Lustiges Taschenbuch Sonderedition Film – 1

Ich gebe zu, das Lustige Taschenbuch lese ich nicht eben häufig. Als Kind hatte ich einen ordentlichen Stapel, aber der ist vor langer Zeit an jüngere Verwandte gewandert. Aber hey, eine Sonderedition mit dem Thema Film klingt doch interessant. Und irgendwo habe ich gelesen, dass in einem der vier Bände dieser Sonderedition eine Ghostbusters-Variante zu finden ist. Damit ist das definitiv relevant für meine Interessen.

Ich bin mir bewusst, dass die Zielgruppe des LTB vermutlich ca. 10 Jahre alt ist und dass ich da seit einigen Jahrzehnten nicht mehr dazugehöre, aber ich schaue es mir einfach mal aus der Perspektive eines interessierten Erwachsenen an. Falls mir, als höchstens gelegentlichem Entenleser (Barks und Rosa), Charaktere nicht bekannt sein sollten, werde ich das hier deutlich machen.

Die Geschichten sind keine direkten Adaptionen von Filmen, die die bekannten Disney-Figuren einfach in die Rollen setzen, sondern sie nutzen die Idee des Films meist, um eine eigene Geschichte zu erzählen. Wie erfolgreich sie dabei sind, will ich im Folgenden für jede Geschichte mal aus meiner Warte schildern.

Der Legendäre Huntron

Autor:Stefano Ambrosio
Zeichner: Viatale Mangiatordi

Goofy zockt ein Computerspiel. Micky hat keine Zeit ihm Gesellschaft zu leisten, da Kreditkartenbetrüger Online-PINs stehlen und ein Detektivprogramm der Polizei lahmgelegt haben. Aber ein Antivirenprogramm schaufelt er doch auf Goofys Laptop. Der wird kurz darauf, durch eine Kettenreaktion altersschwacher Haushaltgegenstände in seinen Computer gezogen. In eine ‚Tron‘-Welt, wo ihn das Programm Mickybit um Hilfe bei der Befreiung von Huntron aus der Hand von Verbrechern bittet.

Huntron trägt die Gesichtszüge von Komissar Hunter, die bösen Programme natürlich das von Kater Karlo. Eine hübsch gemachte Geschichte, die vor allem von ihren liebevollen Zeichnungen lebt. Wenn etwa ein riesiger Karlokopf den Lichtbogen eines Lightcycles Pacman-artig wegmampft. Ich bin mir nicht sicher, wie verständlich die Geschichte für heutige Kinder ist, die vermutlich nicht ‚Tron‘ aber Multiplayerspiele kennen. Für die ist Goofys Idee, es sei nur ein sehr realistisches Computerspiel vielleicht gar nicht so weit hergeholt. Aber wie gesagt, eine nette Geschichte.

Kampf der Piraten

Autoren: Pat & Carol McGreal
Zeichner: Marco Gervasio

Die Geschichte hat immerhin einen ungewöhnlichen Aufhänger. Dagobert macht auf Elon Musk und hat sich von Daniel Düsentrieb eine Rakete bauen lassen, die zum Mars fliegen soll. Wichtiger aber noch, es ist ein Gerät an Bord, das den Mars verjüngt(!) und so bewohnbar machen soll (ooo-kay?). Die Rakete stürzt jedoch ab und das Gerät löst sich in einem Feuerball auf. Es ist durch die Zeit gewandert in die Karibik des späten 17. Jahrhunderts (ooo-kay?!), weiß der Ingenieur. Kein Ding, ihm ist ja nix zu schwör, bastelt Düsentrieb eben ein neues Zeitreisedings und die Entenschar reist hinterher, um es zurückzubekommen. Allerdings hat die verjüngende Wirkung des Terraform-Geräts bereits zur Mythologie der Karibik beigetragen. Unsere Filmverbindung erscheint hier in Form des ungewöhnlichen aber attraktiven Piraten Jack Spaniel.

Jap, Vorlage war, wenigstens ein bisschen, Fluch der Karibik. Allerdings ist der Jungbrunnen nix magisches, sondern zeitgereiste, düsentriebsche Ingenieurskunst (zugegeben, schwer von Magie zu unterscheiden). Ein angenehm verrückter Einstieg führt dann aber zu einer schwungvollen Piratengeschichte. Daisy als Piratenbraut, Donald und Dagobert laufen über die Planke, alles sehr hübsch inszeniert. Und vermutlich besser als so manches Fluch der Karibik Sequel (zugegeben, nicht das höchstmögliche Lob). Einzig das Ende war mir dann etwas zu wirr.

Wahnsinn im Hotel

Autor: Gianfranco Cordara
Zeichner: Andrea Ferraris

Oha, dachte ich, als ich den Titel im Inhaltsverzeichnis las, das wird doch nicht ‚The Shining‘ werden, oder? „All work and no play, makes Donald a dull boy.“ Aber nein, natürlich nicht, das wäre wohl ein Tick (wenn nicht gar ein Trick oder Track) zu viel für dieses Buch. Donald, Dussel und Hubert Bogart (eine füllige Ente im Trenchcoat, die mir nicht bekannt war) wurden von einem Hotel angeheuert, weil dem Stargast, Regisseur Quackantino, der Blaubeerkuchen gemopst wurde. Den Täter gilt es nun zwischen allerlei Filmanspielungen und Wahnsinn zu finden.

Eine wilde Geschichte ohne viel stringente Handlung, in der die Panzerknacker in schwarzen ‚Reservoir Dogs‘ Anzügen statt in Sträflingsmontur auftreten und Dussel und Hubert Tarantino-Dialoge nachstellen. Und ja, Shining bekommt doch einen Wink, wenn die Protagonisten mehrfach von einem Jungen auf einem Dreirad in den Gängen über den Haufen gefahren werden. Ganz schön wild, aber ganz lustig. Erneut frage ich mich aber, wie viel von den Zitaten die Zielgruppe eigentlich versteht.

Gehen wir ins Kino? Der Western

Autor: Marco Bosco
Zeichner: Stefano Zanchi

Eine kurze Geschichte, die typische Westernklischees anschaulich darstellt. Hübsches Format, aber der Western ist dafür vielleicht unglücklich gewählt, weil da doch oft genug Gewalt im Mittelpunkt steht, die hier höchstens leise angedeutet werden kann. Wurscht, Goofy als (gar nicht so) namenloser Held macht schon was her.

Ein entspannter Filmnachmittag

Autor: Marco Bosco
Zeichner: Ottavio Panaro

Primus von Quack und Daniel Düsentrieb gehen ins Kino, um bei Mambo 12 mit Sylvester Kanone mal abzuschalten. Doch Primus erkennt im Bildhintergrund eine seltene Pflanze und beginnt sofort mit der Arbeit an einem wissenschaftlichen Paper, während Düsentrieb einen selbstfahrenden Dschungelpanzer entwirft, der Mambos Arbeit deutlich erleichtern würde. Die Handlung engleitet ihnen dabei ein wenig. Hübsche, wenn auch notwendig oberflächliche  Rambo Parodie im Hintergrund und eine Darstellung dieser Leute, die während eines Films einfach nicht abschalten können. Hat mir gefallen.

Der Park der Monster

Autor: Carlo Gentina
Zeichner: Carlo Gentina

Ziemlich bekloppte ‚Jurassic Park‘ Variante. Dagobert will einen Mosterpark auf einer Insel eröffnen. Die Monster sind natürlich harmlose Roboter. Doch der Entwickler der Roboter ist in Wirklichkeit ein Alien, das in Wirklichkeit ein Roboter ist und die entwickelten Roboter sind gar nicht harmlos, sondern sollen die Welt erobern. Nix für mich und ist mir dann auch vom eigentlichen Filmthema viel zu weit weg.

Gehen wir ins Kino? Historienfilme

Autor: Marco Bosco
Zeichner: Sergio Asteriti

Wieder werden typische Klischees des Genres vorgestellt, diesmal anhand dreier sehr kurzer Geschichten. Hier zünden einige Witze für mich sehr gut, etwa der Schlachtplan von Goofys Version von Julius Cäsar: „Hingehen, gucken und gewinnen.“ Etwas merkwürdig, wie wenig historisch die Historienfilme hier sind. So soll Cäsar beim Kaiser angeschwärzt werden. Hö? Aber vielleicht war genau das die Idee, ein Hinweis darauf, dass „Historienfilme“ meist alles andere als faktentreu sind.

Wer zuletzt lacht

Autor: Carlo Panaro
Zeichner: Valerio Held

Dagobert hat ein Filmstudio gekauft. Da es günstig sein musste, natürlich eines, das seit Stummfilmzeiten geschlossen ist. Doch, welch ein Glück, da findet sich eine Filmrolle mit einem unbekannten Werk von Stummfilm-Komikstar „Grinske“. Damit ließe sich für Pfennigfuchser Dagobert sicher Geld machen. Mit Daniel Düsentriebs Hilfe ist der im Handumdrehen restauriert, doch das Ende ist zu zerstört. Macht nix, das Drehbuch ist vorhanden und in der Nähe wohnt ein Nachfahre Grinskes. Drehen die Ducks den Schluss halt einfach nach. Problem: Grinskes Nachfahre ist ein notorischer Humorfeind.

Hat mir gut gefallen. Ich gebe zu, mit dem Stummfilmsetting hatte die Geschichte mich aber eh schon. Schön fand ich die Anspielungen auf Donalds Slapsticktalent, da die Ente aus den alten Kurzfilmen sich durchaus vom Comicerpel unterscheidet, was hier immerhin etwas angedeutet wird.

 Die Grosse Reise

Autor: Pat & Carol McGreal
Zeichner: Ferioli

Donald und Micky (der hier plötzlich seine klassische kurze, rote Hose trägt) werden von Magier Randalf (so langsam gehen mir die „lustigen“ Namensversionen etwas auf den Geist…) in die Mittelwelt geschickt um einen Drachen zu besiegen. Ja, es ist eine Hobbit Adaption. Dabei pickt sie sich ein paar Situationen aus der Geschichte heraus, die hier in oft komischer Weise kommentiert werden. So darf sich Donald über die stets im richtigen Moment auftauchenden Adler wundern und Randalf muss immer dann grad dringend weg, wenn es ernst wird. Mit 20 Seiten ist das nix halbes und nix Ganzes. Wo Peter Jacksons Trilogie viel zu lang war, ist hier schlicht zu wenig Raum und das zweite Frühstück wird bestenfalls halbgar.

Der Verschwundene Regisseur

Autor: Staff di IF
Zeichner: Comicup Studio

Regisseur Alfred Mitchcock ist verschwunden! Gerade hat er noch mit Micky und Co. drei Filme gedreht, als er plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist. Ein Filmfestival mit den drei Filmen wird veranstaltet, um eine Suche nach dem Meister zu finanzieren. Hat er womöglich in diesen Filmen Hinweise auf sein Schicksal versteckt?

Die Parodie auf Hitchcocks Das Fenster zum Hof, mit Kater Karlo als Helden(!) waren vermutlich meine liebsten Seiten des ganzen Buches. Überhaupt fand ich den gesamten Ansatz der Geschichte sehr stimmungsvoll. Die Auflösung enttäuscht dann leider, macht aber nicht wirklich viel.

Und das war auch schon der erste Band. Den würde ich mal als unterhaltsam-durchwachsen bezeichnen. Ich hatte durchaus meinen Spaß damit, aber es ist fraglos noch Luft nach oben. Faszinierend finde ich, dass mit den Disney Charakteren quasi jede Geschichte erzählt werden kann, sie sich in sie einfügen und dennoch wiedererkennbar bleiben. Direkte Filmadaptionen fände ich vermutlich besser als die hier gezeigten „inspirierten“ Geschichten, aber die haben immerhin den Vorteil, dass man nicht von Anfang an weiß, wohin der oftmals doch recht wilde Ritt geht.

Die LTB Sonderedition erscheint bei Egmont Ehapa Media GmbH und ist für 8€ pro Band mit ca. 300 Seiten erhältlich.

10 Gedanken zu “Lustiges Taschenbuch Sonderedition Film – 1

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