Newslichter Ausgabe 71: Star Wars Whopper, Star Trek Klopper und VFX Künstler sind auch Menschen!

Willkommen zur Ausgabe 71 des Newslichters. Heute gibt es ein Hauptthema, in dem es um eine Meldung geht, die erstaunlich wenige der großen Nachrichtenportale für berichtenswert hielten. Und das ist genau einer der Punkte, die es so wichtig machen. Hollywoods Umgang mit seinen VFX-Künstlern ist irgendwo zwischen bizarr und ekelhaft. Sie sind der absolut wichtigste Teil fast aller Blockbuster, werden aber behandelt wie… aber ich will nicht vorgreifen. Daneben wollen wir auch über bizarre Werbung und  Star Trek reden. Legen wir also los!

 

VFX Studio hinter ‚König der Löwen‘ entlässt hunderte Angestellte

https://www.cartoonbrew.com/business/breaking-mpc-studio-behind-the-lion-king-shuts-down-vancouver-studio-183671.html

Hollywood muss seinen Umgang mit computergenerierten VFX komplett überdenken! Das ist keine neue oder revolutionäre Ansage, doch kommt sie von meiner Seite ausnahmsweise mal aus einer anderen Richtung. Die Mitarbeiter der Technicolor-Tochter MPC in Vancouver haben am Donnerstag letzter Woche bei einer morgendlichen Besprechung erfahren, dass ihre Jobs per sofort nicht mehr existieren. Diese Nachricht erfolgt am Ende eines Jahres an dem das Studio an finanziellen Großerfolgen wie ‚Der König der Löwen‘, ‚Meisterdetektiv Pikachu‘ oder ‚Dumbo‘ wesentlich beteiligt war. Besonders übel: sie erfolgt nach einigen Monaten brutalster Überstunden, in denen die CGI der ‚Sonic‘ Verfilmung komplett überarbeitet werden mussten. Unbestätigte Aussagen von Mitarbeitern sprechen von Arbeitstagen bis zu 17 Stunden.

Ob es uns gefällt oder nicht, VFX Künstler sind integraler Bestandteil des aktuellen Blockbusterkinos. Ihre Aufgabe ist längst nicht mehr das Retuschieren einiger Stuntkabel, oder eine Handvoll Spezialeffekte, die praktisch nicht umsetzbar waren, herzuzaubern. Heute bestimmen VFX Künstler wie ein Film aussieht. Ihre Leidenschaft entscheidet darüber ob Figuren funktionieren oder nicht. Ganze Charaktere entspringen einzig ihrer Kunst. In typischen Blockbustern kann man Frames in die nicht wenigstens ein Partikeleffekt eingefügt wurde wohl an den Fingern zweier Hände abzählen. Und es ist eine gnadenlos undankbare Aufgabe. Regisseure und Studios wollen billige VFX. VFX Studios unterbieten sich gegenseitig, einige Manager schöpfen ihre Gewinne ab, schieben die finanzielle Belastung an ihre Angestellten weiter und wenn es nicht mehr geht wird das Studio dichtgemacht. Beispiel: 2012 beschwerte sich Regisseur Ang Lee mehrfach in Interviews wie teuer die Spezialeffekte für ‚Life of Pi‘ seien. Das verantwortliche VFX Studio Rythm & Hues ging kurz nach Vollendung des Films in den Bankrott. Mehr als 200 Mitarbeiter verloren ihren Job (was sie in einem Anruf am Sonntagabend erfuhren, der ihnen mitteilte sie bräuchten am Montag gar nicht erst zur Arbeit zu kommen!!). Dies sorgte dafür, dass über 500 VFX Künstler vor der Oscar-Verleihung 2013 protestierten. Die Presse ignorierte sie zum größten Teil. Als Effects Supervisor Bill Westenhofer von Rythm & Hues seinen Oscar für ‚Life of Pi‘ entgegennahm wurde ihm das Mikro abgedreht und die Musik lautergestellt, als er das Thema ansprechen wollte. Ang Lee hat nie wieder ein Wort über die Situation verloren.

Ich will Herrn Lee hier gar nicht als ein besonders schlimmes Beispiel hinstellen, das ist er nämlich nicht. Die ganze Industrie hat mit den VFX-Künstlern eine weitgehend namens- und gesichtslose Klasse geschaffen, denn wer wartet schon 15 Minuten Abspann ab und versucht sich die Liste von hunderten Namen zu merken. Diese Klasse wird auch noch von Kritik und Publikum oft genug noch mehr verachtet, als von den Studios selbst. Wie oft schreiben, lesen oder denken wir (und ich nehme mich selbst da explizit nicht aus!) über „seelenloses CGI“. Es ist gar nicht so sehr diese Beurteilung, die ich kritisieren will, sondern, dass wir vergessen, dass immer noch Menschen und keine Computer hinter diesen Effekten stecken. Effekte die wir (und offenbar die Filmemacher) immer mehr als gegeben hinnehmen, die uns nur noch dann auffallen, wenn sie unseren Ansprüchen nicht genügen und deren erhebliche Leistung wir weniger würdigen, weil sie nicht praktisch, sondern eben nur digital existiert.

Es ist genau dieses Denken (und die Tatsache, dass Gewerkschaften auf dem nordamerikanischen Kontinent ein Witz oder nicht existent sind), das so etwas wie die derzeitige MPC Vancouver Situation möglich macht. Da hat ein Studio mit ‚König der Löwen‘ integralen Anteil an einem Film, der 1,66 Milliarden Dollar einspielt und dann werden 2 Wochen vor Weihnachten hunderte Leute von einem auf den nächsten Tag nach hunderten unbezahlter Überstunden entlassen. Das ist ein Raubtierkapitalismus, der nicht einmal mehr den Anstand hat sich in ein Schafsfell zu hüllen. „König der Löwen“, in der Tat. Widerwärtig. Absolut niemand verdient das, egal was man vom Film selbst halten mag!

Ich für meinen Teil gelobe jedenfalls, zukünftig mehr an die Menschlichkeit der Macher hinter computergenerierten VFX zu denken und sie in Rezensionen großzügiger zu bedenken. Irgendjemand muss das ja tun, wenn ihre Arbeitgeber es so offensichtlich verweigern.

 

„Whopper“ für Star Wars Spoiler

https://www.derwesten.de/wirtschaft/burger-king-gratis-star-wars-krieg-der-sterne-id227891469.html

Eine reichlich bizarre Werbeallianz sind Burger King und Disney in Deutschland eingegangen. Liest man beim Bestellen eines Whoppers einen „Spoiler“ für die kommende neunte Episode von ‚Star Wars‘ aus einer speziellen App vor, dann bekommt man ihn umsonst. Ob das Strafe oder Belohnung ist, muss jeder selbst entscheiden. Es ist ein Spiel mit der extremen Spoiler-Angst, die Fans von allen großen Blockbuster-Reihen umtreibt. Da hier natürlich alles in Absprache mit Disney passiert, darf man den tatsächlichen „Spoiler“-Gehalt vermutlich anzweifeln. Aufmerksamkeit erregt es allemal. Und wer kein Problem damit hat sein Handy mit der „Spoiler-App“ vollzumüllen kann immerhin nen Burger abgreifen. Fraglich ob die Aktion nicht Idioten ermutigen wird tatsächliche Spoiler in Burger Kings rauszuposaunen. Mal sehen, ob die Polizei in den nächsten Tagen und Wochen vermehrt wegen Schlägereien zu der Kette bestellt wird…

 

Zwei neue Star Trek Filme, aber keiner von Tarantino

https://screenrant.com/star-trek-movie-quentin-tarantino-update/

Da sah es nun lange Monate so aus, als gäbe es keinen weiteren Film in der Kelvin-Zeitlinie mehr, dann wurde nicht nur der vierte Film verkündet, nein nun ist noch ein weiterer in Produktion. In welcher Zeitlinie und zu welcher Zeit der spielt ist hingegen noch überhaupt nicht klar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es nicht der gern gesehene Gast in der Gerüchteküche ist, der Star Trek Film von Quentin Tarantino. In einem Interview hat der nun gesagt, sein zehnter und womöglich letzter Film wird nicht Star Trek sein. Ein wenig frage ich mich schon, ob es da jemals konkrete Pläne gab, oder ob das immer nur so eine Idee war. Denn einen Haufen Ideen, was er als nächstes drehen könnte trägt Tarantino ja immer mit sich herum. Sei es ein Film über die Vega-Brüder, ein dritter ‚Kill Bill‘, oder ein Django/Zorro Crossover. Dann dreht er etwas völlig anderes.

 

So, das war es auch schon wieder. Denkt daran, in einer Woche ist es so weit! Der neue Newslichter erscheint! Und noch irgend so ein anderes kleines Fest über das kaum jemand redet. Bis dann!

6 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 71: Star Wars Whopper, Star Trek Klopper und VFX Künstler sind auch Menschen!

    • „Ohne die Künstler würde die Industrie nicht funktionieren. Das müsste Hollywood eigentlich besser wissen als jeder andere.“

      Völlig richtig, Nur hat uns etwa #Me Too gezeigt, wie die Hollywood-Industrie willens ist mit Menschen umzugehen die jeder kennt. Welche Chance haben da Leute, die niemand kennt?

      Solange sie damit durchkommen wird sich nichts ändern. Und zumindest scheint sich in den gut 6 Jahren seit dem Ang Lee Vorfall gar nichts geändert zu haben.

      Vielleicht bräuchte es wenigstens auffälligere Preise für „unterstützende“ Rollen im Film. Etwa für den besten CGI Charakter, den sich dann Motion Capture Darsteller und VFX Künster teilen. Oder auch für die besten Stunts. Über Stuntleute redet auch keiner, wenns nicht gerade Tom Cruise selbst macht und leicht haben die es wahrlich auch nicht!

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      • Deinen letzten Vorschlag finde ich super. Überhaupt ist das Star-Modell ein wenig überholt. Das kann tatsächlich ein positiver Nebenaspekt des MoCap-Trends sein. Speziell hier sollten die ausführenden Artists mindestens ebenso gewürdigt werden (ohne jetzt Andy Serkis und anderen etwas absprechen zu wollen).

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  1. VFX-Künstler… vor denen habe ich sehr großen Respekt. Wie du schon geschrieben hast, an ihrer Leidenschaft hängt es, ob ein Film/ eine Serie funktioniert oder nicht. Echt schade, wie mit ihnen umgegangen wird aber das ist leider überall so.
    Das ist moderne Leiharbeit. Ich lass dich ackern bis der Job gemacht ist und dann hole ich mir neue Leute beim nächsten Ding 😉

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    • Ja, nur ist es ihre Arbeit, die die Leute in die Milliardenblockbuster zieht. Starpower ist da ja kaum noch gefragt. Da könnte ein großer, organisierter Streik sicher einiges ausrichten (siehe auch der Autorenstreik vor ein paar Jahren).

      Aber deshalb verteilen die Hollywoodstudios die Effektarbeit wahrscheinlich von Anfang an auf mehrere VFX Studios. Um effektiven Streiks vorzubeugen.

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