Zum Tode David Warners

Der britische Darsteller David Warner starb am 24.07.2022, 5 Tage vor seinem 81sten Geburtstag, an den Folgen einer Krebserkrankung. Seine letzten Jahre verbrachte er in Denville Hall, einem Pflegeheim für Schauspielerinnen und Schauspieler in London.

Geboren wurde er am 29.07.1941 in Manchester. Mit 19 Jahren gab er sein professionelles Bühnendebüt, mit 21 trat er der Royal Shakespeare Company bei. Und mit 22 Jahren gab er sein Filmdebüt. Einem deutschen Publikum dürfte er spätestens 1969 aufgefallen sein, als Volker Schlöndorff ihn als seinen ‚Michael Kohlhaas‘ besetzte, Kleists „rechtschaffensten und entsetzlichsten Menschen“. Nach einer verrissenen Aufführung von ‚Ich, Claudius‘ 1973 entwickelte Warner Lampenfieber und wandte sich voll dem Film, Fernsehen und Hörspiel zu. Zum Theater würde er erst 2005 zurückkehren.

Ohne ihn auf diese reduzieren zu wollen, zeichnete sich Warner doch fraglos durch seine Schurkenrollen aus. In Nicholas Meyers ‚Flucht in die Zukunft‘ gab er 1979 einen zeitreisenden Jack The Ripper. In ‚Tron‘ war er das Master Control Program und in ‚Time Bandits‘ schlicht „das Böse“. Und ich oute mich mal wieder als Nerd, wenn ich erwähne, dass er mir als Stimme von Widersacher Joneleth Irenicus aus dem Computerrollenspiel ‚Baldurs Gate 2‘ in Erinnerung ist. Auch in seinem kommerziell wohl erfolgreichsten Film, James Camerons ‚Titanic‘ war er ein Bösewicht. Ein Handlanger von Billy Zanes Charakter mit dem wunderbaren Namen Spicer Lovejoy. Das war übrigens das zweite Mal, dass er mit dem berühmten Schiff unterging, nach ‚S.O.S. Titanic‘, einem Fernsehfilm von 1979.

1987 siedelte Warner für 15 Jahre nach Hollywood über. In der Zeit war er quasi überall zu sehen. Kaum eine Serie, die ohne ihn auskam. Das gilt auch für ‚Twin Peaks‘, wo er in der zweiten Staffel Thomas Eckhart gab. Aber bedeutender sind sicherlich seine Auftritte in ‚Star Trek‘. Seinen menschlichen Botschafter in ‚Star Trek V: Am Rande des Universums‘ muss man nicht unbedingt erwähnen. Aber bereits im nächsten Film, ‚Das unentdeckte Land‘ arbeitete er wieder mit Nicholas Meyer zusammen. Diesmal ganz und gar nicht als Bösewicht, sondern als klingonischer Kanzler Gorkon, der Friedensgespräche mit der Föderation sucht. Und dafür natürlich ermordet wird.

Aber unvergesslich ist für mich sein Auftritt in einer Doppelfolge ‚Star Trek: das nächste Jahrhundert‘. Hier gerät Captain Picard in die Gefangenschaft der Cardassianer. Warner gibt seinen Folterer Gul Madred. Der versucht mit allerlei Methoden den Willen des Captains zu brechen. Ihn dazu zu bringen statt vier Lichtern fünf zu sehen. Madred ist anders als die üblichen Cardassianer, die aufgeblasen und bombastisch sind. Madred drückt sich in die Finsternis, bleibt ein stiller Schatten, das macht ihn bedrohlich. Wenn nun Picard zeitgleich seinen Peiniger auf Schwachstellen absucht, dann ist das glänzendes Schauspiel und war und ist Fernsehen auf höchstem Niveau. Das ist tatsächlich eine dieser Folgen, die ich nie vergessen habe.

Aber wie erwähnt, Warner war in den 90ern gerade was Serien angeht extrem fleißig und hat hier eigentlich immer glänzende Arbeit abgeliefert. Mir ist erst Jahre später klargeworden, dass er im Original auch Ras al Ghul, jenen unsterblichen, bzw. steig wiederbelebten Widersacher Batmans im Original von ‚Batman The Animated Series‘ gespielt hat. Ebenfalls eine eindrucksvolle Rolle.

Tatsächlich ist auch seine letzte Rolle eine Sprechrolle. Denn die Veröffentlichung eines Hörspiels anlässlich des 60sten Geburtstages von ‚Doctor Who‘, an dem Warner beteiligt war, steht noch aus.

Warner war einer dieser Darsteller, die, zumindest in Film und Serie, selten im Mittelpunkt standen. Seine Kunst lag darin, bei jedem Projekt, unabhängig von seiner Qualität, exakt zu erfassen, was gewollt (oder gebraucht) ist und seine Darstellung darauf zu kalibrieren. Sei es Humor, Bedrohung oder schlicht die Art der Haltung. So bereicherte er tatsächlich jedes Projekt an dem er beteiligt war und ließ zumeist seine Mitdarsteller auch noch besser aussehen. Laut imdb kommt er auf 228 Film-/Fernseh-/Videospielrollen. Dazu kommen Hörspiele und natürlich das Theater. Das sind eine Menge Projekte, um sie in nur einem Leben besser zu machen.  

5 Gedanken zu “Zum Tode David Warners

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