‚The Batman‘ (2022)

Batman ist wieder da! Jetzt mit bestimmtem Artikel und drei Stunden lang! Ich gebe gern zu, bevor ich ihn gesehen habe, war ich hin- und hergerissen, was diesen Film angeht. Ich bin sehr Superheldenfilm-müde, aber ich mag halt Batman. Ich mag die modernen Planet der Affen Filme, war mir aber gar nicht sicher, ob Matt Reeves Sensibilitäten für diesen Charakter funktionieren würden. Aber gut, es steht Batman im Titel, also würde ich ihn früher oder später eh sehen. Nicht zuletzt, wegen Robert Pattinson in der Titelrolle, als Fledermausmann/Billionär Bruce Wayne. Weil der in den letzten Jahren sehr gut darin war, interessante Projekte auszusuchen. Hier kehrt er in gewisser Weise zu seinen Anfängen zurück. Denn wenn wir den Batman hier treffen ist er quasi ein Vampir.

Aber nicht die glitzernde Variante, sondern die Anne Rice Version. Hübsch, goth und zutiefst deprimiert. Denn seit zwei Jahren vermöbelt er nun des Nachts als kostümierter Rächer Kriminelle, ohne jedoch irgendeinen Unterschied zu machen. Kriminalität und Armut explodieren in Gotham City. Und nun ist ein maskierter Mörder (Paul Dano) aufgetaucht, der sich „Riddler“ nennt und es auf die Eliten der Stadt abgesehen hat. Er beginnt mit einem Mord am Bürgermeister, wo er Rätsel und Chiffren gezielt für Batman hinterlässt. Gleichzeitig streamt er im Internet über eine korrupte Stadt voller Lügen und Ratten. Tatsächlich scheint der Riddler einer großen Sache auf der Spur zu sein, in die nicht nur der Bürgermeister, sondern auch Mafiaboss Falcone (John Turturro) und dessen rechte Hand, der „Pinguin“ (Colin Farrell) verwickelt sind. Viel Arbeit für den Batman, Lieutenant Gordon (Jeffrey Wright), seinen einzigen Unterstützer bei der Polizei und Selina Kyle (Zoe Kravitz), die in Pinguins Club arbeitet, aber auch katzengleich Einbrüche begeht.

Die beste Nachricht gleich zuerst. Gotham ist wieder Gotham. Und nicht wie in den späteren Nolan Filmen irgendeine Großstadt. Reeves inszeniert in tiefen Schwarz- und Primärfarbtönen, allen voran rot. Und wir sehen sie beständig durch einen Schleier nie endenden Regens. Ich glaube, so viel Regen habe ich seit ‚Sieben‘ nicht gesehen. Oder ‚Balde Runner‘. Aber ‚Sieben‘ ist ein besseres Stichwort, denn in Sachen Atmosphäre hat Reeves hier fraglos Fincher studiert. Nicht nur ‚Sieben‘, sondern vor allem auch ‚Zodiac‘ stand hier Pate. Nicht zuletzt weil sich Riddlers Kostüm eindeutig am Zodiac Mörder orientiert. Die Action ist zumeist erstaunlich klar inszeniert, egal ob sie in einem finsteren Ubahn-Tunnel, einem wild flackernden Club oder auf eben verregneten Häuserdächern stattfindet. Einzig eine Autoverfolgung zwischen Batman und dem Pinguin fand ich hier etwas misslungen. Da standen die atmosphärischen Aufnahmen der Klarheit im Weg und ich hatte ein bisschen das Gefühl, ich verfolge das Geschehen aus zusammengekniffenen Augen hinter einer regennassen Brille.

Ein wenig gestört hat mich, dass Reeves seinen oft genug wunderbaren Bildern offenbar nicht genug vertraute, uns in den Kopf von Batman zu transportieren. So liefert Pattinson häufig gut vorgetragene lange voice-over Passagen ab, die sich aber, wenigstens für mich, ein wenig überflüssig anfühlten. Ich kann aber verstehen, warum sie hier sind. Wir treffen Batman quasi an einem Scheideweg. Er muss hier verstehen, dass sein Handeln als personifizierte Rache die Stadt und die Situation ihrer Bewohner nicht wirklich besser macht. Pattinsons Spiel allein transportiert das allerdings wunderbar. Interessant fand ich hier auch, dass der Film Batman nicht unbedingt immer als unsichtbaren Ninja, der aus dem Dunkel zugreift zeigt, sondern im Gegenteil, als jemand, der mit der Angst um seine Person spielt. So nähert er sich mit schweren Schritten aus der Dunkelheit und hat die Moral seiner Gegner schon gebrochen, bevor er da ist.

Pattinsons Batman ist zerstörerisch und selbstzerstörerisch. Er wird dutzendfach im Film angeschossen, weniger weil er sich auf die Kugelsicherheit seines Anzugs verlässt, sondern weil er das als Teil seiner Pflicht versteht. Ebenso muss er sich oft genug selbst aktiv davon abhalten seine Feinde totzuprügeln.

Der Film hat eine zutiefst ernste Atmosphäre, höchstens mal mit Farrells Pinguin als Comic Relief. Allerdings habe ich das Gefühl, Reeves bemerkt und kommentiert durchaus die Absurdität des Geschehens. Wenn ein Vorgesetzter Gordon erwischt, wie der den Batman an einen Tatort lässt, dann wirkt der nicht wie jemand, der dabei erwischt wurde, wie er einen Zivilisten an einen Tatort lässt, sondern wie jemand der einen Zivilisten in einem Fledermauskostüm an einen Tatort lässt. Nicht nur schuldig, sondern auch arg peinlich berührt. Anders als beim Keaton Batman, macht dieser Film kein Geheimnis daraus, dass Batman seine Maske mit Schminke um die Augen vervollständigt. Und so ist Pattinson als Wayne meist mit Mascara-verschmiertem Gesicht zu sehen.

Pattinson ist grandios in seiner Rolle. Anfangs fast vollständig losgelöst von der Welt, ein seltsamer Fremdkörper, der nicht wirklich zu funktionieren weiß. Eben ein Vampir. Der Film ist quasi die Geschichte, wie er ins Leben zurückfindet. Zoe Kravitz wird direkt zu meiner zweitliebsten Catwoman, nach der unschlagbaren Michelle Pfeiffer (bloß ihre Maske ist doof). Willens mit Batman zu kooperieren, aber auch ihren eigenen Zielen folgend ist sie ein wichtiges antreibendes Element der Geschichte. Colin Farrell ist quasi nicht zu erkennen. Die Maske lässt ihn wie eine Mischung aus Al Capone und Tony Soprano aussehen. Aber insgesamt fand ich etwas schade, dass der Pinguin hier letztlich nur ein Capo in der Falcone Familie war (wobei das Ende für mögliche Fortsetzungen neue Optionen eröffnet). Paul Dano ist einer der größten Creep-Darsteller in Hollywood. So auch hier. Der andere große Creep-Darsteller ist übrigens Barry Keoghan und der ist auch kurz im Film… Wen hab ich  vergessen? Oh ja, Andy Serkis als Alfred. Aber den vergisst der Film auch ziemlich.

Die Länge des Films hat mich tatsächlich weit weniger gestört als ich das eingangs erwartet hätte. Man könnte sicherlich problemlos gut 20 Minuten finden, die man herausschneiden könnte, aber die sind so gut über den Film verteilt, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Vor allem hat mich hier der dritte Akt nicht gelangweilt, was bei den meisten Superheldenfilmen der Fall ist. Denn ‚The Batman‘ wird hier, ohne zu viel zu verraten, unversehens zum Katastrophenfilm, was Batman und seine ganze Umgebung in ein komplett neues Licht setzt. Das funktioniert so viel besser als CGI Figuren, die bunte Blitze aufeinander schießen!

Mir hat der Film wirklich gut gefallen. Ich fühle mich ein wenig wie nach ‚Planet der Affen: Revolution‘, wo Reeves auf einen netten Vorgängerfilm drei Schippen draufgepackt hat. Hier gibt es keinen direkten Vorgänger, aber es ist ein wahnsinnig gelungener Batmanfilm. Gerade auch, wenn man die (älteren) Comics mag. Die Handlung folgt lose ‚A Long Halloween‘ von Jeff Loeb und dem leider kürzlich verstorbenen Zeichner Tim Sale, mit ihrer mysteriösen Mordserie vor dem Hintergrund der gothamer Mafia. Zum Ende spielt ein wenig ‚No Mans Land‘ hinein. Die Action, gerade auch die Tatsache, dass Batman einstecken muss, erinnert mich an die animierte Serie aus den 90ern (die ‚The Batman‘ mit „I am vengeance!“ auch direkt zitiert). Die Optik erinnerte mich an den Detective Comics Run von Greg Rucka und Künstler Shawn Martinbrough um die Jahrtausendwende, die auch viel monochromatisch und mit einer starken Primärfarbe gearbeitet haben. Das gehört (vielleicht mit Ausnahme vom Megacrossover ‚No Mans Land‘) zu meinen liebsten Fledermauscomics. Fast als wär es für mich gemacht…

2 Gedanken zu “‚The Batman‘ (2022)

  1. Ein wirklich toller Batman-Film. Das düster-bedrückende gefällt mir sehr. Als ich im Kino war, lag beinahe ständig eine Art bedrückende Last auf mir; und wenn ein Film das schaffen kann, finde ich ihn großartig. Batman tritt auch mal wieder ein wenig in seine ursprüngliche, detektivische Rolle zurück, was mir auch sehr gefällt. Und ja, Robert Pattinson ist ein toller Batman.

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, das Detektivische hätte ich oben noch mehr betonen können. Das hat mir auch sehr gefallen. Ich hoffe mal, im nächsten Film gibt es nicht gleich den

      SPOILER SPOILER

      am Ende angeteasten Joker, sondern eine Story, die vielleicht noch mehr auf diesen Aspekt setzt.

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