie viel schwerer es dadurch wird Nahrung Gäste zu bekommen? Bloß weil diese wandelnden Bettlaken nicht umhinkönnen unbescholtenen Leuten nachts ihr idiotisches „Buh!“ ins Ohr zu säuseln. Und wo haben die eigentlich all die Ketten zum rasseln her? Ich habe alle Ketten im Schloss weggeworfen und es rasselte immer noch wie eine Messeveranstaltung für Babyspielzeug! Wo war ich? Ach ja, der peinliche Titel Ihres Films! Mein Lakai, ein Dorftrottel namens Filmlichter, brüllt mir gerade ungefragt aus dem Hintergrund zu, dass Sie für den Titel gar nichts könnten. Sie hätten den Film ‚Monster Squad‘ genannt und ein deutscher Verleih sei auf die Idee der Titeländerung gekommen. Eines kann ich Ihnen sagen, wenn ein Charakter wie der Filmlichter sich auf Ihre Seite stellt, „Herr“ Dekker, dann spricht das ganz und gar nicht für Sie!

Dabei fängt Ihr Machwerk noch ganz wunderbar an. Der Widerling Abraham van Helsing (ich sage Ihnen, Ende des 19ten Jahrhunderts gab es eine Zeit, als kein anständiger Vampir den entnervenden Belästigungen dieses unerträglichen Holländers entgehen konnte. „Vampire mögen keinen Knoblauch“, sagt er. Wissen Sie was ich ihm sage? Niemand mag Leute, die auf drei Kilometer gegen den Wind danach riechen, weil sie sich von nichts anderem ernähren, „Professor“ (zwingen Sie mich nicht die mangelnde akademische Qualifikation dieses Scharlatans darzulegen!)) versucht erfolglos den liebenswerten Grafen Dracula zu ermorden. Ich weiß, Herr Dekker, an der Rufschädigung dieses hervorragenden Doppelkopfspielers und gewandten Volkstänzers haben Sie nur Anteil und sind nicht allein verantwortlich, dennoch werde ich weiter unten Ihre hinterlistige Perfidie darlegen. Aber ab hier geht es ohnehin bergab, nicht wahr?

Hundert Jahre später gerät das Tagebuch des müffelnden Niederländers in die colaklebrigen Finger eines amerikanischen Jugendlichen. Darin liest er, dass man Dracula alle hundert Jahre an einem bestimmten Tag mittels eines Amuletts aus „reinem Guten“ zerstören kann. Was Sie mittels dieses Amuletts über den Charakters Draculas implizieren ist wohl mehr als eindeutig! Nun, das Blag und seine Freunde sind natürlich begeistert über eine Gelegenheit Chaos anzurichten und beginnen mit den Vorbereitungen. Inzwischen ist ihre Präsentation von Dracula nachwievor nicht einmal unangemessen. Es ist erstaunlich wie lange Sie Ihre wahren Absichten bezüglich seines Charakters hinauszögern! Sie präsentieren ihn hier als Herren der anderen Monster, des Wolfsmannes, der Mumie, des Monsters aus der schwarzen Lagune und des elenden Verräters, dem Geschöpf Frankensteins (ein Mann, den man wohl zu Recht als den ödesten Wissenschaftler aller Zeiten bezeichnen könnte, gäbe es da nicht einen gewissen Dr. Jekyll). Das ist eine Rolle, in der sich der Graf, trotz seiner legendären Bescheidenheit, sicherlich gefallen hätte. Doch dann lassen Sie den sympathischen Vampir allerlei Akte puren Vandalismus‘ begehen. So wirft er eine Stange Dynamit in das Baumhaus der Gören, eine womöglich sogar nachvollziehbare Aktion, die Ihre Regie allerdings unverzeihlich erscheinen lässt.

Doch dann kommt das Finale (beklagen Sie sich ja nicht, dass ich große Teile Ihres belanglosen Werks auslasse, über die Anatomie des Wolfsmannes können Sie sich allein amüsieren). Und was Sie Dracula dort in den Mund legen, ist derart ungehörig, dass ich es gar nicht wiedergeben möchte, sondern Ihnen Ihre eigenen Bilder präsentiere:

 

(Anmerkung: für die Briefversion hat Herr Legosi die Szene ausgedruckt. Frame für Frame. In Farbe. FL)

Einer solchen Wortwahl hätte sich ein Poet wie Dracula (wissen Sie eigentlich wie sehr ihm die Anfeindungen seiner elenden Kritiker, er reime „Blut“ zu oft auf „gut“, zugesetzt haben?) niemals befleißigt. Über sein schändliches Ende in Ihrem Film will ich hier gar nicht reden, da sind Sie, wieder einmal, nicht ganz allein schuldig.

Ich bin schockiert über Ihre sinnlose Banalisierung und Verrohung eines der geschicktesten Triangelisten, die ich je das Vergnügen hatte zu hören. Und über die fiesen Implikationen bezüglich jedes anderen Vampirs, und der Schlussfolgerungen, die Ihr milde interessiertes, Süßigkeiten in seine elenden Gesichter stopfendes Publikum zwangsläufig daraus ziehen muss. Sie sind durchschaut und ich würde Ihr Blut nicht einmal dann trinken, wenn ich wirklich, wirklich hungrig wäre!

 

Ich verbleibe, Herr Dekker, in tiefster Verachtung, Ihr

Herr Legosi

PS: sollte ich keine Antwort auf dieses Schreiben erhalten, werte ich dies als Eingeständnis Ihrer Ungehörigkeit!

8 Gedanken zu “Gastbeitrag vom Herrn Legosi: die unerträgliche Dreistigkeit von ‚Monster Busters‘ (1987)

  1. Hoch verehrter Herr Legosi,
    mit großem Interesse noch noch mehr Vergnügen, habe ich ihren Beitrag gelesen. Auch wenn der „Film“ (vermutlich verdienst lediglich das für den Film benutzte Speichermedium diesen Namen) mir nicht bekannt ist, und sicher auch nie bekannt werden wird, haben mich ihre Zeilen zutiefst bewegt und aufgewühlt. Wie kann sich ein Cretin wie dieser Dekker es wagen, eine der Ikonen der Horrorwelt auch nur im Ansatz in seinem Machwert einzusetzen? Da mangelt es an jeder Art von Respekt und Ehrfurcht gegenüber einem der führenden Vertreter der vampiristischen Hochkultur. So etwas darf nicht unbemerkt, und schon gar nicht unkommentiert bleiben. Hier muss man den Finger in die Wunde legen und das Unerhörte aufdecken, zur Schau stellen und anprangern. So wie Sie es in unnachahmlicher Art getan haben.
    Da ziehe ich ganz ausdrücklich, verehrter Herr Legosi, meinen Hut vor Ihnen und verneige mich ehrfurchtsvoll. Chapeau.
    Leider ist nicht davon auszugehen, dass es eine Reaktion in irgendeiner Form oder gar eine reflektierte Auseinandersetzung Dekkers geben wird. Dafür ist sich der Kerl vermutlich zu schade. Aber, seien Sie sicher, werter Herr Legosi, Ihre Worte werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Eines Tages wird auch Dekker seine Missetaten zu vertreten haben.

    Geschätzter Herr Legosi, ich werde Sie weiter in Ihrem Kampf für die Bewahrung der reinen Vampirkultur unterstützen und in diesem meist einsamen Kampf an Ihrer Seite stehen. Gern greife ich auch bei Themen wie Portokosten und/oder Technical Support (Druckerpatronen) unter die Arme. Für die Groben Arbeiten haben Sie ja Igor Filmlichter.

    Mit vorzüglicher Hochachtung

    Ihr Herr Steffelowski

    Gefällt 3 Personen

    • Ich habe Herrn Legosi Deinen Kommentar vorgelesen (er weigert sich selbst das Internet zu nutzen, das sei unter seiner Würde) und er zeigt sich äußerst zufrieden, dass es noch so anständige Leute gibt. Portokosten zahlt er nicht und einen Gratisdrucker hat er schon (das ist wohl meiner), aber die Angebote werden schon allein für den Geist der dahintersteht zur Kenntnis genommen. Ich selbst könne mir daran mal ein Beispiel nehmen und… nein, Herr Legosi, das schreibe ich nicht!

      Wunderbar, ab jetzt nennt er mich wohl nur noch Igor… aber immerhin wird er seine 11 Monate im Büroschrank jetzt in dem Wissen verbringen, dass ihn jemand wertschätzt. Vielleicht ist er nächstes Jahr mal besser gelaunt…

      Gefällt 1 Person

  2. Sehr geehrter Herr Legosi,

    „Nie habe ich einen billigeren, perfideren Versuch gesehen Vampire zu verunglimpfen!“

    Haben Sie die Twilight-Reihe gesehen? Es würde mich sehr interessieren was Sie zu der Darstellung Ihres Volkes in jenem Beitrag zu sagen haben.

    Liebe Grüße,
    Ma-Go

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Entspannter Einstieg in den Jahresendspurt | filmlichtung

  4. Pingback: Streaming ist die Zukunft oder „The Good, The Bad, The Internet Connection“ | filmlichtung

Und was meinst Du? (Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.