Newslichter Ausgabe 200: Jubiläum! Irgendwie, jedenfalls… tut mir leid?

Willkommen bei Ausgabe 200 des Newslichters. Jubiläum! Und ach, ich weiß doch auch nicht. Letzte Woche schrieb ich: „Also, liebe Filmindustrie in den nächsten ca. 5 Tagen bitte Neuigkeiten produzieren, die einer Jubiläumsausgabe würdig sind!“. Und auf ihre ganz eigene Weise hat sie das ja auch getan. Sowohl Disney als auch Warner stellten ihre Superhelden-Pläne für die kommenden Jahre vor. Ich habe jedoch relativ wenig Lust darüber zu schreiben. Steht ja eh schon überall und es gibt konkrete Listen von den Studios selbst. Was soll ich denn dazu sagen? Spekulieren, wer Dr. Doom im ‚Fantastic Four‘ Film spielen wird? Der übrigens diesmal bestimmt wirklich gut wird. Beim vierten Mal muss es ja klappen (oder fünften Mal, wenn wir die unveröffentlichte Corman Version mitrechnen, aber 5 ist halt eine weniger glückverheißende zahl, in diesem Fall).

Das Problem hieran ist jetzt aber, dass für alle anderen Nachrichten tatsächlich bloß noch Krümel übrigbleiben und Krümel allein machen ja keine Jubiläumstorte. Was also tun? Was tun? Da spüre ich doch glatt eine gewisse Panik in mir aufsteigen, ich kann doch für Folge 200 keine von meinen ausweichenden Klatsch-Ausgaben abliefern, die ich sonst immer dann bringe, wenn ich halt nix anderes habe. Hm, was tun denn andere Qualitätsmedien, im Angesicht des Sommerlochs? Mal sehen…

Oh, sie schreiben über Chartstürmer „Layla“. Mh. Soll ich also einen Ausflug ins Musikalische machen? Ich mein, das Ding wirft hohe Wellen! Die Junge Union singt ihn, die Jusos sind empört. Volksfeste verbieten ihn und die Zeitung mit den vier riesig großen Buchstaben ist froh, endlich mal wieder einen Skandal herbeizuschreiben, anstatt dass ihn die dreitagebärtigen Koksnasen, die sie scherzhaft (oder doch böswillig?) „Redaktion“ nennt, selbst innerhäusig produzieren.

An der ganzen Sache ist bloß ein gewaltiger Haken: ich müsste das Ding ja durchaus intensiv hören, wollte ich drüber schreiben. Und so Ballermann-Bumpf ist ja eigentlich nur dann hörbar, wenn man das eigene Hirn in einen Eimer Sangria einlegt. Und den habe ich nicht zur Hand. Und habe meinem Hirn in meinem Leben schon zu viel zugemutet, um ihm das noch anzutun. Aber gut, die Aufreger sind ja offensichtlich. Das „Luder“ (der Begriff beschrieb ursprünglich übrigens einen Tierkadaver, mit dem Jäger größere Beute anlockten, falls ihr Eure Umgebung mit sinnlosen Fakten langweilen wollt) und die „Puffmama“ sind ja quasi die Altherrenversion der im Deutsch-Rap allzu ubiquitären „Hure“. Bloß eben auf Platz 1 der Charts. Warum „Mann“ nun die Frau, die – Schockschwerenot – tatsächlich freudig dazu bereit ist, mit ihm ins Bett zu gehen, geradezu zwanghaft herabwürdigen muss, ist eine Frage, die ich gar nicht in der Lage bin zu beantworten, noch ist hier der richtige Ort dafür.

Überhaupt kann ich meine Meinung zu dem ganzen Thema in nur zwei Sätzen zusammenfassen: 1. Man mag vom Inhalt des Songs halten was man will, aber, um Danger Dan zu zitieren, „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. 2. Es ist das Recht jedes Gastgebers, im Falle eines Volksfestes also der veranstaltenden Stadt, zu entscheiden, welche Musik gespielt werden soll und welche eben nicht. Das war’s. Mehr kann ich gewinnbringend nicht dazu sagen.

Interessant wäre sicherlich die Antwort auf die Frage, warum gerade jetzt zum ersten Mal ein Ballermann-Hit an die Spitze der Musikcharts klettert. Auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Bin mir aber recht sicher, das kann auch sonst keiner. Denn keiner versteht heutzutage noch die Charts. Ich meine, letztes Jahr war ein Walfängerlied aus den 1860ern auf Platz 1! Hatte wirklich irgendwer „sea shanties“ als Hitmöglichkeit vorhergesehen? Wohl kaum. Aber der Popmusik fehlen heute die superstarken Zentren, die für eine gewisse Vorhersagbarkeit sorgen. Sie ist stark fragmentiert und ein Song der, warum auch immer, über seine übliche Bubble hinwegschwappt, kann zum Überraschungshit werden. Fraglich, ob jetzt findige Produzenten versuchen, beide Genres zu kombinieren. „What shall we do with the drunken Mallorca Tourist“, oder so…

Halten wir fest, „Layla“ ist mäßiger Füllstoff für ein Sommerloch. Macht aber wenig, denn bei den „echten“ Nachrichten ist vom Sommerloch ja sowieso nicht viel zu sehen. Krieg, Teuerung, schwelende Pandemien, schwelende Brände und extreme Hitzewelle liefern Themen genug, dass es nicht viel Füllmaterial braucht. Leider.

Bloß ich sitz hier und habe immer noch so gar nix für mein tolles Jubiläum. Aber gut, schauen wir halt einfach mal zurück auf Ausgabe 1 (die erste nummerierte, es gab zwei Vorläufer) von 2018.

Denis Villeneuve wollte Timothée Chalamet als Paul Atreides für sein ‚Dune‘. Hat er bekommen. Ich fragte mich, wer wohl Feyd Rautha werden würde. Das wird, wie man nun weiß, ‚Elvis‘ Austin Butler. Da können wir getrost einen Haken ins Wurmsegment setzen.

Joaquin Phoenix als ‚Joker‘ in einem Film ohne Batman ist Meldung 2. Jup, ist passiert. Und wenn man mich fragt etwas arg viel Aufregung für Scorsese Fanfiction.

‚Scream 5‘ wird es nicht geben, sagte Neve Campbell im Interview. Stimmt. Der hieß ja einfach wieder ‚Scream‘. Und der sechste ‚Scream‘ kommt nächstes Jahr. Aber ohne Campbell. Schade!

‚Indiana Jones 5‘ wird auf 2021 verschoben. Oh unschuldiges 2018, das noch keine Ahnung von einer kommenden Pandemie hatte. Im Moment soll der Film im Juni 2023 kommen. Schauen wir mal…

Und natürlich erhielt auch die FOX Übernahme durch Disney ihre eigene kurze Meldung. Zu der habe ich in zahlreichen Newslichtern aber wohl alles gesagt.

Mir fällt auf, dass mein Kommentar seitdem grundsätzlich sehr viel länger geworden ist. Ich tue aber erst gar nicht so, als könne ich daran irgendwas ändern.

Tja, das war es dann wohl, das Jubiläum. Ein ziemlich furchtbarer Song und ein arg halbherziger Blick auf die Anfänge. Also eigentlich ziemlich genau wie jedes andere Jubiläum. Vielleicht sehen wir uns dennoch bei Folge 201. Geht vielleicht sogar mal wieder um Filme, wer weiß? Seien wir ehrlich, schlechter kann‘s ja nicht mehr werden… oder?

6 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 200: Jubiläum! Irgendwie, jedenfalls… tut mir leid?

  1. 200 Ausgaben??? Bei einer pro Woche sind das … Fünf… Und drei im Sinn… Multipliziert mit 7… Eindeutig eine ganz schöne große Anzahl an Wochen. Respekt. Und dabei kommt es mir so vor, als wäre ich gerade erst kürzlich mit der grandiosen Idee zum Titel des Formats um die Ecke gekommen. In diesem Sinne: herzlichen Glückwunsch und auf die nächsten 200 .

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    • Vor allem bei 200 Ausgaben in vier Jahren. Da habe ich nur acht Wochen ausgelassen. Puh, da muss ich viel Mist geschrieben haben.

      In einem „richtigen“ Jubiläum hätte ich sicher auf Deine Idee zum Format und vor allem Namen verwiesen aber Du siehst ja, was rausgekommen ist… naja, in nicht mal einem Jahr ist ja schon Ausgabe 250 (hoffentlich/vielleicht).

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      • Mir reicht es, dass wir beide den Ursprung des Titels kennen. 😉
        Vierjahre ist echt eine lange Zeit. Wäre echt mal lustig die ersten 50 Ausgaben zu überfliegen, um zu schauen was damals so aktuell und los war. Und welche deiner berüchtigten Prognosen sich bewahrheitet haben.

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