‚Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks‘ (2019)

Der mutige, kleine Gallier Asterix und sein großer, dic… kräftiger Kumpel Obelix begleiten mich schon so lange ich denken kann. Vor deutlich mehr als drei Jahrzehnten hat meine Tante einen großen Stapel eselsohriger Comicalben in meinem Kinderzimmer hinterlassen. Zwischen ‚Lucky Luke‘ und ‚Tim und Struppi‘ fand sich vor allem ‚Asterix‘. Die knubbelnasigen Kelten hatten es mir sofort angetan und waren mit dafür verantwortlich, dass ich schon vor der Einschulung passabel lesen konnte (hauptverantwortlich waren sicher einige geduldige Verwandte). Später entdeckte ich die Zeichentrickfilme, die mir ebenfalls zum großen Teil sehr gut gefielen (‚bei den Briten‘ und ‚erobert Rom‘ sind die besten). Und die Realfilme… nun, machen wir es mal wie der alte Pirat aus den Comics, bringen ein weises Zitat an: „Non omnibus unum est quod placet!“ und belassen es dabei. Den CGI Filmen stand ich anfangs äußerst skeptisch gegenüber. Doch hat mich ‚Im Land der Götter‘ positiv überrascht. Er setzte das Album ‚Die Trabantenstadt‘ mit milden Modernisierungen um und arbeitete dabei das durchaus aktuelle Thema der Gentrifizierung heraus. Wichtiger noch, er verstand die Charaktere und traf den Humor und ließ beides in einer Dreidimensionaleren Welt funktionieren. Kann ‚das Geheimnis des Zaubertranks‘ da anschließen? Schauen wir mal!

Durch einen Unfall beim Mistelschneiden sieht sich Druide Miraculix mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Er beschließt, dass er einen druidischen Nachfolger braucht, dem er das Geheimnis des Zaubertranks, der übermenschliche Stärke verleiht anvertrauen muss, um die Zukunft des Dorfes zu sichern. Begleitet von Asterix und Obelix und, zunächst heimlich, von dem erfindungsreichen, kleinen Mädchen Vitrine, begibt sich Miraculix in den Karnutenwald, zum Rat der Druiden. Allerdings hat auch der finstere Druide Dämonix von der Reise Wind bekommen. Er zerstört die Aufzeichnungen über Druidenschüler, so dass eine Odyssee durch ganz Gallien und angrenzende Gebiete nötig wird, auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Währenddessen geht Dämonix nicht nur einen Pakt mit den Römern ein, sondern auch mit dem Jungdruiden Emporkömmlix, um an das Geheimnis des Trankes zu kommen.

Was zunächst einmal auffällt, ist wie wenig Titelheld Asterix und Kumpel Obelix in dem Film vorkommen. Nicht nur stellt die Geschichte Miraculix eindeutig im Mittelpunkt, bald schließt sich auch die gesamte männliche Bevölkerung des Dorfes der Suche an und überlässt den Frauen die Verteidigung des Dorfes. Asterix ist gar für mehrere Minuten völlig aus der Handlung verschwunden. Mich stört das nicht sonderlich, mich freut es eher die Nebencharaktere einmal mehr im Mittelpunkt zu sehen.

Eine direkte Albenvorlage für den Film gibt es nicht, er nutzt aber Elemente aus verschiedenen Geschichten, etwa ‚Der Seher‘ oder ‚Kampf der Häuptlinge‘. Die „typischen“ Elemente einer Asterix-Geschichte, Römerkloppe, Wildschweinjagd oder Dorfkeilerei werden sehr schnell abgehandelt, damit er sich auf seine eigentliche Geschichte konzentrieren kann. Eine Geschichte, die durchaus interessante Ansätze hat, diese aber oft nicht bis zum Ende verfolgt. Schnell wird etwa Sexismus als Thema aufgegriffen. Die Druiden erlauben im Karnutenwald keine Frauen, so dass sich die kleine Vitrine als Junge verkleiden muss. Der Film präsentiert den Rat der Druiden in der Folge als überaltert und annähernd senil, während selbst Miraculix nicht bemerkt, dass ein möglicher Nachfolgekandidat in nächster Nähe ist. Dieser Handlungsstrang verliert sich aber später in reinen Andeutungen, womit das Thema Sexismus auf die Frauen, die das Dorf verteidigen, reduziert wird. Diese machen das mindestens ebenso effektiv wie die Herren. Das hat Goscinny aber in den Alben der 60er bereits ähnlich präsentiert, was das Ganze jetzt nicht wahnsinnig progressiv wirken lässt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gegenspieler Dämonix. Der wird durchaus spannend eingeführt, er hinterfragt, warum Miraculix seinen Trank nur „40 schnauzbärtigen Idioten“ zur Verfügung stellt, während er das ganze restliche Gallien den Römern überlässt. Eine Frage, die durch eine Szene in einem quasi völlig romanisierten Dorf unterstützt wird, in dem die gallischen Schnauzbärte nur noch angeklebt sind. Aber auch dieses interessante Thema lässt der Film ein wenig unter den Tisch fallen, am Ende ist Dämonix nur ein Verrückter, der in einer Schlacht besiegt werden muss, die allen Ernstes auf ‚Pacific Rim‘ anspielt.

Das bringt mich zu einem anderen Thema. Den Popkulturreferenzen. Denen kann wohl kaum noch ein Animationsfilm, der sich an ein jüngeres Publikum richtet entkommen. Von Talentshows über Superhelden bis zum Videospiel Fortnite wird auf so ziemlich alles angespielt. Sicher, so etwas verortet den Film immer sehr in seiner Zeit und es gefällt mir nicht sonderlich, allerdings gab es auch schon in den alten Asterix Alben Karikaturen von französischen Politikern und Stars der 60er, die ich nicht kannte. Wurden die dadurch schlechter, dass ich ein paar Anspielungen nicht verstand? Ich meine nicht. Ich kann aber verstehen, wem das hier etwas zu viel ist.

Musikalisch gibt sich der Film gut aber unauffällig. Phillippe Rombis Musik (wie bereits im letzten Film) passt zu den Szenen, drängt sich nicht auf, bleibt aber auch nicht unbedingt im Kopf. Ganz anders als die etwas merkwürdige Entscheidung, den Mitt-80er Popsong „You Spin Me Round (Like A Record)“ zum Titelsong zu machen. Verwendet hat den vor 10 Jahren auch ‚Alvin and the Chipmunks 2‘, was eine Assoziation ist, die man vielleicht nicht unbedingt haben möchte…

Und obwohl bis hierhin alles recht durchwachsen klingt, möchte ich sagen am Ende kriegen die Regisseure Louis Clichy und Alexandre Astier (der auch das Buch geschrieben hat) durchaus die Kurve. Der Film ist Road Movie-artig flott inszeniert, bietet mehr als genug Humor, sowohl Slapstick als auch lakonische Dialoge und jede Menge visuellen Humor. Visuell gefällt er mir insgesamt sogar noch etwas besser als der Vorgänger, die Macher scheinen die Technik noch etwas besser zu verstehen. Sicherlich, mit einem Pixar-Film kann die Technik nicht mithalten, aber die alten Zeichentrickfilme waren bei den Animationen auch nie auf Disney-Niveau.

Die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen. Milan Peschel als Asterix und Charly Hübner als Obelix machen ihre Sache durchaus gut. Für die restliche Besetzung greift man zum guten Teil auf erfahrene ‚Simpsons‘ Sprecher zurück, etwa Thomas „Chief Wiggum“ Rau als Miraculix oder Willi „Reverend Lovejoy, Snake, etc.“ Roebke als Dämonix, der hier mit erkennbarer Freude bei der Sache ist.

Ganz so gut wie der Vorgänger gefiel mir der Film nicht, dennoch ist hier noch mehr als genug da, um für anderthalb Stunden Groß und Klein gut zu unterhalten. Ich wünsche Asterix noch eine lange Zukunft in dieser Form im Kino. Solange nur die Realfime nicht zurückkommen…

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3 Gedanken zu “‚Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks‘ (2019)

  1. Ich mochte den Film sehr, auch wenn mein Erlebnis ein wenig davon gefärbt ist, dass es unser erster Kinobesuch mit der gesamten Familie war. Den direkten Vorgänger habe ich noch nicht gesehen, freue mich aber schon darauf.

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