Newslichter Ausgabe 217: neuer alter Bob, nerviger Hubschrauber und teurer Avatar

Willkommen bei Ausgabe 217 des Newslichters. Und wieder etwas kurz, aber dafür hoffentlich interessant. Legen wir direkt los!

Bob-Wechsel bei Disney

Na, das ist mal was. Ex-Disney-CEO Bob Iger kommt aus dem Ruhestand zurück, um für weitere zwei Jahre den Posten als CEO zu übernehmen. Und der derzeitige CEO Bob Chapek tritt zurück. All das an einem Sonntagabend. Da muss ja einiges passiert sein. Was definitiv passiert ist, ist dass sich Chapek so ziemlich nirgendwo Freunde gemacht hat. Sein zögerlicher Umgang mit der Tatsache, dass Disney an anti-LGBT+ Politiker in Florida spendet, während man sich gleichzeitig einen progressiven Anstrich verpasst, war sein erster Stolperer, der ihn bei Angestellten und Fans unbeliebt machte. Viele weitere folgten. Pixar waren düpiert über den Umgang mit ihren Filmen. Marvel, die sich extrem Kreativen-freundlich geben, wurden von Scarlett Johansson verklagt. Die unter der Pandemie stöhnenden Disney Parks wurden einerseits kaputtgespart, andererseits stetig teurer gemacht, bei maximaler Härte gegen die Angestellten. Ja, selbst die Businessseite des Unternehmens war nicht sicher. In Hollywood wird kein Executive je gefeuert. Jeder bekommt die Möglichkeit zum Rücktritt. „Weil man auf die Aufgabe nicht passt“, oder „aus kreativen Differenzen“, oder warum auch immer. Siehe hier gerade Chapek, der auch „zurückgetreten“ ist. Aber Chapek feuerte ganz offen Peter Rice, der intern als sein möglicher Nachfolger gehandelt wurde.
Nichts von alledem dürfte der Grund für seinen Rücktritt sein. Das dürfte der sehr geringe Gewinn sein, den Disney zu verzeichnen hat. Und für den kann Chapek nicht einmal direkt was. Er wollte sich aufs Streaming Geschäft fokussieren und hat Disney+ zu einigem Erfolg geführt. Bloß war das halt sehr, sehr teuer. Sehr gut möglich, dass deshalb jemand nach seinem Rücktritt gerufen hat. Aber das ist normalerweise alles andere als einfach. Als 2005 Michael Eisner geschasst wurde, gingen dem Monate, wenn nicht Jahre Agitation in allerlei Business-Publikationen voraus und es bedurfte Walt Disneys Neffen Roy als Gallionsfigur des Widerstands gegen den CEO. Und Eisners Fehler (allen voran Euro-Disney) waren viel sichtbarer als die Chapeks. Die Tatsache, wie schnell und glatt das Ganze hier über die Bühne ging (ich betone, an einem Sonntagabend!), zeigt, dass Chapek wirklich keinerlei Freunde in bedeutenden Positionen des Konzerns mehr hatte.
Oder aber die Tatsache, dass er in einem Interview erwähnt hat, dass (Disney-)Animation nur für Kinder sei, ist in dem Konzern tatsächlich eine Todsünde. Und das meine ich nur halbwegs als Scherz. Disney ist sich bewusst, dass viele seiner Fans eine deutlich größere parasoziale Bindung empfinden, als das bei anderen Studios der Falls ein dürfte. Und da kann eine solche Aussage halt echten Schaden anrichten.
Bei allem Mangel an Sympathie für Chapek, muss man aber auch erwähnen, dass die Übergabe der Position durch Iger alles andere als perfekt war. Einige andere Anwärter hatte Iger verschreckt, weil er immer länger auf dem Posten blieb. Doch als die Pandemie andeutete, dass die Entwicklung erst einmal abwärts gehen würde, war er sehr schnell weg. Und Chapek übernahm zum schlechtest möglichen Zeitpunkt. Nun hat Iger noch einmal zwei Jahre als CEO. Zeit genug also, um ernsthaft den fähigsten Nachfolger zu suchen. Hoffen wir, dass der neue alte Bob besser für Disney ist, als der alte neue Bob.

Der Filmstar, sein Helikopter und die Hebamme

In einem Interview hat sich ‚Call The Midwife‘ Star Jenny Agutter mehr oder weniger scherzhaft beklagt, dass Tom Cruise in letzter Zeit regelmäßig ganze Szenen der Serie versaut. Der neueste ‚Mission: Impossible‘ Film wird nämlich gleich nebenan gedreht und Cruise puttert regelmäßig mit seinem Helikopter herbei und landet in der Nähe. Man darf erwarten, dass so ein Hubschrauber noch gar nichts ist, gibt es doch Bilder von Cruise, wie er an einem kopfüber fliegenden Doppeldeckerflugzeug hängt. Und Regisseur Christopher McQuarrie hat für das Finale bereits den größten Stunt aller Zeiten angekündigt. Oder vielleicht angedroht, aus Sicht der ‚Call The Midwife‘ Macher. Keine einfachen Zeiten für ein stilles Drama, wenn nebenan mal wieder die Welt gerettet werden soll. Wenn ich einen Tipp geben sollte, der über Ohrenstöpsel hinausgeht, dann kann ich nur zum Einsatz von Schafen raten. Die haben sich gegen die ‚Mission: Impossible‘ Crew als sehr effektiv erwiesen. Zugegeben, wenn Cruise erst einmal in seinem Hubschrauber sitzt, können auch die wackeren Wiederkäuer wenig tun. Aber mit etwas Glück kommt er halt nicht zurück.

‚The Way of the Water‘ muss verdammt viel Geld einspielen

In einem Interview mit dem Magazin GQ hat Regisseur James Cameron angedeutet, wie viel Geld sein ‚Avatar‘ Sequel ‚Way of the Water‘ einspielen müsste, um profitabel zu werden. Er sagt ganz offen, der Film sei verdammt teuer gewesen und vermutlich eine furchtbare Geschäftsidee. Man müsse auf das Niveau des dritt- oder viertprofitablen Films aller Zeiten kommen, um einen Gewinn einzufahren. Das heißt also, es gilt das Einspielergebnis von ‚Das Erwachen der Macht‘ zu schlagen. 2,69 Milliarden Dollar. 2,7 Milliarden sind Ziel für den zweiten Avatar Film. Würde irgendwer außer James Cameron das sagen, klänge es vermutlich wie absoluter Wahnsinn. Okay, es klingt dennoch wie absoluter Wahnsinn. Der zweite Avatar wurde also mit mindestens einer Milliarde Dollar finanziert. Uff. Cameron selbst klingt nicht wirklich überzeugt. Er sagt, das Kino sei heute in einer anderen Position, als zu dem Zeitpunkt, als er den Film geschrieben hat. Die Pandemie und das Streaming haben die Situation verändert. Kann Avatar die Leute zurück ins Kino locken? Und falls nicht, was dann? Cameron scheint vorbereitet, die Geschichte mit einem dritten Teil abzuschließen und auf die weiteren zu verzichten. Die nahe Zukunft wird zeigen, ob das nötig ist. Avatar finde ich vollkommen unvorhersehbar. Man hört selten von großen Fans und dennoch ist der erste Film der erfolgreichste aller Zeiten. Ich habe keine Ahnung, in welche Richtung das geht.

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4 Gedanken zu “Newslichter Ausgabe 217: neuer alter Bob, nerviger Hubschrauber und teurer Avatar

    • Ich könnte mir schon vorstellen, dass das genug Neugier weckt (warum so spät?, ist der echt so teuer?, kann er technisch noch beeindrucken?) um am ersten WE und der ersten Woche Leute zu locken. Und wenn da das Feedback positiv ist (Cameron verspricht ja, diesmal sollen eher Charkatere im Zentrum stehen) dann würde ich meinen, ist alles offen (vor allem auch, weil er in China erscheinen wird, wo man den ersten wohl geliebt hat).

      Gefällt 1 Person

      • Ich freue mich auch sehr auf den Film und kann mir vorstellen, dass er ein Event wird. Beim ersten Teil sind ja viele Leute mehrfach ins Kino gerannt. Mal sehen, was die neue Technik (3D plus HFR nur in speziellen Szenen) kann.

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