Die Lebenserwartung von Franchises Teil 1

„Kein Franchise wird jemals wieder sterben dürfen!“ Das ist so ein neunmalkluger Satz, den ich gern, vor allem beim Newslichter verwende. Allerdings bin ich ein Scharlatan, der keine Ahnung hat, wovon er spricht. Darum traue ich solchem Blödsinn, den ich von mir gebe erst einmal nicht. Von daher lohnt es sich vermutlich, diesen Satz mal genauer zu untersuchen. Er sagt genau genommen zwei Sachen aus. Explizit, eben genau das was da steht, jetzt und in Zukunft wird kein Filmstudio (dies ist ein Filmblog, deshalb schränke ich diesen unachtsam allgemein formulierten Satz einmal auf dieses Medium ein) mehr ein Franchise „sterben“ (oh, diese Anführungszeichen sind ein Omen) lassen. Implizit sagt er aber auch, dass es mal eine „gute alte Zeit“ gab, in der Franchises gestorben sind.

Prima, das sind doch Dinge, die sich mit vermutlich minimaler  Recherche leicht be- oder widerlegen lassen! Dachte ich. Weil ich ein Scharlatan bin. Ein Nixwisser, ein Trottel, der mit seiner Zeit nicht umzugehen weiß. Also dann, definieren wir doch mal was ich mit „Franchises“, die für die Aussage qualifiziert sind, meine.

Erst mal natürlich Filmfranchises. Also eine Filmreihe mit mehr als einem Film, die in derselben Kontinuität spielen, oder die wenigstens thematisch eng zusammenhängen. ‚Ghostbusters‘ etwa, um mal ein völlig zufälliges Beispiel zu wählen. Allerdings wächst so ein Franchise natürlich schnell über den Film hinaus. Im Fall von ‚Ghostbusters‘ mit Zeichentrickserien, Spielzeug, Videospielen, Brettspielen und Tonnen von Merchandise. Was bedeuten könnte ein Franchise „stirbt“ als Filmfranchise, überlebt aber in einer anderen Nische.

Das gilt natürlich noch mehr für Franchises, die schon bestehen, bevor es einen Film gibt. Die können sich wohl auch mit einem Film schon als „Franchise“ im Sinne des Satzes qualifizieren. Zahllose Videospiel- oder Comicverfilmungen, etwa. Wenn dieser eine Film schlecht genug läuft, um ein solches Franchise zu zerstören, wäre es sicher qualifiziert. Kann man (oder wenigstens ich) sich aber kaum vorstellen. Die Ninja Turtles dürfte es kaum an ihrer harten Schale kratzen, dass die letzten beiden Filme eher so mittel waren. Dafür haben sie zu viele Eisen im Ooze. Ein Super Mario oder Assassins Creed werden ihre mäßigen Filme in ihren Hauptabsatzmärkten, den Spielen, kaum bemerken.

Eine Einschränkung wird allerdings an dieser Stelle nötig. In meinen Augen sind nicht alle ‚Dracula‘ Filme, alle ‚Sherlock Holmes‘ oder alle ‚Robin Hood‘ Filme usw. ein Franchise. Das sind verschiedene Verfilmungen derselben literarischen Figur. Allerdings gib es innerhalb dieser zahlreichen Verfilmungen durchaus wieder Franchises. Etwa die Universal Dracula-Filme. Oder die der Hammer Studios. Bei Holmes die 14(!) Rathbone/Bruce Produktionen, oder die im Vergleich kümmerlichen zwei Downey jr./Law Filme.

Was definitiv auch nicht gilt, sind versuchte, aber schon im Ansatz gescheiterte Franchises. ‚John Carter‘? Kein Franchise. Das „Dark Universe“? Kein Franchise. Die Filme, die als solches qualifiziert werden könnten, wie ‚Invisible Man“ erscheinen sicher nicht zufällig ohne dieses Branding. Hier gab es nie ein Franchise, das hätte „sterben“ können.

In Ordnung, damit haben wir die Idee des Wortes „Franchise“ in meiner Aussage gut genug umrissen, um uns auf die Suche nach Beispielen zu machen. Kommen wir jetzt zur Definition des Wortes  „sterben“ (und hier verabschieden sich vermutlich auch die letzten paar Leser). Dieses Wort ist schwierig. Denn es gibt einen Unterschied zwischen „sterben“ und „enden“. ‚Zurück in die Zukunft‘ hat geendet. Es ist in keiner Art und Weise gestorben. Es gibt immer noch Fans, immer noch neue Veröffentlichungen der Filme und Bildbände, Spiele, Hintergrundmaterial usw.. Vor allem hängt aber immer noch das Damoklesschwert des Remakes über der Reihe. Also, eine Reihe, die noch mit anhaltendem Erfolg beendet wird endet. Sterben tut ein Franchise, bei dem langsam Erfolg und Budgets immer kleiner werden, die Filme immer schwächer, bis das Franchise ein klägliches Ende nimmt. Ein Musterbeispiel hierfür wären die ‚Planet der Affen‘ Filme. Wären sie, wenn sich hier das Damokles-Schwert des Reboots/Prequels nicht als kleiner Segen erwiesen hätte und für drei gelungene Filme vor ein paar Jahren gesorgt hätte. Was natürlich in gewisser Weise meine Aussage bestätigt. Aber soweit sind wir noch nicht. Aber ja, ich gebe zu, der „Tod“ eines Franchises ist schwer zu bestimmen. Solange noch ein leises Echo seines Namens durch die Popkultur geistert, kann es jeder Zeit wieder auferstehen. Aber gemeint ist hier mit „Sterben“ „aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitestgehend verschwunden, abgesehen vielleicht von einer kleinen Gruppe Fans“.

So damit haben wir, sicher keinen wissenschaftlichen Standards standhaltenden, aber für unsere Zwecke genügende Definitionen der Begriffe „Franchise“ und „sterben“ im medialen Sinne geschaffen. Jetzt geht die Recherche los. Eine Recherche, die weit anstrengender war, als ich mir das vorgestellt hätte. Doch dazu werden wir mehr in Teil zwei sehen.

Damit dieser Teil aber irgendeinen halbwegs unterhaltsam/informativen Inhalt hat und nicht gänzlich aus trockenen Definitionen besteht, schauen wir doch erst einmal das genaue Gegenteil eines gestorbenen Franchises an. Was ist das langlebigste Film-Franchise? Mein Bauchgefühl sagte sofort, in einer very sophisticated Stimme: „Bond, James Bond!“

Und, zugegeben, der Geheimagent ihrer Majestät hat beste Karten (wie bei jedem Baccara-Spiel), um zu gewinnen. Seit 1962 erschienen 24 (demnächst 25) offizielle Filme von Eon und zwei „inoffizielle“. Trotz wechselnder Darsteller und sich verändernder Kontinuität bilden die Filme ein einheitliches Franchise. Tatsächlich könnte Bond sogar gewinnen. Wenn wir die Definition etwas strecken, um eine Fernsehverfilmung von ‚Casino Royale‘ aus dem Jahr 1954 mit einzuschließen. Hier hieß James allerdings „Jimmy“ und arbeitete (schockschwere Not!) für die CIA. Doch während wir noch mit solchen Dehnübungen beschäftigt sind, ertönt ein markerschütternder Schrei und „Jimmy“, samt Tux und Martiniglas, wird von einem weißen Glühen auf seine subatomaren Bestandteile reduziert.

‚Godzilla‘ ist hier, um uns daran zu erinnern, dass er seit 1954 in 32 japanischen und vier amerikanischen Filmen aufgetreten ist (und zwar donnernd). Sicherlich, man könnte hier argumentieren, ob es sich tatsächlich um ein einziges Franchise handelt, da die Filme von verschiedenen Studios gehandhabt wurden, es verschiedene Kontinuitäten gibt und auch der Tonfall der einzelnen Filme oft genug extrem unterschiedlich ist. Doch ganz Ähnliches könnte man über Bond sagen. Und vermutlich bleibt das auch gar nicht aus, bei einer Filmreihe, die Jahrzehnte umspannt. Aber Godzilla hat einen festen Platz in der Popkultur, hohen Wiedererkennungswert und hat sich bereits mehrfach mit King Kong und, im Comic, mit den Avengers geprügelt. Und er ist Ehrenbürger von Tokio. Sorry, aber da kann so ein Geheimagent einfach nicht mithalten. Godzilla ist nicht nur König der Monster, er ist auch der Ludwig XIV. unter den Franchises, was die Amtszeit angeht. 

Doch beide dieser ewiglangen Franchises werden uns sicher auch durch die absehbare Zukunft begleiten. Werden sich weiterändern und weiterwachsen. Wir werden uns nächste Woche für den zweiten Teil wiedersehen, wo wir uns hoffentlich ein paar tote Franchises angucken können. Wenn Ihr bis dahin ein paar weitere besonders langlebige (womöglich noch langlebiger als die atomare Echse?) Franchises in die Kommentare posten wollt, würde ich mich darüber sehr freuen. Bis dann.

5 Gedanken zu “Die Lebenserwartung von Franchises Teil 1

  1. Wenn nicht die Dauer, sondern die Zahl der Filme zählt, dann könnte Tora-san der Rekordhalter sein. Jedenfalls hängt er in dieser Disziplin seinen „Landsmann“ Godzilla noch deutlich ab. Auch nicht schlecht schlägt sich Zatōichi (auch wenn man die TV-Serie weglässt). Und jetzt kommt’s: Während Godzilla bislang 67 Jahre auf dem Buckel hat, bringt es Tange Sazen auf 76 (1928-2004, etliche Filme werden im engl. Wikipediaartikel unterschlagen, aber im französischen aufgeführt). Da muss die Echse also noch ein paar mal ran.
    Natürlich unterscheiden sich auch diese Filme voneinander, aber soviel ich weiß, eher im Breich von Bond oder Godzilla als wie bei Holmes.

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    • Zatoichi und Tange Sazen werden auf jeden Fall nächste Woche erwähnt. Wobei ich argumetieren würde, dass die eigentlichen Franchises beendet sind, es aber noch immer wieder einzelne Filme gibt. Etwa wie bei Tarzan. Aber das wird rein von der Definition her schwammig.

      Es ist aber eindeutig, dass Japan in langlebigen Frachises führend ist.

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