Flop 2 der 2010er oder „ich schaue nicht genug Mist“

Wir befinden uns „Zwischen den Jahren“ jenem zeitlichen Limbo, in dem nie viel passiert. Es ist der letzte dieser Dekade und ich dachte, vielleicht wäre das ein guter Anlass eine Liste der schlechtesten Filme der letzten 10 Jahre, die ich gesehen habe, zu schreiben. Leider taten sich da ein paar Probleme auf. Erstens bin ich beim Filmeschauen inzwischen so wählerisch, dass ich nur noch selten richtig schlechte zu sehen bekomme. Enttäuschungen, natürlich. Aber selten Filme so schlecht, dass ich mich drei Wochen später noch darüber aufregen könnte, geschweige denn 10 Jahre später. ‚Das gibt Ärger‘ etwa habe ich in einer Überraschungspremiere, zu der ich mich habe überreden lassen gesehen. Der war schlecht. Schade, wenn Reese Witherspoon, Tom Hardy und Chris Pine agieren, aber vielleicht wenig überraschend, wenn hinter der Kamera der unerklärliche McG steht. Ich kann mich aber an quasi nix erinnern. Nur das beide Typen Geheimagenten waren und Til Schweiger auch noch irgendwo herumgeisterte. Das reicht doch nicht für einen Artikel. Und nochmal sehen wollte ich ihn sicher nicht.

Kann ich den Artikel also vergessen. Blöd, denn kreativ genug mir was Neues auszudenken bin ich auch nicht. Doch dann tauchten zum Glück aus dem londonesken Nebel meiner Erinnerung zwei Filme auf, die auch Jahre später noch einen gewissen Zorn hervorrufen können. Über den einen habe ich schon mal geschrieben, aber wisst ihr was? Der ist widerlich genug, dass er es noch einmal verdient!

Aber fangen wir erst mal mit dem anderen an. ‚Movie 43‘ von 2013. Eine Filmkomödie aus einer Reihe von Sketchen ist in Zeiten von Youtube ebenso schwierig wie letztlich sinnlos. Das scheinen die Macher auch selbst gewusst zu haben, betten sie das Ganze doch in eine Rahmenhandlung um Jugendliche ein, die nach diesem furchtbar verbotenen ‚Movie 43‘ im Internet suchen und dabei die verschiedenen Segmente des Films finden. Diese Segmente versuchen ihren Humor daraus zu beziehen, dass sie Hollywoodstars mit Gross-Out Humor und schockierenden Momenten konfrontieren. Beispiele: Kate Winslet und Hugh Jackman spielen ein Paar auf einem Date. Er nimmt den Schal ab und entblößt ein Skrotum samt Eiern an seinem Kinn. Keiner sagt was dazu, bis er sie auf die Stirn küssen will und die Eier vor ihrem Mund baumeln und sie die Flucht ergreift. Anna Faris möchte, dass Chris Pratt auf sie draufscheißt. Leider trinkt er eine ganze Flasche Abführmittel, wird vom Auto überfahren und scheißt die gesamte Straße voll. Richard Geres Firma veröffentlicht einen MP3 Spieler in Form einer nackten Frau. Im Schritt befindet sich ein Kühlventilator und eine Reihe junger Männer wurden bereits entmannt. Ein Cartoonkater pinkelt auf Elizabeth Banks und sorgt dafür, dass sie totgeschlagen wird. Und so weiter.

Wollte man ungewöhnlich großzügig sein und dem Film so etwas wie eine übergreifende Idee unterstellen, dann wäre es wohl, dass wir durch das Internet dazu neigen das Privateste öffentlich zu machen und es damit der Lächerlichkeit preisgeben. Wenn wir  ehrlicher sind, dann hat hier einfach nur Hollywood Produzent Charles Wessler (‚Green Book‘) seine Beziehungen spielen lassen um eine ganze Reihe Darsteller und Regisseure für ein Projekt einzuspannen, das keiner von ihnen wirklich mochte. Das wäre an und für sich ganz interessant, wenn denn der Film wenigstens in irgendeiner Art komisch wäre, anstatt nur bemüht. Weiter als Stars + Ekel = superkomisch scheint Wessler seine Idee nie gedacht zu haben und so geht sie nie ganz auf. „Jackass“ Johnny Knoxville verweigerte jede Pressearbeit, Richard Gere versuchte sich aus dem Film rauszuklagen, James Gunn sagt Elizabeth Banks sei „Schuld“ an seiner Teilnahme und er habe den Mist nie gesehen. Genau dieses „XY ist auch dabei“ scheint übrigens Wesslers Trick gewesen zu sein. Ein Film darüber wie Wessler Stars für sein merkwürdiges Projekt rekrutiert (einer der wenigen die direkt nein gesagt haben, war übrigens George Clooney) wäre vermutlich interessanter als der Film an sich. So bleibt das Komischste halt sich vorzustellen wie Hugh Jackman Stunden in der Maske sitzt, während jemand ein Paar Eier an sein Kinn modelliert. „Ich bin Wolverine, wissen Sie?“ sagt er, während der Maskenbildner geflissentlich jeden Augenkontakt vermeidet.

Nun zum vermutlich größten cinematischen Verbrechen der 2010er. ‚United Passions‘ von 2014. Propagandafilme sind ja grundsätzlich schon einmal suspekt. Wenn diese Propaganda dann auch noch im Namen einer der wohl offen korruptesten Organisationen der Welt, der FIFA, geschaffen wird und ihr korruptestes Mitglied, Joseph „Sepp“ Blatter, als eine Art segensreichen Heiligen darstellt, dann kommt mir das Frühstück von vor zwei Wochen noch einmal hoch. Blöd war für den Film vor allem, dass er zeitgleich mit der Aufdeckung des FIFA Korruptionsskandals erschien. Nicht, dass er sich ansonsten besser geschlagen hätte, mit seiner sabschigen Weichzeichneroptik und den schlafwandlerischen Darstellungen von Leuten wie Tim Roth, Sam Neill oder Gerard Depardieu, wäre er auch mit anderem Thema zu anderer Zeit durchgefallen. Nur eben weniger hart. Tim Roth sah sich genötigt sich für seine Teilnahme an dem Film zu entschuldigen. Auch Regisseur Frédéric Auburtin distanzierte sich von dem Werk, gab allerdings noch Preis, das man bei der FIFA gerne den Titel ‚Men of Legend‘ gesehen hätte, er diesen aber als absurd abgetan hatte. Ganz ehrlich, absurder als alles andere ist der auch nicht.

918 Dollar spielte das Ding in den, zugegeben ohnehin nicht eben fußballbegeisterten USA ein. Und ich habe das Gefühl, hierzulande haben den Film außer mir vielleicht noch zehn Leute gesehen. Hey, wir könnten eine Fußballmannschaft bilden! Aber bitte keine offizielle, ansonsten könnte nach ihrem neuen „Ethik“reglement das oben geschriebene wohl als „Verleumdung der FIFA“ angesehen werden und dann wär ich als Spieler dran.

Und das waren meine floppigen Flop 2 der 2010er. Welche Filme der letzten 10 Jahre fandet Ihr so richtig furchtbar? Furchtbar genug, dass Ihr Euch noch heute drüber ärgert!

16 Gedanken zu “Flop 2 der 2010er oder „ich schaue nicht genug Mist“

  1. Also mir fällt da ganz spontan „Transformers The Last Knight“ ein…ich kann dir nicht genau sagen, wieso mich der hoffentlich letzte Teil dieser unsagbaren Reihe um so vieles mehr aufregt, als die ebenfalls miserablen Vorgänger aber noch heute möchte ich wutentbrannt einen Brief an das Studio schicken und Schadenersatz für meine verlorene Lebenszeit einfordern, wenn ich an den Kinobesuch zurück denke!

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    • Tja, von den Transformers habe ich mich, von Bumble-Herbie abgesehen, bisher erfolgreich ferngehalten. Puh… 😉

      Mir ist aber auch noch einer eingefallen, nachdem ich den Artikel gepostet hatte: Sucker Punch. Aus irgendeinem Grund dachte ich der wäre von 2009. Aber nein, er zählt, ist von 2011.

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      • Bei Sucker Punch sind wir dafür nicht einer Meinung…den find ich nämlich gar nicht mal schlecht 😉

        Dafür sind mir auf die Schnelle auch noch Taken 3 und The Counselor eingefallen…speziell beim letzten ist es wegen des ganzen vergeudeten Potenzials umso schmerzhafter, was da für ein schlechter Film dabei heraus gekommen ist…

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        • Da bin ich ganz deiner Meinung, Sucker Punch hatte schon seine Momente. Auch die Ästhetik des Films fand ich „passend“.
          Taken 3 und The Counselor hatten leider nicht mal die kleinsten Momente und sind daher kaum einer Erwähnung wert 😊 Aber wo wir grad beim Thema sind: Ricktig übel fand ich auch The Snowman. Der war sogar noch als Gratisstream auf Amazon Prime zu teuer, weil man mit dem Sehen des Films nur kostbare Zeit verschwendet.

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          • Hoffen wir mal, dass der kein Karriereende für Alfredson wird. Insbesondere weil er ja ziemlich deutlich gemacht hat, dass alle außer ihm schuld waren (ob man das nun glauben mag, oder nicht, Freunde macht man sich so nicht). Seine anderen Filme waren interessant genug, dass ich trotzdem gern mehr von ihm sehen würde.

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          • Stimmt, „Dame, König, Ass, Spion“ war damals wirklich ein sehr guter Agententhriller…was bei Schneemann wirklich schief gelaufen ist, wissen wohl nur die Beteiligten…

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          • The Snowman hat mich fast neugierig gemacht, vor allem weil ich die vorigen Arbeiten des Regisseurs (insbesondere So Finster die Nacht) wirklich gut fand und ich wissen wollte was schiefgelaufen ist.

            Dann hat er ein Interview gegeben, in dem er mehr oder weniger direkt sagte was schiefgelaufen ist (Streit mit den produzenten und letztlich nicht genug Zeit um alle nötigen Szenen zu drehen) was es dann weniger nach einer unterhaltsamen Katastrophe, als nach „wir haben zusammengeflickt was wir hatten und wissen selbst, dass das nicht reicht“ klingt. Und das kann man sich wohl sparen, wie Du sagst.

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        • Oh jetzt erinnere ich mich, Sucker Punch hatte ich schon mal auf irgendeiner „Schechtesten“ Liste und ziemlich viele Leute haben mir wiedersprochen. Naja, ich freue mich für jeden, dem er besser gefallen hat als mir (ganz unironisch)!

          Bei Taken war ich nach Teil 1 raus und The Counselor wollte ich sehen, habs dann aber nie gemacht. Und so richtig überzeugt, dass ich den nachholen muss bin ich dann auch nicht… 😉

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          • Ich kenn ein paar Leute, denen Sucker Punch nicht so zusagt…ich find die vielen Ebenen ziemlich genial aufgebaut, Schauwerte hat er auch ein paar grandiose zu bieten und beim Ende läuft es mir jedes Mal kalt den Rücken runter.

            The Counselor kannst du dir wirklich sparen…entweder das Drehbuch war wirklich so miserabl oder aber beim Schnitt waren die Beteiligten besoffen, anders ergibt das nämlich irgendwie einfach keinen Sinn, wenn man mal bedenkt welche Namen mit diesem Projekt verbandelt sind…

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    • Ich dachte zuerst Du meinst diese Sandler-Komödie, aber die hieß Ridiculous 6… 😉

      Der Bay ist tatsachlich komplett an mir vorübergegangen. Naja, er hat immer noch The Rock… (ich bin sicher er hat seitdem noch irgendeinen guten Film gemacht, aber mir fällt gerade keiner ein).

      Bei Komödien aus deutschen landen müssen mir immer schon sehr viele vertrauenswürdige Leute glaubhaft erklären, dass die überhaupt sehenswert sind! Und so sind mir auch die beiden erspart geblieben.

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    • Hier zeigen schon die Titel, dass Komödien aus deutschen Landen meist nichts taugen. Allerdings kenne ich beide Filme nicht, habe aber nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
      Mein Spitzenreiter bei deutschen Komödien ist nach wie vor „Die Feuerzangenbowle“ und der ist von 1944. Sollte es seither eine gute deutsche Filmkomödie gegeben haben, hab ich sie nicht gesehen. Die beiden Loriot-Filme lasse ich da mal außen vor.

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  2. Da beneide ich dich ja fast ein bisschen. Ich habe in der genannten Zeit leider einige extrem schlechte und sogar ärgerliche Filme gesehen.

    Hier eine kleine Auswahl:
    The Circle
    Snowman
    The Night Before
    Identity Thief
    Tomb raider
    The Dinner
    The collector
    Fuck ju göhte

    Uvm

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    • Da hab ich tatsächlich nur Göthe gesehen und beinahe vollumfänglich vergessen.

      Aber wenn man mich nach einer Woche fragt, wie ein Film war und ich bringe nicht mehr als „öh, weiß ich nicht mehr raus“, dann ist das quasi ein vernichtendes Urteil… 😉

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