Newslichter Ausgabe 202: Warner, Warner, Warner, All Warner, All The Time

Willkommen bei Ausgabe 202 des Newslichters. Ach Freunde, manche Wochen sitze ich hier und grüble, welche News es denn nun wert wären, im newslichter besprochen zu werden. Aber manchmal, manchmal wird Warner von Discovery gekauft. Und dann wird Discovery CEO David Zaslav Chef vom Ganzen. Und was tut man so als brandneuer CEO? Genau, eine Duftmarke setzen. Und die Duftmarke von Herrn Zaslav hat, spät in der letzten Woche, vielen die Tränen in die Augen getrieben. Mir aber ein breites Grinsen ins Gesicht. So viel Material für den newslichter! Oder, um Ian Malcolm zu zitieren: „That is one big pile of shit.“ Buddeln wir drin rum!

‚Batgirl‘ und ‚Scooby‘ sind zu scheiße für den Stream!?

Es begann letzte Woche zuerst mit Gerüchten, die dann sehr schnell als wahr bestätigt wurden. Der DCEU Film ‚Batgirl‘ wandert direkt in den Giftschrank, geht dabei über niemandes Augen und sammelt kein Geld ein. Ca. 80 Millionen Dollar hat der gekostet und war für eine Veröffentlichung auf Warners hauseigenem Streamingkanal HBOMax vorgesehen. Jedenfalls bis David Zaslav kam. Der wollte sehen, ob man da noch ein paar Millionen mehr reinbuttern könnte, um einen Kinofilm draus zu machen. Eine enttäuschende erste Testvorführung scheint diese Pläne jedoch umgeworfen zu haben und er wandert als „unverbesserlich“ („irredeemable“) direkt ins Klo. Warum den Film nicht dennoch im Stream veröffentlichen, ist die große Frage. Warum 80 Millionen bereits ausgegebene Dollar komplett verwerfen? Offenbar weil David Zaslav den Kurs seiner Vorgänger, stark auf den Stream zu setzen, direkt und lautstark widersprechen möchte. Die Kreativen hinter dem Film Adil El Arbi and Bilall Fallah jedenfalls fielen ob der Neuigkeit aus allen Wolken (es war übrigens ausgerechnet Kevin Feige, der in sozialen Medien tröstende Worte fand…). Und auch den Präsidenten von DC Films Walter Hamada, nicht eben als größter Fürsprecher oder Tröster seiner Kreativen bekannt, erwischte es kalt. Der dachte sehr lautstark über einen Rücktritt nach, als er das Schicksal des Films offenbar aus den Medien erfuhr. Eine Entscheidung darüber hat er nun in den späten Oktober vertagt.
Aber, hey, vielleicht ist ‚Batgirl‘ wirklich so mies, das man ihn niemandem zeigen kann. Solange niemand bei Warner Kim Jong-un beleidigt und die Firma gehackt wird, werden wir es wohl nicht erfahren. Aber warum die Fortsetzung zu ‚Scooby! Voll verwedelt‘ wegwerfen? Sicher, der 90 Millionen teure Film war kein Riesenerfolg im Kino und wurde von der Kritik schlecht besprochen. Aber der neue Film war nicht einmal halb so teuer, ein Weihnachtsfilm und für den Stream gedacht. Fürs Fernsehen also, wo Scooby doo seit 1969 mit recht stetigem Erfolg zuhause ist. Mir scheint, da hätte so viel gar nicht schiefgehen können, ganz unabhängig von der Qualität. David Zaslav, so scheint es, will entschieden weg vom Stream und sich im Kinosegment voll auf den Blockbuster konzentrieren. Da ist für einen 80 Millionen Dollar Film wie ‚Batgirl‘ kein Platz. Wobei natürlich z.B. ‚Joker‘ ca. 70 Millionen gekostet hat und über eine Milliarde für Warner eingespielt hat. War aber ein Risiko und dafür scheint kein Platz mehr. Dass es aber mit den Blockbustern, gerade im DCEU Bereich, schwierig werden kann, sehen wir in der folgenden Meldung.

Infinite Crisis im DCEU

Der kritische und oft genug auch finanzielle Erfolg für die Verfilmungen der DC Helden stellte sich ein, als man sich von der Idee eines Expanded Universe explizit entfernte. Als man einen ‚Joker‘, ‚The Batman‘ und ‚The Suicide Squad‘ haben konnte, die nix miteinander zu tun hatten. Und Kreative machen ließ, was sie wollten. Kurz, als man aufhörte zu versuchen Marvel hinterherzulaufen. Nun aber will man offenbar zurück zu einem vereinten DC Universum. Und das Stichwort lautet, natürlich, Multiversum. Als Erstes sollte Michael Keatons Batman zurückkommen, um nostalgische Deppen wie mich abzuholen. Und zwar in Andy Muschiettis ‚The Flash‘. Der wurde aber inzwischen sehr oft verschoben und steht derzeit für den Sommer 23 auf der Liste.
Allerdings hängt auch noch ein ordentliches Damoklesschwert über der Veröffentlichung. Denn Hauptdarsteller des Flash, Ezra Miller (Hinweis: Miller identifiziert als nonbinär und verwendet im Englischen they/them Pronomen. Ich weiß nicht, wie ich damit im Deutschen umgehe und wiederhole deswegen im Folgenden, sehr unelegant, schlicht Millers Namen. Für Hinweise wie das besser geht, wär ich dankbar) scheint derzeit damit beschäftigt rund um die Welt kriminell auffällig zu werden. So existiert ein Video aus Island, wo Miller in einer Karaokebar eine Frau würgt und zu Boden drückt. Auch in Hawaii soll Miller in einer Karaokebar handgreiflich geworden sein und, in einem anderen Vorfall, eine Frau mit einem Stuhlwurf verletzt haben. In Massachusetts soll Miller vor einer Frau eine Waffe gezückt und ihre Tochter gegen deren Willen im Gesicht berührt haben. Obwohl fast alle diese und weitere Übergriffe mit Verhaftungen endeten, blieb das große Medienecho bisher aus. Und Miller war dank fettem Konto und Celebrity Status wohl auch nie in großen Schwierigkeiten. Bei Warner scheint man zu hoffen, dass genau das so bleibt. Denn man hat zwar verkündet, mit Miller aufgrund dieses Verhaltens nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen, doch auf ‚The Flash‘ soll es keinen Einfluss haben. Hoffen wir, dass es im kommenden Jahr nicht knallt*! Das hoffe ich natürlich weniger für Warners Geldbörse und mehr für die Leute, die Miller über den Weg laufen! Die häufigen Verschiebungen von ‚The Flash‘ haben nun aber zu einem weiteren Problem geführt.
Im zweiten Aquaman Film sollte Michael Keaton als Batman auftauchen. Doch da nun niemand verstehen würde warum gerade der da ist, wurden seine Szenen mit Ben Affleck nachgedreht. Ja, jenem Ben Affleck, der lautstark nix mehr mit DC zu tun haben wollte. Der übliche Kipplaster Geld dürfte hier Überzeugungsarbeit geleistet haben. Ach ja und in ‚Batgirl‘ wäre Keaton-Batman auch aufgetaucht. Das ist aber jetzt wohl wurscht. Außer vielleicht für Keaton. An dessen Stelle fühlte ich mich etwas verarscht.
Die Rückkehr zum vereinten Universum kündigt sich also bereits jetzt als ordentlicher Patzer für DC an. Wenn auch einer den Zaslav geerbt hat. Ganz ehrlich, wär ich Kevin Feige, drüben bei Marvel, ich würd all diese Artikel ausdrucken, binden lassen, in großen, roten Lettern vorn „Gehaltserhöhung?“ draufschmieren und das Ganze an Bob Chapek schicken. Aber das ist wohl einer der vielen Gründe, warum ich nicht Kevin Feige bin.

* Während ich das hier schreibe, kommt die neueste Meldung, dass Miller in Vermont in eine Wohnung eingebrochen ist… Aufhören wird Miller wohl nicht.

Wo also geht es hin für Discovery Warner?

Für das Heimsegment scheint es weg von aufwändigen Serien und Filmen und hin zum Reality Format. Ich will nicht über die Veränderungen bei US Sendern schreiben, das ist hier eher wenig interessant. Aber das deutliche Einsparungen beim Stream anstehen, während etwa Netflix rudert und Disney immer mehr Geld reinpumpt, scheint überdeutlich. Mal scheint das sinnvoll, etwa wenn Zaslav den Streaming-Dienst CNN+ wenige Tage nach Start kippt, denn wer braucht ernsthaft einen Nachrichten Streaming Service. Manchmal aber scheint es eben wie die Duftmarke, die der neue CEO setzen muss. Was ein potentielles Ende verschiedener Streaming-Services übrigens für Filme und Serien bedeutet, die speziell für diese Dienste geschaffen wurden, wer weiß. Ein gruseliger Gedanke in Zeiten, wo „Lost Media“ doch eigentlich der Vergangenheit angehören sollten.
Sollte aber der Streaming Markt in den nächsten 10 Jahren krachend kollabieren war der Schritt finanziell sogar weise. Auch wenn das Fortwerfen fertiger Filme keinen Sinn macht. Fürs Kino setzt man aufs ganz große Segment. Hunderte Millionen Dollar Investition mit hoffentlich gigantischen Gewinnen. Für Risiken scheint quasi kein Platz mehr. Sicherlich nicht schön, kann aber erfolgreich sein, wenn man gewisse Probleme umschippert. Man wird definitiv ein Feige Äquivalent für DC benötigen. Jemanden, der tief in der Materie drinsteckt, ein planerisches Genie ist und mit dem Leute arbeiten möchten. Schlimmstenfalls steht Warner halt in 10 Jahren erneut zum Verkauf. Und wer dann mit großer Geldbörse bereitsteht, kann man vermutlich bereits ahnen (er reimt sich auf „Gisney“.

Große Veränderungen also bei Warner. Keine Veränderungen hier. Wir sehen uns nächste Woche wieder.

3 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 202: Warner, Warner, Warner, All Warner, All The Time

  1. War das mit Batgirl nicht eine Steuergeschichte? Dass man die Kosten bei einer neugegründeten Firma von der Steuer absetzen kann, man dafür aber nie auch nur einen Cent einnehmen darf?
    Irgendwie sowas habe ich gelesen.

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  2. Bei non-binären am besten immer nachfragen, was die bevorzugten Pronomen sind und diese dann ambivalent nutzen. Da es wohl etwas schwer ist einen Ezra Miller direkt zu fragen, vorab recherchieren, wie du es gemacht hast und dann auch im deutschen einfach they/them nutzen.

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