Filmische Lehren: außerirdischer Erstkontakt

Heute wollen wir einmal der Idee wiedersprechen, aus Filmen könne man nichts lernen. Völliger Unsinn, offensichtlich. Nehmen wir einmal eine vollkommen realistische, ja annähernd alltägliche Situation an: Ihr seid die ersten Menschen, die auf Aliens treffen. Filme haben Euch alles Rüstzeug mitgegeben, um mit dieser Situation umzugehen. Also hier auf der Erde. Denn wenn wir ehrlich sind stellt sich nur hier wirklich die Frage, ob die Aliens gut oder mörderisch sind. Folgt man dem Notruf eines Raumschiffs, oder ist der Kontakt zu einem Außenposten vor Wochen abgerissen, dann werden die Aliens, die man da trifft sicherlich nicht freundlich sein. Aber für diese Situationen ein Tipp, auch wenn es nicht unser Thema ist: Vorsicht nicht nur vor offensichtlich feindlichen Aliens, sondern auch vor scheinbar freundlichen Androiden. Es sei denn sie heißen Bishop.

Aber jetzt mal los. Wir reden hier über die unauffällige, persönliche Art des Erstkontakts. Also nicht die Art, bei der riesige UFOs den Himmel bekannter Städte verdunkeln und Sehenswürdigkeiten zerlasern. Da kann ich Euch auch nicht helfen. Ihr seht also vor dem Nachthimmel etwas herabstürzen und begebt Euch auf direktem Weg dorthin, um herauszufinden, worum es sich handelt. Wenn die Wesenheit, die Ihr dort trefft, Drohgebärden zeigt, die denen irdischer Tiere entsprechen, dann nehmt sie lieber ernst! Haltet Hände, Füße und Gesicht entfernt von dem Wesen und versucht Euch zurückzuziehen. Sicherlich, es ist möglich, dass das Wesen eigentlich total lieb ist und bloß genauso viel Angst vor Euch hat wie Ihr vor ihm, aber dann überlegt mal, wie schlecht es sich später fühlen würde, weil es Euch hier den Kopf abgebissen hat. Diese Vorsicht gilt übrigens unabhängig von der Größe des Wesens. Egal wie klein es ist, Ihr habt Keine Ahnung wie sich die Bedingungen der Erde auf seine Größe auswirken. Oder ob es in eine Eurer Körperöffnung schlüpft und womöglich dort wächst (unangenehm!). Oder ob nicht im dramatisch/komischen rechten Moment seine viel größere Mama aus dem Dunkel tritt.

In den 50ern war das alles noch deutlich einfacher. Da war ein Alien halt immer eine plumpe Allegorie auf die böse Sowjetunion, nur eben aus dem Weltall. Aber trotzdem böse.Der Blob der alles gleichmachen will, halt. Immerhin ging man damals mit gut dreißig Jahren noch als Teenager durch, aber das ist ein ganz anderes Thema. Heute ist das alles schwieriger, man sieht dem Alien seine Gemeinheit nicht mehr unbedingt an,

Erinnert das Wesen etwa an einen Clown (oder Klown), dann ist eine sofortige Flucht in die exakt andere Richtung mehr als angebracht. Entweder wird das umliegende Gebiet über Jahrmillionen zu den Jagdgründen eines interdimensionalen Angstfressers, oder es will Dich einfach nur in blutige Zuckerwatte verwandeln. Beides rechtfertigt eine entsprechende Fluchtreaktion.

Wirklich haarig wird es, wenn die Wesen behaupten in Frieden zu kommen. Gut, handelt es sich um riesige verformbare Roboter, die sich „Decepticons“ nennen, ist Skepsis angebracht. Das ist recht offensichtlich. Weniger offensichtlich ist, dass wenn sie sich „Autobots“ nennen alles in Butter ist.

Was wenn es kleine grüne Männchen mit Skelettgesicht und großem Hirn sind? Ist es da pures Vorurteil ängstlich zu reagieren? Was wenn sie wie Menschen aussehen, aber in Wirklichkeit Echsenwesen mit verdächtigen, kulinarischen Vorlieben sind?

Es scheint fast, als könne man bei den sogenannten friedliebenden Aliens kaum gewinnen, aber dann plötzlich sind es irgendwelche spitzohrigen Typen in Bademänteln, die die Erde in die Vereinte Föderation der Planeten aufnehmen wollen. Da sieht man dann eben auch wieder blöd aus, wenn sie einem „Lebe lange und gedeihe!“ wünschen, dieses Ding mit den Fingern machen und man läuft schreiend davon.

Daher ist mein persönlicher Rat zum Umgang mit herabfallenden fremden Objekten: haltet Euch einfach fern. Tut so als hättet Ihr nix gesehen und lasst es für Stephen King liegen.

(Mal ganz davon ab, dass der Clip ein ganz neues Fass aufmacht: außerirdische Mikroorganismen. Aber dieses Fass lässt sich zum Glück kurz und knapp als „nicht gut“ zusammenfassen und bestärkt dadurch nur meine ursprüngliche These)

Denn was ist das „Beste“ was passieren kann? Ein pelziger, außerirdischer Chaot, der Eure Wohnung regelmäßig verwüstet, Sprüche Reißt und Eure Katze fressen will? Ein schrumpeliger Leuchtefinger, der dank interstellarer Kommunikation Eure Telefonrechnung an Orte bringen will, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat? Ein McDonalds-süchtiges Etwas mit eingefrorenem Gesicht, verkleidet als Teddy-Bär? Eklig!

Der letze Sohn eines toten Planeten, der auf gelbe Sonneneinstrahlung derart heftig reagiert, dass er Euch schon als Säugling in die Stratosphäre pupsen kann? Und solltet Ihr seine Kindheit (und Pubertät!) wider Erwarten überleben, sucht er eine Karriere bei der Zeitung? Ich muss Euch wohl nicht sagen, wie düster die Aussichten für gedruckte Periodika in gut 20 Jahren sind, oder? Und all das gilt, bevor wir über den unausweichlichen Ärger mit Geheimdiensten reden. Und das sind keine lustigen Kerle wie Will Smith, die Euch „Blitzdingsen“. Das sind Unsympathen, die Euch in irgendeiner Blacksite verschwinden lassen.

Von daher, wenn Ihr etwas vom Himmel fallen seht, lauft nicht hin, bleibt zu Hause, haltet Türen und Fenster geschlossen. Oder, falls Ihr ganz sicher gehen wollt, setzt Euch ins Auto und fahrt in die entgegengesetzte Richtung. Nur für ein paar Tage. Bis Ihr sicher sein könnt, dass es keine Riesenspinnen waren. Oder eine Farbe. Oder irgendein anderer mörderischer Kram. Wenn aber natürlich die Dreibeine schon in den Vorgärten verbuddelt sind, dann hilft auch alle Vorsorge nicht mehr.

Aha, ruft der aufmerksame Leser nun, und was ist mit der Aufnahme in die Föderation? Niemand baut mir eine Statue, wenn ich dabei weglaufe. Okay, stimmt. Was aber wenn eine kybernetische Schwarmintelligenz, deren Wege sich mit denen der Föderation in der Zukunft kreuzen, eine Gruppe in der Zeit zurückschickt um genau diesen Erstkontakt zu sabotieren? Wer hat die Zeit und Energie sich damit auseinanderzusetzen? Nee, dann schon lieber Feigling.

7 Gedanken zu “Filmische Lehren: außerirdischer Erstkontakt

  1. Pingback: Das Bloggen der Anderen (08-02-21) | Filmforum Bremen

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