Newslichter Ausgabe 192: vampirische Fake News, teure Filme und Ray Liotta

Willkommen bei Ausgabe 192 des Newslichters. Tom Cruise fliegt wieder und durchbricht an den Kinokassen direkt mal die Schallmauer, mit einer knappen Viertelmilliarde am Startwochenende für ‚Top Gun: Maverick‘. Enttäuschend vermutlich für Wortspiel-affine Kritiker, die schweren Herzens die Überschrift „Flop Gun“ aus ihrer Textverarbeitung löschen müssen. Ich verstehe ihren Schmerz. Aber ich werde wohl auch für mich selbst die Frage beantworten müssen, ob Cruise einen Grund findet, seinen Piloten rennen zu lassen. „Running Track to the Danger Zone“, sozusagen. Eh, „Flop Gun“ wär griffiger gewesen. Legen wir los!

Zum Tode Ray Liottas

Ray Liotta starb am 26. Mai diesen Jahres in der Dominikanischen Republik, wo er sich für Dreharbeiten aufhielt. Er starb im Schlaf und wie man hört völlig überraschend mit nur 67 Jahren. Liotta, am 18. Dezember 1954 geboren, hatte seinen Durchbruch als Darsteller Mitte der 80er mit Jonathan Demmes ‚Gefährliche Freundin‘. Weltbekannt wurde er 1990 mit Martin Scorseses ‚Goodfellas‘, in dem er die Hauptrolle des Gauners Henry Hill spielte. Seitdem war der Darsteller mit dem unverwechselbaren Charaktergesicht sehr auf Rollen als Mafioso und korrupter Cop festgelegt. Ein Image, das er gerne selbst auf den Arm nahm, etwa in einer Rolle mit den Muppets. Selten spulte er aber eine seiner Rollen routiniert ab. Er war stets gewollt, seinen Charakteren etwas Interessantes, einige Nuancen abzugewinnen. Der simple „harte Kerl“ schien ihm stets zu wenig.  Zuletzt war er in ‚The Many Saints of Newark‘ zu sehen, wo er den Großvater von ‚Sopranos‘ Charakter Christopher Moltisanti gab.

‚Morbius’sche Fake News

Nur um eine Sache kurz klarzustellen: es kursiert eine falsche CNN Meldung, dass der dödelige Sony-Flop ‚Morbius‘ eine Fortsetzung bekommen soll. Das ist nicht wahr. Jedenfalls bislang nicht. Das ist eine ironische Forderung von ironischen Morbiusfans ironisch hervorgebracht. Aber vielleicht stellt sich ja noch heraus, dass Ironie eine ähnlich gute Marketingstrategie wie Nostalgie ist. Und dann haben wir bald ironische Nostalgie. Oder nostalgische Ironie. Und Morbius 5. Der ist genau wie der erste Morbius, aber mit Iron Man in der Post Credit Szene, anstatt Vulture. Für den Moment kreisen allerdings tatsächlich eher die Geier über dem gar nicht so lebendigen Vampir.

DER TEUERSTE NETFLIX FILM ALLER ZEITEN!!!

So ganz ist man bei Netflix noch nicht in der neuen Realität angekommen. Gefühlt alle paar Monate wird ein Netflix Film angekündigt, üblicherweise irgendein Actionfilm, der natürlich mit allerlei Superlativen, vor allem aber damit beworben wird, dass er der TEUERSTE NETFLIX FILM ALLER ZEITEN sei. Vor ein paar Monaten war das ‚Red Notice‘, mit Ryan Reynolds, Gal Gadot und Dwayne „The Rock“ Johnson. Mit irgendwas über 200 Millionen Dollar Budget war er in der Tat der teuerste Film von Netflix. Und ich habe nie irgendjemanden über den Film sprechen hören. Das ist natürlich reine Anekdote, aber das scheint das Schicksal dieser Filme zu sein. Sie werden riesig angekündigt, erscheinen und verschwinden sang- und klanglos in Netflixs gigantischem Content Becken. Und nun geht es wieder los. Im Juli erscheint der TEUERSTE NETFLIX FILM ALLER ZEITEN! ‚The Gray Man‘ von den riesig rächenden Russo Brüdern. Mit Ryan Gosling und Chris Evans, die aus vermutlich mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen aufeinander ballern werden. Aber es ist teuer, Mann, so richtig, richtig teuer! Wir sind nämlich ein richtiges Filmstudio! Ich bin schon groß, Mutti, ich darf nach neun Uhr wach bleiben! Ich bezweifle, dass das der letzte dieser TEUERSTEN FILME bleiben wird. Doch wird Netflix zwangsläufig im Angesicht zurückgehender Abonnentenzahlen und eben nicht mehr bodenlosem Kapital zweimal überlegen müssen, ob es sich wirklich lohnt eine Viertelmilliarde Dollar in derartige Bestätigungen der eigenen Bedeutung zu buttern. Einen Film, über den niemand spricht kriegt man jedenfalls auch deutlich billiger. Ich z.B. könnte einen für nur 10 Millionen drehen. Ruf mich an, Netflix!

Wir hingegen sehen uns nächste Woche ganz umsonst wieder. Also gratis, nicht nutzlos. Okay, vielleicht schon ziemlich nutzlos, aber immerhin ein Stück weit unterhaltsam?

4 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 192: vampirische Fake News, teure Filme und Ray Liotta

  1. Im Juli erscheint der TEUERSTE NETFLIX FILM ALLER ZEITEN!

    Vor ziemlich genau acht Jahren endete eine komplizierte wissenschaftliche Studie mit dem schönen Fazit: „Therefore, budget is overwhelmingly the most relevant factor in determining a film’s ultimate prominence. To make a film more notable, Hollywood does not need to spend more money on making it better; Hollywood just needs to spend more money.“ Okay, da ist nicht von Netflix die Rede, aber „Wir sind nämlich ein richtiges Filmstudio!“ … 🙂

    Gefällt 1 Person

Und was meinst Du? (Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..