Horrortipps für Hallowe’en

Da ich mit meiner Geschwindigkeit von Besprechungsveröffentlichungen von 1/Woche niemals alle Filme werde besprechen können, über die ich gerne reden würde, nehme ich hier mal die Gelegenheit wahr, Euch ein paar seltener erwähnte Horrorfilme ans Herz zu legen. Viel mehr als ein paar empfehlende Worte werde ich dabei nicht geben, es ist also durchaus möglich, dass der eine oder andere in Zukunft noch eine volle Besprechung bekommt. Wer also für die Woche vor Hallowe’en (hey, wenn Agatha Christie das so schreibt, werde ich ihr wohl kaum widersprechen) oder darüber hinaus noch gruselige Programmtipps braucht, ist hier genau richtig.

 

‚Satanas – Das Schloß der blutigen Bestie‘ (1964)

Um einmal Loriot vollkommen abgewandelt zu zitieren „ein Hallowe’en ohne Vincent Price ist möglich, aber nicht wünschenswert“. Sämtliche der Edgar Allan Poe Adaptionen, die B-Movie Papst Roger Corman in den 60ern gedreht hat, sind sehenswert. Nicht nur wegen Price. Diese Adaption von „Die Maske des Roten Todes“ (mit Elementen von „Hopp-Frosch“) ist aber sicherlich die Schönste. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein junger Nicolas Roeg (‚Wenn die Gondeln Trauer tragen‘) hinter der Kamera stand. Und der weiß, wie man mit Farben umgeht, selbst in seinem ersten Farbfilm. So taucht hier nicht nur der Rote Tod, Manifestation einer Seuche, die den grausamen Prinzen Prospero (Price) heimsucht, der in seinem Palast feiert, während seine Untertanen sterben, sondern ein ganzes Farbenspektrum an Toden auf. Für seine Verhältnisse unerhörte 5 Wochen drehte Corman diesen Film. Britische Crews, sagte er später, seien einfach zu langsam. Dafür sieht‘s am Ende halt auch gut aus.

 

‚Kill List‘ (2011)

Bleiben wir noch eine Weile auf den britischen Inseln. Ben Wheatleys ‚Kill List‘ beginnt zunächst mal so gar nicht wie ein Horrorfilm. Zwei Auftragskiller wollen nach einer längeren Pause (aufgrund gewisser Vorkommnisse in Kiew) einen neuen Job annehmen. Sie erhalten von einem mysteriösen Auftraggeber eine „Kill List“, die verschiedene Opfer in England auflistet. Es entspinnt sich ein merkwürdiger, brodelnder Thriller, der an den Grundfesten der Zivilisation zu hämmern scheint und keinen menschlichen Abgrund auslässt. Und dann legt sich der Film steil in die Kurve und wird wirklich merkwürdig. Es ist schwer den Film als meinen liebsten von Wheatley zu bezeichnen, weil er durchaus gewollt abstoßend ist. Doch ist es einer, der fraglos große Wirkung auf mich hat und den ich fast nie besprochen sehe.

 

‚X-Tro‘ (1982)

Es ist recht schwer in diesem Film, der Ende 1982 erschien keine Reaktion auf ‚E.T.‘ zu sehen. Der deutsche Untertitel ist da gänzlich schmerzfrei und bemerkt direkt „nicht alle Aliens sind freundlich“. Hier scheint sich Autor/Regisseur Harry Bromley Davenport allerdings gefragt zu haben, von welchen Genres ‚E.T.‘ a weitesten entfernt sei. Seine Antwort war offenbar „britischer Sozialrealismus“ und „absurder Horror“. Denn diese beiden vermischt der Film auf eine Weise, die ich nirgendwo anders wieder gesehen hätte. Der Vater eines Jungen wird augenscheinlich von Aliens entführt und kehrt drei Jahre später verändert zurück. Allein diese Rückkehr ist derart grotesk, dass man sie schwerlich vergessen wird. Als er erschien galt der Film als widerlicher Trash, der mit einem ekligen ‚E.T.‘ Ripoff schnelles Geld machen wollte. Seine große Entdeckung als „Kultfilm“ steht noch aus, oder findet vielleicht nie statt, doch eines ist dieser Film sicher nie: vorhersehbar!

 

‚The Borderlands‘ (2013)

Found Footage Filme sind so eine Sache. Ähnlich wie Zombies haben sie sich in den letzten Jahren ein wenig totgelaufen. Doch beherrschen sie gewisse Dinge besser als viele andere Filme. So können sie ein Gefühl der Klaustrophobie ganz hervorragend transportieren. Und Klaustrophobie bietet dieser Film wie kaum ein anderer. Ein vom Vatikan beauftragtes Expertenteam, bestehend aus einem Skeptiker, einem Technikexperten und einem Priester, sollen mysteriöse Vorkommnisse in einer abgelegenen englischen Kirche untersuchen. Zunächst sind sie sicher, der örtliche Priester habe diese hier inszeniert, um ein „Wunder“ zu schaffen, doch als ihnen aus der schweigsamen Ortschaft brutale Ablehnung entgegenschlägt und in der Kirche sicher nicht wunderbare, aber definitiv seltsame Dinge vorgehen, müssen sie feststellen, dass sie etwas Älterem und Finstererem auf der Spur sind als irgendjemand glaubte. Die letzten Szenen dieses Films, die ich natürlich nicht verraten werde, haben mich wahrlich nach Atem ringen lassen, was nicht häufig vorkommt.

 

‚Hausu‘ (1977)

Ich glaube einer der Gründe warum ich Horror so mag ist, dass, vom Experimentalfilm  einmal abgesehen, es das einzige Genre ist, in dem Surrealismus nicht nur „erlaubt“ ist, sondern beinahe erwartet wird. Und nicht viele Filme sind so surreal und so experimentell wie ‚Hausu‘. Hat man den Film gesehen, ist es beinahe unmöglich seinen Ursprung zu glauben. Das japanische Studio Toho wollte von Regisseur Nobuhiko Obayashi einen Film „inspiriert“ vom Erfolg von ‚Der Weiße Hai‘. Letztlich ließ sich Obayashi von den Ängsten seiner 11jährigen Tochter inspirieren, zu einem Film, der kaum weiter vom Blockbuster entfernt sein könnte. Darin macht ein Mädchen mit ein paar Freundinnen Ferien im abgelegenen Haus ihrer Tante wo… merkwürdige Dinge passieren. Fliegende Melonenköpfe, ein Blut kotzendes Katzenbild oder ein menschenfressendes Klavier werden mit absichtlich wahnsinnig albernen Spezialeffekten in Szene gesetzt. Ist das gruselig? Überhaupt nicht. Aber es ist überraschend, es ist unterhaltsam und es ist vollkommen surreal. Brillanter bonbonfarbener Kitsch, wie Ihr ihn noch nie gesehen habt!

 

‚Possession‘ (1981)

Eine Scheidung, gerade eine zerstrittene, ist wohl schon grundsätzlich etwas Gruseliges. Die Beziehung zweier Menschen, die dachten sie würden sich ihr Leben lang lieben, desintegriert dabei ziemlich leicht in etwas sehr Hässliches, sehr Furchtbares. Findet eine solche Trennung dann auch noch im vom Kalten Krieg geteilten Berlin statt, dann bekommt sie etwas beinahe Symbolisches. Sam Neill und vor allem Isabelle Adjani geben in Andrzej Żuławski bizarrem Beziehungshorror schauspielerisch wirklich alles. Adjani legt in einer U-Bahn-Station einen Zusammenbruch hin, bei dem man sich nicht mehr sicher sein kann, wo Schauspiel endet und echter Schmerz beginnt. Der Film ist tragisch, eklig, blutig und enthält weit mehr Tentakel als sich wohl irgendjemand wünschen kann. Ich versuche erst gar nicht diesem Film mit Worten beizukommen, dafür bin ich nicht annähernd fähig genug.

 

‚Shadow of the Vampire‘

In meinem Artikel über Filme übers Filmen habe ich diesen „was wäre wenn“ Film von E. Elias Merhige schon einmal erwähnt. In seiner Hommage an F.W. Murnaus ‚Nosferatu‘ geht er der abwegigen Frage nach, was wäre wenn Max Schreck wirklich ein Vampir gewesen wäre. Murnau hat dem Ungeheuer als Gage für seinen Auftritt das Blut von Hauptdarstellerin Greta Schröder versprochen, plant aber den Vampir zu töten bevor der seinen Lohn abholen kann. Alles für die Kunst! Schreck/Orlok wird dabei äußerst großartig von Willem Dafoe verkörpert. Anfangs irgendwo zwischen widerwärtig und beinahe bemitleidenswert, liefert er sich alsbald tödliche Machtspielchen mit Murnau. Wessen Film ‚Nosferatu‘ eigentlich ist, steht bald zur Frage. Deutlich zugänglicher als Merhiges Erstling ‚Begotten‘, richtet er sich dennoch nicht nach erzählerischen Erwartungen.

 

So, jetzt hätte ich auch von Euch gern ein paar ungewöhnlichere Horrorempfehlungen. Schreibt oder verlinkt sie gerne in den Kommentaren.

10 Gedanken zu “Horrortipps für Hallowe’en

    • Weil mit jemand Agatha Christies „Hallowe’en Party“ geschenkt hat und mein Hirn jedesmal zuckt, wenn ich auf das Cover schaue. Dieses Gefühl wollte ich teilen… 😉

      Sprachlich vermutlich eine Vorstufe der aktuellen Schreibweise des Zusammenziehens von (All) Hallows Even(ing), dem Abend vor Allerheiligen.

      Gefällt 1 Person

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