‚Phantom Kommando‘ (1985) – destillierte 80er Action

Wir alle haben ein Bild im Kopf, wenn wir an 80er Jahre Action aus Hollywood denken. Der muskelbepackte Überpatriot, der sein gigantisches Maschinengewehr in Horden und Horden von „unamerikanischen“ Feinden entlädt, ohne sich jemals um so mondäne Ideen wie „Nachladen“ oder „Deckung“ scheren zu müssen. Die wilde Actionszene endet dann mit mindestens einer, besser aber einer Reihe gigantischer Explosionen, die jeweils mindestens zwei Stuntleute durch die Luft fliegen lassen. Welcher Film trifft das Herz dieser Art von Action am besten? Viele werden sagen ‚Rambo 2‘ und die haben sicher nicht ganz unrecht. Ich meine, am besten trifft es ‚Phantom Kommando‘, denn der weiß exakt wie ernst er sich nehmen muss.

John Matrix (Arnold Schwarzenegger) ist ehemaliger Offizier einer US Spezialeinheit. Nun ist er im (Früh)Ruhestand, wo er mit seiner Tochter Jenny (Alyssa Milano) Angeln geht, Eis isst und Rehe füttert, was man eben so macht. Doch dann werden seine Männer nach und nach von einer unbekannten Gruppe ermordet. Bald tauchen sie auch bei Matrix auf. Es stellt sich heraus, dass sie unter Bennet (Vernon Wells) agieren, einem Mann, den Matrix wegen übertriebener Gewalt gefeuert hatte. Im Moment stehen sie im Sold von Arius (Dan Hedaya), dem ehemaligen Presidente des südamerikanischen Staates Val Verde. Der wurde mit Hilfe von Matrix‘ Einheit gestürzt. Nun haben Arius und Bennet Jenny in ihrer Gewalt und zwingen Matrix den amtierenden Staatschef von Val Verde zu ermorden, um Arius die Rückkehr zu erlauben. Zum Glück braucht Matrix nur etwa 5 Minuten, um seinen Aufpassern zu entwischen und macht dann Jagd auf Bennet und seine Männer, um Jenny zu befreien. Hilfe bekommt er dabei von Stewardess Cindy (Rae Dawn Chong).

Als dieser Film ins Kino kam, war Arnold bislang für zwei Rollen bekannt: Conan und den (bösen) Terminator. Dieses ist der Film, wo er einen großen Teil seiner Actionfilm Persona des hyperkompetenten Armeespezialisten entwickelt, die er bis etwa 2000 nutzt. Ich traue Arnold Schwarzenegger zu, dass ihm bewusst ist, dass er kein großer Darsteller ist. Dennoch hat er zwei große Pfunde, mit denen er wuchern kann. Da ist zum einen sein natürliches Charisma, er ist einfach jemand, den man gern auf der Leinwand/im Fernsehen sieht. Zum anderen ist er sehr gut darin, Aspekte von Figuren beizubehalten, die für ihn gut funktionieren. Hier riecht er den Gegner, bevor andere wissen, dass er überhaupt da ist, wie Conan. Und er ist unzerstörbar wie der Terminator. Was er hier neu für sich entdeckt ist vor allem der Humor. Und das ist etwas, was er den Norrises, Bronsons, Lundgrens und Stallones voraushatte: das Bewusstsein, dass man einen solchen Film nicht ganz ernst nehmen muss, vielleicht sogar nicht ganz ernst nehmen sollte. Das der Oneliner danach, egal wie doof, mindestens so wichtig ist, wie der brutale Kill vorher.

Das soll nicht bedeuten, dass Regisseur Mark L. Lester hier auf die übliche hypermaskuline Inszenierung verzichtet, im Gegenteil. Das Erste was wir von Col. a.D. John Matrix (was ein Name!) zu sehen bekommen, ist sein schweißglänzender Bizeps. Aber es ist eben auch der Film in dem Arnie aus „I’ll be back!“ einem Satz, der in ‚Terminator‘ vor der finstersten Szene (dem Massaker in der Polizeistation) fällt, eine liebenswerte Catchphrase und einen Running Gag macht. Wenn Matrix jemanden vom Telefonieren abhalten will, zieht er ihn nicht etwa aus der Telefonzelle, nein, er reißt die Zelle aus ihrer Verankerung UND DANN WIRFT ER DAMIT! Bevor er an einer Luftballonkette durch die Shoppingmall schwingt wie ein konsumorientierter Tarzan. Das ist glorreich, wunderbar albern und annähernd unvergesslich.

Darüber sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Lester einen guten Teil der Action sehr zeittypisch und damit ein wenig statisch inszeniert. Oft genug sieht man den Standard „Matrix ballert in Richtung Kamera“ Schnitt „drei Fieslinge kippen um“. Aber irgendwie muss Arnie ja auf seinen Bodycount (den höchsten seiner Karriere) kommen, bei einem Budget, dass mit 10 Millionen, für einen Actionfilm dieser Größe, recht mager ausfällt. Und als Entschädigung folgen genug Momente wie der, in dem Arnie Gartenwerkzeuge zum Zwecke des Mordens missbraucht.

Die Handlung* ist nicht wahnsinnig erwähnenswert, aber sie überrascht doch immer mal wieder. So erreicht niemand im Film jemals lebend (nur „dähd teierd“) das fiktive Land Val Verde. Und Rae Dawn Chongs Cindy ist nicht etwa nur ein Love Interest, den Matrix dann noch zusätzlich zu Jenny retten muss, im Gegenteil. Cindy rettet Matrix den Hintern in einer der lustigsten Szenen des Films („I read the manual!“) und ist ihm auch später noch eine ganz wesentliche Hilfe. Wenn man aber anfängt das Drehbuch auf Fragen wie „warum kann ein, mit Hilfe der USA gestürzter, Diktator sich auf eine Insel vor der US Küste zurückziehen, nicht nur mit einem Gutteil seiner Armee, sondern dort auch noch neue Söldner anheuern?“ abzuklopfen, tut man weder dem Film, noch sich selbst einen großen Gefallen.

Bei den Fieslingen ist natürlich allen voran Vernon Wells als Bennet zu erwähnen. Der hat erst einmal das Problem, dass ein Name wie „Bennet“ nun eher keine Furcht in den Herzen seiner Gegner sät. Dem wirkt er entgegen, indem er zu seiner Lederweste Kettenhemd trägt, auch in den 80ern ein mutiges Fashion-Statement. Vielleicht sollte er wirklich mal Dampf ablassen. David Patrick Kelly gibt den wieselig-widerlichen Sully, der den fiesesten Abgang des Films bekommt („Ei ledd him go.“) und ein stets bedrohlicher Bill Duke mit Cooke den wahrscheinlich kompetentesten der Bösewichter, der Arnie dennoch nichts entgegenzusetzen hat. Am Ende isst Matrix eben auch Green Berets zum Frühstück…

Ist ‚Phantom Kommando‘ also der beste Actionfilm der 80er? Nein, das ist natürlich ‚Stirb Langsam‘. Der ist aber schon ein Übergangsfilm, der explizit weg möchte vom unzerstörbaren 80er Jahre Helden. McClane ist sehr verwundbar, während Matrix überfahren, angeschossen, in die Luft gejagt (2 mal) und von Dutzenden Mallcops vermöbelt wird. Oh und in zwei schwere Autounfälle ist er auch noch verwickelt, ohne dass es ihn irgendwie aufhalten würde. Was ‚Stirb Langsam‘ allerdings von ‚Phantom Kommando‘ übernimmt, ist der Humor, wenn er dort auch zum Galgenhumor wird. Aber wenn wir den unzerstörbaren 80er Actionhelden wollen, dann würde ich John Matrix zumindest als seinen unterhaltsamsten Vertreter bezeichnen.

 

 

*Fun Fact: Drehbuchautor Steven de Souza zeichnet auch für das Drehbuch zu ‚Stirb Langsam‘ verantwortlich. Ein Buch, das er als Sequel zu ‚Phantom Kommando‘ geplant hatte, wurde später zu ‚Stirb Langsam 2‘. Daher kommt General Esperanza dort aus Val Verde. Folglich spielen ‚Stirb Langsam‘ und ‚Phantom Kommando‘ im selben Universum.

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5 Gedanken zu “‚Phantom Kommando‘ (1985) – destillierte 80er Action

    • Er funktioniert besser als viele andere, weil er mit weniger politischem… Ballast daherkommt, als etwa ein Rambo 2. Sicher, ist der Bösewicht ein fieser Südamerikaner, aber eben aus einem fiktiven Land. Und weil der Film sehr, sehr albern ist und das auch weiß.

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  1. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (06-05-19)

  2. Manchmal frage ich mich schon, nach welchen Kriterien die Likes deiner Leser vergeben werden.
    Vielleicht hättest du noch darauf eingehen sollen, wie Arnie mit nur einem Schnitt eine verbeulte Autotür wieder ganz machen konnte.
    In meiner persönlichen Arnie-Top-5 auf jeden Fall dabei!

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    • „wie Arnie mit nur einem Schnitt eine verbeulte Autotür wieder ganz machen konnte.“

      Naja, wenn schon der ganze Rest ein Cartoon ist, ist das nur folgerichtig. Hat mich jetzt aber an die großartige Szene erinnert, wenn Arnie den Beifahrersitz aus Cindys Auto rausreißt, weil er sonst nicht reinpassen würde…

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