‚The Return Of The Living Dead‘ (1985) – „Braaaiiins!“

Ich bin nicht der größte Fan des Zombiefilms. Aber wenn mich jemand nach meinem liebsten Vertreter des Genres fragt, dann antworte ich üblicherweise mit ‚The Return Of The Living Dead‘. Nun hatte ich den aber ein paar Jahre nicht gesehen und die Frage war, ob die Antwort immer noch stimmt. Für die Entstehung des Regiedebuts von Kult-Drehbuchautor Dan O’Bannon (‚Alien‘), müssen wir ganz an den Anfang des modernen Zombiefilms zurückkehren. 1968 hob Regisseur George Romero in ‚Night Of The Living Dead‘ die beliebten Untoten in ihrer heutigen Form aus dem Grab (wenn er sie auch „Ghule“ betitelte). Er und sein Co-Autor John Russo wurden sich jedoch nicht einig, wie man mit Fortsetzungen zu dem Überraschungshit umgehen sollte und sie gingen jeder eigener Wege. So regelten sie, dass Romeros Fortsetzungen ‚… Of The Dead‘ betitelt würden, die von Russo ‚…Of The Living Dead‘. Während Romero weiter Filme drehte, schrieb Russo einen Roman mit dem Titel „Return Of The Living Dead“. Jahre später wurde Dan O’Bannon angeheuert, um daraus ein Drehbuch für einen Tobe Hooper Film zu adaptieren. Allerdings sprang Hooper von dem Projekt ab, um stattdessen ‚Lifeforce‘ (ebenfalls nach einem O’Bannon-Skript) zu drehen. So erhielt O’Bannon die Möglichkeit auch Regie zu führen. Dafür bat er sich allerdings aus, wesentliche Änderungen an der Geschichte vornehmen zu dürfen. Erstens, um sie weiter von Romeros etabliertem Territorium zu entfernen, zweitens um ihr tiefschwarzen Humor und jede Menge Punk-Attitüde zu verpassen. Der Film wurde erfolgreich genug, dass Russo O’Bannons Geschichte später wieder zu einem Roman adaptierte…

Freddy Hanscom (Thom Matthews) beginnt einen Job in einer Versand-Firma für medizinischen Bedarf. Nicht nur Prothesen und Rollstühle kann man dort erwerben, auch Skelette, in der Mitte durchgeschnittene, präparierte Hunde und menschliche Kadaver für die medizinische Ausbildung. Natürlich fragt Freddy seinen Vorgesetzten Frank (James Karen), was das Merkwürdigste ist, was sie hier auf Lager haben. Es stellt sich raus, dass es eine Reihe Leichen aus dem Vorfall ist, der George Romero zu seinem Film ‚Night Of The Living Dead‘ inspiriert hat. Eine Chemikalie hat Leichen wiederbelebt, die Armee hat die Sache zwar heimlich unter Kontrolle gebracht, doch durch einen Fehler beim Versand stehen die Container mit den Leichen nun seit 15 Jahren im Keller des Lagerhauses. Als sie die Container begutachten tritt aus einem plötzlich Gas aus. Dieses macht nicht nur Freddy und Frank krank, es macht auch den Kadaver im Kühlhaus des Lagers sehr aktiv und reichlich wütend, ebenso die halben Hunde. Schnell wird Boss Burt (Clu Gulager) angerufen für den es nur eine Möglichkeit gibt: alles unter den Teppich kehren. Blöderweise lässt sich der Kadaver nicht mit den „üblichen“ Zombiemethoden ausschalten. Ohne Kopf wütet er weiter, zerstückelt versucht er noch anzugreifen. Also muss er verbrannt werden, im Krematorium von Burts Kumpel Ernie Kaltenbrunner (Don Calfa) (Ernie und Burt… wow, das bemerke ich jetzt erst). Blöderweise wird die Asche und damit die Chemikalie durch einen Starkregen schnell wieder zur Erde gedrückt. Direkt über einem nahen Friedhof, auf dem Freddys Punk-Freunde darauf warten, dass er Feierabend hat…

O’Bannon stellt mit Freude die Absurditäten seines Skriptes heraus. Freddys Freundin Tina (Beverly Randolph) fragt die Punks Spider (Miguel A. Nunez) und Suicide (Mark Venturini) warum sie eine Kiste voll Signalfackeln auf den Friedhof schleppen. Eine Antwort erhält sie nicht. Alsbald hat sich Punklady Trash (Linnea Quigley) aber ihrer Kleider entledigt und tanzt auf einem Grab. Schon kommen Suicide und Co. Mit brennenden Fackeln ins Bild und hampeln choreografiert um sie herum. Dieser alberne Musikvideomoment wäre absurd genug, doch durch die vorherige Frage lachen wir nun mit dem Film, statt über ihn. Ernst „Ernie“ Kaltenbrunner hört knackige Marschmusik, hat ein Bild von Eva Braun an der Wand und eine Luger am Gürtel, die er ein wenig zu gern zieht. Kurz, alles weist darauf hin, dass er ein Nazi ist, thematisieren tut der Film das aber nie. So bleibt es als absurde Andeutung stehen. Auch datiert Frank den Vorfall, der Romero inspiriert haben soll auf 1969. ‚Night…‘ erschien aber bereits 1968. Ein gewollter Fehler, nicht nur Absurdität, sondern auch Hinweis darauf, dass Romero natürlich der Urvater des Zombies ist und bleibt.

Diese Absurdität setzt sich ebenfalls bei den Zombies fort. Der berühmt-berüchtigte „Teermann“ des Films ist ein Spezialeffekt, der auch heute noch ganz gut aussieht. Allerdings ist er im Aussehen mindestens ebenso albern wie schrecklich. Insbesondere, wenn er als erster im Film seinen Hunger nach „Brains!“ äußert.

Das Zombie-Dasein selbst hingegen beschreibt O’Bannon ohne jede Absurdität, zumindest für mich, schlimmer als jeder andere Film. Als Zombie verliert man nichts von seiner Intelligenz oder seines Bewusstseins. Jedoch wird alles durch den unaufhörlichen, unerträglichen Schmerz sterbender Muskeln und versagender Organe übertönt. Und das Einzige, was einen Moment der Erleichterung verschaffen kann sind eben „Brains!“, das Verspeisen von Hirnmasse. Und nichts was irgendjemand gegen einen Zombie unternimmt (von vollständiger Verbrennung abgesehen, aber die hat ihre eigenen Risiken, siehe oben) lässt ihn sterben. Es verschlimmert nur den Schmerz. Die Zombies sind gleichsam unaufhaltsam, hinterhältig und bemitleidenswert (und schnell, weswegen ich nie verstanden habe, warum das ‚28 Days Later‘ als Innovation zugesprochen wurde…). Und so ist auch das Zombie-Werden selbst perfide: es geschieht nach Kontamination mit der Chemikalie quasi unmerklich.

Und so merkt man ‚Return oft he Living Dead‘ schnell an, dass es aus jener Ära in den 80ern stammt, die den ‚Tanz der Teufel‘ hervorgebracht hat, den ‚Re-Animator‘ und ‚From Beyond‘. Dass er aus jenem kurzen Zeitfenster stammt, in dem Horror Comedy nicht bedeutete mit Humor den Horror abzumildern, sondern, dass der Horror der Humor und der Humor der Horror war. Lachen und Grausen sind sich selten fern, doch kamen sie sich rein filmisch selten näher als in dieser kurzen Ära.

Dreht ein Autor einen Film, auch noch von seinem eigenen Drehbuch, dann besteht häufig die Gefahr, dass seine Charaktere herumstehen und seine, selbstverständlich brillanten Dialoge vortragen. Nicht so bei O’Bannon. Der Film überschlägt sich fast bei dem Versuch zur Action zu kommen. Wahnsinnig viel Platz für Charakterentwicklung lässt er dabei nicht. Hier hilft, dass er zum guten Teil punkige Charaktere einsetzt und schon das Aussehen oft genug einen Hinweis auf den Charakter gibt. Doch gerade zwischen Freddy und Frank, Ernie und Burt (ich komm nicht drüber weg, dass ich das nicht gemerkt habe) oder Freddy und Tina gibt es durchaus Momente. Herausstellen möchte ich James Karen, der seinen Frank zu einem nicht sehr hellen, in einer grauenhaften Situation gefangenen Sympathieträger gibt.

Die Kamera ist dynamisch, die Effekte gelungen, der Gore eklig, die Zombies innovativ, die Musik treibend und die „No Future!“ Punk-Attitüde kann man quasi riechen. Das lässt den Film auch heute noch problemlos aus der großen Masse der Zombiefilme hervorstechen. Ist es immer noch mein liebster Zombiefilm? Schwer zu sagen, es könnte sogar sein, dass ‚One Cut of the Dead‘ ihm diese Stellung in diesem Jahr abgenommen hat. Dafür muss ich den aber noch ein paar Mal sehen. Etwas, das ich mit Sicherheit auch mit ‚ The Return oft he Living Dead‘ tun werde.

6 Gedanken zu “‚The Return Of The Living Dead‘ (1985) – „Braaaiiins!“

  1. „Ich bin nicht der größte Fan des Zombiefilms“… jetzt geht das wieder los 😉

    Seit ich von dem Ansatz gehört habe, dass Zombies nur deshalb töten, weil ihr eigener Verwesungsprozess so schmerzhaft ist und nur durch das Essen von Hirnen gelindert werden kann, sehe ich diese Gattung mit anderen Augen.

    Der beste Zombiefilm ist natürlich Night of The living dead“ 🧟‍♂️

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaube ich habe jede Besprechung eines Zombiefilms so angefangen. Und jede endete mit „aber der hier ist gut“… naja, wenigstens konsistent. 😉

      „Der beste Zombiefilm ist natürlich Night of The living dead“

      Aber das waren doch Ghule! Ghuuuule!!

      Liken

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