Newslichter Ausgabe 94: Corona Filme, Snyder Liga und China Streit

Willkommen bei Ausgabe 94 des Newslichters und Herzliche Grüße aus respektvoller Social Distance, immer noch mit Maske, aber jetzt in größeren Läden und teilweise Kinos und Gastronomie! Diese Woche durchzieht das hörbare aber noch unsichere Rumpeln einer langsam (und hoffentlich vorsichtig) wieder anlaufenden Filmindustrie den Newslichter. Wie wird die nach der ersten Corona-Welle aber wohl lange vor einem Impfstoff aussehen? Darüber wird vermutlich noch viel zu reden sein. Legen wir also schnell los!

 

Filme machen und Corona

https://deadline.com/2020/05/venice-film-festival-2020-confirmed-september-governor-coronavirus-1202942524/

https://deadline.com/video/christopher-nolans-tenet-first-trailer-out-confirms-release-coming-to-theaters/

https://deadline.com/2020/05/industry-wide-task-forces-white-paper-on-restarting-film-tv-production-expected-to-be-ready-soon-1202942146/

Auf der Seite der Präsentation von Filmen hat sich zwar sicher noch keine Rückkehr zu Normalität angekündigt, aber immerhin Kinos öffnen teilweise wieder, mit ‚Tenet‘ steht ein Blockbuster ins Haus (auch wenn Gerüchte nach einem Datumslosen Trailer besagen, Warner wolle, dass mindestens 80% der Kinos in bedeutenden Regionen wieder geöffnet sind und nehme dafür auch Verschiebungen im Wochenbereich in Kauf) und das Filmfestival von Venedig in einer der am schwersten betroffenen Regionen Italiens ist fest entschlossen im September seine Pforten zu öffnen und zwar nicht nur virtuell. Doch wie sieht es auf der Seite des Filmemachens aus? Sicherlich, dank Verschiebungen sind für die absehbare Zeit Filme „auf Halde“, doch wird es neue Filme brauchen. Nicht nur, weil wir Kunst brauchen, die sich mit dieser Krise auseinandersetzt, sondern auch weil unzählige Menschen aus dieser Branche arbeiten wollen und müssen. Doch die Frage ist, wie dreht man einen Film und hält Hygiene-Regeln ein? Und die Antwort scheint zu sein, das geht kaum. Hinter der Kamera schwerlich und vor der Kamera eigentlich gar nicht. Was also tun? Eine Idee scheint zu sein, dass Filmcrews gemeinsam in Quarantäne gehen. Also zusammen leben für die Dauer des Drehs und wohl noch 2 Wochendarüber hinaus. Das wäre wohl möglich, wenn auch schwierig und kostspielig, würde die Arbeit aber für Leute unmöglich machen, die eine solche Situation, etwa aufgrund familiärer Bedingungen, nicht eingehen können oder wollen. Womöglich sollten Produktionen für die kommende Zeit zumindest erst einmal lokal und klein gehalten werden. Das würde der Gigantomanie der Studio-Blockbuster entgegenlaufen, was gar nicht so verkehrt wäre. Denn das ein Publikumsinteresse an Filmen abseits der Blockbuster besteht zeigt sich immer wieder an „Überraschungen“ wie ‚Knives Out‘ oder ‚Hustlers‘. Selbst ein Michael Bay plant einen Film mit Corona-Thematik namens ‚Songbird‘, der deutlich kleiner zu werden verspricht als seine üblichen Filme. Dank der Thematik kann hier viel mit Webcams gearbeitet werden und Darsteller müssen und sollen fast nie gemeinsam in einem Raum sein. Echte Vorhersagen kann ich hier im Moment aber nicht wirklich treffen. Die Branche selbst scheint im Augenblick zutiefst verunsichert. Vielleicht gibt es eine Flut animierter Filme. Die kann man schließlich angenehm getrennt herstellen. Vielleicht zucken die Studios auch einfach mit den Achseln und nehmen die Arbeit an den Blockbustern einfach wieder auf, unter der Devise „es muss einfach klappen!“ und „etwas Schwund ist immer“. Für einige der größeren Filmindustrien, die USA und Indien etwa, sollen zumindest dieser Tage Industrie-weite Sicherheitsvorlage veröffentlicht werden. Dann wissen wir mehr. Für die absehbare Zeit werden in Film-Credits wohl „Hygiene-Beauftragte“ oder so etwas auftauchen. Bleibt nur zu hoffen, dass die einen ähnlich coolen Titel wie die Hollywood-Beleuchter („best boy/girl“) bekommen.

 

Keine US-Förderung für „chinafreundliche“ Filme?

https://deadline.com/2020/05/ted-cruz-china-hollywood-1202941024/

Der von US-Präsident Donald Trump forcierte Streit zwischen den USA und China um Verfehlungen in der Corona-Krise könnte nun auch im Filmgeschäft ankommen. Ted Cruz, republikanischer Senator aus Texas, plant einen Gesetzesentwurf, der Filmstudios, die Unterstützung durch die Bundesregierung erhalten, oftmals etwa in Form von Zugriff auf militärisches Gerät, verbietet Änderungen an ihren Filmen vorzunehmen, um die chinesische Zensur zu umgehen. Als Beispiel nannte er den kommenden ‚Top Gun 2‘, in dem die japanische und taiwanesische Flagge nicht mehr auf Pilot Mavericks  Flugjacke zu finden seien. Cruz: „Was für eine Botschaft ist das, dass Maverick, eine amerikanische Ikone, Angst vor den chinesischen Kommunisten hat? Das ist lächerlich.“ Tatsächlich ist neben Paramount auch die chinesische Firma Tencent in die Produktion von ‚Top Gun 2‘ involviert. Aber, und hier liegt vermutlich das Problem eines möglichen Gesetzesentwurfes, wie findet man heraus oder legt man fest, was auf Betreiben Chinas geändert wurde und was tatsächlich genuine Vision der Macher ist? Muss ein Film bestimmt US-patriotische Vorgaben erfüllen? Das ist eigentlich ohnehin schon der Fall, wenn die US-Streitkräfte Material bereitstellen. Die viel erkennbareren Zensuren, wenn etwa für den chinesischen und russischen Markt homosexuelle Elemente aus Filmen geschnitten werden, erwähnt Cruz hingegen gar nicht. Aber das sollte wohl auch nicht überraschen. Cruz scheint sich ohnehin zu so etwas wie dem „Filmexperten“ der Republikaner zu mausern. ‚Aufbruch zum Mond‘ hatte er vorgeworfen, die US-Flagge auf dem Mond „auszulöschen“, obwohl sie im Film (und Trailer) deutlich zu sehen war. Es steht zu vermuten, dass sich diese Ankündigung (oder sein „Weckruf an Hollywood“, so Cruz) als ähnlich laues Lüftchen im Wasserglas entpuppt.

 

‚Justice League‘ Snyder-Cut

https://screenrant.com/justice-league-snyder-cut-campaigns-hbo-release-impact/

Letztens habe ich hier über die Veröffentlichung von veränderten Filmversionen gesprochen und dabei auch den „Snyder-Cut“ von ‚Justice League‘ erwähnt. Wir erinnern uns, Zack Snyder musste die Produktion von ‚Justice League‘ in Folge einer privaten Tragödie verlassen und Warner heuerte (mit Snyders Segen) Joss Whedon an, um den Film zu fertigzustellen. Was zu Nachdrehs und der berüchtigten Schnäuzerretusche aus „Superman“ Henry Cavills Gesicht führte. Alsbald kamen Gerüchte auf, Zack Snyder habe vor seinem Weggang noch selbst eine fertige Version abgeliefert. Den sogenannten „Snyder-Cut“. Eine äußerst vokale Gruppe forderte in sozialen Medien und auf Plakaten Warner zu Veröffentlichung dieser Version auf. Nachdem sich zuletzt Snyder selbst und auch einige Darsteller diesen Forderungen angeschlossen haben, war bereits zu ahnen, dass hier etwa kommen würde. Auf dem Streaming Service HBO Max soll der Cut exklusiv zu sehen sein. Die Tatsache, dass Snyder 30 Millionen Dollar für weitere Arbeiten bekommt, lässt jedoch erahnen, dass der „Snyder-Cut“ alles andere als fertig war. Allerdings möchte HBO Max das Projekt auch als wöchentliche sechsteilige Miniserie veröffentlichen. Das ergibt Sinn. Denn wenn man 30 Millionen in die Hand nimmt, dann möchte man potentielle Kunden auch wenigsten direkt für wenigstens zwei Monate, anstatt nur einem binden. Es wird interessant sein zu sehen, wie groß das Interesse an dieser Version tatsächlich ist. Auf sozialen Medien erschallt nun jedenfalls der Ruf nach einem „Ayer-Cut“ von ‚Suicide Squad‘…

 

Und das war er, der Filmlichter-Cut vom Newslichter diese Woche. Ihr stellt Euch jetzt vermutlich die Frage, ob es wohl nächste Woche auch einen Newslichter geben wird, denn ich habe das ja so direkt noch nicht bestätigt. Und ja, ich kann Euch versichern, es wird auch nächste Woche einen Newslichter geben. Kommt das eigentlich nur mir so vor oder wird dieser Schlussabsatz von Woche zu Woche blöder? Es gibt nur einen Weg das rauszufinden: schaut auch nächste Woche wieder rein!

7 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 94: Corona Filme, Snyder Liga und China Streit

  1. Guter PR Move von Warner mit dem Snyder Cut 😁 Die Fans drehen völlig am Rad, der eigene Streamingdienst wird gepusht und vielleicht gibt es noch Snyder-Cut-Merchandise?
    Die Qualität ist dann am Ende fast egal, solange sie etwas ändern. Die Fans müssen ihn feiern oder zugeben, dass sie falsch lagen. Letzteres passiert bestimmt nicht 😅

    Gefällt 1 Person

  2. Ich muss sagen ich verstehe das Problem mit den „fehlenden“ Filmen aus Kino Sicht nicht. Klar, dass die unzähligen Filmschaffenden keiner geregelten Arbeit nachgehen können ist bitter und durchaus problematisch. Für die Kinos und damit die Zuschauer hingegen nicht. Etliche Filme sind bereits in der Postproduktion, wo deutlich einfacher nach Hygienekonzept gearbeitet werden kann. dazu die ganzen ausgefallen oder verschobenen Kinostarts. Ich denke damit sollte das Kinoprogramm mindestens bis zum nächsten Sommer gesichert sein. Im Zweifelsfall könnten auch einfach mal wieder ein paar Klassiker aufgeführt werden. Dazu müsste jedoch beispielsweise Disney als Akt der Solidarität das Archiv öffnen.

    Aber ein Blade Runner Double Feature hätte schon was. Oder Jurassic Park auf der großen Leinwand. Oder oder oder.

    Wenn es gut läuft, wird ab Herbst wieder gedreht. Vielleicht gibt es auch ein paar Filme wie „Gott des Gemetzels“ oder so, wo das mit der Quarantäne leichter umzusetzen ist. Ich mache mir da jedenfalls was das Filmangebot angeht keine Sorgen

    Gefällt 2 Personen

    • Klar, im Moment ist das nächste Jahr dank der Verschiebungen ja eher zu voll. Da wird vermutlich noch Material nach 22 verschoben. Und ja, es ist für die Arbeitnahemer schwer tragbar, letztlich dann aber auch für die Filmemeacher ein Problem, wenn etwa der beste Beleuchter zwangsläufig in eine andere Branche wechselt und aus Hollywood weggeht. Auch ist es „normal“ geworden, dass jede Woche 10 bis 15 Filme neue erscheinen. Wenn man das (warum auch immer) halten will, dann muss man wohl wieder loslegen. Mal ganz abgesehen von netflix und Co., die Angst haben ohne neuen Stoff ihre Abos zu verlieren.

      Und Disney macht ja mehr oder weniger klar, dass sie Angst vor der Konkurrenz ihres eigenen Katalogs haben. jedenfalls im Kino. Nach Disney+ noch mehr. Nun sollen ja nichtmal mehr physische Medien mit den Klassikern drauf erscheinen, die sollen nur noch bei Disney+ (in „bearbeiteter“ Version) zu sehen sein…

      Und ja, es wird sicher auf kleine Produktionen, zwei, drei Personenstücke, oder eben „Corona-Filme“ mit Darstellern verteilt über verschiedene Räume hinauslaufen. Und das ist ganz okay.

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