Newslichter Ausgabe 204: Wolfgang Petersen, obskure Videospiele und neue Ringherren

Willkommen bei Ausgabe 204 des Newslichters. Kein Warner diese Woche. Juchhe! Okay, eine kurze Bemerkung vielleicht… Einer der ‚Batgirl‘ Regisseure hat womöglich eine implizite Bestätigung dafür geliefert, dass der Film aus Steuergründen in dem Müll geworfen wurde. Denn von sämtlichen internen Servern bei Discovery Warner soll jede Spur des Films, jede Arbeitsdatei verschwunden sein. Und da man für das Steuermodell nicht aber auch gar nichts von dem Film veröffentlichen darf, ist das vielleicht ein guter Hinweis. Nun aber zum Aktuellen. Ganz fröhlich wird es heute nicht, es ist wieder mal ein Nachruf dabei, diesmal auf Wolfgang Petersen. Werden irgendwie immer mehr in letzter Zeit. Legen wir direkt los!

Zum Tode Wolfgang Petersens

Am 12. August starb Regisseur Wolfgang Petersen in seinem Haus in Brentwood, Los Angeles an Bauchspeicheldrüsenkrebs, im Alter von 81 Jahren. Am 14. März 1941 in Emden geboren, zog seine Familie nach Hamburg, als er neun Jahre alt war. Hier begann er 1965 ein Studium der Theaterwissenschaft, bevor er ein Jahr später nach Berlin zur Deutschen Film- und Fernsehakademie wechselte.
Erstes Aufsehen erregte er 1977 mit der Verfilmung von Alexander Zieglers Roman ‚Die Konsequenz‘. Mit Jürgen Prochnow in der Rolle eines Schauspielers, der eine homosexuelle Beziehung mit einem 17Jährigen hat. Der Film war noch vor Kinoauswertung in den öffentlich rechtlichen Sendern zu sehen, hier brach der Bayerische Rundfunk die Übertragung allerdings aus Protest gegen das Thema mitten im Film ab. Der große Durchbruch Petersens erfolgte vier Jahre später mit ‚Das Boot‘, dem vermutlich berühmtesten U-boot Film, der auch internationale Bekanntheit erreichte. Es folgten die bis dahin teuerste deutsche Produktion mit ‚Die unendliche Geschichte‘ und die deutsche/US Koproduktion ‚Enemy Mine‘, die bereits andeutete, wo es für Petersen hingehen würde. Er wurde „unser Mann in Hollywood“. Und auch wenn das ein Titel ist, den man vielleicht subversiv lesen könnte, hat ihn Petersen sicherlich nie so verstanden.  Er liebte das amerikanische Blockbusterkino, er genoss es diese Filme zu machen und wetterte laut und offen und gerne gerade gegen deutsche Kritiker des „oberflächlichen Films“. Mit ‚Outbreak‘ etwa hat er einen Film geschaffen, der mit dem Ausbruch der Covid Pandemie in den letzten Jahren großes, neues Interesse erfuhr. Mit ‚Air Force One‘ bewies er, wie „unser Mann in Hollywood“-Kollege Roland Emmerich mit ‚Independence Day‘, dass Deutsche mindestens so rot weiß blau-patriotisch wie gebürtige Amerikaner sein können. Nach Effektfeuerwerken wie ‚Der Sturm‘ oder ‚Troja‘ wurde es dann ruhig um Petersen. Sein letzter Film ‚Vier gegen die Bank‘ von 2016 war ein Remake seines gleichnamigen Fernsehfilms von 1976 und auch wieder eine deutsche Produktion. Aus heutiger Sicht wirkt Petersen wie ein Vertreter eines Hollywoods, das es nicht mehr gibt. Des typischen Blockbusterkinos der 90er, mit großen Themen, großen Stars und großen Effekten. In der neuen Welt der charakterbasierten Franchises scheint sich der Mann, der nie eine Fortsetzung gedreht hat, nicht wirklich eingefunden zu haben. Ob er nicht konnte oder nicht wollte, wer weiß. Für eine ganze Weile aber hat „unser Mann in Hollywood“ mitbestimmt, wie internationales Hitkino auszusehen hat. Und das ist eine Hinterlassenschaft, die durchaus stolz machen kann.

Tanz und Kloppe in obskuren Videospielverfilmungen

Ist da jetzt jemandem der ‚Sonic‘ Erfolg zu Kopf gestiegen? Bei Videospielproduzent SEGA hat man offenbar tief in der Kiste gebuddelt, auf der Suche nach verfilmbaren Videospieltiteln. Und hat hierbei nun recht Obskures zu Tage gefördert. In ‚Channel 5‘ für die unterschätzte letzte SEGA Konsole Dreamcast übernahm der Spieler die Rolle von Reporterin Ulala. Die war in einem von feindlichen Aliens überlaufenen 60er Jahre retro-futuristischen Universum unterwegs und gab sich nicht damit zufrieden nur über die Aliens zu berichten, sie tanzte sie mit Hilfe des – hoffentlich – rhythmisch begabten Spielers auch weg. ‚Comix Zone‘ war ein typischeres Prügelspiel mit interessanter Prämisse. Hauptcharakter war Comicautor/-zeichner Sketch Turner, der von einem Bösewicht in seinen eigenen Comic gehext wurde. Das Spiel stellte Interessantes mit den Zwischenräumen zwischen Panels des Comics an, durch die man Gegner etwa durchboxen konnte. Das sind beides interessante Konzepte, die ungewöhnliche Filme ergeben könnten. Allerdings dürften die Namen deutlich weniger Leuten geläufig sein, als der des flinken, blauen Igels. Aber ich beschwere mich hier gewiss nicht über eine experimentierfreudige Firma!

Die Ringe haben einen neuen Herrn

Die Rechtelage um den gesamten Mittelerdestoff von J.R.R. Tolkien ist seit Jahren mindestens komplex. Den Großteil der Rechte hält die Firma Middle Earth Enterprises. Aber bei Amazon liegen die Rechte an einigen Ausschnitten aus dem ‚Silmarillion‘, die sie nun für ihre Serie ‚Rings Of Power‘ nutzen werden. Nun aber stand Middle Earth Enterprises zum Verkauf. Und so ziemlich jeder hat erwartet, das Amazon hier zuschlägt, um sämtliche mögliche Rechteverwirrung zu vermeiden. Haben sie aber nicht. Und niemand weiß warum. Vielleicht kein Interesse, vielleicht wurden sie schlicht überboten, vielleicht bekam Jeff die Nachttischschublade mit den Milliarden drin nicht auf, weil schlicht zu viele Scheine drin waren. Zugeschlagen hat nun die schwedische Firma Embracer Group. Gamern vielleicht besser als Nordic Games und, bis 2019, THQ Nordic bekannt. Ganz konkrete Pläne scheint man hier für die teure Neuerwerbung (man munkelt von etwa 2 Milliarden Dollar) noch nicht zu haben, allerdings wird man sicherlich am Profit der kommenden Amazon Serie und des Warner Animationsfilms beteiligt. Embracer spekuliert aber öffentlich über Filme zu bekannten Figuren, wie Gandalf, Galadriel, Argorn oder Eowyn. ‚Gandalf Begins‘ scheint da schon fast etwas offensichtlich. Wie wäre es mit ‚Badfellas‘ rund um Morgoth und Sauron? Oder ein Drama im Stile von ‚The Wrestler‘ um Tulkas? Mein Favorit wär aber, natürlich, ‚Teleporno‘! Hey, keine schmutzigen Ideen hier! Das ist, selbstverständlich, der Name von Celeborn, Ehemann von Galadriel, auf Telerin (einer der Elfensprachen). Und wurde von Herrn Tolkien selbst so festgelegt. Also, nicht blöd lachen, gebt mir ‚Teleporno‘, Embracer!

Wir sehen uns nächste Woche wieder. Oder vielleicht auch nicht, nach meinen Filmideen im letzten Artikel. Ich würd’s verstehen. Für alle anderen: bis dann!

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5 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 204: Wolfgang Petersen, obskure Videospiele und neue Ringherren

    • Ich finde alle Tatorte mit Kommissar Finke gut. Was zwar vor allem am unvergessenen Klaus Schwarzkopf liegt, aber auch am Team Lichtenfels/Petersen, das sechs der sieben Folgen geschrieben bzw. inszeniert hat (bei der letzten war es nur noch Lichtenfeld).

      Aber auch abseits vom TATORT und dem skandalträchtigen DIE KONSEQUENZ verdienen Petersens TV-Arbeiten der 70er Jahre Beachtung, wie der sehr eigenwillige ICH WERDE DICH TÖTEN, WOLF und natürlich SMOG (der oft nur Wolfgang Menge zugeschrieben wird, aber der Regisseur war eben Petersen).

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      • ICH WERDE DICH TÖTEN, WOLF war Petersens Abschlussfilm an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, und in deren Archiv kann man den Film komplett streamen. Den Link dazu spare ich mir mal, sonst wird der Kommentar wieder nicht freigegeben, wie neulich erst.

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