Top 10 Filme von damals: 1979 Platz 5 bis 1

Ohne lange Vorrede machen wir genau da weiter, wo wir letzte Woche aufgehört haben: bei Platz 5 der Kinocharts von 1979!

  1. ‚Superman‘

Oha, ein Superheldenfilm. Heute löst das wenig mehr als ein Schulterzucken der Gewohnheit aus, damals war es etwas durchaus Besonderes. Man möchte fast annehmen Superman wäre erst durch den Erfolg von ‚Star Wars‘ und dem dadurch neu erweckten Hunger auf Filme mit fantastischen SciFi Elementen möglich geworden, allerdings war der Film schon vor Erscheinen von George Lucas‘  Überraschungserfolg in Produktion. Der Film hat einen Tonfall, der aus heutiger Sicht etwas merkwürdig wirkt. Er gibt sich gleichzeitig naiv und augenzwinkernd. Man nehme nur den Plan von Bösewicht Lex Luthor (Gene Hackman), der billiges Land östlich der St. Andreas-Spalte in Kalifornien kaufen will, dann in der Spalte ein künstliches Erdbeben auslösen, wodurch alles Land westlich davon im Meer versinkt, um dann sein billiges Land als teure Küstengrundstücke zu verkaufen. Das ist gleichzeitig albern und ein Massenmord unfassbaren Ausmaßes. Dennoch funktioniert der Film vor allem aufgrund der Stärke seiner Darsteller auch heute noch recht gut. Ein mäßig motivierter Marlon Brando brachte es als Jor-El, Vater von Superman, ins Guinness Buch als damals bestbezahlter Nebendarsteller. 3,7 Millionen Dollar und 11,75% der Einnahmen sollte er bekommen. Er sah sich später übervorteilt, was die Beteiligung anging und klagte auf weitere 50 Millionen Dollar. Recht üppig für einen langwierigen Monolog über Krypton. Christopher Reeve war als Superman bei weitem nicht erste Wahl. Robert Redford und Burt Reynolds (hier kann nun wirklich jeder einen beliebigen Superman-mit-Schnauz-Henry Cavill-Justice League-Witz der eigenen Wahl einbauen) standen ganz oben, wollten aber nicht. James Caan, Christopher Walken(!!) und Nick Nolte waren zwischenzeitlich ebenfalls angedacht. Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger bewarben sich, wurden aber ignoriert. Schließlich wurde es der zuvor als „zu dürr“ abgelehnte Reeve. Er musste sich einem harten Trainingsprogramm unterziehen, unter Leitung von David Prowse, dem körperlichen Darsteller von Darth Vader. Wenn das nicht motiviert, weiß ich auch nicht…

 

  1. ‚James Bond 007 – Moonraker – Streng Geheim‘

Hier haben wir einen Bondfilm, der aber wirklich jedem Trend hinterher eilt. SciFi und Weltraum sind erfolgreich, dank ‚Star Wars‘? Okay, das können wir auch, mit einem verschwundenen Raumgleiter und einem Finale auf einer Weltraumstation (tatsächlich kündigte der vorherige Film Bonds Rückkehr in ‚In Tödlicher Mission‘ an, doch aufgrund des ‚Star Wars‘ Erfolgs wurde ‚Moonraker‘ vorgezogen). Die Leute mögen einen albernen Ton bei ihren Actionfilmen? Können wir auch! Roger Moore kann albern eh am besten und der Beißer kriegt ne Freundin, oder so. Der Film ist umstritten und ich habe mit der Einleitung meine Meinung wahrscheinlich schon deutlich gemacht: ich mag ihn nicht. Er ist dämlich, ohne dabei besonders unterhaltsam zu sein. Die Moore Masche hat sich für mich hier schon ein wenig totgelaufen. Aber was weiß ich schon, der Erfolg gibt dem Film Recht. Er wurde weltweit zum finanziell erfolgreichsten Film des Jahres und blieb der finanziell erfolgreichste der Bond-Reihe bis 1995 ‚Golden Eye‘ ihn ablöste.

 

  1. ‚Das Krokodil und sein Nilpferd‘

Apropos alberner Ton in Action Filmen, hier haben wir das Duo Bud Spencer und Terrence Hill endlich komplett! Und in einem der, wie ich finde, quintessentiellen Spencer/Hill Filme. Wir haben die Rivalität zwischen Hills tierliebem Globetrotter (der nicht gern ungefragt geduzt wird) und Spencers brummeligem Jagd-Safaribetreiber (mit Platzpatronen). Wir haben Faustkampf-Klamauk quasi am laufenden Band, letztlich der Hauptgrund, warum man die Filme schaut. Wir haben Rainer Brandt Zitate noch und nöcher, darunter das von mir bis heute bei passenden und unpassenden Anlässen verwendete „Mmmmh, schmeckt gar nicht mal so gut!“. Dazu eine geradezu legendäre Fressszene („Das klingt als wenn Du ne Dachrinne frisst!“) und recht gelungene Musik von Walter Rizzati. Dass sich bei der inzwischen dreizehnten Zusammenarbeit des Duos nicht mehr alles ganz frisch anfühlt mag nicht überraschen, doch funktioniert das Prinzip der Filme hier immer noch großartig. Sicherlich, die Darstellung von schwarzen Afrikanern ist, mindestens aus heutiger Sicht, teilweise fragwürdig, die Dreharbeiten im Apartheid-Südafrika sowieso. Die klare Stellungnahme gegen Großwildjagd hingegen hat auch bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Wie auch immer, der Dampfhammer- und der Backpfeifenkönig sind hier in Höchstform und darauf kommt es vor allem an.

 

  1. ‚Louis‘ Unheimliche Begegnung Mit Den Außerirdischen‘

(Nicht zu verwechseln mit ‚Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe‘ von 1981)

Louis de Funès feierte seine größten Erfolge als Komiker meist in der Rolle des Choleropanikers, der durch seine übertrieben impulsiven Reaktionen jede Situation zur Farce werden lassen konnte. Mitte der 60er wurde er damit zum erfolgreichsten Komiker Frankreichs und bald ganz Europas. Doch in den späten 70ern drohte ihm in Frankreich das Duo Richard/Depardieu den Rang abzulaufen und in Europa war der „handfestere“ Klamauk von Spencer/Hill inzwischen weit beliebter als seine atemlose Hitzköpfigkeit. Für seine letzten beiden großen Erfolge, vor seinem tragisch frühen Tod 1983 mit nur 68 Jahren, belebte er daher nach fast 10 Jahren eine seiner alten Erfolgsfiguren wieder, die er zuvor schon in vier Filmen verkörpert hatte: den Gendarmen von Saint Tropez. Vornehmlich beschäftigt mit der cholerischen Jagd auf Nudisten, „löste“ der Charakter nebenbei auch immer mal schwerere Verbrechen. Und weil dem langen, langen Schatten von ‚Star Wars‘ nun auch wirklich niemand entkommen konnte, bekommt er es diesmal mit Außerirdischen zu tun. Mit mechanischen Außerirdischen, die Öl statt Wein trinken, das geht ja mal gar nicht! Zum Glück reagieren sie mit akutem Tod auf Wasser, was die ganze Sache erheblich vereinfacht. Mit de Funès‘ „Stammregisseur“ Jean Girault hinter der Kamera und typischer Rainer Brandt Synchronisation weiß man hier exakt was man bekommt. Und das unterhält durchaus, wenn es auch vielleicht nicht unbedingt im Gedächtnis bleibt.

 

  1. ‚Das Dschungelbuch‘ (Wiederaufführung)

In den späten 70er Jahren steckte Disney tief in einer kreativen und finanziellen Krise. Gerade 1979 hatten sie einen Haufen Geld, das sie eigentlich nicht hatten, in ‚Das Schwarze Loch‘ geschaufelt, in der Hoffnung auf der ‚Star Wars‘ Welle zu reiten. Das ging schief. Was zumindest in Deutschland selten schief ging, waren allerdings ihre klassischen Zeichentrickfilme. Und so wurde der im Dezember zur Weihnachtszeit erneut in die Kinos gebrachte ‚Das Dschungelbuch‘ zum erfolgreichsten Film des Jahres 1979, zumindest in West-Deutschland. Wirklich erstaunlich wird es, wenn man sich die Dimensionen klarmacht: ‚Louis‘ Unheimliche Begegnung Mit Den Außerirdischen‘ auf Platz 2 hatte ungefähr 5,6 Millionen Besucher ins Kino gelockt. ‚Das Dschungelbuch‘ brachte es auf etwa 9,1 Millionen. Erklären kann man diesen Ansturm wohl nur dadurch, dass es Heimkino noch nicht gab. Wer Nostalgie nach diesen Filmen verspürte, oder sie mit den eigenen Kindern teilen wollte, war geradezu auf das Kino (oder seltene Fernsehübertragungen) angewiesen. Später würden die Filme zu Verkaufsschlagern auf VHS und damit nahmen die Wiederaufführungen ab. Dazu sah es 1979, wenn ich mal die Chartliste weiter herunterscrolle, verdammt mau aus, was Kinderfilme angeht. Eine Wiederaufführung vom Herbie-Film ‚Ein toller Käfer‘ finde ich da und eine Wiederaufführung von ‚Die Hexe und der Zauberer‘ (beides Disney!). Aber Aktuelles springt mir nicht ins Auge.

Aber tatsächlich war das Dschungelbuch in Deutschland lange der erfolgreichste Disneyfilm überhaupt. Als Grund dafür gilt unter anderem die Synchronisation von Heinrich Riethmüller, insbesondere die der Songs. Gebt es zu, Ihr habt alle „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ im Kopf, seit Ihr die Überschrift gelesen habt! Zum Film selbst muss ich wohl nicht mehr wirklich viel sagen, statistisch gesprochen kennt Ihr ihn eh alle.

 

So, was können wir nun aus diesen Charts lernen? Ein Bondfilm, ein Superheldenfilm und Disney an der Spitze der Charts, also alles genau wie heute? Nicht wirklich. Disney war wie erwähnt eine arg kränkelnde Firma, die sich mit Wiederaufführungen über Wasser hielt, was in West-Deutschland auch sehr gut funktionierte. Der Superheldenfilm war etwas absolut Besonderes und würde, von Fortsetzungen abgesehen, auch nicht sobald repliziert werden. Tatsächlich tat sich Hollywood über Jahrzehnte schwer damit zu verstehen, dass ein Publikumshunger nach Superhelden/Comicfilmen bestand. Dazu werde ich „in zehn Jahren“ mehr zu sagen haben, wenn wir über ‚Batman‘ sprechen. Bond geht in der Tat halt irgendwie immer, was sich an der Langlebigkeit der Reihe zeigt. Aber absolut und vollkommen unübersehbar, schon allein daran, wie oft er erwähnt wurde, ist der Einfluss von ‚Star Wars‘. Auf Biegen und Brechen mussten Filme in Richtung Science Fiction verbogen werden und wenn es der Gendarm von St. Tropez ist. Auffällig an den Charts ist natürlich auch die doppelte Bud Spencer Faust. Spencer und Hill waren hier auf der absoluten Spitze ihres Erfolges und werden auch in zukünftigen Charts noch zu finden sein. Dazu spielen sie in die Zahl europäischer Produktionen in den Charts hinein. Sechs von zehn Filmen sind europäische Produktionen, eine davon ist deutsch, die anderen vier US Produktionen. Vergleicht man das mit den Charts von 2018 findet man dort eine deutsche und neun US Produktionen. 2017 zwei deutsche (und mit ‚Fack Ju Göthe 3‘ auch die Nummer 1) und acht US-Produktionen. Das hat natürlich statistisch im Moment überhaupt keine Haltbarkeit, aber ich bin mir fast sicher, wir werden eine Verschiebung in Richtung US-Produktionen sehen, wenn wir die Jahresbestlisten nach und nach durchgehen. Aber um noch einmal den Erfolg des Dschungelbuches hervorzuheben: der Topfilm 2018 ‚Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen‘ hatte knapp 3,9 Millionen Zuschauer. ‚Fack ju Göthe 3‘ 2017 gut 6,1. Nimmt man alle Aufführungen des Dschungelbuches zusammen, kommt man auf über 23 Millionen Besucher.

Was mir persönlich an den Charts noch auffällt ist natürlich die Abwesenheit von ‚Alien‘. Der schaffte es nur auf Platz 14. ‚Halloween‘ dümpelt gar irgendwo auf Platz 38 herum. Und auf Platz 17 habe ich einen Film namens ‚Liebe auf den ersten Biss‘ entdeckt, in dem Dracula von kommunistischen Parteifunktionären aus seinem Schloss vertrieben wird. Von dem habe ich vorher noch nie gehört, er klingt aber unterhaltsam…

Und wo ich Euch gerade hier habe: könntet Ihr mir kurz beantworten, wie Euch eine Zukunft dieser Artikel am besten gefallen würde? Ich verspreche nicht, dass ich mich nach dem Ergebnis der Umfrage richte, aber interessieren tut es mich auf jeden Fall!

7 Gedanken zu “Top 10 Filme von damals: 1979 Platz 5 bis 1

  1. Was für künftige Möglichkeiten bestehen denn für die Reihe? Also mir gefällt das bisher so…einmal in der Woche einen Artikel dazu. Ich fände es allerdings schöner, wenn ein Jahr in einem Artikel behandelt werden würde, also entweder gleich die alle 10 in einen, oder wenn das den Rahmen sprengt, eben nur die Top 5.

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  2. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (11-11-19)

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