Newslichter Ausgabe 154: Michael K. Williams und Jean Paul Belmondo

Willkommen bei Ausgabe 154 des Newslichters. Es war wahrlich nicht geplant, doch ist diese Woche des Newslichters zu einer der Nachrufe geworden. Zwei grandiose Darsteller starben am selben Tag. Es hat sich dann natürlich irgendwie unangebracht gefühlt noch weitere, alberne Nachrichten dazuzusetzen. Daher auch ohne lange Vorrede:

Jean Paul Belmondo ist tot

Am sechsten September diesen Jahres starb Jean Paul Belmondo an natürlichen Ursachen. Er war 88 Jahre alt. Als ich in den 90ern ein ernsthaftes Interesse am Film entwickelte war Belmondo eine ebenso interessante wie mysteriöse Gestalt. Er war ein Darsteller, den man quasi nur in der Rückschau erleben konnte. Heute ist klar, das lag daran, dass seine Filme in den 90ern schlicht keinen deutschen Verleih mehr finden konnten. Doch damals, es war seltsam, war er für mich quasi ein Gesicht des „klassischen“ Films. Wobei er natürlich das exakte Gegenteil war. Das Gesicht der französischen Nouvelle Vague, der mit ‚Außer Atem‘ seinen Durchbruch schaffte. Er hatte genau die Art von Kinn, die in den 50ern und 60ern gleichbedeutend mit Männlichkeit war. Doch es war seine gebrochene Nase, die einer Schauspieler-Laufbahn scheinbar im Wege stand. Bis er das Gegenteil beweisen konnte. Mit seinem zerknitterten Gesicht stand er in langer, französischer Tradition (man denke an Jean Gabin), doch hatte er seinen ganz eigenen Charme. Und Charme, so hat er selbst einmal gesagt, ist die Fähigkeit den anderen vergessen zu lassen, dass man so aussieht, wie man aussieht. Das gelang ihm auch über viele Jahre als authentischem Actionstar, der, selbstverständlich, seine Stunts selbst erledigte und einen neuen Typus des Actionstars etablierte, der sicher auch in Hollywood mitverantwortlich für die Übergabe des Staffelstabs von Schwarzenegger an Willis war. Belmondo selbst verzichtete auf Ausflüge nach Hollywood. Doch in Europa hatte er über lange Jahre mit Charme und Schlägen durchaus verdienten Erfolg. In Deutschland vielleicht nicht zuletzt dank Rainer Brandts „Schnoddersynchro“, bei der ihn Brandt auch selbst sprach.

Michael K. Williams ist tot

Ebenfalls am sechsten September diesen Jahres starb Michael K. Williams an bislang nicht vollständig geklärten Ursachen. Er war 54 Jahre alt. Wenn wir oben bei Belmondo über Charme gesprochen haben, dann gilt dies ebenso für Williams. Für mich ist er natürlich untrennbar mit der Serie ‚The Wire‘ verbunden. Sein Omar Little, ein Gangster, der Drogendealer ausraubt, ist ein Charakter, den man schwerlich wieder vergessen wird. Gefährlich, clever, widersprüchlich und vor allem irgendwie verletzlich ist er eine absolut einzigartige Figur. Seine größten Erfolge feierte er sicherlich innerhalb der HBO Programme, neben ‚The Wire‘ etwa als Chalky White in ‚Boardwalk Empire‘. Doch hatte er immer wieder auch Filmauftritte. Und auch hier war es ihm gegeben aus oftmals kleinsten Rollen etwas Erinnerungswürdiges zu schaffen. Ich denke hier etwa an seinen kurzen Auftritt als Dieb in ‚The Road‘. Williams war einer dieser Darsteller, der wirklich jedes Projekt durch seine Mitarbeit aufwertete. 54 Jahre ist natürlich viel zu jung. Ich werde mich hier nicht an Spekulationen über eine Todesursache beteiligen, ich bin aber durchaus ein wenig erschüttert.

6 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 154: Michael K. Williams und Jean Paul Belmondo

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