„Elevated Horror“ – Marketingbuzz oder Scham vor dem eigenen Genre?

Den folgenden Text zum aktuellen Marketing-Buzzword „elevated horror“ habe ich schon vor ein paar Wochen geschrieben und dann für nicht veröffentlichbar erklärt, weil er zu unstrukturiert war. Die Version hier ist überarbeitet und hoffentlich verständlicher. Es ist allerdings nachwievor weniger eine Analyse des Begriffs und mehr eine persönliche Abrechnung damit. Ich hoffe Ihr findet‘s interessant.

Was ist „elevated horror“, also zu Deutsch etwa „gehobener Horror“*? Es ist ein Begriff der zuerst in den frühen 2010ern aufkam und beschreibt den Versuch einer Hierarchisierung des Horrorgenres. Ein „elevated Horror“ bringt eine gewisse Kunstfertigkeit in der Bildsprache mit, setzt nicht auf plumpe Schockeffekte und hat eine Aussage, die über reines Gruseln hinausgeht. Kurz der Begriff beschreibt Horrorfilme, die auch solche Zuschauer ansprechen, die dem Genre für gewöhnlich mit Skepsis oder Ablehnung gegenüberstehen. Verwendet wird er für solche Filme wie ‚Der Babadook‘ (2014), ‚It Follows‘ (2015), ‚The Witch‘ (2015), ‚Raw‘ (2016), ‚Hereditary‘ (2018), das Remake von ‚Suspiria‘ (2018) oder die Filme von Jordan Peele. Ich vermute (wirkliche Belege habe ich nicht dafür), dass der Begriff aus dem Wunsch einer bewussten Abgrenzung vom sogenannten „Torture Porn“ der 2000er entstand, der spätestens zuletzt mehr an effektvollen Entleibungen als atmosphärischer Geschichte interessiert war.

Ich persönlich finde diesen Begriff ziemlich furchtbar. Wenn wir „gehobenen Horror“ auf der einen Seite haben, was sagt das dann über all den Horror aus, der nicht mit diesem Begriff belegt wird? Ist das automatisch stumpfer Trash, der die finsteren Gelüste von pickligen, pubertierenden 14 Jahre alten Jungs bedient, oder, schlimmer noch, die von armseligen Kreaturen, die auf diesem Niveau hängen geblieben sind? Und was machen wir mit der Geschichte des Horrors? Ich vermute selbst der enthusiastischste Vertreter dieses Begriffs wird nicht behaupten wollen, dass es vor 2012 keine Filme gab, die die Ansprüche der Klassifizierung als „elevated horror“ erfüllen. ‚Pan’s Labyrinth‘ etwa passt perfekt in das Schema. ‚Eraserhead‘? Klar, passt. ‚Santa Sangre‘? Läuft! ‚Der Exorzist‘ natürlich sowieso. Was ist mit ‚Texas Chainsaw Massacre‘? Gehobener Horror oder zu igitti-bäh? Gehen wir weiter zurück, der originale ‚Godzilla‘. Das Monster steht sicherlich für weit mehr als eine übergroße Echse mit Architektur-Phobie und fiesem Atem, aber ist der Film nicht zu albern für „gehobenen“ Horror? Was ist mit ‚Freaks‘? Gehobener Horror oder bösartige Exploitation, oder gar beides? Carl Theodor Dreyers ‚Vampyr‘ ist sicherlich die Urform des „gehobenen Horrors“, aber was ist mit ‚Frankensteins Braut‘? Der ist ein bisschen zu kommerziell, oder?

Was ich damit ausdrücken will, ist das die Klassifizierung als „elevated horror“ reichlich willkürlich ist. Das könnte man sicherlich über Genres im Allgemeinen sagen und wenn ich mal mehr Zeit habe, möchte ich hier den Nutzen von Genres über Marketing hinaus im Allgemeinen hinterfragen. Auch ist sie sicherlich nicht nur auf den Horror beschränkt. Zumindest anfangs verkaufte sich etwa ‚Game of Thrones‘ als „Fantasy für Leute, die keine Fantasy mögen“. Doch ist eine solche Hierarchisierung innerhalb eines Genres nötig oder auch nur sinnvoll? Ich meine nein. „Horror“ deckt ohnehin schon ein verdammt weites Gebiet ab, kaum zwei Filme nähern sich den Konventionen des Horrors auf die exakt gleiche Weise. Kein Horror drückt nicht mehr aus als ein reines „BUH!“, und sei es unfreiwillig. Damit will ich nicht sagen, dass nicht ein guter Teil des Horrorgenres großer Mist ist. Das ist so, aber das ist bei allen Genres so. Elevated Horror erscheint mir als ein etwas hilfloser Versuch sich von einem Genre abzusetzen, dass man nicht mag.

Ich habe ehrlich gesagt kein allzu großes Problem damit, wenn Studios oder Verleihe den Begriff als gerade angesagtes „Buzzword“ verwenden, um ein größeres Publikum zu erreichen, das ist nun mal ihre Aufgabe. Ich habe kein großes Problem damit, wenn die Verwendung des Wortes einem Feuilleton-Snob dabei hilft sich mit einem Film auseinanderzusetzen, den er ansonsten ignoriert hätte. Wirklich schwierig wird es für mich, wenn die Macher selbst beginnen den Begriff zu verwenden. In Interviews mit John Krasinsky, dem Regisseur von ‚A Quiet Place‘ (den ich immer noch nicht gesehen habe) fiel der Begriff häufig in lobender Weise für andere Filme und natürlich mit der Implikation, dass auch ‚A Quiet Place‘ „elevated“ sei. Sicherlich, es ist zurzeit eben ein Buzzword, weswegen die Selbstklassifizierung als gehobener Grusel sehr hilfreich dabei ist die Geldbörse von Produzenten jetzt und in naher Zukunft zu öffnen. Wenn das der einzige Grund für die Verwendung ist, dann habe ich zumindest Verständnis dafür. Wenn es allerdings darum geht sich vom Horror-Genre im Allgemeinen abzugrenzen, weil alles was da produziert wird eben Müll ist, dann fange ich an mir Sorgen um die Zukunft des Horrors zu machen. Wenn die Macher selbst Verachtung für das Genre in dem sie arbeiten empfinden, dann ist das ein Problem.

Damit will ich nicht sagen, dass sich Regisseure dem Horror verpflichtet fühlen müssen. Wenn eine Julia Ducournau, eine Jennifer Kent, ein Jordan Peele oder auch ein Kohn Krasinsky nicht ihr Leben lang Horror drehen wollen, dann ist das völlig verständlich. Selbst der „Master of Horror“ John Carpenter hat gelegentlich Filme abseits des Grusels gedreht. Ich frage mich aber, ob die Verwendung des Begriffs „elevated horror“ für ihre Werke (die bei weitem nicht von allen Genannten verwendet wird!) einer Sorge entspringt, dass man sich als „Horror Regisseur“ selbst bestimmte Türen für die Zukunft verschließt.

Denn der Begriff „wirkt“ auf jeden Fall. „Elevated Horror“ erfährt weit größeren Respekt, der sich nicht zuletzt an den zahlreichen Nominierungen bei den Oscars für Peeles ‚Get Out‘ zeigt. Sprich, hast Du einen solchen Film vorzuweisen, hast Du einen richtigen Film und nicht so einen Monsterquatsch.

Meine Vermutung ist, dass es sich um einen Modebegriff handelt, über dessen Verwendung in 10 Jahren vermutlich rückblickend gelacht wird, wenn man sich überhaupt noch daran erinnert. Und, ganz ehrlich, wenn das ein paar mehr Filme vom Format eines ‚Raw‘ oder ‚The Witch‘ bedeutet, dann ertrage ich auch einen, in meinen Ohren, schädlichen Namen dafür. Ich werde aber nicht damit aufhören Leuten zu erklären, dass sie durchaus Horror mögen, wenn ihnen einer dieser Filme gefällt.

 

*Synonym können auch Begriffe wie „Post Horror“, „mehr als ein Horrorfilm“ oder ähnliches verwendet werden.

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21 Gedanken zu “„Elevated Horror“ – Marketingbuzz oder Scham vor dem eigenen Genre?

  1. Ich muss mich jetzt hier mal als hinter dem Mond lebend outen, denn ich hatte bis zu diesem Artikel tatsächlich noch nie von dem Begriff „elevated horror“ gehört 😅. Ganz allgemein tue ich mir aber auch immer grundsätzlich schwer mit Genres und Kategorisierungen (nicht nur bei Filmen wohl gemerkt) – auf der einen Seite sind sie nützlich, um jemandem schon vor der Sichtung eine Ahnung davon zu vermitteln worauf er sich einstellen sollte, auf der anderen Seite können dann aber genau diese Erwartungen dazu führen, dass Leute einen Film viel schlechter aufnehmen, als er eigentlich ist weil er eben doch nicht wirklich ins versprochene Genre passt.

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    • Ich gebe Dir völlig Recht, was Genres angeht. Ich finde sie oftmals schwierig und frage mich welchen Nutzen sie, außer eben Marketing, eigentlich haben. Dein „vermitteln worauf er sich einstellen sollte“ ist ja auch eine Art von Marketing. 😉

      Und Du hast auch Recht, dass sich etwa bei der VVitch noch nicht die Idee des „Elevated“ voll durchgesetzt hatte und der Trailer und das Marketing an sich einen Schocker vermuten ließen. Aber wenn man nicht weiß, wie man einen Film vermarkten soll, dann lasst halt die Mascher selbst nen Trailer schneiden, die werden (hoffentlich) wissen, was an ihrem Film interessant ist.

      Eine neue Genrehierarchie zu erfinden, nur weil man Leute mit falschem Marketing enttäuscht hat, geht villeicht etwas weit…

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      • Zu dem Thema Marketing hab ich einen schon länger mal einen Beitrag vorbereitet, der nächste Woche erscheinen wird und sich mit Trailern beschäftigt. Denn tatsächlich würde ich mir auch öfter wünschen, dass die Macher selber den Trailer schneiden würden/dürften anstatt irgendeinem Studio irgendwelche Schnipsel in die Hand zu drücken und dann aufs Beste zu hoffen

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        • Oh, dann weisst Du vielleicht, warum bei neueren Trailern immer zwei drei kurze Szenenschnipsel zu sehen sind, bevor der eigentliche Trailer losgeht? Ist das für Leute, die überhaupt keine Aufmerksamkeitsspanne mehr haben? 😉

          Klingt wie ein spannender Beitrag, ich freu mich drauf!

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          • Nein, das weiß ich leider auch nicht…muss aber auch gestehen, dass ich mich damit eigentlich gar nicht beschäftigt habe, sondern eher mit den Auswirkungen, die schlecht gemachte Trailer auf das Vergnügen einer ersten Sichtung haben können…aber noch diese Woche erscheint der Beitrag, da kannst du dir dann selbst ein Bild davon machen, worum es mir ging 😉 . Aber ich vermute, dass du mit deiner Annahme recht haben könntest weil wieso sollte ich sonst Schnipsel aus dem Trailer zeigen, der doch eh gleich laufen wird!?

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          • Es bereitet mir halt jedes Mal so einen „alter Mann Moment“, für die ich mich dann doch noch zu jung fühle: „Oh hey, ein Trailer für X! Der ist aber schnell geschnitten! Ooooh jetzt geht er erst los…“

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          • Keine Sorge, dass hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der merkwürdigen Auffassung von vielen Verantwortlichen, dass das aus irgendeinem Grund besonders jugendlich, modern oder hip wäre…da haben wir eh schon mal geredet, es kommt einem so vor, als würden sie davon ausgehen, dass die Leute die Aufmerksamkeitsspanne einer Fliege hätten, deswegen müssen sie schnell noch ein paar prägnante Bilder vor den eigentlich Trailer klatschen…

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  2. Ich muss mich Ainu anschließen und gestehen, dass ich den Begriff „elevated horror“ noch nie gehört oder gelesen habe. Das Schlimme ist jedoch, dass ich trotzdem sofort wusste was damit gemeint ist. Und das Allerschlimmste ist, dass ich sogar nachvollziehen kann warum dieser Begriff (scheinbar) verwendet wird. Ob das sinnvoll ist steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt.

    „Wenn wir „gehobenen Horror“ auf der einen Seite haben, was sagt das dann über all den Horror aus, der nicht mit diesem Begriff belegt wird? Ist das automatisch stumpfer Trash, der die finsteren Gelüste von pickligen, pubertierenden 14 Jahre alten Jungs bedient, oder, schlimmer noch, die von armseligen Kreaturen, die auf diesem Niveau hängen geblieben sind?“

    😀 Leider trifft es das in 90% der Fälle perfekt 😀
    Im Ernst, du solltest dich nicht an dem Begriff aufhängen. Da es keine allgemeingültige Definition gibt, ist ja nicht gesagt in wie weit sich ein „elevated horror“-Film sich von einem „standard-horror“-Film abhebt. Das kann neben dem Subtext auch schlichtweg das Budget sein. In dem Fall wären „IT“ oder „The Conjuring“ auf jeden Fall auch im gehobenen Regal einzuordnen.

    „„Horror“ deckt ohnehin schon ein verdammt weites Gebiet ab, kaum zwei Filme nähern sich den Konventionen des Horrors auf die exakt gleiche Weise.“

    Das halte ich für eine steile These. VOR ALLEM im Horrorbereich. Und du weißt, dass ich deine Leidenschaft für das Genre teile. Ich denke wenn du den Otto Normalfilmgucker seine Gedanken und Erfahrungen zu Horrorfilmen beschreiben lässt, wird irgendwas rauskommen, dass in die Richtung Blut, Gemetzel, Monster und Erschrecken geht. Es ist schon ein auffälliges Phänomen, dass die von dir aufgelisteten Filme bei Filmfans wie uns in der Regel gut angekommen, bei der Mehrheit des Publikums jedoch nicht, weil es keine „echten Horrorfilme“ (nicht gruselig, nicht blutig, Mosnter wird nicht gezeigt) sind. Insofern kann ich es schon verstehen, dass Filmemacher oder Studios sich davon abgrenzen wollen.

    „Meine Vermutung ist, dass es sich um einen Modebegriff handelt, über dessen Verwendung in 10 Jahren vermutlich rückblickend gelacht wird, wenn man sich überhaupt noch daran erinnert.“
    Bin ich auch der Meinung 🙂

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    • Ha, ich habe die synonymen Begriffe hinzugefügt, weil bei einem Googeln nach „elevated horror“ auf der ersten Seite quasi nur Artikel (deutsch und englisch) auftauchen, die sich kritisch damit auseinandersetzen. Womöglich also alles nur ein Sturm im Wasserglas…

      Klar, 90% Horror sind Mist (als Zombie (größtenteils) Nicht-Möger kann ich das wahrscheinlich auf 95% erhöhen…).

      Für das Budget finde ich die Einteilung in Studio/Indie Horror, oder auch den guten alten A/B Film (bei Horror vielleicht auch noch C-Z) ganz sinnvoll. Tatsächlich wurde bei IT auch versucht, ihn zum elevated horror zu erklären. Schwierig bei einem Film über einen interdimensionalen Angstclown nach einer Vorlage von einem Autor, der seine Werke als literarisches Fast Food bezeichnet. Das soll aber nicht heißen, dass der Angstclown und IT im Allgemeinen nicht etwas auszusagen hätten.

      „Das halte ich für eine steile These. VOR ALLEM im Horrorbereich.“

      Vermutlich ein Stück weit. Freitag der 13te 4 und Freitag der 13te 5 werden ähnliche Ansätze haben, wie die Filme davor und danach (bis Jason dann im All auftaucht…).
      Aber selbst in einem festgefügten Genre wie dem Slasherfilm finden die drei großen Serien Halloween, Nightmare on Elm Street und eben freitag ihren eigenen Ansatz und selsbt später eigene Ausprägung. Freddy wird zum Clown, Jason bringt „nervige Teens“ zum Schweigen und Michael… hat ne Identitätskrise, oder so. Das es davon dann zahllose Abklatsch Versionen gibt steht außer Frage, aber da sind wir dann wieder bei den 90%. Vielleicht hätte ich es auf „zwei sehenswerte Filme“ eingrenzen sollen… aber vielleicht mache ich mich eh derselben Genre-Aufteilung schuldig, die ich anprangere, ich habe bloß keinen Begriff dafür eingeführt. 😉

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      • „Vermutlich ein Stück weit. Freitag der 13te 4 und Freitag der 13te 5 werden ähnliche Ansätze haben, wie die Filme davor und danach“

        Ich meinte damit eher den ziemlich schablonenhaften Monster-Trash. Wenn man Leute nach Horrorfilmen fragt, werden meiner Vermutung nach ziemlich viele sagen das seien Filme, in denen ein paar Leute vor Zombies/Monstern wegrennen und dann nach und nach bestialisch zerfleischt werden. Davon gibt es tatsächlich hunderte von Filmen, die quasi identisch sind.

        „Aber selbst in einem festgefügten Genre wie dem Slasherfilm finden die drei großen Serien Halloween, Nightmare on Elm Street und eben freitag ihren eigenen Ansatz und selsbt später eigene Ausprägung.“

        Genau. Das sind die guten. Und dann gibt es einen Haufen Schrott, der einfach immer dasselbe ist 😉 Gewissermaßen sind die von dir genannten also auch schon ziemlich elevated 😛

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        • Yeah, Zombiefilme sind natürlich Mist (bis auf die die’s nicht sind…)! 😉

          Ich fand die Definition in FilmkritikenODs Kommentar, Filme sind dann elevated, wenn sie mit den Regeln, Konventionen und Klischees eines Genres kreativ und clever herumspielen sehr gelungen (auch wenn es halt noch die Kritiker bemerken müssen). Nach der Definition wären die drei (oder zumindest Halloween und Nightmare bei den originalfilmen) gute Genre-Vertreter aber eben nicht elevated, weil sie den Konventionen folgen (oder sie begründen, im Falle von Halloween).

          Wenn die Studios ihre Filme nun selbst so nennen, dann ist das vielleicht die Horror-Version von „Oscar-Bait“. 😉

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  3. „Meine Vermutung ist, dass es sich um einen Modebegriff handelt, über dessen Verwendung in 10 Jahren vermutlich rückblickend gelacht wird“

    Wenn man bedenkt, dass er laut Google vor ca. 8 Jahren aufkam, dann hat er sich doch ganz gut gehalten (auch wenn fast niemand in Deutschland kennt).
    Dieser Artikel hier fasst die ursprüngliche Bedeutung ganz gut zusammen:

    https://gideonsway.wordpress.com/2012/10/19/what-is-an-elevated-genre/

    Interessant, dass der Begriff sich gerade im Horror-Bereich (halbwegs) durchgesetzt hat.
    Ob nun Marketing-Masche oder nicht, bin ich für jeden kreativen / intelligenten Ansatz dankbar, der einem Film innewohnt.

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    • Die Definition des Artikels ist, ein Film(skript) wird dadurch „elevated“, dass man einer ziemlich typischen Genre-Geschichte einen (oder besser mehrere) neuen Twist abgewinnt, indem man Konventionen/Klischees des Genres auf den Kopf stellt oder clever hinterfragt. Ich würde hinzufügen, der Film wird erst dann „elevated“ wenn die Mehrheit der Kritiker/Zuschauer das auch bemerkt.
      ‚Scream‘ ist elevated Slasher, weil er clever mit den konventionen des Genres spielt und sie bloßstellt. Das hat Tobe Hooper schon Jahre zuvor in Funhouse gemacht, nur hat’s kaum jemand bemerkt, deswegen ist der nicht elevated.

      Von daher sorgt die Klassifizierung durch die Stusios selbst als „elevated horror“ dafür, dass sich Leute von vornherein anders damit auseinandersetzen. Das ist gut für die Filme, die dieses Siegel erhalten, doof für alle anderen.

      Deinem Schlussatz stimme ich voll zu.

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  4. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (01-07-19)

  5. Das gibt es ja immer wieder, solche Begrffe und Sub-Genre-Bezeichungen, die versuchen, bestimmte Richtungen, Entwicklung und Trends innerhalb eines Genres zusammenzuraffen. Ich kann aber den Grundgedanken deiner Kritik verstehen, denn dem Begriff des „elevanted horror“ (der mir zugegebenermaßen vorher auch nicht wirklich geläufig war) wohnt im Gegensazt zu z.B. „Terrorfilm“ ja gleich ein qualitatives Urteil inne…

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    • Ich habe mich einer gewissen Scheinheiligkeit schuldig gemacht, indem ich im Text einfach mal den Begriff „torture porn“ verwendet habe, dem sicher eine sehr eindeutige Wertung innewohnt. Nur eben eine, der ich (in Teilen) zustimme… 😉

      Ich finde die Definition von „elevated“ aus FilmkritikenODs Kommentar recht gelungen, nur ist es in meinen Augen nicht am Studio vorzugeben, was darunter fällt, sondern letztlich der Rezipienten. Aber hey, in den frühen 2000ern wurde auch jeder Regisseur, der mal ne Zeitlupe verwendete vom Marketing zum „visionären Filmemacher“ erklärt…

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        • Das ist ein schöner Begriff, nur weiß ich nicht wie sinnvoll er ist. Jordan Peele hat in irgendeinem Interview gesagt, mit ‚Get Out‘ wollte er ganz bewusst einen sozialen Kommentar abgeben. Mit ‚Us‘ wollte er einfach nur einen Horror drehen, merkte aber, dass das nicht ohne sozialen Kommentar geht.

          Und dem würde ich zustimmen. Selbst der stereotypischste Slasher, in dem alle Mädels die Sex haben grausam ermordet werden und die Jungfrau am Ende den Mörder besiegt, gibt einen Kommentar darüber ab, wie zumindest die Macher den Platz von jungen Frauen in der Gesellschaft sehen.

          Kein Monster kommt darum herum für mehr zu stehen als nur sich selbst. Entseht es aus Umweltverschmutzung, militärischen Experimenten, oder steckt einfach nur ein irrer Wissenschaftler dahinter, dann sagt es was über das Vertrauen in den Umgang mit dem Planeten, die Regierung, oder die Wissenschaft an sich aus.

          Der Begriff hat trotzdem einen gewissen Wert, für die Beschreibung etwa von Get Out, der bewusst mit einer Aussage versehen wurde, aber das geht mir wieder zu sehr in die Richtung Filme einzuteilen in solche, mit denen sich auseinanderzusetzen lohnend ist und solche, für die das nicht gilt.

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    • Es gibt definitv Parallelen zwischen den Texten, aber meinen als Plagiat zu bezeichnen geht mir dann doch etwas weit. Haben dann auch der kino-zeit Autor und ich diesen Slashfilm Artikel vom letzten Sommer plagiiert? https://www.slashfilm.com/elevated-horror/
      Da lassen sich schließlich auch direkte Parallelen finden. Oder sind nur drei Autoren, die über dasselbe Thema geschrieben haben zu ähnlichen Ergebnissen gekommen? Einfallslosigkeit würde ich mir ja vorwerfen lassen, aber warum sollte ich die Meinung von jemand anderem abschreiben? Was hätte ich davon?

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  6. Tatsächlich ebenfalls nie von dem Begriff gehört. Finde ihn auch überhaupt nicht toll und glaube nicht, dass er sich letztlich durchsetzen wird. So oder so: Ein Begriff für einen ganz bestimmten Schlag von Horrorfilmen, die ich ab ca. 2014 datieren würde, wird kommen müssen. Denn der Trend zu Horrorfilmen, die man post-postmodern nennen könnte, also wo nicht mehr mit Klischees gespielt, sondern wo man diesen Klischees bzw. Muster wenig Platz lässt und sich von ihnen löst, ist unübersehbar.

    Habe mich dennoch geärgert, dass ein eigentlich reflektierter Filmemacher wie Jordan Peele es nur schwer hinbekommt zu sagen, dass er Horror mache. Sein Begriff social thriller zeigt aber auch wieder einmal, dass Werke, also Filme, oft schlauer sind, als ihre Schöpfer.

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