Top 10 Filme von damals 1990 Platz 5 bis 1

Und weiter geht es mit der oberen Hälfte der deutschen Kinocharts von 1990. Einleitende Worte und die untere Hälfte findet Ihr im ersten Teil.

5. ‚Der Rosenkrieg‘

Hollywood in den 80ern (und durch einen guten Teil der 90er) war der Kernfamilie verhaftet. Mutter, Vater, Tochter, Sohn und Katze/Hund. So war die Familie von der Sitcom bis zum Blockbuster aufgestellt. Als in den 80ern „Scheidung“ ein Thema wurde, über das man laut in der Öffentlichkeit sprechen konnte, ohne gesellschaftlichen Ausschluss fürchten zu müssen, war das für Hollywood lange ein schwieriges Thema. Scheidung war im Film allzu oft ein moralisches Versagen, meist aus der Sicht von Kindern geschildert, für die es, natürlich, den absoluten Alptraum darstellte. Kurz, es war ein Thema, das man höchstens mit ausgestreckten Fingerspitzen anrührte. Und dann kam Danny DeVito mit einer seiner seltenen Regie-Arbeiten und blutgrätschte mittenrein. Sein Rosenkrieg zwischen Kathleen Turners und Michael Douglas‘ Charakteren ist derart überzogen, derart schwarzhumorig augenzwinkernd, dass DeVito sich gar selbst als Scheidungsanwalt besetzt, der seine Mandanten mit eben dieser Geschichte von der Scheidung abhalten will. Gerade in Deutschland war der Film derart einflussreich, dass sein Titel, der sich auf die Kriege zwischen den britischen Adelshäusern York und Lancaster (beide mit Rosen im Wappen) bezieht, hier zum geflügelten Wort für eine hässliche Scheidung wurde. Das sorgte zwar nicht dafür, dass Hollywood mit dem Thema besser umgehen lernte, es sorgt aber wenigstens bei mir dafür, dass ich mir mehr Regiearbeiten von DeVito gewünscht hätte.

4. ‚Arielle – Die Meerjungfrau‘

Der letztlich recht bescheidene vierte Platz in den deutschen Charts lässt es kaum ahnen (wir haben in früheren Jahren gesehen, dass Disney selbst mit Wiederaufführungen hier Platz 1 erreicht), doch ‚Arielle‘ ist die Wende für Disneys dunkelste Jahre. Man besinnt sich auf alte Werte, ein disneyfiziertes Märchen (und wenn man das finstere Andersen-Original kennt ist das hier ordentlich disneyfiziert), eine Prinzessin im Mittelpunkt und vor allem die Rückkehr zum klassischen Musical-Stil. Der letzte Punkt geht auf Komponist/Produzent Howard Ashman zurück. Sieben Songs komponierte er gemeinsam mit Alan Menken. Letzterer war danach an allen großen Disney-Zeichentrick-Erfolgen der 90er beteiligt. Ashman machte zwei Tage nachdem er den Oscar für „Under The Sea“/“Unten im Meer“ als bestem Song erhielt öffentlich, dass er an AIDS erkrankt sei. Er starb 1991. Neben den gelungenen Rückgriffen auf Bewährtes gab es aber auch einen ordentlichen Schritt in die Moderne, insoweit digitale Fotografie und vor allem digitale Kolorierung Einzug in den Produktionsprozess hielten. Auch wurden Kleinarbeiten, etwa aufsteigende Luftblasen (und davon gibt’s viele), an ein chinesisches Studio ausgelagert. Tatsächlich waren die Produktionskosten letztendlich so hoch, dass ein erneuter Fehlschlag möglicherweise endgültig die Lichter bei Disney hätte ausgehen lassen. Ich brauche wohl niemandem zu erzählen, dass es anders kam. Mist, jetzt hab ich gar nichts zum Film gesagt: ich mag ihn, finde jedoch, dass er sowohl von klassischem Disney und einigen späteren 90er-Arbeiten übertroffen wird. ‚Arielle‘ ist jedoch exakt die benötigte Brücke zwischen dem klassischen Disney und dem der 90er. Insofern ein wichtiger Film.

3. ‚Werner – Beinhart!‘

Kann man sich ein besseres Anti-Disney-Programm für den nächst höheren Platz ausdenken als Werner? Vermutlich nicht. Seit den späten 70ern veröffentlichte Rötger „Brösel“ Feldmann Comics rund um Werner. Eine autobiografisch gefärbte Figur, die wie Brösel oft Ärger mit TÜV und Polizei wegen unerlaubter Schrauberei am Motorrad hat und wie Brösels Bruder Andi, eine Lehre in „Gas – Wasser – Scheiße“ absolviert. Im Film nun taucht in Realfilmsequenzen Brösel selbst auf, der für Produzent Geldhai einen Trickfilm produzieren muss. Dafür sehen wir zwischendurch immer wieder Zeichentricksequenzen um Werner, seinen entspannten Arbeitskollegen Eckat und ihren Chef, Herrn Röhrich. Die Trickfilmsequenzen sind dabei technisch absolut sauber gemacht. Elegante Animation und gelungene Hintergründe. Diese werden genutzt um Fäkalhumor und andere meist reichlich primitive Witze zu inszenieren. Das und die Tatsache, dass Klaus Büchner (Werner), Andi Felmann (Röhrich) und Kulle Westphal (Eckat) allesamt so sabbeln wie ihnen die norddeutsche Schnauze gewachsen ist und von professionellen Sprechern weit entfernt sind, macht genau den anarchischen Charme dieser Sequenzen aus. Nach diesem Film hat mich Werner schnell verloren, doch ich kann nicht anders als die Zeichentricksequenzen dieses Films fast großartig zu finden. Leider hat der Film mit den mäßigen Realfilmsequenzen einen ordentlichen Klotz am Bein, bei dem man nur fragen kann „Tut das Not?“. Was mich natürlich dazu bringt, dass man über Jahre Werner-Sprüche auf dem Schulhof hören konnte. Aber genuch davon, ich geh jetz ma im Keller gucken, ob die Russen da sind und wenn nich, denn kümmer ich mich umme Leckage am Heizkörper!

2. ‚Kuck mal, wer da spricht!‘

Amy Heckerlings Film war ein Überraschungserfolg. John Travolta gibt einen Taxifahrer (und späterer Babysitter), der die alleinerziehende Mutter Mollie, gespielt von Kirstie Alley ins Krankenhaus fährt, wo sie Baby Mikey zur Welt bringt. Mikey spricht in Gedanken mit der Stimme von Bruce Willis und kommentiert die Welt und das Verhalten der Erwachsenen. Im Deutschen wurde er von Thomas Gottschalk synchronisiert. Eine Tatsache, die dem Film hier vermutlich zusätzlichen Auftrieb verlieh. Thomas Gottschalk war beliebt und einen Film konnte er nicht um zwei Stunden überziehen. Es ist merkwürdig, aber ich kann nichts Sinnvolles zu dem Film sagen. Der lief damals im Fernsehen rauf und runter und war gefühlt jede Woche irgendwo zu sehen. Das hat ihn, wenigstens für mich, irgendwie zu Hintergrundgeräusch gemacht, das ich kaum sinnig kommentieren kann. Auch hab ich ihn seit über 20 Jahren nicht gesehen. Ganz schlecht wird er schon nicht gewesen sein!

1. ‚Pretty Woman‘

Zwei Schauspielerinnen waren in den 90ern die Königinnen Hollywoods. Sandra Bullock und Julia Roberts. Und während Bullock ein paar Jahre Anlauf brauchte, war Roberts pünktlich zum neuen Jahrzehnt zur Stelle. Nicht zuletzt, weil Sandra Bullock die Rolle ablehnte. „Die Rolle“ ist die von Sexarbeiterin Vivian, die Richard Geres Unternehmensplünderer Edward für ein Wochenende als Begleiterin anheuert. Dazu muss sie natürlich lernen, in der hohen Gesellschaft umzugehen und währenddessen kommen sich beide auch romantisch näher. Auch den Film habe ich ewig nicht gesehen. Und das Setup lässt fürchten, dass da einiges drin ist, was mit heutigen Augen „problematisch mit großem P“ sein könnte. Ich habe den Film jedoch als sehr charmant in Erinnerung, vor allem die Chemie zwischen Roberts und Gere.

Und da haben wir die Top Ten. Mit ‚Werner‘ und ‚Die Unendliche Geschichte II‘ sind zwei deutsche Produktionen vertreten, der Rest stammt aus den USA. Werner war allerdings der Film mit der stärksten Startwoche. Mit ‚Die Unendliche Geschichte II‘ und ‚Gremlins 2‘ sind zwei Fortsetzungen vertreten, der Rest sind originelle Ideen. Tatsächlich haben es eine ganze Reihe Fortsetzungen, ‚Ghostbusters II‘, Zurück in die Zukunft III‘ und ‚Stirb Langsam 2‘ nicht in die Top Ten geschafft. Überraschend war für mich die ‚Turtles‘ nur auf Platz 24 zu sehen. Ich hätte gedacht, die waren hier beliebter. Warren Beattys seltsamer Comicfilm ‚Dick Tracy‘ landet gar auf der 40 und Sam Raimis wunderbar irrsinniger ‚Darkman‘ auf Platz 89. Immerhin noch weit vor ‚Tremors‘ auf Platz 97. Deutschland war definitiv nicht „Land der Raketenwürmer“. Insgesamt eine überraschend und originelle Top Ten. Ich bin mir sicher, ich hätte sie falsch zusammengesetzt, wenn man mir eine Liste der Filme des Jahres gegeben hätte.


1991 wird das Jahr von Kevin. Egal, ob er allein zu Haus ist, oder Costner heißt. Ansonsten verhalten sich junge Wiederkäuer ruhig, Pappa steht vor der Tür und eine Maschine rechnet ab. All das und mehr! Bei den nächsten Top 10 von damals.

11 Gedanken zu “Top 10 Filme von damals 1990 Platz 5 bis 1

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