Newslichter Ausgabe 201: Nichelle Nichols, MGM Umstrukturierung und Stallone-Schelte

Willkommen bei Ausgabe 201 des Newslichters. Puh, habt Ihr Euch erholt von der wilden Jubiläumsparty letzte Woche? Wurde ja doch ein bisschen wilder als geplant, und ich vermute, ich bin nicht ganz unschuldig daran. Ein zweites Glas Apfelschorle war dann halt doch zu viel! Aber nun sind wir zurück, in der staubtrockenen Ebene der wöchentlichen News. Und, neben einer traurigen Meldung, haben wir heute sogar ein übergreifendes Thema. Was macht Amazons neueste Erwerbung MGM? Das da einiges in Bewegung gerät werden wir heute sehen. Legen wir also los!

Zum Tode Nichelle Nichols

Am 30. Juli 2022 starb die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Nichelle Nichols im Alter von 89 Jahren an Herzversagen. Nichols Name ist selbstverständlich untrennbar mit der originalen ‚Star Trek‘ (oder ‚Raumschiff Enterprise‘ in Deutschland) Serie verbunden. Sie spielte hier die Brückenoffizierin Lt. Nyota Uhura und war die erste afroamerikanische Darstellerin mit einer so großen Rolle in einer amerikanischen Serie. Eine oft zitierte Szene ist der Kuss zwischen ihr und William Shatners Cpt. Kirk. Er ist zwar nicht der erste Kuss zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann im US Fernsehen, aber sicherlich der damals aufsehenerregendste. Tatsächlich wollte Nichols die Serie bereits nach der ersten Staffel wieder verlassen, da sie ihre Rolle als eine bessere Telefonistin wahrnahm, um zu ihren Wurzeln, dem Musiktheater zurückzukehren. Aber es war Bürgerrechtler (und Trekkie) Martin Luther King jr., der sie von der Bedeutung ihrer Rolle überzeugte, nicht nur weil sie eine Hoffnung auf eine bessere, gleichberechtigte Zukunft verspräche, sondern weil es eben keine spezifisch afroamerikanische, und keine spezifisch weibliche Rolle sei, sondern eben einfach eine Rolle. Und diese Normalität sei gerade das Entscheidende.
Einer der vielen Gründe übrigens, dass ich mit den Augen Rolle, wenn sich Leute (einschließlich gewisser Kusspartner von Frau Nichols) beklagen, dass Star Trek heutzutage „so politisch“ geworden wäre. War es schon immer. Es gibt genug Gründe, um über modernen Trek zu motzen, aber das ist keiner. Nach Star Trek hatte Nichols, wie die meisten ihrer Mitdarsteller, mit der starken Verbindung zu ihrer Figur zu kämpfen. Es fiel ihr nicht leicht, neue Rollen zu bekommen, doch hatte sie über die Jahrzehnte viele Gelegenheiten zu ihrer Stammrolle zurückzukehren oder nutzte ihre Bekanntheit, um Nachwuchs für die US Weltraumbehörde NASA zu werben.

MGM verabschiedet sich von ‚Tomb Raider‘

Der letzte ‚Tomb Raider‘ Film mit Alicia Vikander war erfolgreich genug, dass alsbald ein Nachfolger angekündigt wurde, bei dem Ben Wheatley Regie führen sollte. Problem war der Veröffentlichungstermin im Frühsommer 2021. Damit fielen die geplanten Dreharbeiten mitten in die Hochphase der Covid Pandemie. Und fielen damit direkt aus. Wheatley sprang in Folge dessen ab und wurde durch Autorin/Regisseurin Misha Green ersetzt. Doch mit der Übernahme durch Amazon verschwand offenbar das Interesse bei MGM, nicht nur an einer Fortsetzung, sondern an filmischen Umsetzungen des Videospielfranchises an sich. Denn die Film-Rechte an ‚Tomb Raider‘ stehen nun für den höchsten Bieter zur Verfügung meldet deren Inhaber GK Films. Damit ist auch Vikander als Darstellerin von Lara Croft vermutlich raus. Man darf gespannt sein, ob sich einer von Amazons Konkurrenten im Streaming Business nun direkt auf die Rechte stürzen wird. Mit anderen Franchises ist man bei MGM hingegen offenbar noch lange nicht durch, wie wir in der nächsten Meldung sehen werden.

Sylvester Stallone boxt gegen ‚Drago‘

1975 schrieb ein weitgehend unbekannter Sylvester Stallone ein Drehbuch um einen Boxer, der sein Leben lang ganz unten war und eine unerwartete Chance erhält. ‚Rocky‘. Problem nur, kein Studio wollte ein Buch von so einem Nobody haben. So verkaufte er das Buch an die etablierten Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff, mit der Bedingung, dass er selbst die Hauptrolle spielen würde. Der Film gewann drei Oscars, begründete Stallones Karriere und ein riesiges, durchwachsenes Franchise. Und über Jahrzehnte schienen alle zufrieden damit. Doch mit der Verkündung, dass Stallone am neuesten Film, ‚Creed III‘ nicht beteiligt wäre, taten sich erste Risse auf. Und nun, da ein weiteres Spinoff ansteht, ‚Drago‘, basierend auf Rockys Gegner Ivan Drago (Dolph Lundgren) und dessen Sohn Viktor (Florian Munteanu), findet Stallone in sozialen Medien sogar recht drastische Worte. Nachdem er zunächst Winkler bestimmt, aber noch mit einer gewissen Höflichkeit um eine Rückgabe wenigstens eines Teils der Rechte an ‚Rocky‘ bat, und erwähnte, Winkler habe mehrere Filme und eine Serie um den Charakter verhindert, so wurde daraus nach der Verkündung von ‚Drago‘ eine deutliche Schimpftirade. Winkler sei ein erbärmlicher 94Jähriger und seine Familie seien Geier, die die Knochen von ‚Rocky‘ abnagen würden, ließ Stallone auf Instagram verlauten. Auch Lundgren bekam einige Splitter dieser zornigen Explosion ab. Den habe Stallone für einen Freund gehalten, aber er habe ihm nie erzählt, was da hinter seinem Rücken abgehe, mit dem Charakter, den er extra für Lundgren entwickelt habe. Lundgren reagierte umgehend und beschwichtigend, er hätte nicht gewusst, dass Stallone nicht involviert sei und stehe nun in Kontakt mit ihm. Stallones Zorn war jedoch alles andere als verraucht. In einem neuen Post präsentiert er in einer blutigen Fotomontage Winkler als Vampir, der Rocky aussaugt. Genau das wirft er ihm im Text auch vor mit dem Franchise zu tun. Und dass er der „untalentierteste“, „verhassteste“ und gebrechlichste(?)(„decrepited“) Produzent Hollywoods sei. Lundgren kommt um weitere verbale Schwinger zwar herum, aber eines der begleitenden Bilder zeigt eine Szene aus ‚Rocky IV‘, in der Rocky Drago zu Boden schickt. Man kann das nun sicher abtun, als den Wutanfall eines Millionärs, ärgerlich darüber, dass er nicht noch ein paar Millionen mehr hat. Und es scheint eindeutig, dass einige emotionale Ladung dahinter steckt. Aber letztlich reiht sich Stallone hier in eine lange Reihe von finanziell weitaus weniger gesegneten Kreativen ein, die in den 70ern und 80ern Franchises mit erschaffen haben, die bis heute „abgenagt“ und „ausgesaugt“ werden und die dafür nie auch nur annähernd faire Kompensation erfahren haben, bzw. direkt um ihre Rechte gebracht wurden und eben später nicht zu einem Sylvester Stallone wurden. Man kann also durchaus über Stallones Vehemenz lachen (und sicherlich mehr als ein bisschen Furcht vor dem Alter in die Bemerkungen des 76Jährigen hineinlesen), aber letztlich wird er damit zu einem prominenten Vertreter einer oft übersehenen und letztlich guten und wichtigen Sache.

Ihr, liebe Lesende, seid selbstverständlich gutaussehende, wohlriechende, gebildete, junggebliebene und rundum liebenswerte Persönlichkeiten. Daher werdet Ihr sicher keinen Moment zögern auch nächste Woche wieder an dieser Stelle den newslichter zu verfolgen.

PS: oh cooooool, wordpress hat wieder verschlimmbessert und sämtliche Absätze sind raus! Und die Blöcke sind „ungültig“. Na, mal sehen was ich machen kann. Da macht das Schreiben (und fraglos das Lesen) Spaß…

3 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 201: Nichelle Nichols, MGM Umstrukturierung und Stallone-Schelte

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