Newslichter Ausgabe 211: Gangs, Kanonen und eine Warnung

Willkommen bei Ausgabe 211 des Newslichters. Nicht wirklich oft, aber doch manchmal enden Geschichten auch in der Wirklichkeit irgendwie poetisch. Am 11. Oktober starb Angela Lansbury 96jährig im Schlaf. Ein langes und zumindest von außen gesehen, äußerst erfülltes Leben hinter ihr. Und ihre letzte Rolle war nun offenbar in Rian Johnsons Whodunit ‚Glass Onion: A Knives Out Mystery‘. Wie passend für die Darstellerin, die ihren langlebigsten Ruhm wohl mit ‚Mord ist ihr Hobby‘, jener Whodunit Serie, angesiedelt in einer neuenglischen Kleinstadt erworben hat. Nun aber zu den weit weniger poetischen Neuigkeiten.

Die Kanone wird wieder nackt

Kein Franchise der 80er und 90er ist davor sicher und nun ist ‚Die Nackte Kanone‘ dran, ein Reboot, oder Rebootquel, oder ähnliches zu bekommen. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Da hat man doch direkt ein paar Fragen. Ein ‚Nackte Kanone‘ ohne Leslie Nielsen, ist das wünschenswert? Nein. Aber nun ist es halt da. Warum ausgerechnet Neeson in der Hauptrolle, ein Darsteller, der bislang nun nicht eben durch sein humoristisches Talent überzeugt hat? Das sehe ich weniger kritisch. Neeson ist ein fähiger Darsteller (wenn er denn Bock hat) und ich bin sicher, dass er auch komisch kann, wenn es von ihm gefragt ist. Wobei anzumerken ist, dass sich Nielsens Humor ohnehin vor allem aus der Tatsache speiste, dass sein Charakter mit stoischer Ernsthaftigkeit wildestes Chaos anrichtete. Aber ist so eine Polizei-/Detektivfilmparodie heute überhaupt noch irgendwie zeitgemäß? Nein. Aber vielleicht wird es ja eine Parodie auf diese Ein Mann Rache-Armee-„Ich habe ein paar ganz besondere Fähigkeiten“-Filme. In diesem Fall wäre Neesons Casting natürlich ein Genie-Streich, ist sein Name doch quasi synonym mit diesem Genre. Aber wie ich Hollywood kenne, könnte es auch ein völlig idiotisches Nichts von einem Film werden und Neeson wurde nur gecastet, weil sein Nachname dem von Nielsen halbwegs ähnlich ist. Die Zukunft wird es zeigen müssen.

Gangs zurück in New York

‚Gangs Of New York‘ hat nicht unbedingt den Ruf als einer von Martin Scorseses besten Filmen. Und obwohl ich ihn eigentlich sehr gerne mag, war auch Scorsese selbst nie so ganz glücklich mit dem Film. Denn die Version, die ihm vorschwebte sollte eigentlich ungefähr vier Stunden lang werden. Der damalige Miramax Chef und fleischgewordene Flatulenz Harvey Weinstein verhinderte das jedoch. Nun soll es eine von Scorsese produzierte Serienumsetzung von Herbert Asburys historischem Sachbuch ‚Gangs Of New York‘ geben, von der Scorsese auch die ersten zwei Folgen auch inszenieren wird. Mit dem Film wird die nichts zu tun haben, außer dass einige historische Charaktere, wie Bill „The Butcher“ Poole, sicherlich wieder auftauchen werden. Wenn auch eher nicht von Daniel Day-Lewis gespielt. Ich habe damals durch den Film inspiriert Asburys Buch gelesen und kann sagen, dass da fraglos genug Material für eine mehr als gelungene Serie drinsteckt. Vor etwa zehn Jahren hatte Scorsese schon einmal den Plan einer Fernsehserie, doch damals wurde nichts draus. Doch diesmal scheint es auf einem guten Wege.

Disney „warnt“ Frankreich

‚Black Panther: Wakanda Forever‘ könnte für längere Zeit der letzte Disney-Blockbuster sein, der in Frankreich in die Kinos kommt. Als Grund dafür gibt der Konzern die kundenfeindliche („anti consumer“) Politik Frankreichs, in Bezug auf das Fenster der Kino-Exklusivität an. Dabei ist es vor allem Streaming, das hierbei hervorsticht. Nach meinen Recherchen (ohne Gewähr auf irgendeine Korrektheit!) kann ein Film in Frankreich 4 Monate nach Kinostart auf DVD/BluRay erworben werden. Nach 8 Monaten auf bezahlt abonnierten Fernsehsendern. Nach 17 Monaten eingeschränkt im Stream (für ein paar Monate, wie es scheint). Nach 22 Monaten im Free TV. Und erst nach sagenhaften 36 Monaten unlimitiert auf Streaming Plattformen. Und hier liegt, wenig überraschend, Disneys Problem. Disney+ soll gegenüber dem geschwächten Netflix nachwievor gepusht werden und dazu gehört eben auch, dass aktuelle Filme relativ zügig hier erscheinen. Frankreichs Gesetzgebung dient dazu die Kinos und die heimische Filmindustrie zu stärken. Sicherlich ist es ein wenig fragwürdig, wenn sich Disney nun den Kampf für den Verbraucher auf die Fahnen schreibt, es sind offensichtlich die Eigeninteressen die hier Triebfedern sind. Es ist allerdings ähnlich fragwürdig, ob eine derartige Politik, die Streaming eine auffallend negative Sonderbehandlung zukommen lässt, noch zeitgemäß ist. Wenn Disney die Filme direkt auf Disney+ erscheinen ließe, würde man die Restriktionen jedenfalls umgehen. Und genau damit drohen warnen sie ja nun. Die französischen Kinobetreiber dürften aufgrund dessen nun in einer recht verwirrenden Position sein. Was sollen sie tun? Druck auf die Regierung ausüben, die Restriktionen gegen die konkurrierenden Streaming Anbieter aufzugeben und sich so selbst ein Stück Exklusivität nehmen? Oder doch lieber auf die, sicherlich nicht unerheblichen, Einnahmen aus Disney Blockbustern verzichten? Im Haus der Maus jedenfalls scheint man sicher, dass sie Variante 1 wählen. Aber ob die französische Regierung auf derart großer Bühne vor einem Konzern einknicken will? Le temps nous dira…

Was ich Euch direkt jetzt sagen kann ist, dass es nächste Woche wieder einen Newslichter geben wird.

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