Newslichter Extra: Sumpfdinger und Rechenfehler – wie eine Serie endet bevor sie beginnt

UPDATE 09.06.2019: die unten stehenden Informationen sind veraltet. Ein Sprecher des Staates North Carolina hat erklärt, das es keinen Rechenfehler gab, ‚Swamp Thing‘ war für 12 Millionen Dollar Zuschüsse qualifiziert (den Höchstwert) und die hat es bekommen. Staat und Produktion hätten sich im Guten getrennt. Damit ist der Grund für die plötzliche Absetzung der Serie wieder völlig offen. Mehr dazu am Mittwoch im Newslichter.

 

https://modernhorrors.com/swamp-thing-canceled-likely-due-to-failed-tax-rebate/

In diesem Newslichter Extra geht es einmal nicht um einen Film, sondern um eine Serie. Eine Serie, die quasi zu Ende war bevor sie jemals angefangen hat. Und das ohne jegliches eigenes Verschulden. Wie konnte es dazu kommen? Dafür muss ich etwas weiter ausholen.

Warner bietet seit letztem September einen eigenen Streamingdienst in den USA mit dem Namen „DC Universe“ an. Das gibt bereits einen ganz guten Eindruck davon, was man auf dem Dienst finden kann. Filme und Serien aus dem sehr umfangreichen Archiv an Fernsehserien, animiert und real und vor allem natürlich die aktuellen Filme des DC Universums. Dazu kommen exklusiv produzierte Serien, wie ‚Titans‘ oder ‚Doom Patrol‘, die außerhalb der USA bei Netflix zu sehen sind. Sicherlich ein Nischenangebot, für Superheldenfans allerdings ein attraktives.

Vermutlich wollte man diese Nische ein wenig vergrößern, als man die Serie ‚Swamp Thing‘ in Auftrag gab. Hier bewegt man sich abseits der typischen Superheldengeschichte mehr Richtung Horror. Es geht um den Biologen Alec Holland, der an einer biorestaurativen Formel gearbeitet hat, ermordet wird und mitsamt seiner Erfindung in einen Sumpf in Louisiana geworfen wird. Hier verwandelt er sich in das ‚Swamp Thing‘, einen monströsen Avatar der Natur. ‚Swamp Thing‘ war bereits 1982 in einem Film von Wes Craven zu sehen, funktioniert folglich auch ohne jede Verbindung zu Superhelden. Dazu soll die Serie auf den Geschichten von Alan Moore zu dem Charakter aus den 80er Jahren basieren, die oftmals als einige der besten Comics überhaupt bezeichnet werden. Erfolgversprechendes Material also.

Das sah man bei DC Universe offenbar ähnlich und setzte unter anderem Erfolgsregisseur James Wan (‚Aqua Man‘, ‚Conjuring‘) als Produzent auf das Projekt. Für die Pilotfolge holte man sich Len Wiseman (‚Underworld‘-Reihe) als Regisseur an Bord. Virginia Madsen (‚Candyman‘) sollte eine größere Rolle übernehmen und das Swamp Thing selbst sollte größtenteils mittels praktischer Anzugseffekte umgesetzt werden. Ein ambitioniertes Projekt also. Was konnte schon schiefgehen?

Einiges natürlich, sonst würde ich hier nicht schreiben. Dass die Produktion nicht unproblematisch ist, konnte man schon recht früh erkennen, als die erste Staffel, während laufender Produktion, von 13 plötzlich auf 10 Folgen reduziert wurde. Es herrschten Unstimmigkeiten, zwischen den Machern der Serie und den Geldgebern von Warner, die plötzlich mit der Ausrichtung auf Horror gar nicht mehr so glücklich gewesen sein sollen. Wirklich merkwürdig wurde es aber erst vor ein paar Tagen. Am 31. Mai war die erste Folge der Serie bei DC Universe zu sehen. Sie erhielt wohlwollende bis begeisterte Kritiken und schien schnell ein Publikum zu finden. Doch nur einige Tage nach der Ausstrahlung verkündete Warner die Serie sei gecancelt. Alle 10 Folgen werden zwar wohl noch veröffentlicht, aber eine zweite Staffel wird es nicht geben. Eine merkwürdige Reaktion, die mit reinen kreativen Differenzen vermutlich nur schwer zu erklären ist.

Tatsächlich scheint der Grund für das Aus in einem üblen Rechenfehler zu liegen. Die Serie wurde in North Carolina gedreht. Der Staat tut einiges für die Förderung von Film. Unter anderem bietet er dort produzierenden Studios wohl äußerst großzügige Steuernachlässe an. Verschiedene Quellen im Internet behaupten Verschiedenes, aber für ‚Swamp Thing‘ sollen es zwischen 30 und 40 Millionen Dollar gewesen sein, was fast der Hälfte des Produktionbudgets der ersten Staffel von 85 Millionen Dollar entspricht. Das Problem war offenbar, dass man sich in North Carolina verrechnet hatte und als man Warner die korrigierte Zahl von nur ca. 13 Millionen Nachlass mitteilte hat man dort wohl 1. sofort die Staffel verkürzt und 2. die Reißleine für jegliche Fortsetzung gezogen. 85 Millionen sind eine ordentliche Investition für ein ziemliches Nischenprodukt. Eine Investition, die Warner nicht allein tragen wollte.

Schade um eine ambitioniert wirkende Serie, die zumindest für ihren Anfang hervorragende Kritiken erhielt und ohne jegliches Verschulden in den Sumpf geworfen wurde. Denn wer will eine verkürzte Staffel mit vermutlich offenem Ende sehen, wenn man weiß, dass es nie eine Fortsetzung geben wird? In Zukunft werden Studios Angebote aus North Carolina wohl mit einem scharfen „seid ihr wirklich sicher?“ beantworten.

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10 Gedanken zu “Newslichter Extra: Sumpfdinger und Rechenfehler – wie eine Serie endet bevor sie beginnt

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